Kinder dürfen das Fernsehprogramm nicht kennen.

„Kinder unter 8 Jahren dürfen nicht fernsehen!“

Das sagte mir letztens ein Dozent bei meiner Tagesmutterausbildung. Die Verknüpfungen im Gehirn würden durch das Fernsehen völlig überlastet werden, „überreizt“, und mein Kind bekommt einen Schaden. So in etwa.

Wir haben alles falsch gemacht. Mein Mann und ich haben uns im Kino kennengelernt, während der Schwangerschaft mit Motti habe ich im Kino gearbeitet und womöglich hat sie da den einen oder anderen Film mitgehört. Ist das jetzt auch schon zu viel? Dann kurz nach ihrer Geburt, Motti war grade mal 8 Wochen alt, waren wir wieder mit ihr im Kino und haben The Dark Knight Rises geschaut. Sie hatte rosa Ohrenschützer wie die Tochter von Chris Martin, und schlief die ganze Zeit. Gotham City explodierte und Motti poofte. Es war super!

Mein Mann bezeichnet sich selbst als „Medienjunkie“ und es gibt nur wenige Momente in denen er nicht einem Podcast zuhört, eine Zeitung liest oder in seinem Handy durch die Twittertimeline (@mrstrandfynd) scrollt. Er ist bei uns im Haus der passive Medienkonsument. Der Denker und der Medienkritiker.

Ich dagegen habe eine Internetpräsenz die sich gewaschen hat, und ich scherze immer dass ich die bin die im Internet lebt. Es gibt fast kein Portal wo ich nicht angemeldet bin: Facebook, Twitter, Instagram, Google+, Skype… ich hab sie alle. (Und ich hatte sie alle: MySpace, Beepworld, MSN und ICQ.)
Man mag es nicht glauben, aber ich bin fast ohne Computer groß geworden. In meiner Kindheit jedenfalls hatten wir keinen. „Sowas brauchen wir nicht“ sagte meine Mutter immer wenn ich ihr in den Ohren lag. Meine Schulfreunde hatten nämlich „alle“ Internet und erzählten mir davon als ob es eine Reise zum Mond und Superhelden sein vereinen würde. Das ultimativ COOLE. Eine Erfahrung wie LSD und Cola (ich durfte nur selten Cola). Es war wohl Hansa Park und Ponyreiten.

Dann durfte ich zum ersten mal bei Freunden ins Internet.

Es war gelinde gesagt ernüchternd. Ich erinnere mich noch, dass es gar nicht wie LSD und COLA war. Es war auch nicht wie Hansa Park und Ponyreiten. Es war eher so wie Bücher lesen, nur dass man sie nicht in der Hand hatte. Ich war etwas enttäuscht.
blogprinzessin

Später bekamen wir dann einen Computer mit Internetzugang zu Hause, und ich hatte Angst vor der nächsten Telefonrechnung. Immer. Das ging lange so. Noch heute kann ich es nicht ganz fassen dass man das Internet nicht mehr panisch ausschalten muss, oder sich nicht sorgen muss ob man aus versehen auf den Internetknopf am Handy gekommen ist.

Wie ist das nun mit der Medienerziehung bei meinen Töchtern? Wie wollen wir es handhaben?
Nun: Ja, meine Töchter dürfen Sandmann gucken. Und sie haben (also zumindest Motti) auch schonmal einen „Disney Fairys“ Film gesehen. Weder ich noch mein Mann finden das schlimm. Denn wie bei allem: Die Dosis macht das Gift. Wir lassen sie mal was schauen, aber wissen natürlich in etwa WAS sie da schauen. Einfach berieseln lassen nebenbei ist nicht drin, dann wird das Fernsehprogramm konsequent ausgemacht. Das halte ich als zusätzliche Geräuschquelle wenn keiner guckt auch gar nicht aus.

Alltag_005

Computer und Handys finde ich genauso wichtig wie den Fernseher, eigentlich eher wichtiger denn im Fernsehprogramm von heute läuft zu 99,9% einfach Mist. Low Budget Kram, am allerbesten auch noch menschenverachtend. Das weiß ich aber, weil ich mich mit dem Fernsehen auseinandersetzen konnte. Weil es mir nicht per se verboten ist.

