Ist Vereinbarkeit eine Lüge?

Ist Vereinbarkeit eine Lüge?

Ich habe mich letztens mit einer Freundin aus unserer ehemaligen Delfigruppe unterhalten. Sie hat drei Söhne. Einer geht schon in die Grundschule, die anderen beiden in den Kindergarten.

Sie selbst hat lange sehr erfolgreich in einer großen Firma gearbeitet, diese ging ins Ausland. Der Chef fragte sie ob sie mit will. Wollte sie nicht, denn ihr Mann hat einen so tollen Job bei einer anderen großen Firma hier in Hamburg. Sie kündigte und blieb zu Hause. Nichts mit Vereinbaren der Work-Life-Balance mit Kind.

Das passte, denn sie war zufälligerweise grade schwanger mit Kind Nummer 3.
Nummer 3 wurde größer und größer. Er geht jetzt in den gleichen Kindergarten in dem schon seine beiden Brüder waren.
Meine Freundin ist sehr engagiert. Im Kindergarten ist sie Elternbeiratsvorsitzende, organisiert die Kinderkleidermärkte im Frühjahr und im Herbst, und ist in ungefähr alles involviert was sie in so einem Kindergarten machen kann. Nebenbei ist sie Elternsprecherin in der Schule ihres Ältesten. Sie weiß ungefähr alles was Kinder in unserem Dorf betrifft, sei es welche Schule welche Probleme hat, wo was gebaut werden soll und so weiter. Sie ist einfach super informiert, weil sie so engagiert ist.

Inzwischen geht ihr jüngster auch in den Kindergarten. Ich stellte die Frage aller Fragen:
„Und? Gehst du wieder arbeiten? Ist da was geplant? Ich meine deine Firma ist im Ausland…“ und sie antwortete mir:“ Nein, im Moment nicht. Denn ich bringe den jüngsten morgens gegen 8:00 Uhr in den Kindergarten, komme dann heim, mache den Haushalt, und um spätestens 11:30 Uhr steht der älteste auf der Matte weil die Schule aus ist. Dann muss noch Mittagessen gekocht werden, und der Kleine und der Mittlere aus dem Kindergarten abgeholt werden. Hausaufgaben müssen gemacht werden, für Schulaufgaben gelernt und nachmittags geht es zu Fußball oder die Jungs haben sich mit anderen Kindern zum Spielen verabredet. Das sind normale Tage. An anderen fällt hier Unterricht aus, ist da ein Kind krank oder wir müssen Nachmittags zum Kinderarzt oder einem anderen Termin. Dann gibt es die Schulferien, Kita Schließzeiten und Schulausflüge an denen die Kinder anders als besprochen nach Hause kommen.
Selbst wenn das alles nur die Ausnahme wäre, welcher Arbeitgeber soll mich denn da einstellen? Von 9:00-10:00 Uhr, damit ich produktiv arbeite?“

Eine andere Lösung bei diesem „Mehrkindproblem“ ohne Großeltern in der Nähe sehe ich auch nicht. Man könnte jetzt sagen: Wieso macht ihr Mann nicht weniger damit sie mehr arbeiten kann?

Ich habe sie bisher nicht gefragt wieso sie dieses Modell nicht gewählt haben, aber ich nehme mal an dass sie in keiner Teilzeitstelle so viel verdient hätte wie er bei der Firma mit dem großen „A“ hier in Hamburg. Sie muss die Anfahrtszeiten zum Job ja noch dazurechnen, genauso wie ich weiß dass er auf Dienstreisen gehen muss. Wie sollte das denn gehen, drei Kinder, ein Teilzeitjob außer Haus und dann ist der Mann länger auf Geschäftsreise?

Vielleicht aber auch ist das einfach nicht ihr Lebensmodell. Vielleicht findet sie das völlig gut so wie es ist. Und ich finde es auch völlig in Ordnung so. Dennoch frage ich mich wie das in anderen Familien läuft. Das muss  immer ein „spitz auf Knopf“ gestricktes Modell sein, in dem niemand krank werden oder ausfallen darf, oder?
Wie bekommt ihr die Kinderbetreuung zum Beispiel in den Ferien hin? Oder wenn die Schule ausfällt oder der Kindergarten zu hat?


vereinbarkeitBeim Family Event des Coca-Cola Happiness Instituts stellten wir in der „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ Denkrunde auch fest, dass diese Vereinbarkeit wohl ohne ein Umdenken nicht geht.

Ich füge hinzu, dass ich denke dass dafür nicht nur ein gesellschaftliches Umdenken notwenig ist: sondern auch das sich die Betriebe in denen Menschen mit Kindern arbeiten daran anpassen sollten, dass die Arbeitnehmer eben nicht nur fleißige Arbeitsmaschinen sind, sondern auch Menschen.
Diese Menschen arbeiten nachweißlich besser wenn sie sich keine Sorgen darum machen müssen, wegen ihrer Familie die Arbeit zu verlieren. Haben Sie diese Angst im Übermaß, arbeiten sie schlechter und werden krank. Maschinen muss ich warten und bei Arbeitnehmern dürfen wir nicht vergessen den Mensch zu sehen.

