Über das Stillen und abstillen

Erstmal vorweg: Es ist meine Meinung über das Stillen (oder eher abstillen), niemand muss sie teilen oder gutheißen.

In der Schwangerschaft nahm ich mir vor: „Wenn alles klappt dann möchte ich Motti volle sechs Monate stillen und erst danach langsam abstillen.“ Wieso genau sechs? Nunja weil alle Ratgeber sagten das würde man so machen.

Nach der Geburt war der Milcheinschuss vorbildlich und ich hatte Milch für drei Kinder. Auf die Idee jetzt Milch abzupumpen „für schlechte Zeiten“ kam ich nicht.
Es sagte mir allerdings auch niemand das es noch schlechte Zeiten geben könne, Bücher und Hebamme sagten „Die Nachfrage bestimmt das Angebot.“ Mein Kind fragte nach.

blogprinzessin, abstillen

Abstillen? Das würde Fläschchen bedeuten…

Ich fand es praktisch die Babynahrung immer dabei zu haben ohne viel Krams mitschleppen zu müssen. Derweil hörte ich „Horrorstories“ von den nicht mehr stillenden Freundinnen aus dem Geburtsvorbereitungskurs: Das nervige sterilisieren der Fläschchen, das unflexible unterwegs-sein mit dem Baby, das rumgerechne wie lange kann ich wo bleiben bis der Fläschchenvorrat alle ist. Alles in allem wurde das Fläschchen eher als Belastung empfunden.

Abstillen?

Dann kam nach ca. 3,5 Monaten der erste Tag an dem ich das Gefühl hatte, mein Baby wird abends nicht mehr satt.  Andocken, Abdocken, rumspielen, andocken, abdocken… usw. Legte ich sie dann ganz ab wurde geschriehen als würde ich sie am lebendigen Leib häuten. Nach einer Woche kaufte ich Flaschennahrung und fütterte zu.

Und fühlte mich elendig.
Ich könnte mein Kind nicht ernähren.
Ich fühlte mich noch elendiger.

Ich krempelte die Ärmel hoch und schilderte meiner Hebamme die Lage, belas mich im Internet, fragte bei Twitter und schlussendlich auch eine Stillberaterin. Alle kamen mehr oder weniger zu dem Schluss: Kann nicht sein. Lege Motti nur häufig genug an und die Milch wird kommen.

Ich legte an, trank alle milchbildenden Tees unserer nördlichen Hemisphäre, lies nuckeln, legte halbstündlich an, pumpte ohne Erfolg ab, trank Malzbier, massierte und nahm Globuli. Es half alles nichts.

Motti schrie sich die Seele aus dem Leib (bis sie das Fläschchen bekam) und ich litt.

Dann war irgendwann von heute auf morgen  auch der letzte Rest weg. Ich weinte und weinte und haderte und dann arrangierte ich mich damit. Die Natur hat offenbar befohlen: Abstillen! Also fragte ich  Mädels wie genau die Fläschchennummer nun funktionieren würde und was ich alles benötige.

Und ich stellte fest:
Ich empfinde das auskochen der Fläschchen nicht als Belastung. Ich kann Nachts nach dem füttern schneller wieder einschlafen als beim stillen (Stillen im liegen hat bei mir mangels fehlender Brustgröße nie funktioniert, soll aber sehr praktisch sein), habe nicht den Eindruck das ich wegen des Fläschchens irgendwo schneller weg muss als ich möchte und genieße es in meinem Kleiderschrank die Damenoberbekleidung nicht mehr nach Funktionalität aussuchen zu müssen. Und auf wirklich hübsche Wäsche stehe ich auch.

Mein Fazit: Wenn ihr irgendwann nicht mehr stillen könnt oder wollt. Wenn die Natur euch zum Abstillen zwingt, so wie mich. Lasst euch nicht von anderen einreden ihr wärt eine schlechte Mutter deswegen. Seid ihr nämlich nicht!

By | 2017-06-25T17:03:27+00:00 17. Oktober 2012|Categories: Ich schreibe|17 Comments

About the Author:

Katarina (32) ist die Mama von Motti (*2012) und Wawi (*2013) sowie Nini (*2013), dem Dino (*2017) und wohnt in der Nähe von Hamburg mit vielen Kühen als Nachbarn. Virtuell zu finden auf Instagram, Facebook und auf Pinterest.