Wie sollen wir unsere Kinder in einer hochmedialen Welt zu Medienkompetenz (also dem Unterscheiden können zwischen „Gut“ und „Schlecht“) erziehen, sie dafür sensibilisieren, wenn wir ihnen am besten den Fernseher/Handy/Computer/Tablet verschweigen bis sie in der Schule sind?
Ich bezweifle dass Kinder, die in dieser technologischen Welt wie wir sie haben gut mit den „neuen“ Medien umgehen können, wissen in welchen Ecken des Internets man besser nicht rumlungert und wieso nun das Versenden und Verbreiten von Medien verboten ist, wenn wir sie nicht im Umgang mit diesen Medien anleiten und begleiten.

Ich erinnere mich noch mit Grausen an meine Schulzeit in der die Schüler im „Computerunterricht“ immer mehr wussten als die Lehrkräfte. Erstens machte sowas keinen Spaß sondern langweilte und zweitens konnte uns damals niemand irgendwas beibingen was mit dem Internet zusammenhing. (Gut vielleicht war ich auch nur bei doofen Lehrern, habt ihr andere Erfahrungen gemacht?)

Wir wollen unsere Töchter jedenfalls zu kompetenten Mediennutzerinnen erziehen und haben daher ganz klar das Motto:

„Medienabstinenz ist nicht Medienkompetenz!“

 

Bei uns wird es immer Medien geben, egal ob Bücher, den PC, das Smartphone, Internet oder Filme. Aber wir werden weder die Kinder vor den Geräten „parken“ noch sie dogmatisch davon abhalten, solange es auch immer wieder Phasen gibt in denen sie einfach nur Kind/Jugendlicher sein können. Aber wir werden sie darin begleiten, ein Gespür für Qualität und einen Geschmack für Medieninhalte zu entwickeln. Und das gilt für visuelle Medien (Fernsehen, Filme, Mediatheken) ebenso wie für textbasierte Medien (Bücher, ebooks, Blogs, Newsseiten, soziale Netzwerke…).

Alltag_003

Das Internet ist kein Neuland wie unsere Kanzlerin sagt. Das Internet, das sind nicht nur „Internet Abzocker“ und Kriminelle.

Das Internet sind wir alle und ich bin froh das ich Teil meines eigenen Internet-Clan bin.

 

Dieser Blogartikel ist Teil der Blogparade “ Medienerziehung in der Familie“ von Berlinmittemom und Scoyo.

By | 2017-06-25T17:03:20+00:00 28. Oktober 2014|Categories: Ich schreibe|20 Comments

About the Author:

Katarina (32) ist die Mama von Motti (*2012) und Wawi (*2013) sowie Nini (*2013) und wohnt in der Nähe von Hamburg mit vielen Kühen als Nachbarn. Virtuell zu finden auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und Instagram.

20 Comments

  1. Alicja 28. Oktober 2014 at 22:52 - Reply

    ich könnte nicht mehr zustimmen, ganz toll geschrieben – genauso läuft es hier auch

  2. Jana 28. Oktober 2014 at 23:28 - Reply

    Schöner Artikel! 🙂 Ich bin ganz froh, dass ich mir noch keine Gedanken darüber machen muss, wie ich das dann mal bei meinen Kindern mache…

    „Meine“ Generation ist irgendwie zusammen mit diesem Thema aufgewachsen, man war noch skeptisch, hat Dinge hinterfragt, konnte vieles ja auch technisch noch gar nicht, hat das Internet quasi mitwachsen sehen.
    Heutzutage werden die Kinder direkt in diese Welt geboren, vieles wird meiner Meinung nach als viel zu selbstverständlich wahrgenommen. Wie genau man Medienkompetenz aber am besten vermittelt, weiß ich leider auch nicht recht, da müsste ich wohl länger mal drüber nachdenken 😉

    Aber ein Verbot denke ich ist nicht sinnvoll, genau wie du geschrieben hast, und ich denke es wird nicht mal möglich sein. Lieber zu Hause einen bewussten Umgang zeigen, als dass sie dann alles bei Freunden ausprobieren oder so 😀
    Auf jeden Fall ein guter Artikel, der auch zum Nachdenken anregt! 🙂

    Liebe Grüße ♥

  3. JesSi Ca 29. Oktober 2014 at 00:15 - Reply

    Wo kann ich unterschreiben?
    Und verdammt nochmal was soll ich nun schreiben? Hmmmmm. ….

    Liebste Grüße
    JesSi

  4. Frankie 29. Oktober 2014 at 08:07 - Reply

    Habe doch keine Kinder aber bin ganz deiner Meinung! Hast perfekt über das geschrieben.

