Mein Kind ist besser als deins.

Gut, ich gebe zu das ist ein relativ plakativer Titel.
Letztens sah ich eine Reportage im Fernsehen in der es um Frühförderung bei Kleinkindern ging. Also nicht der abgedrehte Kram mit Mozart schon im Bauch hören, sondern der ganz reale Wahnsinn: Chinesische Nanny, zweisprachiger Kindergarten, Tennisuntericht mit 4 und schwimmen als Leistungssport ab 5. Dienstags und Donnerstags Ballett bei der alternden russischen Primaballerina in der Staatsoper und Reiten als Ausgleich.

Frühförderung für Kinder

Mein Kind ist besser als deins

In dieser Reportage erzählte eine Mutter fröhlich wieso es denn so schön sei das sie endlich einen Platz im englischen Kindergarten bekommen hätten und wieso der Wilhelm Ferdinand nun so viel besser aufgestellt sei fürs Leben als die Mia. Währenddessen schaukelte Wilhelm Ferdinand fröhlich mit der Schaukel in eine Thuja. Fiel der Mutter gar nicht auf. Die redete weiter über die tollen Möglichkeiten. W-F. schaukelte weiter in den Busch.

Ist Willhelm-Ferdinand nun wirklich so viel besser dran als meine Durchschnittskinder? Hat er es so viel besser mit Golf und Tennis und schwimmen?

Ich denke nicht. Soweit mir bekannt ist machen Kinder im Kindergarten und Grundschulalter vor allem eins: Neben typischem Kind sein merken sie genau wenn die Mami immer so froh ist wenn man beim Geigenunterricht war, wie stolz der Papa ist wenn man das erste Mal den Golfcaddy zieht. Deswegen gehen die meisten Kinder da hin. Natürlich gibt es Ausnahmen, das will ich gar nicht bestreiten, aber ich glaube das viele so kleine Kinder nur zu solchen Veranstaltungen gehen, weil sie ihren Eltern gefallen wollen.
Wieso finden Kleinkinder „helfen“ als Spiel so spannend? Weil sie demonstrieren können wie groß sie schon sind, außerdem freuen sich die Eltern in der Regel wenn der Nachwuchs mit anpackt. Mami und Papi glücklich sehen, nichts ist schöner für ein Kind.

Deswegen geht man dann halt auch manchmal zum Kunstturnen, obwohl man lieber spielen würde. Oder zieht die Skier an.

Wenn sich Männer und Frauen heutzutage mit durchschnittlich 32-35 Jahren für ihr erstes Kind entscheiden (ja es ist eine Entscheidung die man lange planen und gut durchdenken muss!), ihre Karrieren unterbrechen oder im Fall der meisten Frauen eigentlich gleich beerdigen können, dann muss das Kind ein Erfolg sein.

Ein erfolgreiches Projekt.

Denn was für eine Schmach wäre es denn, wenn man mit 55 Jahren erkennen würde, dass man die Managerlaufbahn nur hat sausen lassen weil der Hendrik-Johann  (jetzt 20) jetzt als Maurer zu Hause sitzt und keinen Job findet?

Wie kann man dieses Schreckenszenario bestmöglich verhindern? Das Projektkind „Hendrik-Johann“ geht von Anfang an zu allen möglichen Fördermöglichkeiten die es so gibt. Kindheit? Egal! Man muss doch an die Zukunft der Kinder denken!

By | 2017-06-25T17:03:21+00:00 9. Juli 2014|Categories: Ich schreibe|4 Comments

About the Author:

Katarina (32) ist die Mama von Motti (*2012) und Wawi (*2013) sowie Nini (*2013), dem Dino (*2017) und wohnt in der Nähe von Hamburg mit vielen Kühen als Nachbarn. Virtuell zu finden auf Instagram, Facebook und auf Pinterest.

4 Kommentare

  1. Bloggen ist doof › Familienleben by Blogprinzessin am 10. Juli 2014 um 23:05 Uhr- Antworten

    […] am 10 Jul 2014 – 23:05 von Katarina Fie Tweet Pin It « Vorheriger Post | […]

  2. Leesik am 13. September 2014 um 23:36 Uhr- Antworten

    Ich musste so lachen, als in meinem Kopf das Bild des schaukelnden Jungens in die Hecke auftauchte! Danke dafür.
    Grundsätzlich gebe ich dir da Recht, aber ich würde meinem Sohn auch gern mehr anbieten, einfach weil ich sehe, wie viel Spaß es ihm macht und meine Möglichkeiten zu Hause leider begrenzt sind (z.B. Turnverein).

    Toller Blog. Habe ich jetzt erst entdeckt und werde ich sogleich in meinen Favoriten speichern.

  3. Anja am 25. Februar 2015 um 22:19 Uhr- Antworten

    Oh man, manche Kinder sind schon arm dran. In Pädagogik hab ich mal gelernt, dass die Eltern gerne so gewesen wären und das aufs Kind projizieren und deshalb alles tun, damit das Kind super tolle Sachen kann. Das ist dann für die Eltern so, als hätten sie diese Leistungen selbst erreicht.

    Außerdem ist unsere Gesellschaft total auf Konkurrenz aus, vor allem Mütter….

    Dazu habe ich letzt erst was geschrieben. Jeder muss am besten sein. Leider.

    http://familiewitz.de/muetter-sind-haie/

    Viele Grüße

    Anja

  4. Sonnenshyn am 20. Oktober 2016 um 13:07 Uhr- Antworten

    Ja, das ist sehr beängstigend und traurig.

    WENN mein Kind irgendwann mal in einen Verein möchte oder ein Instrument lernen WILL, dann bin ich die Letzte die ihm im Weg steht. Aber dieser ganze Wahnsinn an hier Kurs A, dort Kurs B und Schule, Schule, Schule finde ich ganz schlimm.

    Sonnige Grüße.

Kommentare