Mama, Papa wie war das damals eigentlich ohne amazon kindle?

Ich habe eben einen Blogeintrag gelesen in dem sich die Autorin fragt, ob sich die Menschen vor 20 Jahren wohl hätten ausmalen können wie sehr sie heute ihr amazon kindle liebt und ob man es sich wohl vorgestellt hätte. Ich nehme also mal an das die Autorin keine eigenen (aktiven!) Erinnerungen von vor zwanzig Jahren hat.

Greifen wir ihr hier also einmal unter die Arme und erinnern uns. Vor zwanzig Jahren war ich grade einmal 6 Jahre alt. Kann also auch nur bedingt aus einer aktiven Erinnerung schöpfen. Was ich allerdings definitiv weiss ist, das ich mit sechs Jahren NICHT an mögliches Internet, an Bücher die nicht aus Papier sind (amazon kindle) oder an Telefone die nicht bei uns zu Hause oder in kleinen gelben Dosen an der Straße sind gedacht habe. (Erinnert ihr euch, als die Telefone noch der Deutschen Post gehörten? Als es noch an jeder Ecke eine Filiale gab, also einen echten „Laden“ der nichts anderes beinhaltete als Briefe, Pakete und Briefträger und Briefträgerinnen? Willkommen, dann seit ihr bei mir im Dorf, von vor 20 Jahren.)

Glücklicherweise muss ich aber nicht nur aus meinem Erinnerungsschatz erzählen, sondern kann euch auch die Erinnerungen von Mr. Strandfynd anbieten. Vor zwanzig Jahren war Mr. S. nunja, zwanzig Jahre jünger als heute, aber immerhin nicht mehr unter zehn und hat einen eigenen AKTIVEN Erinnerungsschatz an die Zeit von vor 20 Jahren. Als ich ihn fragte, murmelte er etwas von „Da hatten wir unseren ersten Computer, aber noch nichts mit Internet oder so. Dafür mit einem halben MB Arbeitsspeicher und 20 MB Festplattenspeicher. Interaktivität mit anderen Computern kam erst kurz darauf, Mitte der 90er: Man packte seinen (Anmk. Den EIGENEN oder den FAMILIEN PC??) PC ins Auto eines schon deutlich älteren Kumpels, natürlich mit allen Kabeln, dem Monitor und dem Stromkabel (sehr wichtig!) und veranstaltete eine Party. Diese bestand daraus das der ganze Krempel beim Kumpel wieder aus dem Auto geladen wurde, in den sounsovielten Stock geschleppt, und dort wieder aufgebaut wurde.  Und dann konnte man, die Rechner verbunden über physikalische KABEL, nebeneinander sitzen und Formel 1 oder sowas daddeln. Das ganze nannte sich dann LAN-Party.“

„Oh, oh! Ich kenne LAN Party. Nicht als Teilnehmerin versteht sich.“

Vor 20 Jahren war ich sechs (wie gesagt) , und unseren ersten PC hatten wir erst… da war ich öhöhööömm vierzehn oder fünfzehn? (Damit schreiben wir dann „schon“ das Jahr 1999 bzw. 2000) Da waren LAN Partys -glaube ich- schon fast wieder out of date. Abgesehen davon ICH BIN EIN MÄDCHEN. ICH HABE MIT MÄDCHEN gespielt und (meistens!) MÄDCHENDINGE gemacht. Ihr wisst schon, das übliche, Holzhütten bauen, durch den Bach robben und „Indianer“ spielen oder „Sailor Moon“ (spielt mal was was ihr nur ÄUSSERST SELTEN im Tv sehen konntet.). Ich glaube ich habe eher eine Mischung aus „Sailor Moon“ und „Glücksbärchies“ gespielt. Fragt nicht.

Aber die Jungs (ja, diese ANDEREN WESEN die es lästigerweise auf diesem Planeten auch noch zu geben schien) die haben manchmal Codewörter wie LAN PARTY heute bei mir. ZOCKEN. und BALLERSPIEL. DADDELN, verwendet und sich (bestimmt verschwörerisch! zugeraunt.) . Gerüchteweise liefen diese Partys etwa so ab:

Man traf sich bei irgendwem im Keller,machte die Jalousien runter, und dunkelte damit den Lebensraum aktiv ab. Die Computer wurden damit in fast völliger Dunkelheit zusammengeschraubt und nebeneinander, nur beleuchtet von den Monitoren, aufgebaut. Verkabelt. Dann (spätestens!!!!) legte man sich einen gemeingefährlichen Vorrat an Coca-Cola Limo zu (war das eigenlich von eueren Eltern abgenickt?), kaufte Bergeweise ungesunden Kram (besser bekannt als „Pizza“) ein, oder legte sich die verschiedenen Prospekte der ansässigen Lieferservice an strategisch günstige Punkte.