Das Problem meiner Freundin ist nicht so sehr ihr Arbeitgeber, sondern wieder die Kinderbetreuung an der auch wir „scheitern“. Staatlich finanzierte Kinderbetreuungseinrichtungen die rund um die Uhr am Tag geöffnet haben. Die sie nutzen darf wie es der Arbeitsvertrag sagt. sie braucht 8-12:00 Uhr? Bekommt sie! 20:00-10:00 Uhr? Aber gerne. Flexible Kinderbetreuungszeiten die flexibel an Arbeitszeiten angepasst werden können.

Das wäre doch mal was.

By | 2017-06-25T17:03:17+00:00 15. Februar 2015|Categories: Ich schreibe|30 Comments

About the Author:

Katarina (32) ist die Mama von Motti (*2012) und Wawi (*2013) sowie Nini (*2013) und wohnt in der Nähe von Hamburg mit vielen Kühen als Nachbarn. Virtuell zu finden auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und Instagram.

30 Kommentare

  1. Teilzeitmutter am 15. Februar 2015 um 16:49 Uhr- Antworten

    Liebe Blogprinzessin,

    ein wirklich spannendes Thema, mit dessen Problemen ich mich auch jeden Tag auf Neue rumschlage. Und das bei nur einem Kind, mit Teilzeitstelle und flexibler Kinderbetreuung. Dennoch frage ich mich täglich: Geht das überhaupt? Kommt was zu kurz? Meine These bislang: Vereinbarkeit von Beruf und Familie gibt es nicht! Eher ein halbwegs friedliches nebeneinander her Existieren. Ein Blogartikel dazu ist schon in Arbeit…. Wie sind denn deine Erfahrungen?
    LG
    Teilzeitmutter

    • Katarina am 15. Februar 2015 um 17:38 Uhr- Antworten

      Liebe Teilzeitmutter,

      Ich denke es geht nur wenn man einen ganz normalen Job hat mit ganz normalen Arbeitszeiten, so das man wenigstens nicht durch die Betreuungslöcher der Kitas fällt. Dann, je nach Bundesland, noch genug verdient damit man sich den Kindergarten/Hort nachmittags auch leisten kann und natürlich darf man nicht sowas verrücktes machen wie Alleinerziehend zu sein. Zusammengefasst: Vereinbarkeit geht ganz einfach wenn man exakt ins Schema „F“ passt. Sobald man davon abweicht, gehts von „schwierig“ zu „nahezu unmöglich“. (Meine Meinung)

  2. TanjasBunteWelt am 15. Februar 2015 um 18:06 Uhr- Antworten

    Hallo Katarina,
    ich habe zwar nur eine Tochter, aber mein Mann und ich sind immer abwechselnd zu hause geblieben wenn Ferien waren. Leider kann man so auch nie gemeinsam Urlaub machen 🙁
    Anfangs bin ich Teilzeit arbeiten gegangen und meine Schwiegermutter hat ab und zu helfen können, wenn es bei ihr in der Arbeit ging. Ansonsten gab es Nachmittagsbetreuung.
    Irgendwie ist es dann immer gegangen, wie genau, ich wundere mich heute noch.
    Mittlerweile ist sie 14 Jahre als und bleibt schon zu hause 😉 Essen kann sie sich selber schon kochen (Einfache Sachen), ansonsten koche ich vor und sie wärmt es sich auf.
    Da sie zeitweise auch mal bis 13 Uhr schlafen kann, ist der Tag ohne Mama und Papa auch nicht so lange! Mein Mann kommt um 16:15 Uhr heim.
    So können wir jetzt endlich gemeinsam Urlaub machen.
    Bei mehreren Kindern puh ich wüsste nicht wie das gehen würde, da es so schon so schwer war, alles zu koordinieren. Unsere Eltern arbeiten alle noch, weil wir so jung waren als meine Maus kam. Großeltern wohnen viel zu weit weg.
    Aber irgendwie geht es immer.
    LG Tanja
    PS: Ich könnte es mir finanziell auch gar nicht leisten, wenn einer zu hause bleiben würde.

    • Katarina am 15. Februar 2015 um 18:20 Uhr- Antworten

      Hallo Tanja,
      Super wie ihr das gewuppt habt. Ich denke man lässt sich vieles einfallen, weil es einfach irgendwie gehe MUSS. Aber das ist doch eigentlich das verrückte an der Sache, das die meisten Familien nicht mehr von einem einzigen Einkommen leben können und andererseits ganz viele Dinge immer Nachmittags sind.
      Mir ist z.B grade aufgefallen, dass bei uns im Ort die ganze „Kurse“ für kleinere Kinder immer am frühen Nachmittag sind.
      Wer hat denn da Zeit? Das ist ja, wie du selber sagst, mit einem Kind eigentlich schon nicht zu schaffen aber mit mehreren ganz Unmöglich. Ich kenne jedenfalls nur die Stay At Home Moms die es schaffen Nachmittags unter der Woche irgendwelche Kurse zu besuchen oder ihre Kinder von A nach B zu fahren.

