Der Mann hat grade fleißig eine Kommode vom blau-gelben Möbelhaus aufgebaut und weil langsam die Zeit etwas knapp wird, biete ich ihm an das ich ihn zur Arbeit fahre.

Gesagt getan. Wir schlüpfen noch schnell in unsere Sachen (also so schnell das schwanger halt geht) und steigen in den Fahrstuhl (jaja Faultiere, ich weiss!), wir drücken auf „Erdgeschoss“ und fahren runter. Ins Erdgeschoss, wie beabsichtigt.
Nur leider öffnet sich unten gar nicht mehr „wie beabsichtigt“ die Fahrstuhltür nicht mehr. Weder die „Tür-öffnen-Taste“ noch die Tasten welche uns in andere Stockwerke bringen könnten reagieren.
Uns leuchten einfach alle Tasten rot unterlegt wie zu besten Weihnachtszeiten entgegen, aber öffnen möchte sich der stählernde Sarg Fahrstuhl nicht.
Ich kichere. Ob aus Angst oder aus Reflex, ich weiß es nicht. Ich finde es einfach nur furchtbar Klischeehaft. Im 9. Monat schwanger im Fahrstuhl stecken zu bleiben.

schwanger

Der Mann drückt derweil die Notruftaste, schliesslich wollen wir ja eigentlich notfallartig (pünktlich!) zu seiner Arbeit, und die Türen geben weiterhin keinen Mucks von sich.

*SCHRILL* *KLINGEL* „Brrrzzzzzzz Krrrk… Sie werden mit unserer Notfallhotline verbunden….brrzkrrrk.„, sagt eine blecherne Bandansagenstimme.
Ich kichere weiter. Das ist doch jetzt ein Scherz, oder? Ich meine man stelle sich einen WIRKLICHEN NOTFALL vor und dann kommt man an eine Hotline?????

Es passiert weitere Minuten nichts, und der Mann beschliesst (immerhin haben wir Netz) seine Kollegin auf der Arbeit anzurufen, wer weiß wie lange wir hier noch sitzen müssen.

Ein knacken in der Leitung, dann ist die „Verbindung“ zur „Notfallhotline“ abgebrochen. Ehh? Ja ist klar. Ich lese die Infotafel „Zugelassen für bis zu 1000kg oder 13 Personen“, ich bekomme innerlich Schnappatmung bei der Vorstellung nicht nur mit dem Herzensmann sondern noch mit elf weiteren Personen auf geschätzten eineinhalb Quadratmetern gefangen zu sein. „So müssen sich Masthähnchen fühlen“, denke ich. Nur ohne Notfallknopf.

Wir drücken ein weiteres Mal den Notfallknopf.
*KLINGEL* *SCHRILL* „Brrrzzzzzzz Krrrk… Sie werden mit unserer Notfallhotline verbunden….brrzkrrrk.“ Ich schüttele langsam fassungslos den Kopf, und auch der Mann wirkt etwas angespannt. Immerhin konnte er seine Kollegin erreichen.

Brrrzzzzzzz Krrrk… Sie werden mit unserer Notfallhotline verbunden….brrzkrrrk. Dummdüdeldummdüdellüüüttrallalalalalaaaa.
Wir schauen uns fassungslos an. DIE NOTFALLHOTLINE HAT FAHRSTUHLWARTEMUSIK????????????? Dummdüdeldummdüdellüüüttrallalalalalaaaa…..

„Ja, bitte?“, fragt eine weibliche Stimme.
„Ja, hallo. Wir sind hier in der Dörfchenstraße Nummer Sowieso und stecken offensichtlich im Fahrstuhl fest.“, antwortet der Mann.
-„Bitte haben Sie etwas Geduld, es kann Ihnen nichts passieren.“
„Wir haben ja Geduld, aber meine Freundin ist im 9. Monat schwanger, und wir hätten schon gerne das jemand zeitnah vorbeikommt…“.
-„Gar kein Problem, ich kümmere mich, und melde mich dann wieder bei Ihnen. brzzzzkracks“.

Ich habe mich in der Zeit auf den Fußboden gesetzt.
„Wäre das nicht der Moment, wo die Leute im Film den Fahrstuhlschacht hochklettern und sich selbst retten?“
„Ich bin nicht Bruce Willis“, antwortet der Mann.

Ich überlege was ich antworten soll, und denke dabei an meine sporadisch trainierten Oberarmmuskeln, wahrlich nichts was sich zum klettern an dicken Fahrstuhlseilen eignen würde…. Spontan willige ich ein diesen genialen Plan doch wieder zu verwerfen. Unterdessen hören wir von draußen unsere Nachbarn (also irgendwelche Nachbarn, keine die ich an der Stimme erkennen würde) welche auf das Fahrstuhlknöpfchen drücken und offensichtlich auch wollen das der Fahrstuhl seine Pforten nach Moria öffnet. Aber weder Freund noch Feind werden eingelassen bzw. ausgespuckt.

„So nah und doch so fern“, denke ich.

Nach weiteren unendlichen Minuten knarzt es in der „Notfallhotline“, diesmal spricht ein Mann mit uns und fragt in welchem Stockwerk wir wohl sein und ob der Fahrstuhl sich bewegen würde? Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit der Beleuchtung (das Licht ging aus und wir hatten nur noch eine romantische Rotlichbeleuchtung), setzte sich tatsächlich der bockige Fahrstuhl wieder in Bewegung und wir wurden im ersten Stock von einem Technicker befreit. Wohlerzogen dankten wir dem freundlichen Mann, und gingen nun endlich zum Auto.

Nicht ohne abrupt stehen zu bleiben. Was war denn mit unserer beschaulichen Dörflistraße passiert? Der komplette Löschzug der Feuerwehr war doch nicht etwa wegen uns…OH DOCH….
Nachdem wir glaubhaft versichern konnten das wir die eingesperrten Personen waren, die jetzt aber glücklich durchatmend auf der Straße vor dem Einsatzleiter standen, durften wir gehen.
Oh. Man. Soviel zu: Hier passiert nix.