17 Kommentare

  1. Sommerelfe am 17. Oktober 2012 um 08:38 Uhr- Antworten

    Liebe Kat,

    Ich weiß nicht, ob du das bei Twitter mitbekommen hattest. Aber hier kam es ja garnicht erst zum Milcheinschuss. Und mit der Vormilch bekommt man sein Baby ganz schnell schon nicht mehr satt. Wir haben damals 3 Wochen rumgedoktert mit allem was das Hebammenwissenn her gibt. Viele erzählten dann auch “ kann nicht sein. Jede Frau kann Milch produzieren!“ Da fühlt man sich nochmal mehr wie eine Rabenmutter, weil man ja die Einzige Frau auf der Welt ist, bei der das nicht so ist…

    Lange Rede, kurzer Sinn: ich habe viel geweint, gelitten, mir Vorwürfe gemacht, bis ich mich in Krümels 4. Lebenswoche schweren Herzens zum „Aufgeben“ entschied.

    Seit dem sind wir alle glücklich und managen halt unser Fläschchenleben, was mit ein bisschen Übung auch garnicht schlimm ist 🙂

    Und deswegen sind wir keine schlechten Mütter ((( )))

    • Kat am 17. Oktober 2012 um 13:54 Uhr- Antworten

      @Sommerelfe, Vielen Dank für deinen Kommentar. Nein das hatte ich bei Twitter nicht ganz genau mitbekommen, zumal es auch zwischenzeitlich sponn und ich nicht immer dazu komme alles nachzulesen.
      Ich finde auch keineswegs das du „aufgegeben“ hast, denn wo nix ist kommt dann auch nicht nach drei Wochen plötzlich was. Meine Meinung.

      “ Viele erzähl­ten dann auch ” kann nicht sein. Jede Frau kann Milch pro­du­zie­ren!” Da fühlt man sich noch­mal mehr wie eine Rabenmutter,“
      -Ja da stimme ich dir zu. Gar nicht so sehr weil ich mich als Rabenmutter gefühlt habe, schliesslich habe ich mein Baby ja auch prima MIT Flasche satt bekommen, aber weil andere mir das Gefühl gegeben haben „kann nicht sein und: wie du versuchst es jetzt nicht mehr weiter???? Schlechte Mutter. Schnell Aufgeben, was?“. DAS war im Endeffekt was mich fertig gemacht hat…diese „Augen“ die einen durchbohren weil man „aufgibt“. (Wobei hier auch zu klären wäre wie viel eigentlich wirklich von den anderen erwartet wird und wieviel Druck man sich selber macht. *hust*)

      ((( )))

  2. Nad am 17. Oktober 2012 um 09:45 Uhr- Antworten

    Immerhin hast du gestillt und die Zeit genossen. Aber das Fläschchenleben ist auch nicht so schlimm, wie du ja nun selber feststellen kannst.
    Ansonsten kann ich mich bei dem Thema auch nur der lieben Sommerelfe anschließen… .
    Du hast das schon ganz richtig so gemacht, wie du es gemacht hast und nun geht die Ernährung halt in die nächste Phase.

    • Kat am 17. Oktober 2012 um 13:55 Uhr- Antworten

      @Nad, Danke 🙂
      Motti isst ja auch Mittags schon ihren Brei, daher waren wir ernährungstechnisch ja sowieso schon einen Schritt weiter. 😉

      :*

  3. Frau Bauchwohnung am 17. Oktober 2012 um 11:10 Uhr- Antworten

    Meine liebe Maus,
    es tut mir im Herzen weh, dass du so sehr darunter gelitten hast. Umso mehr freue ich mich, dass dein Sonnenschein die Flasche gut angenommen hat und ihr beide wieder glücklich seid! :kiss: Und nur mal so nebenbei… 3,5 Monate sind 3,5 Monate! Das ist mehr als die Hälfte von 6 und viel, viel besser, als gar nichts! (: Jaha, man muss es auch einfach mal von der positiven Seite betrachten! :nerd:
    Ich drück dich, Herziilein :babylove: :luv:

    • Kat am 17. Oktober 2012 um 13:56 Uhr- Antworten

      @Frau Bauchwohnung, Ich drück dich auch!!!!!