      Ein schwieriges Thema finde ich, denn so oder so ist es schwierig und es wird doppelt schwierig weil die Gesellschaft einen für beide Wege verurteilt. Nur zu Hause -> Hausfrau die sich von ihrem Mann durchfüttern lässt. Vollzeitjob -> Rabenmutter. Teilzeit -> Nicht genug in der Firma für die spannenden Projekte.

      • TanjasBunteWelt am 17. Februar 2015 um 09:21 Uhr- Antworten

        Du sagst es, egal wie, man macht es eh falsch. Will man deshalb gar keine Kinder, was ich auch verstehe, dann wird man auch gleich verurteilt. Irgendwie geht es immer, aber man altert dabei irgendwie schneller *gg*

  3. Diana am 15. Februar 2015 um 20:03 Uhr- Antworten

    Ja, es ist eine Illusion! Immer noch!
    Wir haben vor Kurzem das zweite Monsterchen bekommen und ich möchte wieder arbeiten gehen, wenn der Kurze 10 Monate alt ist. Aber wie machen? Die Kita nimmt ihn erst mit 1 Jahr, in zwei verschiedene Kitas will ich die Kids nicht geben,weil dann Fahrerei/Ferien/Konzeptionstage etc nicht gleich sind. Richtig überl wirs es, wenn einer in die Schule kommt. Da wir über die Grenze zeihen wollen, haben sie dann 10 Wochen Sommerferien!!! Wie will man das überbrücken? Ich habe keine Ahnung…. Mehr als TZ krieg ich neben der Otganisation der Kinder und Haushalt eh nicht hin. Da werde ich wohl vorarbeiten für die Ferien… Prima! Jaja, Frauen zurück in den Job klappt auch bei einem Standardjob kaum

    • Katarina am 15. Februar 2015 um 20:38 Uhr- Antworten

      Liebe Diana,
      genau solche Gedanken hatte ich beim schreiben!! Kindergärten/Kinderbetreuung generell muss meiner Meinung nach mehr mit realen Arbeitszeiten synchronisiert werden, sonst ist das alles irgendwann gar nicht mehr zu schaffen. Oder man „muss“ die Kinder dann auch noch in den Schulferien fremdbetreuen lassen.

      • Klaudia bloggt am 15. Februar 2015 um 21:36 Uhr- Antworten

        Dazu hab ich erst heute einen guten Kommentar einer Erzieherin gelesen: Die sind nämlich auch oftmals Mütter & haben genau die gleichen Einschränkungen – die Frage ist was genau sind denn reale Arbeitszeiten & vergessen wir nicht oftmals, dass wir diese Arbeitszeiten nur auf Kosten von anderen bekommen?!
        Wollen wir wirklich, dass am Ende der Beruf Erzieherin immer unattraktiver wird, weil Kitas bis 22/24h offen haben und Frauen/Männer z.B. auf Grund einer eigenen Familie diesem nicht nach gehen können?!

        Wir fordern viel vom Staat was die Kinderbetreuung angeht, dürfen aber nicht vergessen, dass am Ende nicht die Politiker/innen den Job machen sondern meist Frauen wie du und ich & diese dann wieder das gleiche Problem haben, oder gerne mehr Zeit mit ihren eigenen Kindern verbringen würden, aber dann nicht mehr in dem Maße können…

        Ich finde man kann leider nicht beides vereinbaren – 100% Job & 100% Kind & 100% Ehe/Beziehung gehen eben nicht, irgendwas bleibt immer auf der Strecke.
        Und ganz ehrlich: Unsere Eltern haben es doch auch geschafft, oder nicht!? Meine Mama hat Teilzeit, mein Papa Vollzeit gearbeitet, wir waren nicht reich, aber mit sparen konnten auch wir uns Schönes leisten – ich habe manchmal das Gefühl unser Problem ist gar nicht so sehr die Vereinbarkeit, als die Zufriedenheit…

        • Katarina am 16. Februar 2015 um 08:38 Uhr- Antworten

          Hallo Klaudia,

          da hast du natürlich Recht und das wiederum ist auch ein eklatantes Problem. Mein einziger Lösungsansatz dafür: Auch Erzieherinnen und Erzieher (und die anderen Mitarbeiter die so anfallen) dürfen ihre Kinder in dem 24h „Kindergarten“ betreuen lassen. Denn in meiner Vorstellung wäre es dann eher eine Kinderbetreuungseinrichtung in der alle Kinder betreut werden können, bis sie in einem Alter sind in dem das nicht mehr notwendig ist.

          Das Problem was du ansprichst fängt ja eigentlich schon bei der Ausbildung zum Erzieher an, hier in Schleswig-Holstein beispielsweise machen die Erzieher am Anfang der Ausbildung eine 14 tägige „Kennenlernfahrt“, Kinder natürlich unerwünscht. Wer da also schon alleinerziehend (und worst case ohne betreuungswillige „Framily“ (Friends&Family) ist, kann sich nicht mal zum Erzieher Ausbilden lassen, weil ihm die Kinderbetreuung fehlt. Das ist doch ein starkes Stück, finde ich!

