SSW 17+4 Brief an die Bundesregierung

Sehr geehrte Damen und Herren,
Sie beklagen sich immer wieder über die demographische Entwicklung Deutschlands. Zu viele alte Menschen, zu wenig Kinder. Sogar der Präsident des statistischen Bundesamtes sagt: „Deutschland ist das kinderärmste Land Europas“ (Quelle: https://www.sueddeutsche.de/leben/statistik-kinder-in-deutschland-absage-an-die-familie-1.1127859)

Jetzt fragen wir uns also einmal wieso dies so ist:
Leiden wir regelmäßig an Kriegen? Hungersnöten? Ist Deutschland ein Entwicklungsland in dem jeder schauen muss wo er bleibt?
Gottseidank nicht.
Wir können unseren Kindern mehr bieten als eine Tasse Reis am Tag, haben glücklicherweise schon länger keinen Krieg mehr erlebt und das wir wie „Die Weber“ eine Hungersnot besingen müssten, sehe ich jetzt auch nicht in unmittelbarer Nähe.

Was also ist es dann?
Wir haben Kindergartenplätze, haben Tagesmütter, haben Hort und KiTa. Eigentlich sollte doch alles in Butter sein. Wieso also bekommen die Deutschen nicht Kinder wie die Kanickel? Wieso herscht bei uns keine Überbevölkerung im Kinder- und Jugendalter?

Nachdem ich selber für uns ausgerechnet habe, was in etwa an Elterngeld und Kindergeld auf mich zukommt habe ich eine kleine, aber feine Theorie entwickelt:

1. Beruf und Kind sind in den meisten Branchen, zumindest in den ersten 10 Jahren des Kindes noch immer nicht miteinander vereinbar.
2. Es wird augenscheinlich auch nichts dagegen unternommen. Durchs Babybloggen habe ich viele Mamas kennengelernt die sagen: Aber natürlich würde ich gerne wieder mehr oder überhaupt arbeiten, aber WIE? (Und diese fallen noch nichtmal durchs Raster).

3. Die Kinderbetreuungszeiten sind vielleicht Tagesmutter- und Kindergartenfreundlich, aber bestimmt nicht Elternfreundlich.
4. Das Elterngeld was man in den ersten 12 Monaten bekommt, wenn man Glück hat bekommt man vielleicht auch 14 Monate Geld, ist ehrlich gesagt ein Hohn. Ja, es gibt Länder in denen es sowas nicht gibt, ja Annodazumal gabs das sowieso nicht ABER wenn ich soetwas anbiete, dann doch bitte auch durchdacht.

Wenn jemand so einen tollen Job hat, mit klassischen Arbeitszeiten so etwa 8-16Uhr oder meinetwegen Halbtags 8-12uhr, der kann auch nach 12/13/14 Monaten locker flockig wieder arbeiten gehen. Sojemand würde vielleicht auch das Elterngeld angemessen finden. Aber hat man diese klassischen Arbeitszeiten nicht (zum Beispiel weil man im Schichtdienst arbeitet, Notarzt oder Rettungswagenfahrer ist, oder im Einzelhandel arbeitet) dann kann man sich diese Arbeitszeiten gleich mal an den Hut stecken. Da ist nichts mit nine-to-five oder so. Da sind realistische Zeiten: Nachmittags bis Abends. Oder Morgens bis Abends oder heute mal nicht aber dafür vielleicht über Nacht. Oder wie in meinem Job: Frühestens 13uhr Arbeitsbeginn und frühestens wieder Schluss um 21uhr.
Ich persönlich finde meine Arbeitszeiten gut, ich bin sowieso ein Nachtmensch und werde erst am frühen Nachmittag richtig wach, aber für Kinderbetreuungszeiten ist das ganze mal sowasvon bescheuert.

Ich fragte letztens auf Twitter, wie das denn andere Eltern machen die z.B im Schichtdienst im Krankenhaus arbeiten oder so. Mir wurde als Antwort gegeben: Die legen ihre Schichten so das der eine Vormittags und der andere Nachmittags arbeitet. Hmmja…funktioniert in unserem Fall mal so gar nicht. (Lücke im System???)

Was mich wieder zur Ursprungsfrage zurückbringt, wieso in Deutschland über Kinderlosigkeit geklagt wird:

Liebe Bundesregierung, nur son Tipp.
1. Dafür sorgen das die Gehälter in allen Branchen zum Leben reichen.
2. Oder das Elterngeld individueller berechenen, und zwar nicht nach dem Motto: Wer vor dem Kind schon viel Geld hatte, bekommt jetzt auch viel Geld, sondern genau andersrum. Wer jetzt nur den Mindestsatz bekommen würde, bekommt mal kräftig ne Schippe drauf, und diejenigen die 1000€ + an Elterngeld bekommen, bekommen mal weniger. Wer vorher schon massig Geld hatte, der kann auch sparen. Wer vorher schon minimalistisch lebte, woher soll der das Geld zum sparen nehmen?
3. Dafür sorgen das Kinderbetreuung nicht nur (und ja auch das nur schwerlich) für klassische Bürojobs machbar ist, sondern für alle.
Was nützt mir das Anrecht auf einen Betreuungsplatz, wenn die Zeiten so liegen das ich den eh nicht nutzen kann?

Wenn dies erreicht ist, können wir auch alle Kinder werfen wie die Karnickel und vielleicht hätte dann auch unser Rentensystem mal wieder eine Chance. So wies jetzt steht. Gut’s Nächtle, wieso bin ich eigentlich nicht ausgewandert. Habe gehört Norwegen soll ein schönes Land zum Kinderkriegen sein.

Mit freundlichen Grüßen,
eine frustrierte werdende Mami.

PS. Nachdem ich nun verschiedene Meinungen von „finaziell theoretisch bessergestellten“ Mamis gehört habe, revidiere meine Meinung ein wenig. Ich sage nicht mehr, das ihnen unbedingt das Geld gekürzt werden sollte, sondern sage das sie bis zum dritten Lebensjahr ihres Kindes (denn alles andere finde ich eigentlich viel zu früh) das Gehalt bekommen sollten das sie vorher bekommen haben. Haben sie vorher weniger als 700€ netto bekommen, wird das Geld automatisch dahin aufgestockt. (Kindergartenzuschüsse gibs trotzdem).

Ja, das ganze klingt ein wenig nach Utopia und mein inneres Stimmchen sagt ach „Wer soll das denn bezahlen?“ Aber andererseits ist das Problem der Demographie so schwerwiegend das ich finde das man da als Staat auch mal tief in die Taschen greifen sollte, Von nichts kommt nichts. Weniger Pensionen für gescheiterte Politiker, keine Steuerverschwendungen mehr (z.B Sanierungen von Bundeswehrstandpunkten die sowieso geschlossen werden), wenn man mal Regional bleibt: Weniger Elbphilamonie, mehr Geld für Familien!

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By | 2017-06-25T17:03:29+00:00 11. Januar 2012|Categories: Ich schreibe|Tags: |0 Comments

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Katarina (32) ist die Mama von Motti (*2012) und Wawi (*2013) sowie Nini (*2013) und wohnt in der Nähe von Hamburg mit vielen Kühen als Nachbarn. Virtuell zu finden auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und Instagram.

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