Meine Kinder gehen nicht in den Kindergarten, und wie es aussieht wird das auch nichts mehr.

Es ist manchmal ein bisschen so, als wären wir nicht nur anders weil wir mehr Kinder haben als der Durchschnitt, weil sie alle näher beieinander liegen (364 Tage zwischen den Geburtstagen um genau zu sein) oder weil auch noch Zwillinge dabei sind, sondern auch weil wir es wagen dass Motti mit ihren fast zwei Jahren noch nicht in den Kindergarten geht. Ihr lest richtig! Sie ist/sind nicht im Kindergarten.

3 Kinder ohne Kindergartenplatz und dabei sind wir gar nicht religiös verstrahlt.

Wieso das?

Mit meinem alten Job (Theaterleitung im Kino/Buchhändlerin) lässt sich meiner Meinung nach eine externe Kinderbetreuung nicht vereinbaren (zumal Mr. Strandfynd im Schichtdienst arbeitet mit unregelmäßig wechselnden Tagesarbeitsstunden: mal 8-18 Uhr, mal 8-15 Uhr, mal 17-8 Uhr morgens). Im Buchhandel gibt es keine Stellen (zumindest als ich das letzte Mal nachgeschaut habe) und Kino…. ja…. wann geht denn der Durchschnittsmensch ins Kino? Genau: Frühestens in die Kindervorstellung um 15:00Uhr, aber doch eigentlich eher gegen 20:15 Uhr, zur Primetime eben. Da liegt der Hase im Pfeffer begraben. Eine „normale“ Kinoschicht beginnt in dem Fall um etwa 14:00 Uhr und endet wenn der letzte Film durch ist und das Kino sauber.  Also auch gerne mal 23:30 Uhr.

Wenn Mr. Strandfynd nun also Nachtdienst hat, dann wären die Kids von 16:00 Uhr bis 24:00 Uhr alleine zu Hause. Völlig inakzeptabel. Kindergärten die sich dem Schichtsystem (von dem ja alle profitieren in dem aber niemand arbeiten will) angepasst und rund um die Uhr 24 h am Stück geöffnet haben, gibt es hier auf dem Dorf nicht. Der nächste wäre vermutlich in Hamburg (oder auch nicht?) das sind aber mal knapp 30km für eine Strecke. Also auch nicht wirklich machbar. Oder gibt es so etwas doch nur im skandinavischen Ausland?

Zudem kommt noch der größte Punkt: Will ich dass meine Kinder so aufwachsen? Will ich dass ich sie schon recht früh in eine, bei uns doch eher spezielle Betreuung gebe, will ich dass sich Erzieherinnen Nachts um meine Babys kümmern? Vor dem Hintergrund dass ich nur arbeite damit ich einen Kitaplatz bezahlen kann und sonst bleibt nichts mehr übrig? Nein. So will ich und so will auch mein Mann nicht leben. Wir haben uns bewusst dafür entschieden eine Familie zu gründen und haben Werte auf denen nicht nur unsere Ehe basiert sondern auch unsere gesamte Familie.

Deshalb entschieden wir (noch vor der Schwangerschaft mit den Zwillingen) dass ich mich zur Tagesmutter ausbilden lasse. Dann kann ich (wenn wir das dann noch immer so wollen) unsere Kinder bis zur Schule selbst betreuen. Langweilig wird ihnen in der Zeit auch nicht werden, denn es kommen ja immer Kinder zu uns. Die Ausbildung beinhaltet auch Pädagogik, es ist also nicht so als ob die Kinder im Gegensatz zum Kindergarten nichts lernen würden bei uns. Generell bin ich sehr angetan von einem familiären Tagesmutterkonzept das trotzdem Schnittmengen mit einer Kita beinhaltet. Das ist mein Anspruch an mich selbst und an meine Tagespflegeeinrichtung.  Ich hätte gerne einen Anteil Montessori oder möchte den Fokus auf Bewegungsspiele legen? Gar kein Problem, ich bin ja selbst verantwortlich für das was ich den Kindern beibringe und wie.

(Alle meine Kids selber zu einer Tagesmutter zu geben, geht nicht, weil hier in der Umgebung niemand so zeitflexibel arbeitet und erst recht nicht bis 24Uhr.)

Wenn mich also nochmal jemand im Bekanntenkreis besorgt fragt wieso Motti denn noch nicht in einem Kindergarten ist:

Weil es nicht in unser Leben passt. Zur Zeit nicht in unser Leben passt. Weil es nicht unseren Werten und Vorstellungen entspricht, wenn wir es auch anders machen können. Ja, ich genieße den Luxus zur Zeit „Hausfrau und Mama“ zu sein. Wenn wir umgezogen sind und ein eigenes Haus haben, dann starte ich auch wieder ins „echte“ Berufsleben. Wenn es dann wieder in unser Leben passen sollte.  Jetzt bin ich nur für die Familie da und Bloggerin.

Und wie weiter? (Hier gibts die Fortsetzung der Kindergartengeschichte)

„Selbstbetreuung muss man sich leisten können!“