  5. Anna (Familie Motte) 29. Oktober 2014 at 10:30 - Reply

    Hast Du gut gesagt 🙂 Witzig, dass Du fast zeitgleich wie ich darüber geschrieben hast… sind wir uns ja einig 🙂
    Und die Szene mit dem Kino und den rosa Ohrenschützer finde ich MEGA…

  6. Suse 29. Oktober 2014 at 14:50 - Reply

    Abstinenz ist wirklich Quatsch.
    Vorbild sein und zeigen, wie man es richtig macht ist meiner Meinung nach der einzig gangbare Weg!

    Liebe Grüße
    Suse

  7. Susanne Hummel 29. Oktober 2014 at 15:23 - Reply

    Ohhh jetzt ist der Urlaub versaut…auch wir haben alles falsch gemacht und aus unseren Kindern wird nix…Naja hat man zu mir früher auch gesagt. Grüne Haare und Tattoos das gibt nix gescheites. Stimmt, habe nur Abi und studiert und arbeite jetzt selbst an einer Hochschule….arme Kinder….

    LG Susanne und Familie

  8. Sandi 30. Oktober 2014 at 01:15 - Reply

    ein echt toller Beitrag! ich habe meine Seminararbeit über das Thema medienerziehung und Medien heute geschrieben und du hast wirklich schon viele Dinge genannt. in gewissem Maße sind die Medien Fernseher und Internet nicht schädlich solang die Eltern den Kindern Grenzen setzen und sie kontrollieren. was allerdings das wichtigste ist dass die Eltern ihre Kinder auf die Gefahren die im Internet warten hinweisen.. meiner Meinung nach gibt uns das Internet ganz viele tolle Möglichkeiten;)
    Liebe Grüße und einen schönen Abend! Sandi

  9. Nadine 13. November 2014 at 04:04 - Reply

    Ich denke nicht, dass Kinder vom Fernsehen einen Schaden bekommen. Es spricht bestimmt auch nichts gegen ein paar Minuten Fernsehen am Tag. Die meisten Eltern sehen das jedoch anders und so manches Kind schaut bis zu acht Stunden am Tag fern.
    Ja, es gibt Kinder, die werden mit dem Fernsehen geweckt.
    Von einer Tagesmutter würde ich durchaus mehr Programm erwarten, als den Fernseher anzumachen.
    Was ich ganz schlimm finde ist bestrafen und belohnen durch Medien. Sei lieb und ich kauf dir ein Computerspiel, sei frech und es gibt Fernsehen oder Internetverbot.

  10. Isa 20. Dezember 2014 at 15:18 - Reply

    Hi du! Bei uns darf die Große Sandmännchen gucken und letztens auch ihren ersten langen Film. Das Baby schirmen wir ab, aber wenn es mal mitschaut, dann ist das auch kein Weltuntergang. Ich finde, in Maßen schadet nichts. Weder TV, Süßkram oder Computer.
    Liebe Grüße Isa

  11. Kerstin 19. Januar 2015 at 12:24 - Reply

    Toller Beitrag!

    Es gibt ihn, den gesunden Mittelweg. Beim Essen, beim Schlafen und auch beim Fernsehen. Ich denke, ihr geht einen guten und gesunden Weg! 🙂

  12. Denise Bella 19. Januar 2015 at 13:45 - Reply

    toll geschrieben. Ich möchte auch, das meine Kinder sich irgendwann sicher in den Medien der Zukunft bewegen können (aber wir lieben trotzdem die alten DVDs mit der Puppenkiste) Aber mein Sohn (8) meint ganz oft zu mir: Mama, ich hab da etwas, ich möchte mehr darüber erfahren – dann googeln wir, nutzen Youtube und finden heraus. Und meine Tochter (6) fragt mich nicht . Mama, darf ich fernsehen – sie fragt: Mama, darf ich etwas bei Youtube sehen…Denn dort bestimmen wir das Programm. Ganz oft auch auf Englisch. Medien sind nicht schlecht. Gummibärchen ja auch nicht. Nur das „wie“, das „Wieviel“ und das „Warum“ ist wichtig.

  13. Helga Blank 20. Januar 2015 at 16:57 - Reply

    Das ist ein ganz toller Artikel, der einfach die Realität widerspiegelt!
    Strikte Verbote erzeugen nur Gier, egal ob bei Schokolade oder Handy.
    Wie sollte ich auch meinen Kindern erklären, dass dieses Ding, das so häufig in meiner Hand ist oder der kleine Kasten in den ich gucke und dann auch noch drauf rumdrücken darf – schädlich und gefährlich ist? Nicht sehr glaubwürdig, oder?
    Dein Satz – die Dosis macht das Gift – ist der Schlüssel!
    Danke!

