Ich als Mutter habe ein Lieblingskind

Hilfe ich als Mutter habe ein Lieblingskind! Darf man sowas als Mama überhaupt? Wenn man dem Internet glauben kann, dann ist das kurz vor Hundewelpen ertränken. Etwas was man nicht zu haben hat und auch nicht öffentlich erzählt.

Letztens beschäftigte ich mich grade mit dem Geschirrspüler, als ich dachte: Mensch, die Katze macht im Katzenklo aber komische Dinge. Das dauert auch lange….mannometer. Irgendwann beschloss ich dann mal nachzuschauen was die Langzeitscheißerkatze da so treibt.

Aber die Kinder waren wärenddessen ja ganz toll ruhig am spielen. Faszinierend. Oh. Moment.

Da saßen sie, in trauter Dreisamkeit ums Katzenklo wie um ein Lagerfeuer und die Zwillinge kauten fröhlich auf dem (glücklicherweise unbenutzten!) Streu, während Motti mit der Schaufel zentimeterhoch Katzenstreu auf dem Badezimmerboden verteilte. Mein Badezimmer ein riesiges Katzenklo. Alle drei im Himmel und ich hätte gerne einen Schnaps gehabt.

Himmel Hergott was geht denn hier ab? Seid ihr denn des Wahnsinns?„, wollte ich grade rufen, als ich mich spontan entschloss das sein zu lassen (denn mal ehrlich, was hätte es gebracht? Die Missetat war ja schon vollbracht) und stattdessen den Staubsauger zu holen.

Sechs große Kulleraugen starrten mich an, und ich meinte auch die Katze langsam nervös durch die Wohnung trippeln zu hören. „Mama, Motti hat nicht Katzenklo gessen!“ „Motti nur Sssaufelt! Babys essen!“. Da war es wieder. Dieses niedliche Kind. Mein Mamaherz schwoll an. Trotz Katzenstreu überall und kauenden Kleinkindern.

Ja, ich habe ein Lieblingskind.

 

blogprinzessin

Abends sitzen wir beim Abendessen. Nachdem Motti eben noch „Ganz großen Hunger, Mami!“ hatte, ist nun alles falsch und überhaupt und die Aussicht darauf, dass es gleich ins Bett geht ist auch nicht viel besser. Sie wutschlumpft also rum. Ich werde zusehend genervter, weil Pfannkuchen sind ja auch ein ganz wiederliches Kinderessen, und das einzig akzeptable zum Abendbrot ist natürlich „Dummibärchen!“.  Dummibärchen finde ich aber nicht akzeptabel und so wütet das Mottzi weiter und ich möchte am liebsten nur noch in einen Ruheraum mit Massagen und Verwöhnschnickeldi.

Dann drehe ich mich zur Seite und sehe wie Wawi mit allergrößter Hingabe das Essen des Pfannkuchens zelebriert, genüsslich schmatzt und alle ihre Sinne sagen:“Boah ist das lecker, Mama“. Dann schwillt mein Mamaherz an.

Ja, ich habe ein Lieblingskind.

 

An anderen Nachmittagen jagen sich Motti und Wawi bei einer Lautstärke durch die Wohnung, dass ein Kampfjet der in einem Krisengebiet startet vermutlich leiser ist, und schmeißen dabei wild mit Büchern, DVDs und den U-Untersuchungsheften um sich. Die Impfpässe (die in den U-Heften liegen) fliegen durch die Luft, die DVDs springen scheppernd aus den Hüllen auf die Fliesen und mittendrin Kinderfüße, Kinderhände und irres Geschrei.

Dann kommt Nini angelaufen, streckt die Arme hoch, will auf den Schoß und kuschelt sich an. „Lass doch die Geschwister Geschwister sein und ich mach mein eigenes Ding. Ich mach nicht mit bei dem Blödsinn.“ Mein Mamaherz …ihr versteht.

