Give a Family a Farm.

(Wochenrückblick und „Wochenende in Bildern“)

Mittwoch:

Ich kann das alles gar nicht fassen. Da geht man nach 1,5 Jahren mal alleine ohne Mann und Kinder zu einer Hausbesichtigung, und wartet über eine Stunde auf den Makler. Ja, ich habe mich nicht getraut da anzurufen. In 1,5 Jahren der Suche bin ich sehr sehr demütig geworden und versuche auch noch solche Verspätungen zu entschuldigen.

Daumen drücken. Von draußen ist das Haus der absolute Hammer.

Daumen drücken. Von draußen ist das Haus der absolute Hammer.

Aufgebrammelt äh gestylt bin ich wie Miss Eppendorf persönlich. Für euch ist das vermutlich normal, aber für mich nicht. Hohe Schuhe, weiße Bluse, Perlenkette (echt), Perlenohrringe und schicke Tasche. In der schicken Tasche eine Mappe mit Selbstauskunft, Schufa und Empfehlungsschreiben unserer Vermieter. Fingernägel frisch lackiert, Haare gestylt (und damit meine ich nicht Pferdeschwanz sondern Lockenstab meets Haare).  Full Face Make up.

Irgendwann fährt ein anderes Auto auf den Hof. Eine Familie steigt aus. Er mit Krücken und Jogginghose, Sie mit Strickjacke und Hundeleine (und Hund), von der Rückbank krabbelt ein 7 jähriger Junge. Sie sagt den Namen der Maklerin und fragt im gleichen Atemzug ob wir uns nicht kennen würden. Hm, ja! Wir waren in unserer Jugend zusammen bei den Pfadfindern. Wie witzig. Sie hat sich auch nicht verändert, so vom aussehen. Verrückt.

Wir stehen alle etwas planlos vor dem Haus, irgendwann fragt sie ob wir uns das Haus nicht anschauen wollen. Ich sage „Wieso nicht?“, und frage mich in welchem Outfit denn die Makler neuerdings zur Arbeit kommen, aber naja offenbar kann man sich alles erlauben. Oder irgendwas ist zwischen mein bisheriges Maklerbild und die Realität gerutscht. Die klemmt vielleicht.

Wir gehen drei Schritte aufs Haus zu, meine Bekannte fragt mich was zum Haus und es dämmert mir. „Nur um das klarzustellen: Die Maklerin bin ich NICHT.“ -„Oh. Ja, wir auch nicht.“ Da stehen wir nun, im strahlenden Sonnenschein und schauen irritiert in die Sonne. Ich erfahre das ihr Termin anderthalb Stunden nach meinem gewesen wäre. Oh.

Der Hund meiner Bekannten schnüffelt, bellt und verhält sich sehr wie ein aufgeregter Hund. Ihr Sohn springt umher und fragt wo denn der Makler bleibt, verhält sich sehr wie ein aufgeregter kleiner Junge. Ihr Mann stellt fest, dass er (wenn er an meiner Stelle gewesen wäre) ja „da mal schon angerufen hätte.“ Schließlich sei das eine Dienstleistung!“ Meine Bekannte und ich sind uns nicht so sicher, schließlich entscheiden wir uns doch mal anzurufen. Sie hat die Nummer dabei, ich das Handy. Es klingelt.

Hallo hier ist Frau Fiebelkorn. Ich stehe hier mit einer anderen Familie vor dem Haus und…“ -„Oh sie sind schon da? Ich komm gleich mal rüber. Eine Minute.“ Es wird aufgelegt. Ich schaue perplex. Meine Bekannte fragt ob sich die Maklerin entschuldigt hätte. „Nein.“ sage ich irritiert und schaue auf die Gestalt die da die Nebenstraße hoch kommt. Alles anders.

Die Frau winkt. Sie trägt einen Pulli und eine Weste. Kommt näher, begrüßt erst den Hund und dann meine Bekannte. Dann mich. Oh. Die Maklerin. Keine Spur von teurem Auto oder Diamanten am Finger.  Sie versprüht mit ihrer Art etwas mütterlich-patentes. Kein Luxus. Die, die den Luxus ausstrahlt bin ich. Als einzige hier.

Ist das gut oder schlecht?

