Jette und ich kennen uns außschließlich von Twitter. Sie lebt im wilden Berlin, der Hauptstadt. Bei uns dagegen ist es wild und gewagt wenn der Nachbar am Sonntag die Wäsche wäscht. Sie ist eine sehr nette Frau die mit ihren zwei Töchtern und deren Papa in einem „Kiez“ wohnt und Abends einfach mal mit dem Babyphone nach unten in die Bar gehen kann. Wir dagegen kommen mit dem Babyphone zu keiner Bar, höchstens der neuen Wiesensnackbar der Kühe vom Bauern.

Sie hat kurze Haare -ich lange. Sie 2 Kinder – ich drei.  Trotzdem verbindet uns etwas entscheidenes:

 

Unsere Erstgeborenen werden sich niemals aktiv daran erinnern wie es ist KEINE Geschwister zu haben. Wir beide haben unsere „Zweitgeborenen“ in einem -für Deutsche Verhältnisse- sehr kurzen Abstand bekommen. Ihre Große war noch nicht ganz zwei Jahre alt da wurde sie „Große Schwester“. Motti war nicht einmal ein Jahr alt, als es für sie ein paar Stunden zu früh zum Geburtstag Geschwister gab. Die Zwillinge.

Für Mr. Strandfynd und mich war schon immer klar wir wollen Kinder. Mindestens eins, gerne zwei. Dann kam Motti und es war klar: Sie bleibt kein Einzelkind. Wir wollten warten bis sie „ihre Stulle selber halten und abbeißen kann“ und uns dann langsam in die Produktion für Kind 2 begeben. Dann kam alles anders als erwartet. Irgendwann im November war was „komisch“. Komisch klärte sich eine Woche später auf und liegen heute zusammen im Laufstall und schlafen. „Komisch“ gehört zu uns. Der Familie Strandfynd. Das Thema „schnell wieder schwanger werden“ können wir!

„Den einen Herzschlag kennen wir schon. Aber da ist noch einer.“
-Ich falle fast hysterisch lachend vom Stuhl. Ja nee ist klar, denke ich, Unwahrscheinlichkeitsjackpot geknackt: schwanger trotz Stillpille und dann Zwillinge.
„Es wird langsam eng im Kinderzimmer“, stammele ich. Ohgottohgott wie erkläre ich denn DAS Mr. Strandfynd? Wir hatten doch grade erst verdaut das wir viel schneller ein Geschwisterchen haben würden als erwartet, und nun gleich zwei? Drei Windelkinder!

Die Frage ob wir sie behalten, stellte ich mir nicht. Na klar werden die behalten. Auch Mr. Strandfynd zögerte keine Sekunde. Aber trotzdem.

 

Ich fuhr also vom Frauenarzt erstmal zum Supermarkt. Schließlich war heute Abend RÜCKBILDUNGSKURS bei meiner Hebamme und wir sollten alle ein paar Snacks mitbringen. Vor dem Supermarkt rief ich sie an: „Sabine. Ich komme grade vom Gyn, den BABYS gehts gut. Aber ich darf jetzt wirklich nicht mehr hüpfen bei der Rückbildung.“ ES WERDEN ZWILLINGE???????????
Dem Mann, dem Schwiegerpapa und der Schwiegermama kaufe ich daraufhin im Supermarkt Alkohol. Den werden sie brauchen wenn sie gleich in unserem Wohnzimmer aus allen Wolken fallen.

Zu Hause drücke ich dem Mann wortlos das Ultraschallbild in die Hand. Er schaut es sich an, schaut mich an, und setzt sich auf den Fußboden. Ich gebe ihm Alkohol. Wärenddessen rätseln Schwiegers was man denn auf dem Bild wohl so sehen würde. Der Mann findet seine Stimme wieder und sagt:“ Es sind zwei.“

Glücklicherweise habe ich prima Schwiegereltern (und Eltern), nie NIE aber auch wirklich NIEMALS haben sie uns (oder mir) das Gefühl gegeben das wir völlig irre sind, das wir hätten abtreiben müssen oder oder oder. Unsere Babys waren sofort willkommen. Das rechne ich allen hoch an. Hätte ja auch anders ausgehen können.
Die „kritischen“ Reaktionen kamen dann ALLE aus dem entfernteren Bekanntenkreis:“ Mensch so viel Arbeit“ „Habt ihr nichts anderes zu tun?“ „Na ob das mal klappt?“ ect pp. Selbst die Haushaltshilfe kurz vor der Entbindung war noch …sagen wir sehr negativ eingestellt und war der Meinung das wir das nicht schaffen könnten und in kürzester Zeit am Stock gehen würden. Auch die „Twittermoms“ (also die Mütter mit denen ich regelmäßig auf Twitter hin und her schreibe) waren nicht alle vorbehaltslos positiv eingestellt. Überrascht? Sicherlich alle. Freudenjauchzer? Warscheinlich nicht alle. 😉

Das spannendste bei den Kommentaren aus dem weiteren Bekanntenkreis war eigentlich, dass sie einem alle das Gefühl gaben ich hätte sie grade aufgefordert meine Wohnung zu putzen, die Nächte durchzumachen damit ich schlafen kann, meine Wäsche zu waschen und mit uns in einem zu kleinen Auto in den Urlaub zu fahren.

Dann einen Tag vor Mottis erstem Geburtstag war es soweit, die Zwillinge wurden geboren. Motti ist seit dem ersten Tag eine liebe große Schwester und nicht eifersüchtig. Die Babys schlafen ziemlich durch und auch Motti schläft viel besser durch seit die kleinen da sind. Ja, wir verbrauchen viele Windeln, und ja wir waschen auch häufiger aber ansonsten ist alles gut.

Leute habt Mut! Es ist machbar! Auch nicht immer so stressig/schlafraubend/anders als euch alle sagen. Wartet einfach ab und lasst auch mal 5 grade sein.

Vielleicht interessiert euch ja auch wie es Jette ergangen ist? Dann schaut doch mal bei ihr vorbei, wenn euch das Thema noch weiter interessiert dann empfehle ich euch noch Berlin Mitte Mom, die hat auch darüber gebloggt. Sie findet ihr hier.