Unser Erziehungsmotto

Magst du etwas über dein Erziehungsmotto schreiben?“ wurde ich letztens auf Twitter gefragt. Ich hätte also eine der Bloggerinnen von Auftragsmama sein können, die sich gefunden haben. Wenn euch die Teilnehmerliste nun anschaut, seht ihr dass ich nicht teilgenommen habe. Weil wir kein Erziehungsmotto haben, dachte ich zumindest. Vielleicht haben wir aber doch eins, denke ich mir nachdem ich die Beiträge der Kollegen/Kolleginnen gelesen habe.

blogprinzessin

Ich dachte mal unser Motto könnte „Montessori“ werden, weil ich den Ansatz „Hilfe zur Selbsthilfe“ gut finde. Ich mag die Vorstellung das Kindersachen nicht so weggeräumt werden, dass die Kinder erstmal fragen müssen bevor sie malen, spielen oder Bücher anschauen können.

In Blogs wie „Eltern vom Mars“ habe ich mitgelesen, viel gestaunt  und war begeistert. Ein toller Blog, tolle Eltern vom Mars.

In unserem Leben zu 5 auf 3 Zimmer habe ich festgestellt das es viel Engagement der Eltern fordert, wenn man „Montessoristyle“ mit mehr als einem Kleinkind leben will. Engagement das ich nicht habe, das kann mir nun blöd ausgelegt werden, aber ich möchte lieber gewillt sein in „mein Erziehungsmotto“ Zeit und Kraft zu investieren als in ein Motto wo ich erhebliche Schwierigkeiten habe es umzusetzen.

Um beim Beispiel Montessori zu bleiben: Montessori empfiehlt ein Familienbett, am besten noch ein Floorbed (also kurz gesagt Matrazen auf den Fußboden legen). Damit dieses Floorbed aber nicht schimmelt (denn Matratzen die einfach so auf dem Boden liegen fangen an zu schimmeln, daher der Lattenrost), muss man entweder tagsüber die Matratzen aufstellen (und hoffen) oder einen Lattenrost drunterlegen.

Damit es dann ein bisschen nett aussieht (meine Meinung) vielleicht noch einen Rahmen bauen, für den auf dem Boden liegenden Lattenrost. Vielleicht ähnlich einem Bett im japanischen Stil.
Tatsache ist aber: Wir haben schon ein Bett. Ich mag das Bett. Um ein Floorbed zu haben müsste das alte Bett aber weg, und das alles um ein  Bett zu ersetzen was ich eigentlich gut find und indem wir es schaffen immerhin zu 3 relativ bequem zu schlafen.

Edit (Winter 2015): Wir haben jetzt besagtes Floorbed. Ich bin nicht begeistert aber wir haben mehr Platz.

Dann gibt es zum Beispiel den Vorschlag seinem Kind einen eigenen Waschtisch bereit zu stellen, z.B mit einem Krug Wasser daneben. In der Theorie oder mit nur einem Kind, völlig super! Aber mit drei Kleinkindern – BEI UNS – absolut nicht machbar. Der Krug wäre schneller auf dem Boden zerschellt als das ich „piep“ sagen kann. Selbst wenn das nicht geschehen würde, könnte ich (oder das Kind) den ganzen Tag Wasser aufwischen. Da freut sich unser Echtholzlaminat. Oder aber ich stehe die ganze Zeit neben dem Waschtischchen und schaue das nichts passiert während die Kinder sich „selbstständig“ waschen. Dann sind wir aber an dem Punkt wo sich „Montessori Waschtisch waschen“ nicht mehr von „Mit Hocker am Waschbecken waschen“ unterscheidet. Da brauch ich dann kein „extra Möbel“ mehr in der Wohnung.

Das soll hier gar nicht zu einem „Anti-Montessori Feldzug“ werden, denn ich bin ja noch immer dafür. Ich finde das ist eine ganz tolle Angelegenheit und ein super Erziehungsstil. Er passt nur nicht unbedingt überall für uns. Andere Dinge machen wir auch, und es klappt super. Aber vieles halt nicht, einfach weil hier nicht ein Kleinkind rumwuselt sondern drei. Und die meiste Zeit des Tages nur eine Erwachsene, die schauen muss das hier nicht alles in Schutt und Asche liegt.

