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Wir sind uns alle darüber einig dass der Online-Artikel der Bunten über die Figur (oder Nicht-Figur, denn müssen Dreijährige eine „Figur“ haben?) einer gewissen Harper Beckham großer Mist ist. Mist drückt meine Empörung eigentlich  gar nicht aus, aber unflätig will ich hier auch nicht sein. Stellt euch einfach eine vor Wut schäumende Frau Blogprinzessin vor.

 

Natürlich kann auch ich nur spekulieren, was die Bunte geritten hat, als sie ernsthaft die Frage formulierte, ob dieses kleine niedliche dreijährige Mädchen zu dick sei, aber folgende drei Gründe halte ich für das Handeln der Redaktion am warscheinlichsten:

  • Die machen es, weil sie das wirklich ernst meinen.
  • Die machen es, weil sie wissen dass es Kreise zieht und sie die mediale Aufmerksamkeit generieren wollen.
  • Oder die machen es wegen der Klickzahlen und der direkten Werbeeinnahmen auf der Webseite.

Was auch immer. Ich verlinke bewusst nicht zu dieser Seite, weil auf der Website noch damit angegeben wird wie denn der Trend bei Facebook, Twitter und Google Plus grade aussieht. Es ist zum kotzen.

Meine Entrüstung liegt weniger daran dass die Medienwelt im allgemeinen und die Bunte im speziellen meiner Meinung nach einen gehörigen Sockenschuß haben, sondern eher an einem allgemeinen Problem.

 

Von der Fragestellung der Bunten braucht man nicht mehr viele Schritte hin zu folgender (überspitzter) Situation, die vermutlich gar  nicht weit hergeholt ist:

Josephine ist ein ganz normales Kleinkind. Sie entwickelt sich, lernt neue Dinge kennen, sie isst mehr als sonst und legt vielleicht sogar ein paar Gramm zu. Prompt kommt bei ihrem nächsten, dem vierten, Geburtstag eine Großurtante und fragt wieso das Moppelchen denn Cake Pops essen muss. Eine Gurke täte es ja auch, ach nee besser nichts. Nichts ist gut. Nichts hat keine Kalorien.

Aber vielleicht sind wir uns da auch alle gar nicht so sicher. Wir sollten das Atmen einstellen, die Kinder auch. Alles für die Gesundheit der Kinder, wer weiß was Josephine da grade mit ihrer Luft einatmet, vielleicht haben wir die Kalorien in der Atemluft nur noch nicht gefunden…. Die Tante schaut besorgt. Sie will ja nur das beste für’s Kind.

Der Vater sagt: Naja, Josephine esse schon mehr als sonst und schon stehen Mama und Tochter beim Kinderarzt und fragen ob Josephine vielleicht eine Diät machen sollte. Vorsorglich. Wer weiß ob es an den Genen liegt, denn Mama fühlt sich auch zu dick und Papa stichelt immer, nein besser gleich alle auf Diät setzen, was sollen denn die Nachbarn denken?

 

Im besten Fall sagt die Kinderärztin, nunja eigentlich könne Sie das nicht feststellen, das wäre im medizinischen Sinne gar nicht übergewichtig, da müsse man jetzt gar nichts machen. Dann geht man heim, trotzdem beunruhigt, der Kommentar der Urgroßtante sitzt. Nein, heute keine Banane mehr. Da sind zu viele Kohlenhydrate drin und das wisse doch jeder dass Kohlenhydrate kleine Harry Potters in Dudleys verwandeln.

Im schlimmeren Fall sagt die Ärztin dass sie das ja eigentlich nicht feststellen könnte, aber  es könne ja nicht schaden das Essverhalten mal zu beobachten. Nein, nein Josephine brauche keine Diät. Diät ist so ein böses Wort, so wollen wir das nicht nennen, sagt die Ärztin. Eine Ernährungsumstellung reiche völlig aus. Wir nennen sie „Josephines Plan zum Glücklichsein“.  Die Ärztin schreibt etwas auf, die Mama bekommt ein paar Broschüren. Josephine bekommt keine Gummibärchen, man verabschiedet sich und geht heim.

„Mama ich habe Hunger“. Nein, du weißt doch, die Ärztin hat gesagt das du zu dick bist, heute Abend gibts noch ein halbes Schwarzbrot mit Gurke. „ICH HABE NOCH HUNGER.“ Nein, Josephine. Das war schon wirklich genug. Es reicht. Das war schon vielzuviel, sagt Papa. Mama nickt.

Bestenfalls gehen ein paar Monate ins Land, die Familie kommt zu Sinnen und Josephine darf wieder essen was sie will.

Schlimmstenfalls ist das der Anfang einer Diäts-Verirrung, gar nicht durch das Kind ausgelöst, weil es so sein will wie die Supermodels auf den Plakaten, sondern von verunsicherten, gutmeinenden Verwandten ins Ohr geflüstert.

 

Josephine ist 23 als sie stirbt. Mit 42kg. Sie war definitiv zu dick, schon damals ein Moppelchen.

 

 

HaperBackhamBunte

 

 

Um noch mal eines klarzustellen: Es gibt kein Übergewicht bei Kleinstkindern. Egal, was die Bunte andeutet. Babyspeck heißt Babyspeck weil er Babies für ihre Entwicklung zusteht. Verunsicherten Eltern, die tagtäglich damit konfrontiert werden dass sie für das allgemein gesellschaftlich akzeptierte Körperideal nicht dick genug oder dünn genug sind, auch noch einzureden dass ihre Kinder ein Problem haben, und sei es auch nur angedeutet wie in der halb flapsig formulierten Frage der Bunten, macht mich fassungslos. Es ist moralisch verwerflich auf so vielen Ebenen und ich finde die Medienwelt sollte ihrer Verantwortung nachkommen und so einen Mist nicht schreiben. Unabhängig von Klickzahlen und Werbeeinnahmen.

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