Die Ruhe weg haben.

Die Ruhe weg haben

Andere Menschen, die mich und die drei Kids alleine erleben, stellen meist fest: „Man, du hast ja die Ruhe weg, dass könnte ich nicht.“ oder „Du strahlst ja so eine Ruhe aus!“. Also Leute, dass schmeichelt mir sehr, aber heute beschreibe ich euch mal das auch mir der Allerwerteste manchmal auf Grundeis geht.

Am Samstag war ich mit Motti, Wawi und Nini auf dem Weg zum Mommyblogger Headquarter. Motti freute sich seit Wochen auf „die andere Motti“, ich freute mich seit Wochen auf meine Ladies und die Zwillinge freuen sich generell immer wenn wir nach draußen gehen.  Ich zog also alle Kinder an (3 Jacken, 6 Schuhe) und mich selbst (1 Jacke, 2 Schuhe) warf einen Blick in den Spiegel (keine Flecken) und nahm meine Schlüssel. „Niemand außer Motti darf ALLEINE Treppe laufen!“ „Ja, Mama ich darf das schon ganz  ‚leine.“ Drei Kinder quetschen sich an mir vorbei als ob es kein Morgen gäbe, ich hyperventiliere zum ersten Mal und habe definitiv eine Hand zu wenig. Von unser Wohnungstür bis zum Fahrstuhl geht es 8 Stufen nach unten. Acht Stufen die Motti inzwischen problemlos nimmt, aber auch acht Stufen welche die Zwillinge GLAUBEN problemlos zu nehmen. Die Realität ist: Sie können es an der Hand, aber ohne würden sie das Gleichgewicht nicht halten und einfach die Treppen runterpurzeln. Die Treppen sind aus Stein, wie in jedem „Hochhaus“ vermute ich.

Die zeternden Zwillinge halte ich also mit einer Hand BEIDE fest, und schließe mit der anderen Hand die Tür ab. Motti ist schon die halbe Treppe runter, Nini will sich aus meiner Hand winden und hinterher. Was die große Schwester kann, kann sie schon lange. Wawi beschließt sich meinem Griff dadurch entziehen zu wollen indem sie sich auf den Boden wirft. „Mama aber ich kann noch gar nicht laufen.“ Ich bin mir sicher das sie das sagen würde.

„Motti magst du schon einmal den Fahrstuhlknopf drücken?“ „Ja, Mami!“ Na das klappt wenigstens. Im Fahrstuhl (der ein bisschen größer ist als unser Zwillingswagen, den wir dort immer reinquetschen mussten) fangen die Mädels an fangen zu spielen, und Wawi versucht an den Notfallknopf zu kommen (was bin ich froh das dieser 20sec ununterbrochen gedrückt werden muss). Die Türen öffnen sich. Wir sind im Erdgeschoss.

Unfallfrei geht es zum Auto (wie das aussehen kann habe ich hier schon einmal beschrieben, allerdings laufen inzwischen alle drei sicher.) Ich bekomme alle Kinder ins Auto und wir fahren los. Sobald wir auf der Autobahn sind, ruft Motti von hinten abwechselnd „Schneller Mama! Den anderen Autos hinterher!“ und „Vorsicht Mami!!!“  Nach 30min Autofahrt (und meinem leicht neurotischen Blick an die Seiten der Fahrbahn -und auf den Tacho, nein ich fahre eher zu langsam als zu schnell- ob da nicht wieder die Blitzer-Litfasssäule aka. Robocop steht von der ich letztens mit sensationellen 6km/h zu schnell geblitzt worden bin.)

14:34 Uhr Ankunft an der Location in Hamburg. Ich schleche mit sensationellen 3km/h die Straße runter, und versuche einen Parkplatz zu finden. Hinter mir hupt irgend so ein Affe, aber ich habe Kinder, mit Terroristen verhandele ich nicht. Wir rollen die Straße runter, Motti flucht wie ein Rohrspatz:“ Da ist wieder kain Pakpatz Mami. Menno!“ und die Zwillinge quaken. Vermutlich stimmen sie mir zu. Motzen auch über den „doofen Mann“ vor mir im Auto, der „ruhig mal fahren“ könnte (in echt denke ich mir blöde Wörter aus… aber mit drei Kleinkindern im Schlepptau…da zensiert man sich selbst. Wer weiß wann einem sonst das nächste mal „blöder Vollpfosten du kannst dein Auto gleich tragen, du Affenarsch!“ um die Ohren knallt.).