      (Für wann planen wir Hamburg ein? Wollt ihr/ du dann auch eine Nacht bei uns auf dem Land übernachten?)

  4. Pienznaeschen am 17. Oktober 2012 um 13:29 Uhr- Antworten

    Stillen oder nicht stillen? Wenn man stillen möchte und es aus welchen Gründen auch immer nicht geht, dann tut das einfach verdammt weh. (sagt eine die sich gerade mit dem Thema beschäftigen muss…:( ). Umso mehr freut es mich, das Ihr Euren Weg gefunden habt, das ist das was zählt. Motti geht es gut, Dir geht es gut 🙂

    • Kat am 17. Oktober 2012 um 13:57 Uhr- Antworten

      @Pienznaeschen, Oh! Ich glaube ich habe es gar nicht mitbekommen, oder wieder vergessen…. wieso musst du dich grade mit dem Thema beschäftigen? Noch Nachwirkungen von deiner Hautgeschichte?

  5. Judy am 17. Oktober 2012 um 16:17 Uhr- Antworten

    Ich hatte mir vorgenommen, das alles einfach auf mich zukommen zu lassen. Wenn stillen geht, dann stille ich – solange es eben geht – und wenn nicht, dann halt nicht. Punkt. Auch Flaschenkinder oder nur kurz gestillte Kinder werden groß, und keiner muß sich doch deshalb irgendwelche Schuldgefühle einreden.
    Ich hatte vor ein paar Wochen auch mal das Gefühl, dass nichts mehr geht, irgendwie hat sich das dann aber erholt. Ich hab allerdings den Eindruck, dass der BabyChief langsam mehr braucht, weshalb ioch wohl ab Anfang November eh mit dem Zufüttern anfangen werde. Mal sehen.
    Also – ist doch alles nicht tragisch 🙂

  6. Frau Ährenwort am 18. Oktober 2012 um 20:43 Uhr- Antworten

    Meine Freundin hat auch gerade ein Baby. Zwei Monate jünger als Laura und bei der war im 4. Monat auch plötzlich die Milch alle. Die Hebamme hat auch alles versucht, aber nichts brachte den ersehnten Erfolg. Das erste Kind stillte sie 12 Monate, das andere halt „nur“ vier und das Baby gedeiht „trotz“ Flaschennahrung prächtig und alle sind wieder zufrieden. Ist halt so, kann man nicht ändern.

    Ich stillte die Große ja 13 Monate und musste dann ja wegen den Nebenhöhlengeschichte abstillen. Von jetzt auf gleich. Das fiel mir schwer. Wer weiß wie lange ich diesmal stillen kann/werde. Im Moment sind wir bei sieben Monaten, aber mich quält gerade wieder eine Brustentzündung, da das Baby ja Dauernuckelei betrieben hat. Das ist auch kein Vergnügen. Also, ich warte ab wie es sich entwickelt und Du freu Dich, dass der Mann auch mal füttern kann. Meiner kann es eben nicht und das findet er auch ein bisschen schade. Aber nun probiert er sich mit Brei füttern. Förchterlich sage ich Dir 🙂

  7. Anika am 19. Oktober 2012 um 21:53 Uhr- Antworten

    Aus eigener Erfahrung kann ich nicht sprechen aber ich finde Deinen Blogeintrag megastark!
    Lass Dich nicht von dem beeinflussen, was sein sollte, Zahlen sagen gar nichts aus. Jeder Mensch ist anders, Du, Motti, jeder. Das lässt sich nicht in Zahlen pressen und steuern. Fühl Dich mal ferngedrückt.
    *plant mal heroisch das internet abzubestellen, wenn sie mal schwanger ist* :zufrieden: Ok wird nicht möglich sein aber ich glaube man wird manchmal einfach so totgeschmissen mit: „Das muss so und so sein. Wie bei Dir nicht? Da musst Du aber „kaputt“ sein!“ Das macht mich fies wütend…
    Nochmal: Ganz toller Beitrag, Kat!

    • Judy am 22. Oktober 2012 um 13:15 Uhr- Antworten

      @Anika, Ich hatte von meiner Hebamme und meinem Gyn für Schwangerschaft etc „Internetverbot“ bekommen. Und als ich einmal dann doch guckte, wußte ich sofort, wieso.
      Ich halte mich, was Babykram angeht bis heute dran. Auch wenn ich sonst sehr netzaffin bin :hach

  8. Themama am 22. Oktober 2012 um 09:41 Uhr- Antworten

    Ich bin auch der Meinung, wenn’s klappt dann klappt’s und wenn nicht ist auch nicht schlimm.

