Auf dem Weg.

Gestern Abend sagte mein Mann: „Eben, beim entlanggehen der Straße, war ich gar nicht mehr richtig hier. Es war nicht mehr „Heimat“, mein Herz war schon weg.

blogprinzessin

Ich weiß genau was er meint. Das alte Zuhause ist nicht mehr wirklich „zu Hause“, hier stehen überall Kisten, die Regale leeren sich und einiges haben wir auch schon zur Farm gefahren.  Es ist noch nach Hause kommen, aber das Herz hängt nicht mehr dran.

Als wir vor etwas mehr als 3 Jahren zusammen in diese Wohnung zogen, sagte mir jemand:

Und bist du aufgeregt? Das wird DIE Wohnung sein, in der ihr eurer Kind zur Welt bringen werdet. Die erste Wohnung zu der ihr das Kind bringen werdet nachdem es geboren ist.

(Die anderen beiden waren da noch nicht mal im entferntesten angedacht und ich hätte gelacht wenn mir jemand gesagt hätte, das ich nicht nur ein Kind heimbringen werde sondern drei. Innerhalb eines Jahres.)

Damals dachte ich, ich müsste jetzt irgendein spezielles Gefühl entwickeln für diese Wohnung. Ein ich-liebe-es und ein Gefühl das man hat wenn man seinen Kindern später sagt „DAS war die erste Wohnung in der wir gewohnt haben.“, dieses Gefühl stellte sich aber nicht ein. Wenn ich Fotos von mir als Baby in dem ersten Haus in dem wir gewohnt haben anschaue, denke ich wie schade es ist, dass ich mich nicht daran erinnern kann jemals dort gelebt zu haben. Sondern das ich mich erst an das Haus erinnern kann in das wir gezogen sind als ich 3 oder 4 Jahre alt war.

Im heutigen Kontext bedeutet das vermutlich, dass sich unsere Kinder auch nicht mehr an diese Wohnung erinnern werden. Was aus Elternsicht völlig verrückt ist, da die letzten drei Jahre einerseits irre schnell vergangen sind und andererseits sehr langsam.

Ich möchte Fotos machen, von all den Stellen an denen die Kinder das erste Mal gelaufen sind damit ich ihnen irgendwann zeigen kann „DA seit ihr eure ersten Schritte gelaufen. Genau DA auf dem Laminat und ihr habt so stolz geschaut“ nur um festzustellen das die kleine Strecke zwischen Ehebett und Schreibtisch (das ist nicht mal ein Meter dazwischen), dieser kleine Abschnitt Laminat, das dieser rein objektiv das langweiligste Foto ever wäre. Laminat wie es es überall gibt. Das einzige was ihn besonders macht sind die Erinnerungen, die an ihm kleben wie die umgekippte Apfelschorle am Boden.

 

Damals habe ich nicht verstanden was gemeint war mit „DIE WOHNUNG“.

Was habe ich diese Wohnung verflucht, was habe ich geschimpft und wie sehr würde ich sie noch hassen, wenn die Farm nicht auf uns warten würde. Oh schimpfen würde ich über sie.

Mein Herz ist nicht mehr richtig hier, aber wegen der Erinnerungen ist es auch noch nicht ganz da.

Es ist auf dem Weg. Wir sind auf dem Weg.

 

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By | 2017-06-25T17:03:14+00:00 5. Mai 2015|Categories: Familienleben, Ich schreibe|1 Kommentar

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Katarina (32) ist die Mama von Motti (*2012) und Wawi (*2013) sowie Nini (*2013), dem Dino (*2017) und wohnt in der Nähe von Hamburg mit vielen Kühen als Nachbarn. Virtuell zu finden auf Instagram, Facebook und auf Pinterest.

1 Kommentare

  1. Steffi am 7. Mai 2015 um 21:04 Uhr- Antworten

    Oh, ich versteh Dich so gut! Sind auch vor kurzem umgezogen und ich habe ähnlich empfunden. Ich lese übrigens sehr gern bei Dir.
    Herzliche Grüße und alles Gute,
    Steffi

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