          Natürlich betreuen am Ende nicht die Politiker, auch wenn das manchem vermutlich mal gut tun würde. 😉

          Liebe Grüße!

  4. Jule St am 15. Februar 2015 um 20:25 Uhr- Antworten

    Liebe Katarina,

    Ich selbst habe zwei Kinder und ein drittes ist bereits in Planung.
    Der große geht vormittags bis 12:30 in die Kita, die kleine erst mit 3 Jahren quasi 2016.
    wir wohnen auf einem Dorf und mein Mann arbeitet Vollzeit im Schichtdienst. Allerdings 180 km weiter weg. Leider wohl auch noch die nächsten 2 Jahre, dann wohl nur noch 45 km.
    Selbst wenn ich arbeiten wollen würde, was ich nicht möchte, solange die Kinder noch nickht in die Schule gehen, glaube ich nicht, dass ich einen Job in meinem Beruf als Erzieherin bekommen würde. Da ich ja gar nicht von mo bis fr arbeiten könnte. Mein Mann ist in der einen Woche mal mo di zuhause und das we und in der anderen das we da und dafür Tage in der Weg. Sehr kompliziert!
    Ich bin froh und dankbar, dass mein Mann als Alleinverdiener mir diese Chance, meine Kinder so nah und intensiv aufwachsen zu sehen, gibt. Wir haben ein eigenes Haus und kommen mit der Kohle hin. In unserem Freundeskreis bin ich leider die einzige Mama, die sich das Zuhause bleiben leisten kann. Alle anderen Arbeiten in Teilzeit oder sogar Vollzeit und haben leider nicht diese Qualitime mit ihren Kindern. Ich finde es wirklich sehr schade, dass das heutzutage kaum mehr möglich ist. Als ich klein war, ich bin Mitte der 80 er geboren, gab es erst kitaplätze ab 3. meine Mutter erzählt mir noch heute, wie schön die ersten Jahre mit uns Kindern waren und die ist froh, dass ich diese Zeit mit meinen Kindern auch so intensiv wie sie erleben kann. Man muss sich im Klaren darüber sein: diese Zeit kommt nie wieder und vergeht viel zu schnell!!
    Ich wünschte mehr Mamas hätten die Möglichkeit, gerade in den ersten Jahren, entscheiden zu können zuhause zu bleiben, ohne dass einem der finanzielle Ruin droht.
    Liebe Grüße
    Jule

    • Katarina am 15. Februar 2015 um 20:36 Uhr- Antworten

      Danke Jule,
      bei uns ist es ganz ähnlich. Minus das Haus, aber sonst. 🙂

  5. Hanna am 15. Februar 2015 um 20:28 Uhr- Antworten

    also wir bekommen das zumindest momentan mit einem Kind hin. Bisher war ich bis Januar in Elternzeit und habe nebenher nur 10 Stunden gearbeitet. Da ich noch in der Ausbildung bin – besser gesagt im Dualen Studium – und seit Anfang Februar bis Ende März Vollzeit in einem anderen Bundesland im Studium bin, haben wir momentan leider sowas wie eine Wochenendfamilie. Klar ist das scheiße, aber ändern kann man es nicht. In dieser Zeit ist der Papa in Elternzeit. Trotzdem geht unser Sohn 35 Stunden in Block in den Kindergarten – sprich von 7:15 Uhr bis 14:15 Uhr. Ab Ostern wird der kleine dann 45 Stunden in Kindergärten sein und der Papa, als auch ich zu 100% arbeiten. Ab August werde ich dann auf 80% runter Stufen. Aber eigentlich nur aus dem Grund, dass wir auf das Geld nicht angewiesen sind und ich die Zeit, die wir unser Kind abgeben zu viel finde. Nebenher studiert der Papa übrigens auch noch und hat freitagabends und Samstags Uni. Wir haben zwar wenig Zeit im Moment, aber es ist ja immer eine Frage, wie man sie verbringt. Und daher kann ich mich nicht wirklich beschweren. Eigentlich sogar im Gegenteil – freue mich aber natürlich, wenn die pendelzeit zur Arbeit (bei beiden pro Fahrt bis zu einer Stunde) reduziert wird. Dafür tun wir gerade alles. Sonst kann man noch sagen, dass unser Arbeitgeber Gleitzeit anbietet und wir bis zu 40 Stunden im Monat von Zuhause aus arbeiten können.

    • Katarina am 15. Februar 2015 um 20:34 Uhr- Antworten

      Hallo Hanna,

      Ich finde es ganz toll das ihr das so schafft und macht, denn das wichtigste ist doch das man sich als Familie in dem Lebensmodell das man führt wohl fühlt.
      Gleitzeit ist was tolles, und ich hoffe das in Zunkunft noch viel mehr Firmen solche Modelle für ihre Arbeitnehmer anbieten (können).

      Was studierst du denn?