Nach unendlichen 15 min finden wir einen Parkplatz, in einer Nebenstraße, etwa 1km von der Location entfernt. Nachdem ich unter fachmottischen Anweisungen „Da hast du ein Pakpatz, Mami! Passen wir da rein?“ das Auto in eine Size Zero Parklücke gequetscht habe, beginnt der Spaß.

Motti will als erste Aussteigen, also aus dem Sitz gehoben werden: 12-15kg Lebendgewicht, davon 100% Erbmasse liebender Großeltern, bloß nicht fallen lassen. Motti kooperiert und ich stelle sie auf dem Fußweg ab, an den ein Radweg grenzt. Prima wir können los, denken jetzt wohl die meisten. Aber weit gefehlt… da warten ja noch zwei weitere Prinzessinnen darauf aus ihren Sitzen gehoben zu werden. Motti weiß inzwischen ganz genau, das wenn ich die andern aus dem Auto hole sie auf KEINEN FALL irgendwo hin rennen darf. Auch nicht gehen oder hopsen oder krabbeln oder apparieren. Nix. Nada.

Ich bewege mich also wieder zum Auto, hebe Nini aus ihrem Sitz und stelle sie vor mir (also zwischen mir und der geöffneten Autotür) ab und „sperre“ sie dadurch ein. Sie wartet. Ich hebe dann Wawi aus dem Sitz und nehme beide mit einer Hand an die Hand, denn irgendwie muss ich das Auto ja auch noch zu machen und abschließen. Motti wartet derweil auf dem Fußweg. Auto ist abgeschlossen, ein Kind rechts ein Kind links und eigentlich können wir los. Wäre da nicht das akut auftretende Problem das Nini meint sie müsse jetzt absolut nicht mehr laufen zu wollen. Also Nini auf den Arm, Wawi an die Hand und Motti hält sich an meinem Schlüsselbund das an der Jackentasche baumelt fest. Im Schneckentempo laufen wir die Straße entlang. Nur noch ca 900 Meter bis zum Ziel.

Langsam kommt die „Hauptstraße“ an der unsere Location liegt in Sicht. Mein rechter „Tragearm“ brennt, das Kind an der linken Hand läuft mit Minitrippelschrittchen und will immer mit der Hand die Autos abwischen (Börks!) und Motti muss ich immer im Blick haben, denn so toll sie sich auch an dem Schlüsselbund festhält sie noch nicht mal 2,5 Jahre alt. Sie ist ein Kleinkind und Kleinkinder neigen zu Impulshandlungen. Da muss nur irgendwas sein und sie lässt los. Noch 10m bis zur „Hauptstraße“. Ich denke:“ Ich bin nicht ruhig und gelassen! Ich habe nicht immer die Ruhe weg.  Mir geht hier grade der Hintern massiv auf Grundeis!!!!! Ich habe Angst das irgendwem was passiert. Aber ich habe keine Wahl.“ Wir laufen weiter, da vorne ist ja schon die Ampel über die wir müssen.

Uns kommt ein freundlich und zu nickendes Paar entgegen, wir steuern auf die Ampel zu, das Paar lächelt, ich habe alle Hände voll zu tun, sie gehen weiter. Super. Jetzt hätte ich ein „Sollen wir mal für Sie drücken?“ gebraucht (ja ich hätte auch fragen können, aber so ist das, die besten Ideen immer erst zu Hause.). Ich überlege also kurz ob ich die Ampel (hinter der die Autos mit gefühlten 200km/h entlang brausen) auch mit der Stirn (Pickelalarm!!) oder mit der Zunge (ach, ne..dann lieber Pickel.) drücken könnte, bis ich mich für das logische entscheide: Ich setze Nini ab, nehme wieder beide Kinder an eine Hand, drücke mit der freien Hand den Knopf und zische Motti zu, dass sie das Schlüsselbund nicht loszulassen hat. Die Ampel wird rot, der anhaltende Autofahrer lächelt mich an und wir schleichen im Rentnertempo über die Straße. Immerhin hat der uns definitiv gesehen und brettert uns nicht nieder, sobald wieder grün ist.