Danach setzte sich jeder auf seinen Platz, das Headset auf den Kopf und den Joystick in die Hand, und los ging ein STUNDENLANGES ach was TAGELANGES gedaddel in vollkommender Dunkelheit, nur unterbrochen (nach einer heißen Diskussion!!!!) vom Klingeln des Lieferservices. Am Ende des Wochenendes krochen dann totmüde, müffelnde Wesen aus ihrer stinkenden geruchsresorbierenden Höhle mit klitzekleinen Augen ans Tageslicht. Offensichtlich verkrüppelt (man beachte die Haltung!), aber sehr zufrieden.

„Genau so wars auch, Schatz.“

 

 

By | 2015-10-13T17:51:41+00:00 4. März 2012|Categories: Ich schreibe|3 Comments

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Katarina (30) ist die Mama von Motti (*2012) und Wawi (*2013) sowie Nini (*2013) und wohnt in der Nähe von Hamburg mit vielen Kühen als Nachbarn. Virtuell zu finden auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und Instagram.

3 Comments

  1. Sarah 5. März 2012 at 12:15 - Reply

    Ich hing öfter mal mit meinen männlichen Freunden vorm PC ab.. 😀

    • Kat 5. März 2012 at 13:02 - Reply

      @Sarah, War es ähnlich? Oder hast du wohlmöglich eine ganz andere Erinnerung an diese Zeit?

  2. Sigrid 21. Februar 2015 at 22:36 - Reply

    Ohje vor 20 Jahren war ich fast 15, LAN-Partys sind mir aber erst etwas später ein Begriff gewesen und hier gibt es die immer noch. Handy hatte damals gerade mal meine 7 Jahre ältere Schwester, ein großer Knüppel von Siemens mit Antenne und mini Display. Ich durfte erst eins haben wenn ichs mir leisten kann… daher kam das bei mir erst 5 Jahre später nachm ABI. Einen Computer hatten wir auch erst 1998 mit externem Modem. Aber ich hatte meinen ersten festen Freund auch vor 20 Jahren uns er hatte einen PC, und kurz darauf hat sein Bruder Internet durchgesetzt mit ISDN wenn ich mich noch recht erinner, das war aber auch erst 1997, und das war sehr kompliziert fand ich. Damals gab es noch DOS und ich hab Spiele wie ‚SIM Tower ‚gespielt und ‚Colonisation’…. Aber das war ja auch später. Mit 15 jedenfalls waren die Leute noch gechillter, wenn man jemanden anrufen wollte ging das per Festnetz und dann war man eben um die und die Uhrzeit am Treffpunkt oder der andere musste ewig warten oder war eben weg, wenn man zu spät dran war. Ach so ja und Kommunikation hieß soviel wie miteinander face to face oder per Festnetz miteinander sprechen. Jugendliche definierten sich nicht über die ‚likes‘ auf fb o.ä. und man hatte noch reale Freunde mit denen man Schule schwänzte und in die Kneipe ums eck ging. Zu der Zeit wurde man auch noch von den Eltern darauf hingewiesen, dass man nicht so frech zu den Lehrern sein soll und nicht die Lehrer weil sie das Kind missverstehen. Ich hatte auch noch einen tragbaren no name Kassettenspieler von einer bestimmten Marke ‚Walkman‘ genannt. Ipods etc gabs zu der Ueit noch gar nicht und apple war eher unter dem namen MAC bekannt. Damals war das SNES noch eine Neuheit und die PS1 absolute Spitzenklasse. 3D gabs damals noch nicht mal im Kino und DVDs kamen gerade in Mode, in der Videothek gabs wirklich noch Videokassetten die man am Ende zurückspulen musste und jeder wusste was ein Dia-Projektor ist. Fotos wurden rein auf Papier ins Fotoalbum oder den Bilderrahmen gepackt denn digital war noch gar nichts.
    Bauchnabelpiercings waren zu der Zeit auch total in, also fand ich sie langweilig. Wenn man nicht mit dem Bus wohin kam hat man sich per Daumen fortbewegt und meistens nahm einen irgendein Bekannter der Eltern mit und hielt einem vor wie gefährlich das doch ist. KIDS war der Kinoschocker schlechthin und es wurde auf Partys sogar ab und an noch Stehblues zu Kuschelrock Folge XX getanzt. Punk sein war auch voll 1995. Swatch Uhren hatte damals jeder un Alcopops gab es noch gar nicht. Ach es gab so vieles schönes in der Zeit und es war alles noch soooo einfach. Ans Kinder bekommen hab ich da noch nicht gedacht, höchstens dass ich irgendwann in entfernter Zukunft wohl auch mal welche haben würde.
    1995 konnte man auch mit Hauptschulabschluss eine Ausbildung machen oder sich eben bis zum ABI durchkämpfen. Was war damals denn noch so anders…. gerade fällt mir nichts mehr ein. Es war jedenfalls alles anders oder fast.

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