      • Hanna am 16. Februar 2015 um 14:24 Uhr- Antworten

        Die Gleitzeit besagt auch „nur“, dass man zwischen 6 und 8 Uhr anfangen kann. Und mindestens einer muss im Büro bis 15 Uhr bleiben wegen unseren Kontaktzeiten. Maximal darf man bis 20 Uhr arbeiten. Also für Eltern recht egal, da der Kindergarten oft die Zeit vorgibt. Daher sind wir meistens erst gegen 8 Uhr auf der Arbeit, weil wir ungefähr eine Stunde pendeln und der Kindergarten erst um 7:15 Uhr auf macht. Ich persönlich fände es besser, wenn der Kindergarten eher auf macht und man früher anfangen kann zu arbeiten. So könnte man sich auch die Stoßzeit sparen.

        Ich studiere Wirtschaftsinformatik.

  6. Anja am 15. Februar 2015 um 21:53 Uhr- Antworten

    Huhu,

    Kann ich leider sehr sehr gut verstehen. Ich arbeite “nur” 50% im Nachtdienst.
    Bevor meine Elternzeit endete habe ich mich in anderen Betrieben beworben, da ich neue Herausforderungen gesucht hab. Beide Betriebe hätten mir die Stelle gegeben, doch ich musste ablehnen, da die Zeiten nicht mit der Kinderbetreuung zu vereinbaren waren. Gleiches Problem: Kitazeiten sind von 7:30 bis 16:30. In dem ersten Betrieb hätte ich von 7:30 bis 16h arbeiten müssen (+ Überstunden und Fahrtweg) und mehrmals im Monat 24h Bereitschaften machen müssen. Im zweiten Betrieb hätte ich nur Nacht- und Frühdienste arbeiten können, da keiner die Kinder holen kann, wenn ich Spätdienst hätte (mein Mann arbeitet von 8:00 bis 16:30 (+ Überstunden und Fahrtweg). Aber beide Betriebe waren nicht bereit die Dienste und Dienstzeiten auf eine Mutter abzustimmen, mit der Begründung, dass ja dann alle Extrawürste haben wollen.
    Der Chef im zweiten Betrieb sagte sogar zu mir, dass man sich entweder für Karriere oder Familie entscheiden muss und wenn man sich für die Karriere entscheidet, dann auch 100%. Wohlbemerkt, stand in der Stellenanzeige, dass sie ein Familienfreundliches Unternehmen sind und das bestmögliche tun um Familie und Beruf zu vereinbaren.
    Ich bleibe jetzt im Nachtdienst in meinem alten Betrieb. Die Vorteile überwiegen einfach.Ich falle zum Beispiel nicht aus wenn sie Kinder krank sind. Auch im Weitblick, wenn die Kinder mal zur Schule gehen, möchte ich da sein um mit ihnen zu lernen, etc. Also ich finde es auch oft schwer zu vereinbaren, dass beide Eltern vollzeit arbeiten und dann noch Karriere machen. Manche haben vielleicht gute Berufe gewählt und bekommen es super geregelt. Eine Freundin arbeitet zum Beispiel Vollzeit in ihrem studierten Beruf von Zuhause aus.

    Viele Grüße
    Anja von Kuddelmuddel

    • Katarina am 16. Februar 2015 um 08:43 Uhr- Antworten

      Huhu,

      Ja das Problem mit den Diensten kennen wir auch. Manche Berufe brauchen einfach Betreuungszeiten die außerhalb der Norm liegen. (Wie machen das denn wohl die ganzen Ärzte/Krankenschwestern/Pfleger und andere Mitarbeiter in Krankenhäusern? Haben die alle einen „zu Hause sitzenden“ Partner? Oder hat jedes Krankenhaus eine Hauseigene Kita? Oder arbeitet man nur noch versetzte Schichten (immerhin toll wenn sowas möglich ist, auch wenn man seinen Partner dann nie sieht. Irgendwas ist immer.)?
      Flexible Arbeitszeiten in einem „kinderfreundlichen Unternehmen“ als Extrawurst zu bezeichnen finde ich ist schon ein starkes Stück!

      Als was arbeitest du denn? Nachtdienste gibt es ja in vielen Berufen.

  7. Clara am 15. Februar 2015 um 22:06 Uhr- Antworten

    Ich beneide ALLE, die es sich leisten können, laaaange daheim zu bleiben. Bei uns geht es 1. aus finanziellen (Hausraten) und 2. aus versicherungstechnischen Gründen (Mann Beamter, nicht frewillig!!, dh Privatversicherung, keine Familienversicherung möglich) nicht. Ich arbeite quasi „für die Hausraten“ 50% im Schichtdienst (Krankenhaus) und sptestens da hört es ohne Oma, Tante und Großtante (die alle selber noch arbeiten) auf zu funktionieren. Denn welche Kiga-Zeiten passen?? Ganztags- will ich nicht und zu teuer. Vormittags?? Was mach ich dann beim Spätdienst?? usw… Es reicht schon, dass ich nach dem Nachtdienst (ausser am Wochenende) nicht schlafen „darf“ abgesehen von 2 Stunden Mittagsschlaf … 😉 Bin gespannt wie das dann mit Nr 2 funktioniert. Erfahrungsgemäß funktioniert planen nicht, weil eh alles anders kommt. Wenn auch meistens gut 🙂 Ich hab mir das Grübeln abgewöhnt, weil sonst hätte ich kein(e) Kind(er) bekommen dürfen.
    Viele Grüße! Clara