Wir sind inzwischen also bei „logisch denken“ und „Bauchgefühl“ angekommen. Wir impfen unsere Kinder, gehen freiwillig zu den U-Untersuchungen und auch zur Frühchennachsorge. Das müssten wir alles nicht, aber es fällt für uns in den Bereich „logisch denken“. Bauchgefühl sind dann alle anderen Bereiche: Kinder auch mal „machen lassen“ die Tage nicht mit Terminen vollstopfen und ihnen ermöglichen ihre Streitereien (in einem sicheren Rahmen) auch mal selbst zu klären. Ihre „Neins“ ernst zu nehmen! Keins unserer Mädels muss z.B jemandem (auch uns nicht) einen Kuss geben wenn sie das nicht wollen. Sie müssen auch niemanden umarmen oder ähnliches.blogprinzessin

Durch unser „Motto“ zieht sich der Leitsatz von Astrid Lindgren „Niemals Gewalt“ und die Illusion an ein Bullerbü für unsere Kinder.

By | 2017-06-25T17:03:17+00:00 23. Februar 2015|Categories: Familienleben, Ich schreibe|9 Comments

About the Author:

Katarina (32) ist die Mama von Motti (*2012) und Wawi (*2013) sowie Nini (*2013) und wohnt in der Nähe von Hamburg mit vielen Kühen als Nachbarn. Virtuell zu finden auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und Instagram.

9 Comments

  1. Anna 23. Februar 2015 at 17:35 - Reply

    Ich mag Deinen Ansatz. Ich finde es auch gut, meine Tochter möglichst viel allein machen zu lassen, und will das bei den Zwillingen auch unbedingt fortführen. Aber es gibt eben manche Dinge, die im täglichen Leben nicht 100% umsetzbar sind – wie Du schon schreibst. Mein wichtigster Leitsatz ist, meine Tochter zur Selbstständigkeit zu erziehen, respektvoll miteinander umzugehen und ihr in vielen Dingen auch auf Augenhöhe zu begegnen. Auch sie muss ihren Willen frei äußern können, und auch wir haben ihr NEIN zu akzeptieren, wenn sie etwas nicht will. Zumindest in dem Rahmen, in dem sie die Konsequenz selbst abschätzen kann. Sie bei Minusgraden in T-Shirt und FlipFlops rauszulassen, käme derzeit aber noch nicht infrage, auch wenn sie es noch so sehr will…:-)

    Da gehört dann eben auch dazu ihr zu erklären, warum manche Dinge nicht möglich sind, warum es Regeln gibt und warum es wichtig ist, dass wir diese auch einhalten.

    Grundsätzlich aber denke ich, dass man meist mit seinem Bauchgefühl am besten fährt – auch wenn Zweifel immer bleiben 🙂 – das gehört wohl zum Elternsein dazu…

    • Katarina 23. Februar 2015 at 17:55 - Reply

      „Auch sie muss ihren Willen frei äußern können, und auch wir haben ihr NEIN zu akzeptieren, wenn sie etwas nicht will. Zumindest in dem Rahmen, in dem sie die Konsequenz selbst abschätzen kann. Sie bei Minusgraden in T-Shirt und FlipFlops rauszulassen, käme derzeit aber noch nicht infrage, auch wenn sie es noch so sehr will…:-)

      Da gehört dann eben auch dazu ihr zu erklären, warum manche Dinge nicht möglich sind, warum es Regeln gibt und warum es wichtig ist, dass wir diese auch einhalten.“

      Ja! Ja und Ja!!!!

      Ich stimme dir aus ganzem Herzen zu, liebe Anna!

  2. JesSi Ca 23. Februar 2015 at 17:45 - Reply

    Hahahahaha, Gedankenübertragung???? Oder hast Du Dich wieder in meine geschlichen?????
    Ich hab heute auch einen Text dazu geschrieben – mal sehen ob ich ihn selber veröffentliche…. aber nix nachgemacht – wirklich nicht, nur endlich dazu gekommen, Berlin hatte ich ganz schön abgelenkt – zum GLÜCK!! 😉

    Drück Dich und bis Samstag!!
    Kisses
    JesSi Ca

    • Katarina 23. Februar 2015 at 17:53 - Reply

      Das ist gruselig!!!!! Jessica wohnt in meinem Kopf! Gruselig!

      (Kannst du dann bitte auch andere Sachen für mich denken, so coole neue Blogpostideen oder so?)

  3. JesSi Ca 23. Februar 2015 at 18:58 - Reply

    Oder Du in meinem????
    wobei wenn Du nur halb so viel mehr organisiert bist, würden vielleicht auch die ganzen Ideen endlich mal auf dem Blog landen und keine Rallye in meinem Kopf veranstalten….
    Langsam wird es gruselig hier!!!!