  14. Mel 11. Juli 2015 at 21:38 - Reply

    Also, ich muß dem Dozenten ein bißchen Recht geben – für mich liefert das Fernsehen in zu kurzer Zeit zu viele Bilder… Deshalb habe ich mich als Erwachsene dagegen entschieden. Und ich bin regelmäßig glücklich, daß ein dosierter Umgang damit ermöglicht, daß ich meine Brut damit nach Bedarf mal ausschalten kann. 😉
    Wie Du schon sagst, die Dosis und die Begleitung durch hoffentlich kompetente Eltern machen es. Fernseher und Computer sind bestimmt nicht von sich aus böse.
    Schöner Post.
    GLG, Mel

  15. meinliebesfrollein 11. Juli 2015 at 23:10 - Reply

    Uah…jetzt muss ich mich outen. Wir haben gar keinen Fernseher. Warum? Weil der alte vor siebzehn Jahren kaputt ging und es keinen Grund gab, einen neuen zu kaufen. Meine Mädels, 11 und 16 Jahre haben auch nie danach verlangt. Sie fanden es bei Freunden eher langweilig, wenn ein Film angeguckt wurde. Wahrscheinlich kommen sie nach mir: nach der Arbeit handwerke und plane Beiträge für meinen Blog. Die Töchter geben mir kreative Tipps und gestalten gerne ihr Zimmer um. Das Internet ist enorm wichtig : für die Schule unentbehrlich, Nachrichten angucken und mit Freunden kommunizieren, bloggen und wenn Zeit ist, am Sonntag den Tatort schauen. Medien sind wichtig für Kinder, denn sie wachsen in einer ganz anderen Generation auf. Und gibt es uns, als Mutter, nicht ganz viel mehr Sicherheit, wenn wir unsere Kinder jederzeit auf dem Handy erreichen können?

    • Katarina 12. Juli 2015 at 08:40 - Reply

      Hallo Meinliebesfrollein,

      Ich finde gar nicht das du dich outen musst, denn bei dem Blödsinn der im Fernsehen zu 99% läuft finde ich es auch gar nicht schlimm wenn man das Ding einfach einmottet und wegpackt.
      Mich wundert auch gar nicht das deineTöchter das eher langweilig finden, denn im Grunde genommen macht man ja nichts selber in der ganzen Zeit sondern schaut sich das (ausgedachte!!!) Leben von Personen an. Abgesehen von Dokumentationen ist das im Grunde schon ziemlich langweilig finde ich 😉

  16. Wonnie 12. Juli 2015 at 13:21 - Reply

    Bei uns bummelt den ganzen Tag mindestens ein Gerät vor sich hin. TV interessierte die Kurze noch nie, die guckt lieber Dokus über z.B. Pferdegeburten auf ihrem Tablet. Manchmal auch Stunden. Also ohne das hier einer einlenkt. Sie lernt. … Sie kennt keine Serien außer Crash&Bernstein und Gravity Falls. Das andere findet sie zu langweilig. Aber auch diese guckt sie selten. Die fast Volljährige guckt Berlin Tag & Nacht bei geschlossener Zimmertüre. RTL II ist hier nämlich verboten. Dumm TV darf man gucken, aber niemanden damit nerven 😀 Ich bin der Meinung es ist wichtig, das Kinder lernen mit all den Medien umzugehen. Abstinenz ist Quatsch.
    Herzensgrüße,
    Wonnie

  17. Marmeladenschuh 21. Januar 2016 at 09:25 - Reply

    So ist es! Und wie immer und bei so vielen Themen ist ein gesunder Mittelweg der beste Weg. Extreme sind niemals gut.
    Und danke für den Lacher ganz zu Beginn des Textes – Kinder unter 8 (!) Jahre… *tippandieStirn

  18. Kerstin 21. Januar 2016 at 12:40 - Reply

    Hallo, super geschrieben und Du sprichst von Herzen. Das gefällt mir. Und ich bin froh, hier einmal mitteilen zu können: Ja, meine Kinder dürfen Fernsehen, sogar einen ganzen Film am Stück oder mehrere Serien hintereinander. Im Winter läuft unser TV bis eine Stunde am Tag, im Sommer auch mal wochenlang gar nicht. Wichtig sind Dosis und Inhalte, der Fernseher darf nicht als Babysitter fungieren. Bei uns geht es auch nicht nur ums Fernsehen. Viel wichtiger ist der Medienkonsum insgesamt. Eine Stunde Medien am Tag beinhaltet TV, PC, Handy, Tablet und Konsolen. Wer schon bei YouTube Musikvideos angeschaut hat, der darf danach weniger Fernsehen. Lg

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