  8. Klaudia bloggt am 16. Februar 2015 um 08:22 Uhr- Antworten

    Die Frage ist ja auch, was sind denn genau die „realen“ Arbeitszeiten. Ich habe bei Glucke und so einen interessanten Kommentar zu eben dieser Thematik gefunden und zwar zur Abwechslung auch mal von einer Erzieherin. Anpassen der Öffnungszeiten der Kitas bedeutet nämlich im Umkehrschluss, dass Familienplanung für die Erzieher/innen komplizierter wird, weil diese dann nämlich auch ins Schichtsystem und in die 100% Flexibilität rutschen. Eigentlich doch auch keine perfekte Lösung, oder!?
    Die Erzieherin die diesen Kommentar bei Glucke und so verfasst hat, schreibt selber, dass sie Kinder hat und Vorstellungsgespräche bei ihr mittlerweile genauso ablaufen, wie in anderen Berufen: sie bietet mit Kindern zu wenig Flexibilität, zu wenig Zuverlässigkeit (Krankheitstage etc.).

    So schwarz weiß ist das nämlich leider nicht. Klar kann man die Politik zum Beispiel immer wieder beschuldigen und auch erwarten, dass diese dafür sorgt, dass Kitas überspitzt bis 22h/24h geöffnet haben, aber vergessen wir da nicht, dass es am Ende nicht diese Politiker sind die den Job ausführen müssen, sondern Menschen wenn nicht sogar Mütter/Väter wie du und ich!?

    Hier der Artikel: http://gluckeundso.de/ich-moechte-wieder-einsteigen-bitte/#more-700

  9. Claudia von reetselig am 16. Februar 2015 um 09:01 Uhr- Antworten

    Echt schwieriges Thema! Beim ersten Kind war ich noch selbständig mit eigener Physiotherapiepraxis und wir waren voll am Umbauen unseres alten Hauses. Heute habe ich keine Ahnung mehr wie das ging….
    Eigentlich sind meine Kinder schon so groß, dass ich wieder besser arbeiten könnte. Aber da meine Jüngere seit einem Jahr Diabetes hat,
    fällt es mir schwer, los zu gehen und mich für einen neuen Job zu bewerben, denn es kann jederzeit sein, dass ich schnell weg muss, weil sie Probleme hat. und mich braucht…
    Bis sich eine Lösung findet, engagiere ich mich nun in der Schule
    Hab einen schönen Tag
    Claudia

    • Katarina am 16. Februar 2015 um 09:14 Uhr- Antworten

      Hallo Claudia,

      Da sprichst du ein wichtiges Thema an: Was wenn ein/das Kind eine chronische Krankheit hat, die es selber vielleicht noch gar nicht immer überblicken kann? Ists dann schon aus die Maus mit Vereinbarkeit?

      Liebe Grüße an den Deich,
      Katarina

  10. Dana am 16. Februar 2015 um 16:21 Uhr- Antworten

    Nennt mich unverbesserlichen Optimisten, aber warum soll das nicht gehen? Ich hab 3 Kids im Alter von 15 Monaten bis 8 Jahren, einen Vollzeitjob mit Vertrauensarbeitszeit und Homeofficeoption. Und ja, wir organisieren uns durch die Woche und ja, es verlangt vom Arbeitgeber viel Flexibilität und Vertrauen, ABER dann geht es! Wirklich! Was ist denn auch die Option? Jede Frau (oder doch lieber die Männer?) die Kinder bekommt bliebt zu Hause? Wie viel Kreativität, Fachwissen, Einfühlungsvermögen und Idee gehen da der Arbeitswelt verloren und viele von uns arbeiten doch in Jobs die der Allgemeinheit etwas zurück geben.
    Also, ich gebe nicht auf zu sagen: es gibt sie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf!

    • Katarina am 16. Februar 2015 um 16:57 Uhr- Antworten

      Hallo Dana,

      Dann hast du aber einen wirklich tollen Job bei einem guten Arbeitgeber gefunden! Ich kenne (hier auf dem Dorf) niemanden der Vertrauensarbeitszeit (wie genau ist das definiert?) hat. Das ist regional wohl sehr unterschiedlich…. Und dann auch noch Homeoffice! Voll super! Ich wünschte davon gäbe es noch viel mehr Stellen! 🙂