  4. Ori 23. Februar 2015 at 21:13 - Reply

    bei monte bin ich ganz bei dir! ich hätte auch gerne einen kleinen waschtisch für die jungs, damit sie nicht doch irgendwann mal vom tritt purzeln, aber da wäre dann jeden tag überschwemmung angesagt. also monte mit einem kind: super. oder mit grüßerem abstand. aber 15 monate ist mir zu anstrengend (und erst recht dem papa, schliesslich ist er ja mit den beiden zu hause und darf hinterherräumen 😉 )

  5. Claudia 1. März 2015 at 21:11 - Reply

    Hey,

    Ich glaube auch, dass die beste Erziehung eine gesunde Mischung aus „Bauchgefühl“ und „logisch denken“ ist. Solche Ansätze wie der Montessori Ansatz hören sich in der Theorie immer richtig gut an. Jedoch scheitern manche Prinzipien und Methoden des Ansatzes in der praktischen Umsetzung. Für mich sind Erziehungsansätze mehr Anregungen zur Verbesserung und Adaption an meinen derzeitigen Erziehungsstil. Ich übernehme nicht das Konzept, sondern nur einige Punkte, die gut in meinen Alltag und zu meiner Einstellung passen. Jedes Kind und jeder Moment ist individuell – ich glaube nicht, dass es möglich ist, ein Konzept zu planen, dass allgemeine Gültigkeit für alle Familien auf dieser Welt hat.
    Liebe Grüße; Claudia

  6. Tobi 2. April 2015 at 20:42 - Reply

    Ich finde deinen Erziehungsansatz auch sehr gut, also sich das beste und praktische aus verschiedenen Erziehungsstilen und auch eigener Intuition zu nehmen und für sich selbst zu einem zu verweben. So muss man nicht starr einem Stil folgen und setzt sich unnötig unter Druck, wenn ein bestimmter Erziehungsstil nicht ganz klappt. Eine entspannte Erziehung, in der es auch Laissez-Faire Situationen gibt, wirkt sich meiner Meinung nach auch positiv auf die Kinder aus. Am wichtigsten finde ich jedenfalls das „Keine Gewalt“ Prinzip von Astrid Lindgren und weitere Details, ob nun komplett Montessori oder nicht, kann man sich dann ja zusammenstellen, denn es gibt bestimmt auch andere Erziehungsmethoden, die viele positive Ansätze haben.

  7. Claudia 20. Juli 2015 at 21:27 - Reply

    Hallo liebe Katarina,

    ich habe gerade deinen Artikel zu einem Montessori-Erziehungsstil gelesen – und war erst bestürzt und dann erschrocken und noch so einiges mehr…

    Ich möchte ganz kurz zu den von dir beschriebenen Dingen ein paar Worte sagen (dürfen).

    „Montessori empfiehlt ein Familienbett – noch dazu ein Floorbeet.“ Hast du dir mal angeschaut, wann Maria Montessori gelebt hat und um welche Art von Familien sie sich vorwiegend gekümmert hat? Das waren keine gut behüteten Kindheiten in Familien, wo es allen gut ging. Maria Montessori hat Medizin, Biologie und Pädagogik studiert, sich anfänglich um geistig behinderte Kinder gekümmert und dann in einem Armenviertel von Rom ihr erstes Kinderhaus eröffnet, in welchem die Kinder betreut wurden, die ansonsten den ganzen Tag auf der Straße herum gelungert haben, weil beide Eltern und größere Geschwisterkinder von morgens bis abends in den Fabriken gearbeitet haben…

    Ein Waschtisch mit einem Krug Wasser… dazu fällt mir so einiges ein. Zum einen: ja, in der Montessori Pädagogik werden extra zerbrechliche Gegenstände verwendet, da die Kinder auf diese Weise lerne, Rücksicht zu nehmen und vorsichtig umzugehen mit den Gegenständen in ihrer Umgebung. Für Kinder ab 3 Jahren ist das auch völlig in Ordnung. Und für Kinder unter 3 ist es überhaupt kein Problem, auf unzerbrechliche Alternativen umzusteigen. Zudem glaube ich auch nicht, dass sich Dr. Montessori im Grab umdrehen würde, nur weil man statt eines zerbrechlichen Kruges einen aus zB Plastik benutzen lässt. Und der Waschtisch? Da gibt es tolle Alternativen, die zB am Badewannenrand eingehängt werden können.