Nach endlosen Sekunden erreichen wir das rettende Ufer. Eigentlich bin ich jetzt fertig und will nen Schnaps. Aber…ich mag keinen Alkohol und daher auch keinen Schnaps und helfen würde das auch nicht. Laufen hilft. Da vorne ist die Eingangstür.

„Nein, Motti, komm da weg das ist ein Fahrradweg.“ „Häh?“ Ja, logisch Fahrradwege gibt es bei uns auf dem Dorf nicht. Kinder werden in Kinderwägen geschoben bis sie laufen können, danach fahren sie im heimischen Garten Laufrad und zur Kita wird das Kind gefahren. Wo leben wir denn? Das ist doch auch gefährlich, schon alleine wegen der ganzen Autos auf der Straße vor der Kita.

Ich versuche also meiner noch nicht 2,5 Jahre alten Tochter zu erklären was ein Fahrradweg ist, wieso man da (grade in der Großstadt) nicht drauf stehen/gehen/laufen sollte und versuche nicht an meinen Tragearm zu denken, der sich beschwert das 9kg Kleinkind langsam etwas schwer werden. Motti entscheidet sich die letzten Meter nur noch hüpfend zurück legen zu wollen. Neben mir hüpft ein „Frosch“, Nini will langsam runter und Wawi will auch alleine laufen (ich lasse sie aber nicht). Dann die rettende Eingangstür.

 

(Nach unserem Treffen, draußen ist es inzwischen Stockdunkel, möchte ich die anderen Mädels knutschen als sich einige bereit erklären mir beim Kinder-zum-Auto-bekommen zu helfen. DANKE LADIES. Ganz ehrlich!)

 

By | 2017-06-25T17:03:18+00:00 15. Dezember 2014|Categories: Ich schreibe|11 Comments
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About the Author:

Katarina (30) ist die Mama von Motti (*2012) und Wawi (*2013) sowie Nini (*2013) und wohnt in der Nähe von Hamburg mit vielen Kühen als Nachbarn. Virtuell zu finden auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und Instagram.

11 Comments

  1. JesSi Ca 15. Dezember 2014 at 16:15 - Reply

    Meine Prinzessinnen geleite ich gerne zum Auto – die kleinen und die große. Außerdem haben die Mottis sich ja herrlich umeinander gekümmert.

    Aber ja, ich bewundere auch Deine innere Ruhe – wenn Du sie nicht hast, dann strahlst Du sie zumindest aus!
    Vor meinem inneren Auge kann ich mir das aber nun noch besser vorstellen – ich hab es ja gesehen.

    Aber ich bewundere das echt an Dir!! Jawohl, dass darf auch mal gesagt werden – mach ich nähmlcih einfach mal jetzt!! #Momsrock Frau Blogprinzessin!!!!!

    Lass Dich drücken und drück die Mädels von uns – wir sehen uns bald!!!
    JesSi Ca

  2. Herzmutter 15. Dezember 2014 at 20:36 - Reply

    Wow, dicken Repekt – Hutzieher vor dir 😉 Ich hab ja eine 2jährige und das ist schon schwierig genug die von A nach B zu kriegen 😀 Finds auch krass woher du die Energie nimmst das jeden Tag und den ganzen Tag durchzuhalten und noch ohne Mittagsschlaf…

    Liebe Grüße, Janina 🙂

    • Katarina 15. Dezember 2014 at 20:41 - Reply

      Huhu Janina,

      Ich glaube ich halte das durch, weil ich muss. Andererseits aber auch, weil ich es fast nicht anders kenne. Ich bin ja jetzt schon länger 3-Kind-Mama als ich je 1-Kind-Mama war. Den Mittagsschlaf hat Motti irgendwann selbst abgeschafft, wenn sie dann doch mal einen gemacht hat, dann war sie Abends immer bis um halb eins wach. Also lieber keinen Mittagsschlaf. Die Zwillinge machen ja noch Mittagsschlaf, spannend wird es wenn irgendwann alle keinen mehr machen.

