laufen

3 Kleinkinder, 2 davon laufen selbstständig und 1 Mama die alle drei zum und ins Auto bugsieren will. Wie klappt denn das?
Dazu möchte ich euch heute eine kleine Geschichte erzählen, sie ist absolut nicht fiktiv sondern ganz real:

Gestern musste ich mit den Zwillingen zur Frühchennachsorge. Das ist ein spezieller Arztbesuch ganz unabhängig von den U-Untersuchungen, der ähnlich wie diese abläuft, aber eben im Kinderkrankenhaus gemacht wird und nicht beim Kinderarzt. Dafür fiel mir am Freitag siedent heiß ein das ich eine Überweisung vom Kinderarzt dafür brauchen würde, ich telefonierte durch die Gegend und stellte fest das unser Kinderarzt bis Sonntag in den Ferien ist, am Montag aber Sprechstunde hat. Ich MUSSTE die Überweisung also am Montag beim Kinderarzt rausholen. (Mottis Papa den ich sonst gerne für sowas einspanne musste an dem Tag 10 Stunden arbeiten und da der Kinderarzt aber um 15:00 Uhr wieder zu machte… ich denke ihr erkennt das Dilemma.)

Also, der Ablauf der Ereignisse verlief so:

13:00 Uhr: Ich wecke Zwilling 1 aus dem Mittagsschlaf, wechsel die Windel, ziehe sie an, setze sie ab.
13:05 Uhr: Ich wecke Zwilling 2 aus dem Mittagsschlaf, wechsel die Windel, ziehe sie an, setze sie ab.
13:10 Uhr: Ich wecke Motti aus dem Mittagsschlaf, wechsel die Windel, ziehe sie an, setze sie ab.
13:12 Uhr: Zwilling 1 bekommt Schuhe an.
13:15 Uhr: Zwilling 2 bekommt Schuhe an.
13:18 Uhr: Motti bekommt Schuhe an.

Danach stellt Motti fest dass ich noch immer mein Schlafanzugoberteil anhabe. Ich wusste ich hatte etwas vergessen. Oberteil aus, anziehen, weiter im Text. Wo sind denn jetzt die Trinkflaschen? Die waren doch irgendwo? Ich angle nach meinen Schuhen.
Nein, nicht auf dem Schlüssel rumkauen. Motti, lass die Wohnungstür zu! Ah, da sind ja die Wasserflaschen.

Ich fülle die Flaschen auf, denke an Kekse für die Kinder und an frische Windeln für die Wickeltasche. Packe alles in die Tasche, super wir können los. Moment? Was ist das? Nein..kacke! Wortwörtlich Kacke!
„Motti hast du in die Windel gemacht?“ -„Nein, Mama! Wawi Stinki!“ Ich schnappe mir „Wawi“ und wechsel die Windel. So. Wir können los. Moment? Hatte Nini nicht grade noch zwei Schuhe an? Verflixtnochmal! Also suche ich den zweiten Turnschuh. Nein Motti, die Kekse in meiner Tasche sind zum mitnehmen. Ah,da ist er ja der zweite Schuh. Ich ziehe den zweiten Schuh an. Wir treten an die Tür, Nini und die Wickeltasche rechts im Arm, Wawi an der linken Hand. Motti nimmt die ersten Stufen zum Fahrstuhl. Ich verhindere dass sich Wawi – ganz ihrer Schwester folgend, man hat ja jetzt zwei Wochen laufen gelernt – die Treppen runterstürzt, und schließe die Tür ab. Wir gehen die Stufen zum Fahrstuhl. Immerhin ist er schnell da, Motti hatte schon gedrückt. Die Türen schließen sich.

Mir läuft der Schweiß.

Kurz durchatmen, die Tür geht wieder auf, da steht der nette ältere Nachbar:“ AAAAch! Sind die aber groß geworden. Gutzi Gutzi Gutzi! Laufen denn schon beide? Wo gehts denn hin? Oh sie haben ja schon Haare! Ja dann schönen Tag noch.“ -„Nein. Zum Auto. Ja ganz tolle blonde Haare. Ja, danke Ihnen auch!“ Motti rüttelt an der Haustür. Wir öffnen sie.
Ich setze Wawi ab, nur mal eben schnell in den Briefkasten schauen. Im Augenwinkel sehe ich Motti und Wawi Hand in Hand, die gemeinsam versuchen die Treppenstufen vor der Haustür zu erklimmen. Klappt nicht, aber immerhin fällt keiner hin. Ich nehme Wawi wieder an die Hand und wir steigen die Stufen hoch.

Motti flitzt derweil in „Fubernell“ (Superschnell!) Richtung Straße und ich kann sie nur noch mit einem scharfen „Motti!“ davon abhalten, dass sie abbiegt und zwischen den parkenden Autos verschwindet. Sie lässt sich dann doch noch bezirzen und nimmt stolz Ninis andere Hand und zu viert (drei Läufer) maschieren wir in Babytrippelschrittchen Richtung Auto.

Alles klappt wunderbar, bis mir am Auto auffällt das ich keine Ahnung habe wie ich denn nun die drei Kids in ihre Kindersitze bekomme, ohne dass mir eins wegläuft. Glücklicherweise wohnen wir in einer Anliegerstraße in der nicht ständig ein Auto vorbeisaust, so stelle ich Motti und Wawi erstmal auf dem Bürgersteig ab und will meine Tasche grade ins Auto stellen als….
Als ich sehe das Wawi (vor Freude juchzend) anfängt den Bürgersteig runterzulaufen und Motti hinterher. Also Nini ins Auto auf den Beifahrersitz gesetzt, Schlüssel zur Ablenkung hinterhergeworfen, Tür zugemacht und hinter den Kindern hergefetzt. Kinder eingesammelt, gedacht:“Fuuu ist eigentlich mein Autoschlüssel da dran?“

Glücklicherweise hat sie sich nicht eingeschlossen.

Motti wieder auf den Bürgersteig abgestellt.

Dann Wawi angeschnallt, Motti vom Bürgersteig geholt und angeschnallt, dann Nini vom Beifahrersitz und angeschnallt. In den Fahrersitz geplumpst.

Ich bin wieder schweißgebadet und starte den Motor, wie gut dass wir in 10 min. beim Kinderarzt sind und dann der Spaß von neuem beginnt.

Toll, dieses Laufenlernen!

Kleinkind-laufen-Geschwister-Auto