Ja, ich habe ein Lieblingskind. Aber es variiert. Je nachdem wer grade am niedlichsten ist oder am wenigsten Scheißelkram baut.

Motti wird auf ewig meine erste große Tochterliebe bleiben, das Kind was mich zum allerersten Mal in meinem Leben zur Mama gemacht hat, das ist schon was besonderes.  Nini ist einfach herzzerreißend niedlich, unter den dreien ganz klar der Denker statt der Macher. Ich sehe so viel von ihrem Papa in ihr. Wawi dagegen ist eine ganz klassische Schönheit, soweit man das als Mama beurteilen kann. Klimperwimpern und eine wunderbare Mimik. Wie wir das hinbekommen haben? Keine Ahnung.

Ja, ich habe ein Lieblingskind. Aber eigentlich sind es alles Lieblingskinder!

 

lieblingskind

By | 2017-03-14T15:37:58+00:00 17. Oktober 2014|Categories: Familienleben, Ich schreibe|18 Comments

About the Author:

Katarina (30) ist die Mama von Motti (*2012) und Wawi (*2013) sowie Nini (*2013) und wohnt in der Nähe von Hamburg mit vielen Kühen als Nachbarn. Virtuell zu finden auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und Instagram.

18 Comments

  1. Sally 17. Oktober 2014 at 11:07 - Reply

    Total süß geschrieben! Und ich kann das auch ohne Kinder nachvollziehen 😀 Geht mir bei meinen Katzen ähnlich höhöhö 😀

  2. JesSi Ca 17. Oktober 2014 at 13:10 - Reply

    Herzzerreißed geschrieben – ich schmelze dahin!!!!!!!!!!! <3

  3. Mamamulle 17. Oktober 2014 at 14:03 - Reply

    Sehr schön geschrieben. Das erste Kind ist einfach was ganz besonderes. <3

  4. Annema 17. Oktober 2014 at 15:16 - Reply

    Oooooohhh… Schöööön!
    *Tränchen verdrück*
    Geht mir genauso! 🙂

  5. Vesna 17. Oktober 2014 at 20:15 - Reply

    Sehr schön geschrieben. Ich habe auch drei Kinder und kenne das genau so 🙂
    Liebe Grüße und schönes Wochenende,
    Vesna

  6. Maria Schneider 17. Oktober 2014 at 20:15 - Reply

    <3 <3 <3

  7. Fiona 17. Oktober 2014 at 20:57 - Reply

    Ich musste bei dem Bild vom Badezimmer-Katzenklo gleich mal schallend lachen 😉

    Sehr schön beschrieben! Ich glaube es ist in Ordnung hin und wieder ein Lieblingskind zu haben, so lange jeder mal dran kommt 😉

    Viele Grüße,
    Fiona

  8. eva 17. Oktober 2014 at 21:05 - Reply

    Habe bis jetzt nur ein Kind und eine große sorge von mir ist, dass ich das zweite nicht so dolle lieb haben kann wie das erste. Danke für den Beitrag

  9. Anke 17. Oktober 2014 at 22:02 - Reply

    Ach, das hast Du toll geschrieben… Du hast mir so richtig aus der Seele gesprochen – auch wenn ich „nur“ 2 Kinder habe….
    Aber, ich kann es so gut nachvollziehen!
    Liebe Grüße
    Anke

  10. Ori 18. Oktober 2014 at 22:50 - Reply

    hier ähnlich!
    der große hat halt gerade eine extremst süsse phase (mama, soooooooo lieb! *breitetarmeausundknuddeltmeinebeine* schmelz)
    der kleine macht nur niedlichen mist, wie buntstifte essen ^^
    aber je nachdem, mit wem man gerade ne exklusiv-zeit hat, derjenige ist dann das dahinschmelzekind ^^

  11. Jana 19. Oktober 2014 at 09:18 - Reply

    Ich habe „nur“ ein Kind. Auch ihn habe ich mal mehr und mal weniger lieb, aber lieben tu ich ihn jderzeit gleichermaßen 😉
    Ich denke es ist vollkommen ok wenn man bei drei Kindern immer das am liebsten hat was gerade keinen Mist baut 😀 Lieben tust du alle drei ja gleichermaßen 🙂
    Ich seh dahinter sogar einen erzieherischen Aspekt, das Kind was sich lieb verhält bekommt mehr Aufmerksamkeit, während die Kinder die gerade das machen was sie so eigentlich garnicht solllen eben nicht noch mit Aufmerksamkeit für ihr Verhalten belohnt wird. Besser geht’s doch nicht, oder?