Die Maklerin versteht sich gut mit meiner Bekannten und der dazugehörigen Familie. Wir betreten das Haus und ich denke: Das ist alles sehr stimmig. Ich finde es hier prima.

Meine Bekannte stellt unheimlich viele Fragen, so das ich selber gar nicht mehr so viel Fragen muss. Ihr Hund und ihr Sohn kommentieren sowieso alles was sie sehen, was ich also noch nicht gefragt habe das kommt so ans Licht. Ich überlege zwischenzeitlich ob wir überhaupt noch eine minimale Chance haben denn immerhin haben die beiden nur EIN Kind (und den Hund).

Wir haben bekanntermaßen etwas mehr Kinder und die Maklerin sagte ja schon bei beiden Telefonaten:“ Also zu fünft ist das Haus zu klein für Sie.„. Wir gehen ins Obergeschoss, ja es ist alles nicht groß aber es passt eben für und zu uns.

Die Maklerin öffnet eine Tür und sagt:“ Ja also zu 5 wäre das Haus zu klein.“ Meine Bekannte nickt heftig und ich presse mir ein „Hmm“ heraus. Es ist noch immer deutlich größer als unsere Wohnung jetzt und hätte genügend Zimmer.

ICH finde es also nicht zu klein. Aber was will man machen, wenn man offenbar grade gegen eine 1-Kind-Familie verliert?

Wir gehen wieder runter ins Erdgeschoss und in den Keller. Am Ende haben wir alles gesehen und die Maklerin fragt ob wir eine Selbstauskunft mitnehmen wollen. Ich stoppe sie und zücke die Bewerbungsmappe aus meiner Handtasche. „Ach, Sie sind ja organisiert. Wollen Sie bei uns anfangen?„. Meine Bekannte lässt sich so einen Zettel geben und steckt ihn in die Tasche ihrer Strickjacke. Kind, Hund und Mann laufen voraus wir gehen noch einmal um das Haus.

Meine Bekannte fragt ob es möglich wäre das Haus auch irgendwann zu kaufen, die Maklerin antwortet „Nein, der Besitzer möchte es nicht verkaufen nur vermieten. Haben Sie denn Interesse an einem Kaufobjekt?„.

Ich wittere meine Chance als N. antwortet: „Ja…hmm… wir haben uns da noch gar nicht festgelegt ob zur Miete oder zum Kaufen.“ Zwei Minuten später notiert sich die Maklerin andere Angebote die sie der Familie zumailen will.

Hoffnung?

Die Maklerin verabschiedet N. und ihre Familie. „Darf ich Sie noch einen Moment sprechen?“ frage ich. Die Maklerin bittet mich ins Haus. Ich sage: „Also zur Not hätten wir auch einen Bürgen.“ Sie sagt:“Ich schaue mir mal Ihre Unterlagen eben an.“ Sie schaut über meine mitgebrachten Unterlagen und sagt:“ Ich wüsste nicht wieso Sie einen brauchen.“ Wir reden weiter und ich sage:“ Wir wollen dieses Haus unbedingt haben. Mit meinem Mann habe ich abgesprochen das ich das auch alleine entscheiden darf und ich sage wir wollen das.

Sie:“ Ja hmm..also eigentlich habe ich ja Samstag noch ein paar Besichtigungen, aber ich könnte nachher natürlich mit dem Vermieter sprechen, der hat nur grade Mittagspause bis um 15 Uhr.“ -„Ich warte auch gerne noch eine Stunde, ich habe Zeit. Aber sagen Sie wer ist denn der Mann der da versucht durch die Tür zu kommen?

Das ist der Vermieter.

Ich lerne also doch noch spontan den Vermieter kennen, ein Landwirt wie er im Buche steht. Nett sieht er aus. Er sagt er hätte ja prinzipiell nichts gegen Kinder und die Maklerin schwärmt während ich dabei stehe von uns. Sie und der Vermieter machen aus das sie „Nachher – aber vorm Melken“ das ganze bei nem Käffchen besprechen wollen, aber eigentlich brauchen Sie ja gar keine Besichtigungen mehr zu machen am Samstag. Wir verabschieden uns,  die Maklerin meint „Haben Sie keine Angst. Ich rufe Sie auf jeden Fall an.