    In der Montessori Pädagogik geht es darum, die Kinder zur Freiheit und Unabhängigkeit zu erziehen. Und Freiheit und Unabhängigkeit meint damit vor allem zunächst: Unabhängigkeit vom Erwachsenen. Dies soll geschehen, in dem man den Kindern Möglichkeiten gibt, selbst alles auszuprobieren, zu testen und zu wiederholen. Bevor sie also ihre Schuhe selbst zubinden, liegen Übungen zum Schleife binden bereit. Das Hände waschen sollen sie üben dürfen, so lange sie wollen – und zwar ohne, dass Mama daneben steht und die ganze Zeit den Feudel schwingt. Statt dessen steht der Feudel in kindgerechter Größe bereit, so dass die Kinder selbst, wenn sie merken, dass sie Wasser verpütschert haben, sich den Feudel schnappen und trocken wischen. Allein. Aus eigener Motivation. Weil es das ist, was sie jeden Tag bei ihren Bezugspersonen beobachten. Und weil es ihrem bestreben entspricht, nachzuahmen, was die Großen tun.
    Es geht darum, dass die Kinder lernen selbst Entscheidungen treffen zu dürfen. In einem klar umgrenzten Bereich. Und Freiheit haben sollen. „Meine Freiheit endet da, wo die Freiheit des anderen beginnt.“ – so lernen sie, auch auf kleinstem Raum, Rücksicht zu nehmen auf die Bedürfnisse ihrer Umwelt und Mitmenschen. Und gerade wenn man mit vielen Personen auf engem Raum zusammen wohnt, ist das ja sicherlich eine wichtige Sache denke ich mir.
    „Hilf mir es selbst zu tun“ ist der wohl bekannteste Satz Maria Montessoris. Dabei ist er gar nicht von Maria Montessori, sondern von Mario Montessori gerichtet an seine Mutter – es ist ein Teil eines Zitates eines Kindes an einen Erwachsenen… das sich vollständig so liest: „Hilf mir es selbst zu tun. Zeig mir, wie es geht. Tu es nicht für mich. Ich kann und will es allein tun. Hab Geduld, meine Wege zu begreifen. Sie sind vielleicht länger. Vielleicht brauche ich mehr Zeit, weil ich mehrere Versuche machen will. Mute mir auch Fehler zu, denn aus ihnen kann ich lernen.“ Es geht darum, dass falsch verstandene (gut gemeinte) Hilfe an die Kinder dazu führt, dass unsere Kinder handlungsunfähig werden und nicht lernen, die Dinge selbst anzugehen und auszuprobieren.

    Und schließlich – und das ist der Teil, der einen Erziehungsstil „Montessori“ eigentlich wieder ganz einfach macht… geht es darum, die Kinder zu allererst aus tiefstem Herzen zu lieben. Und zwar immer und bedingungslos. Und das meint vor allem auch, auf jede Art von Demütigung zu verzichten in der Erziehung, Kinder nicht anzuschreien – selbst zu leben, was man von den Kindern erwartet. Wenn ich also erwarte, dass mein Kind zu mir kommt und leise mit mir spricht, wenn es etwas von mir möchte, ist es erforderlich, dass ich mich ganz genauso verhalte. IMMER. Wenn ich also etwas von meinem Kind will, dann brülle ich nicht einmal „Hans Ulrich!!!!“ quer durch den Garten und noch einmal und noch einmal – bis er mich hört, sondern muss eben auch die paar Schritte gehen, um neben ihm zu stehen, bevor ich spreche. Und wenn ich erwarte, dass mein Sohn abwartet, bis ich meine aktuelle Tätigkeit beendet habe bevor ich mich seinem Anliegen widme, dann muss ich mich eben auch entsprechend verhalten. Und wenn er in der Sandkiste sitzt und gerade ganz vertieft einen Kuchen backt, dann lasse ich ihn seine Tätigkeit beenden bevor ich ihn bitte, dass er Tante Uschi begrüßt, die inzwischen zu Besuch gekommen ist …. das alles sind nur einige wenige Beispiele, warum der Erziehungsstil Montessori tatsächlich ein im Alltag unglaublich einfach umsetzbarer ist… Ich könnte noch Stunden so weiter schreiben, aber mache an dieser Stelle Schluss für den Moment.

    Ich hoffe, du bist mir nicht böse ob meiner Worte am Anfang – sei ganz lieb gegrüßt! Claudia

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