    Meine Bohne lag die ersten Tage auf der Intensivstation und ich habe fleissig abgepumpt, damit die Milchproduktion angeregt wurde. Die Kleine wurde via Magensonde und danach mit Flasche vollgepumpt (ich war halt nicht immer da wenn sie Hunger hatte) und hat die paar Tropfen, die ich abgepumpt habe noch bekommen.
    Es war auch eine Herausforderung dann ganz auf’s Stillen umzustellen, aber wir haben es geschafft und zur Zeit klappt’s ganz gut 😀
    Aber eben, Kinder werden auch mit der Flasche gross und stark :yeah:

  9. Pienznaeschen am 24. Oktober 2012 um 04:31 Uhr- Antworten

    Es kann sein das ich irgendwann demnächst abstillen muss wenn ich andere Medikamente nehmen müsste. Aber das ist alles noch ein was-wäre-wenn, belastet mich aber trotzdem unheimlich.

  10. Fusselmama am 29. Dezember 2012 um 23:06 Uhr- Antworten

    Und nun ist es hier auch passiert. Wegen 2er Spritzen und 2 mal 12 Stunden Stillpause. Trotz abpumpen…Das Fusselchen trank Unmengen und war trotzdem nicht glücklich. Nach einer Flasche war alles gut. Bis jetzt hat die Brust auch nichtmal Anstalten irgendwas nachzuproduzieren. Ist also bittere Wahrheit. Hier ist es nun auch vorbei.Aber wir haben es 4 Monate geschafft und das ist doch toll. Wie du so schön schreibst: Es geht eben jetzt in eine neue Phase.

    Drück dich ganz lieb.

  11. Sandy am 24. Oktober 2015 um 20:08 Uhr- Antworten

    Hey meine Liebe!
    Ich glaube dieses Thema ist eins der fiesesten Dinge, die uns Muttis vor dem Kinder kriegen nicht gesagt wird. Stillen ist total normal und das macht man locker flockig … aha.. von wegen… Beim Großen hatte ich so dermaßen Probleme , das ich nach 6 Wochen komplett abstillen musste. Mit blutigen Nippeln und psychisch völlig am Boden, saß ich jedesmal weinend da und legte meinen Sohn an. Mein Mann nahm dann immer schon reiß aus, da er mich nicht leiden sehen konnte. Den STill-Druck habe ich mir komplett allein gemacht. Völlig beknackt. Dieses Gefühl, was einen übermant wenn man sich dazu entschließt abzustillen, ist so heftig und doch sooooo übertrieben.. Heiliger BimBam.. ich hab mich wirklich verrückt gemacht udn mich mit Selbstvorwürfen überschüttet. Als ich abstillte (was zum Glück auch ratzdifatzdi ging) ging es mir ganz schnell besser.
    Bei der Lütten damals konnte ich super gut stillen, alles klappte und dennoch fing ich mit 4 1/2 Monaten an sie langsam an die Flasche zu gewöhnen. Für MICH war es besser so. Ich hab mich da schon nicht mehr von der Außenwelt beeinflussen lassen, erst Recht nicht von den Langzeitstill-Muttis (natürlich nicht alle, ist klar)
    Jeder findet seinen Weg und wie immer gilt bei diesen Dingen das ungeschriebene Gesetz: Hör auf DEIN Bauchgefühl! Kein Kind dieser Welt wird sich jemals bei der eigenen Mutter darüber beschweren zu lang oder zu kurz gestillt worden zu sein. ;o)

    *ups* Ist länger geworden als gedacht *lach

    Ich drück Dich <3

  12. Sandra Dietzel am 25. Januar 2016 um 20:19 Uhr- Antworten

    Ich habe gar nicht gestillt, aber nicht weil ich nicht wollte. Ich habe es versucht, aber meine Tochter war zu faul. Deswegen riet mir die Ärztin zwei Tabletten zu nehmen bevor die Milch richtig einschießt. Ich habe mich dann dafür entschlossen, weil ich mich echt rumquälte und die Kleine einfach nicht trank. Lg Sandra

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