      • Dana am 17. Februar 2015 um 11:28 Uhr- Antworten

        Ohne die Infrastruktur in Berlin wäre natürlich nicht möglich. Das Thema Vertauensarbeitszeit wird so gehandhabt, dass ich einen 40 Stunden Vertrag habe ohne zwingende Anwesenheitszeiten. Das heißt ich bearbeite meine Projekt und wann ich diese schaffe rechtfertige ich meinem Chef, ohne das um konkrete Minuten Arbeitszeit geht. Dazu gehört auch die Arbeit im Homeoffice. Natürlich braucht es dazu die richtige Ausstattung und in jedem Job ist das nicht machbar. Diese Flexibilität funktioniert auch nur, wenn sich beide Seiten einig sind, das heißt auch ich lasse nicht nach 8 Stunden Arbeit den Stift fallen und bin auch abends oft nochmal mit dem Job beschäftigt. Ich ziehe daraus soviel Positives, dass ich es mir nicht anders vorstellen kann. Darum finde ich aber die immer wieder aufkommende These Vereinbarkeit ist eine Lüge einfach nicht richtig – es geht, mit flexiblen, offenen, kreativen Arbeitgeber und der richtigen Infrastruktur. und wer sich dann entscheidet lieber mehr zu Hause für die Kinder da zu sein hat dazu natürlich jedes Recht, wird aber nicht von den äußeren Faktoren dazu gezwungen.

  11. Susa am 16. Februar 2015 um 16:25 Uhr- Antworten

    Man kann auch mit 3 Schulkindern ohne Probleme in Teilzeit arbeiten gehen, wenn man die Betreuung hat. Wir wohnen im Einzugsgebiet einer Ganztagsschule, heißt Betreuung von 7.30 Uhr bis 16 Uhr kein Problem. – In Berlin ist man ganz schnell von A nach B (mit den Öffentlichen, wenn sie fahren, heißt arbeiten von 8.30 Uhr bis 14.30 Uhr oder sogar 15.30 Uhr ist ohne weiteres möglich) und wenn man nicht allein ist, kann man sich mit dem Abholen und der Betreuung in den Ferien abwechseln (hat man gute Freunde, die auch schon Schulkinder haben braucht man nicht einmal einen Ferienhort, da die Betreuungszeit untereinander aufgeteilt werden kann, wer kann wann betreuen). – Da es in Deutschland ohnehin schwer ist als Arbeitnehmer krank zu werden (egal ob mit oder ohne Kinder), sollte man sich weitestgehend gesund und fit ernähren und halten. – Es geht, wenn man will. Man macht halt dann die Hausarbeit mit den Kindern zusammen und nicht in der kinderfreien Zeit – was ja kein Problem ist, denn wozu hat man Kinder bekommen? Sicher nicht um sie ständig abzuschieben. – Vereine können sie dann am Wochenende besuchen oder am Nachmittag (zusammen mit Freuden kann man sie dann im Wechsel mit den anderen Eltern bringen und holen). – Das einzige Problem, was es wirklich gibt, es gibt nicht genügend Arbeitsplätze für alle UND vor allem ob man von dem mickrigen Lohn (viele Arbeitgeber zahlen für Fachkräfte nur 8,50 Euro BRUTTO die Stunde, besonders, wenn man in Teilzeit arbeitet) eine Famile ernähren kann/will und sich für den Nettolohn, den man dann mit Hartz4 aufstocken muss (um über die Runden zu kommen) sich das wirklich antun mag, steht dann auf einem anderen Blatt.

    • Katarina am 16. Februar 2015 um 16:58 Uhr- Antworten

      Liebe Susa,

      wie toll das es in Berlin/ „Dem Osten“ besser funktioniert als bei uns im „Westen“. Aber ich habe gehört Kinderbetreuung soll in Berlin in den Kitas eh umsonst sein, stimmt das?

  12. Dani am 17. Februar 2015 um 12:45 Uhr- Antworten

    Hallo Katarina,

    Wie auch bereits Klaudia bloggt gesagt hat ist es ein ewiger Kreislauf der so nicht funktioniert. Wenn Kitas flexible Betreuungszeiten anbietet dann haben die Erzieher(innen) mit Kind ein Problem. Mal dazu gesagt das ich mein Kind nicht nachts in eine Kita bringen möchte. Dasselbe Problem sind doch die Forderungen nach 24Stunden Supermärkten, auch hier arbeiten hauptsächlich Mütter an den Kassen, wo sollen denn die mit Ihren Kindern hin?? Wieso fordern wir am falschen Ansatz. Es sollte in Deutschland doch möglich sein ohne sich tot arbeiten zu müssen, seine Familie und das eigene Bedürfnis zu arbeiten, zu verbinden. Zu fordern das andere anders arbeiten müssen damit wir unsere Rechte bekommen sehe ich sehr differenziert. Und zur Ausbildung zur Erzieherin, damit beschäftige ich mich gerade und Sie wird teilweise in Teilzeit angeboten und durch das „Pia“Programm, bei dem man sogar etwas verdient, Problem hier nur ist das nur die Schulzeit in Teilzeit ist und nicht die Arbeitszeit. Die Erzieherin von der Klaudia sprach hat auf meinem Blog dazu kommentiert( Artikel, ich möchte wieder einsteigen, bitte!!!)lies dir das gern mal durch denn es ist wirklich traurig dass selbst Kitaleitungen flexible Erzieherinnen fordert.
    Du siehst das Thema ist unendlich.
    Liebe Grüsse
    Dani