      Ich bin schon ganz gespannt, wie das bei euch alles laufen wird. Ob es ganz anders als bei uns ist (abgesehen von der Kinderanzahl) oder ob ich mich wiederfinde. 🙂

  3. Julia 15. Dezember 2014 at 20:43 - Reply

    Grandios: Ich habe Kinder, mit Terroristen verhandele ich nicht. Gibt’s den schon als Autoaufkleber? Also, ich mag ja solche Kleber gar nicht, aber den würde ich kaufen 🙂 LG
    PS: Von mir sagt man übrigens auch immer, ich sei die Ruhe in Person. Gefühlt explodiere ich 3x am Tag. Mindestens.

  4. Tanja von Zuckersüße Äpfel 15. Dezember 2014 at 21:30 - Reply

    Liebe Katarina, was habe ich gelacht…klasse! Ich habe Dich ja auch schon live mit Deinem drei Süßen erlebt und fand auch, dass Du die Ruhe in Person warst. Aber ich kann mir auch gut vorstellen, wie es manchmal innerlich aussieht. Ganz super geschrieben 🙂

    Bis bald, liebe Grüße Tanja

    Ps.Was ist das für ein Treffen in HH? Vielleicht schaffe ich es ja auch mal zu kommen, dann sehen wir uns wieder 🙂

  5. Anna (Familie Motte) 16. Dezember 2014 at 09:31 - Reply

    Ein riesengroßes Respekt-Abzeichen von mir! Ich habe mich gerade in letzter Zeit öfter gefragt, wie man das so macht mit 3 kleinen Kindern, wenn man nur zwei Hände hat – zum Beispiel beim über die Straße gehen…

  6. Nina 16. Dezember 2014 at 21:49 - Reply

    Ich kann mich den anderen nur anschließen. Ich habe dich am Samstag wirklich bewundert, mit was für einer Gelassenheit du mit deinen drei kleinen Mädchen umgehst. Ich dachte nur immer wieder „aha, so kann man das also auch machen“. Und das, obwohl ich mich selbst eigentlich für ziemlich entspannt halte.
    Ich finde – nach meinem kurzen Eindruck – du machst das alles echt gut!

  7. […] genommen das sie Super-Mom ist – also das ist sie schon, aber sie hat uns gezeigt, dass auch sie mal nicht immer die Ruhe weg hat… Nina vom Mausekinder-Blog ließ uns an den Gedanken zum zweiten Geburtstag ihres Sohnes […]

  8. Julia 27. Dezember 2014 at 00:36 - Reply

    Hut ab, kann ich da nur sagen!
    Ich habe eine Zweijährige und früher war ich Nanny von Zwillingen – aber beides zusammen finde ich echt stark. Klar kommt man da auch mal in Stress, aber letztlich haben das Deine Mädels doch prima gemacht.
    Und Du auch. Denn ich bin fest davon überzeugt, dass Kinder, die ernst genommen und respektiert werden im entscheidenden Moment kooperieren.
    Liebe Grüße
    Julia

  9. Sabine 29. Dezember 2014 at 19:37 - Reply

    Ja, das kenne ich. Ich bin vierfach-Mutter. Jetzt sind sie 4,6,8 und 10. Da heißt es nur: die Kleinen nach Innen, die Großen außen bei den Kleinen an die Hand. Wir versperren einfach den Fußweg. Ich habe Respekt vor jeder Art Mama, auch den Einzelkindmamas oder Zweikindmamas. Das mag manchmal genauso schwer sein…Aber sie sind ja sooo oft auch sooo süß….

  10. Polly 31. Dezember 2014 at 23:11 - Reply

    Wenn ich das so lese, bin ich froh, dass der Altersabstand zwischen meinen Zwillingen und dem Baby 5 Jahre ist, das erleichtert doch so einiges 😉 Allerdings frage ich mich, warum Du es Dir so schwer machst – ich hatte damals immer den Zwillingsbuggy im Kofferraum, eben für die Fälle, wenn ich der Nähe kein Parkplatz zu finden ist. Diskussionen über lieber laufen wollen, gab es nicht, die Sicherheit ging mir da vor.

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