Viele Menschen denken sehr ja lange darüber nach ob sie Kinder haben wollen, wenn ja wie viele und wie das wohl so wäre. Ob Kinder ihr Leben zerstören ob Kinder ihr Leben bereichern werden,  oder ob sie (die Eltern)  nur noch in Gummilatschen und Hauskitteln rumrennen würden. Nichts scheint sie mehr zu gruseln als die Vorstellung dem Mann die Zeitung bringen und sich morgens mit einem „Das war eine beschissene Idee, ich hasse früh aufstehen“ aus dem Bett quälen.

Ich habe darüber nachgedacht ob ich sowas auch früher gedacht habe, ob ich mir Gedanken dazu gemacht habe, ob ich mich weniger Schminke oder nur noch in Schlumpersachen rumlaufen würde. Ob Kinder meine Karriere zerstören würden und ich meiner Rente schonmal einen Korn anbieten sollte.

Habe ich nicht.

Ehrlich.

Ich habe diese Gedanken echt nie gehabt. Bevor ich schwanger wurde gab es keine anderen Freunde in meinem Freundeskreis die Kinder hatten. Kinder (und Eltern) habe ich ehrlich gesagt auch gar nicht besonders wahrgenommen. Klar da waren die Kinder mit denen ich im Job zu tun hatte („Ich bin schon 18 Jahre alt und darf Resident Evil sehen! Echtjetzt!“) aber selbst die waren ja schon eher groß. Kinder unter 6 gehen bekanntlichermaßen auch eher selten ins Kino, sei es weil die FSK es verbietet, weil die Eltern noch nicht so weit sind („Mein Kind darf kein Fernsehen schauen!“) oder einfach weil das Kind keinen 90min Film durchhalten würde.
Kleine Kinder, Kleinkinder und Babys (und deren Eltern) existierten daher auch nicht für mich.

Ich habe sie nicht bewusst gemieden, ich habe mich nur einfach offenbar nicht dort aufgehalten wo man sie (oder jetzt uns) antrifft.

Irgendwann kam ich mit dem Mann zusammen, nach ein paar Wochen sprachen wir über Kinder, nach ein paar Monaten war ich schwanger. Alles so gewollt. Ich kugelte vor mich hin und schwupp-di-wupp waren wir Eltern, noch nichtmal ein Jahr später waren wir dreifache Eltern von den besten Töchtern der Welt.
Bin ich in der ersten Zeit im Schlumpimodus einkaufen gewesen? Vermutlich ist das passiert.  Auch heute noch entdecke ich gerne mal an der Kasse Flecken auf meiner Hose die da ganz gewiss nicht waren als ich ins Auto gestiegen bin, aber so what? Ich ärgere mich kurz, so wie ich mich früher auch geärgert hätte und mache weiter. Die Kleidung zwischen KitKat und Kasse auszuziehen, zu verbrennen oder auch einfach zu reinigen ist nicht möglich. Wieso jetzt also aufregen? Und mal ehrlich: Haben andere Menschen nicht auch mal irgendwas irgendwo an den Klamotten? Würde ich deswegen denken:“AHA! TYPISCHE Anzeichen von Muddi-und-Vaddi-Modus.“ Nee. Eher nicht. Vermutlich würde ich denken: „Oh. Ein Fleck auf der Hose.“ Oder ich würde ihn nicht mal bemerken, weil ich nämlich mit meinen eigenen Sachen beschäftigt bin. Geht anderen vielleicht auch so.
Habe ich darüber nachgedacht wie viel weniger Schlaf ich bekommen würde? Nein. Oder das ich beruflich mich komplett würde verändern müssen? Das unsere 3-Zimmer-geil-so-viel-Platz Zimmerwohnung mit einem Schlag zu klein werden würde und wir würden umziehen müssen? Nein.

blogprinzessinWas ich eigentlich sagen will: Ich glaube ich bin vielleicht ganz schön blauäugig an das Thema Kinder rangegangen. Vielleicht auch naiv. Vielleicht aber auch voller Bauchgefühl. Der Mann sagte zu dem Thema: „It changes everything. Also besser nicht drüber nachdenken, sonst flippt man aus vor Zukunftspanik.“
Vielleicht ist es gut das ich da nie drüber nachgedacht habe, nie Angst hatte vor Augenringen und Schlabberlook, vor „Muttigesprächen am Sandkasten“ oder vor den Veränderungen die Kinder mit sich bringen, unweigerlich.

Ich finde sogar fast, der Mann und ich haben einfach weitergemacht. Wir waren mit Motti bei Lesungen, im Kino und es war prima. Die Veränderungen* schlichen sich dann langsam ein, aber das war gar nicht so schlimm. Die Angst das Eltern werden alles ändert, die ist berechtigt aber lasst euch davon bitte nicht abhalten Eltern zu werden. Ihr könntet was tolles verpassen.

*Wir gehen z.B deutlich seltener ins Kino. Das wissen wir beide, das ist auch eher so mitteltoll aber meistens sind wir Abends einfach so Feierabendreif das wir auch gar nicht mehr weg wollen. Das schöne ist, das macht nichts. Die Zeit kommt wieder, jetzt ist es einfach anders. Glücklicherweise haben wir aber auch keine Freunde die uns drängeln das wir jetzt bitte doch zu der Fete oder zu dem Film oder zu dem Mädelsabend oder dem Herrenstammtisch müssen, weil wir sonst irgendwas verpassen würden. Meine (und auch seine) Freunde haben inzwischen alle selber Kinder und kennen die Misere. Oder sie verstehen das man nach 18h Kinderbespaßung nur noch auf der Couch zusammensacken will. Das entspannt unheimlich.