  12. Sven 19. Oktober 2014 at 17:58 - Reply

    Sehr schön. Bin ich froh, dass wir diese „ich probiere mal alles“ Phase durch haben. Das war schon anstrengend, mit zweien, die sich überbieten mussten. Und ja, hier ist es ähnlich, was die Verteilung des „Lieblings-“ Artikels angeht…

  13. Katharina 20. Oktober 2014 at 21:12 - Reply

    Ja, über das Thema hab ich neulich auch mit meinem Freund gesprochen. Wir haben einen Buben (5) und ein Mädchen (2). Es stimmt total, was du schreibst – das Lieblingskind wechselt, je nach Phase und Situation! Und trotzdem ist der erste etwas ganz Besonderes für mich, vielleicht weil ich ihn schon länger kenne? Aber mein Mädchen möchte ich auch nicht missen, hach!
    Liebe Grüße, Katharina

  14. Margit 24. Oktober 2014 at 14:54 - Reply

    -Ja, tatsächlich ist es so auch bei uns…. wir haben 4 kinder im alter von 1-7 und es wechselt jeden tag ungefähr gefühlte 10000 mal :)))) und so soll es sein dann ist keiner benachteiligt 🙂
    Auch wenn ich mir die erwähnte relaxzone auch öfter mal Wünsche, aber wer nicht
    Es sind alles so wundervolle Momente

    Lieben Gruß Margit

  15. Sarah 22. Mai 2015 at 00:04 - Reply

    Ich dachte erst so: whuaaa sie hat ein Lieblingskind! Aber nicht, weil ich das schlimm fände, sondern weil es mich bestätigen würde, in einem langjährigen Streit mit meinem Bruder, in dem ich behaupte das Lieblingskind meiner Eltern zu sein, während Mama seit Jahrzehnten glaubhaft versucht uns weiß zu machen, dass eine Mama beide Kinder gleich viel liebt 🙂

    Ich bin gespannt. Ich kann mir im Moment gar nicht vorstellen, dass in meinem Herzen nochmal so viel Liebe da ist, wie jetzt schon für die Milchschnute. Ich meine wo kommt die Liebe denn her, bzw wo hat sie Platz? Wächst mein Herz dann? Und wenn du Zwillinge hast, musste dein Herz dann doppelt so viel wachsen? Fragen über Fragen. Ich warte einfach ab, wie mein Herzchen so wächst oder ob ich beim zweiten Kind dann weiss, dass meine Mum nur keinen Streit will und ich eigentlich doch ihr Lieblingskind bin 😉

    Schöner Text btw

    Liebe Grüße

    Sarah

  16. Linksammlung #4 | Chaosmacherin 17. August 2015 at 12:05 - Reply

    […] „Ich als Mutter habe ein Lieblingskind“ Es ist gar nicht so lange her, das fragten meine Freundin Judith und ich uns, ob eine Mutter […]

  17. Toll geschrieben und genauso versuche ich es immer den Leuten zu erklären. Mein Lieblingskind ist das, das ich gerade auf dem Schoß habe 😀 Angeblich sei es ja ganz normal ein Lieblingskind zu haben, ich habe da mal irgendwann einen Bericht zu gelesen. Angeblich könnten sich Eltern dem auch nicht entziehen. Aber ich denke, das ist situativ und man kann es nicht pauschalisieren. Deswegen mag ich deinen Text so, denn er zeigt genau das 🙂

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