Ich steige ins Auto und fange an zu denken dass das echt was werden könnte. Dann hole ich die Kinder bei meiner Mutter ab und wir fahren in die Wohnung. 10min nachdem alle Kinder die Schuhe aus haben klingelt das Telefon.

Hallo hier ist die Maklerin! Was haben Sie denn für ein Gefühl was ich Ihnen jetzt sagen werde?“ -„Das der Vermieter sich etwas gutes ausdenken muss, wieso er uns NICHT nimmt.

Genau. Sie haben das Haus. Haben sie Samstag schon was vor? Wir könnten noch vorm Melken den Mietvertrag unterschreiben.

WAHHHHHHHHHHHHHH!

Donnerstag:

Die ersten Anfragen via Social Media trudeln ein. „Wie war denn  die Besichtigung?“ fragen die einen., „Kam der Makler noch?“ fragen die anderen. Ich möchte allen so gerne antworten, aber ich bin so irrational  abergläubisch das ich denke: Ich kann erst offiziell was dazu sagen wenn der Mietvertrag unterschrieben ist. Ich kann das noch alles gar nicht glauben.

Motti bekommt einen neuen Kindersitz (weil brauchten wir) und die Zwillinge Gummistiefel für ihr neues Leben als Landkinder. Surreal ist das.

blogprinzessin

Freitag:

Wir fahren mit Omi und Opi in den Zoo. Ich mag sie ja sowieso, aber jetzt ist es noch mehr prima als sonst das sie da sind, denn sie verkürzen uns die Wartezeit bis zur Vertragsunterzeichnung am Samstag. Wären sie nicht da, wäre ich nervlich am Ende.

Mehrfach habe ich schon gecheckt ob das Haus noch in den Onlineportalen zu finden ist. Ist es. Wir fahren also in den Zoo. Nebenbei ignoriere ich weitere Social Media anfragen wie die Besichtigung denn gelaufen wäre.

Ich entschuldige mich hiermit wirklich, ich bin nicht so unhöflich wie ich die letzte halbe Woche wirke. Wenn ich könnte würde ich es euch allen gleich erzählen.

blogprinzessin

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Zu Hause schaue ich gleich noch einmal in die Onlineportale. Das Haus ist rausgenommen. Sie wollen also wirklich uns.

(Nein, ich bin nicht dumm. Aber ich habe einfach Angst das unser Glück jetzt noch zerstört werden könnte. Auf den letzten Metern.)

Mir ist schlecht vor Aufregung. Und weil ich mir ausmale wie es wohl sein wird innerhalb von 7 Wochen 5 Leben in Kisten zu verpacken. Ich google Umzugsunternehmen. Offenbar machen wir Umzüge wie „Kinder kriegen“ zwischendurch, sehr ungeplant und vor allem ohne das mein Mann Urlaub nehmen kann zum packen. Aber das schaffen wir. Das schaffe ich!

Samstag:

    • 7:43 Uhr:  Alle Kinder sind wach. Wir nicht so, aber es geht. *gähn*
    • 11:30 Uhr: Wir verabschieden die Schwiegereltern und fahren einkaufen.
    • 14:00 Uhr: Wir sind vom Einkaufen wieder da, ziehen uns um und machen uns ein bisschen schick. (Ich schaue paranoid nach ob jemand angerufen hat.)
    • 14:02 Uhr: Mottis Windel ist geplatzt und muss komplett eingekleidet werden. Eigentlich sitzen wir im Auto. Ne?
    • 14:05 Uhr: Es klingelt an der Tür. Unser Nachbar bringt uns Pakete. Unter anderem ein Wimmelbuch zum Thema Bauernhof. Wie passend ist das denn? Nur:

    „OKAY HASIS! Wer von euch hat uns das Bauernhofbuch von der Wunschliste gekauft?“

    15:00 Uhr: Wir haben den Mietvertrag unterschrieben!

    WIR WOHNEN JETZT BALD AUF DEM BAUERNHOF!!!!!!!

    blogprinzessin

    Sonntag:

    Marc und ich wachen auf und begrüßen uns mit: Wir haben ein Haus. Das Patencousinchen welches bei uns übernachtet hat ist noch hanseatisch-reserviert denkt sich wohl „Was man noch nicht live gesehen hat, das kann man ja gar nicht beurteilen„. Alle anderen Verwandten (und Paten) freuen sich riesig mit uns. WIR HABEN EIN HAUS.