  13. Dani am 17. Februar 2015 um 13:09 Uhr- Antworten

    Hi nochmal,Hab grad gesehen das Klaudia ja nochmal kommentiert hat und dir ja schon das mit der Erzieherin nochmal gesagt hat. Sorry das du es jetzt 3 mal liest.
    Mach doch auch bei der Blogparade von Mompower mit dort wird es auch um diese Thematik gehen.
    Liebe Grüsse
    Dani

  14. Lamasus am 26. Februar 2015 um 13:34 Uhr- Antworten

    Hallo,

    toller Artikel. Ich wollte eigentlich einen Kommentar dazu abfassen, aber der wurde zu lang.
    Daher habe ich bei den drei Lamas was dazu geschrieben. Wenn du Lust hast: Hier gehts lang:
    http://eifelschaf.no-ip.org/wordpress/2015/02/23/vereinbarkeit-von-beruf-und-familie-egalitaer-oder-traditionell/

    Ganz liebe Grüße,

    Lamasus und Alphalama
    (die bisher das erstgenannte Modell ziemlich erfolgreich fahren)

  15. karin am 28. Oktober 2015 um 09:48 Uhr- Antworten

    Hallo,

    bei uns klappt das bisher ganz gut, obwohl wir nicht ins Schema F passen. Ich als Krankenschwester arbeite Teilzeit und Schichtdienst. Und mein Mann kann in seinem Bürojob Gleitzeit Vollzeit arbeiten. Wenn ich arbeite bringt mein Mann die kleine in den Kindergarten weil ich ja schon um 6 Uhr das arbeiten anfangen muss, und ich hole sie Nachmittags zwischen 15 und 16 Uhr ab. Da mein Mann auch Nachts Bereitschaft hat. Klären wir das immer am Anfang vom Monat dass sich seine Bereitschaft nicht mit meinem Nachtdienst kreuzt. Genau so mit dem Wochenend Dienst. Wenn ich arbeite hat er normalerweise keinen Bereitschaftsdienst. Oder nur mit Home Office. Wir haben auch keine Oma in der Nähe. Aber irgendwie bekommen wir das hin. Man muss halt viel absprechen. Wir haben nur ein Kind und da geht das denk ich auch noch ganz gut. Es wird zum Glück auch nicht sehr oft krank. Wenn es krank wird müssen wir halt überlegen wer am ehesten zu Hause bleiben kann. Da ist es meistens der Mann. Und wenn es länger dauert muss die Oma anreisen. Die muss dann 110 km fahren und bleibt dann bei uns in der Zeit über Nacht.

    Liebe Grüße

    Karin

  16. Britta am 28. Juni 2016 um 21:26 Uhr- Antworten

    Da kann man wohl nur sagen: Augen auf bei der Berufswahl!
    Alle, die in Dienstleistungsberufen arbeiten und mit Kunden/Patienten öffnungszeitengebunden arbeiten, sind da einfach nicht so gut dran.
    Ich muss sagen, als ich vor 22 Jahren mit dem Studium der Sozialpädagogik angefangen habe und dann vor 20 Jahren mein erstes Kind bekam, waren solche Gedanken, wie ich sie mir heute wegen meiner 10 Jährigen Tochter und den dreijährigen Zwillingen mache, nicht abzusehen. Kinder waren weitesgehend Privatsache. Ich habe schwarz geputzt denn Sozialhilfe gab es für Studenten nicht. Immer wenn mein Kind beim Vater war, war ich in der Uni oder bei Putzjobs. Betreuungsangebote wie heute gab es nicht. Kindergarten startete mit drei und da das Kind ein Novemberkind ist, war er am Ende fast vier Jahre alt, als der Kindergarten losging. Heute doch undenkbar.
    Nun fange ich nach vielen Jahren des um-die-Kinder-rum-Arbeitens wieder an zu arbeiten und bekomme als Erzieherin neu im Job nur 26 Tage Urlaub. Mein Mann hat 32. Man muss kein Mathegenie sein um zu sehen, dass es mit den Urlaubstagen knapp wird, die Schulferien abzudecken. Gemeinsamer Urlaub? Hm. Nö!
    Und auch ich habe Stellen nicht bekommen, weil meine kleinen Kinder im Kindergarten keine 11 Stunden betreut werden können (und nicht sollen, davon mal ab), das aber als worst-case-Möglichkeit von mir gefordert wurde. (Zitat:“ Na ja. Ihre Kinder werden ja auch größer. Wir sollten in Kontakt bleiben, vielleicht passte es ja später!“)
    Die Zwillinge werden in der Schule später die Ganztagesbetreuung gehen müssen, was ich total doof finde. Das Essen ist schlecht, die Zeiten oft unflexibel und die Qualität der Betreuung… lassen wir das. Aber ohne die betreuten Ferienzeiten werden wir nicht auskommen oder nie nie nie zusammen frei haben.
    Ich war neulich beim Kardiologen, weil ich super üblen Blutdruck habe. Außer „Stress“ gibt es keinen Grund dafür (schlank, Sport, Nichtraucher/Nichttrinker). Das Arzt hat mir ein Mittel verschrieben und gesagt: “ Das ist das Los der Frauen heute. Seien Sie tapfer!“

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