Es geht mal wieder was um in Bloggerland, und obwohl ich mich normalerweise raushalte wenn wieder Themen durchs Dorf getrieben werden, möchte ich mich diesmal doch dazu äußern. Worum es geht? Um den Beruf der Hausfrau, Familienmanagerin oder schlicht und einfach „Mutter“. (Im Englischen gibt es übrigens den -wie ich finde- besseren Begriff „Stay At Home Mom“.) Im Moment lese ich viele Artikel die polarisieren, entweder „Pro“ Hausfrau oder „Contra“ Hausfrau. Ein dazwischen scheint es wieder nicht zu geben. Was viele gar nicht wissen: Ja, ich bin noch in Elternzeit. Ja, ich habe während der Schwangerschaft mit den Zwillingen eine Qualifikation zur Tagesmutter gemacht. Darüber viel berichtet und dann plötzlich nicht mehr. Wieso? Weil es kompliziert wurde.

Realität ist: Wäre ich diesen Pfad weiter gegangen hätten wir weiterhin kein Haus und ich hätte einen Job mit dem ich sehenden Auges in die Schulden gerannt wäre, da bin ich mir relativ sicher. Eines Abends unterhielt ich mich also mit meinem Mann und wir überlegten hin und her. Ein Haus zum kaufen gab es in unserer Preisklasse hier nicht, oder nur so vergammelte Schuppen das wir die niemals hätten kaufen wollen. Wir standen also vor einem Scheideweg. Weiter nach einem vergammelten Schuppen suchen und uns bis ans Ende unserer Zeit verschulden, oder umdenken. Eines Tages prasselte dann eine Email in mein Postfach, die das Fass zum überlaufen brachte. Die Krankenkassenbeiträge für Tagesmütter sollen ab 2016 massiv steigen, und zwar so schwindelerregend hoch das dies einfach nicht mehr zu bezahlen ist.

So viele Kinder kann ich bei einem Stundensatz von durchschnittlich 4€ gar nicht betreuen. In der Theorie bestimmt, in der Praxis finde ich aber das Kinder  auch noch „alleine-Zeit“ mit ihren Eltern brauchen.

Zusammenfassend: Die Krankenkassenbeiträge sind voraussichtlich bald einfach zu hoch als das dieser Job, in meinen Augen irgendwie wirtschaftlich gewesen wäre. Ich habe die Qualifikation, KANN also immer noch als Tagesmutter arbeiten, aber unter den aktuell herrschenden Bedingungen werde ich es nicht tun. Was nun? Zum einen fiel uns erstmal ein Stein vom Herzen, denn der einzige Grund weswegen wir nach einem Haus zum KAUF gesucht hatten war ja das wir keinen Vermieter gefunden haben der der Tagesmuttergeschichte positiv gegenüber stand und es genemigt hätte. Nachdem als das Fass nun übergelaufen war, gab es keinen Grund mehr nach einem Haus zum kaufen zu suchen. Kein Grund für einen Kredit. Kein Grund für Schulden bis zum Sankt-Nimmerleinstag.

Wie möchte ich mein Leben leben?

Es war ein bisschen so als hätte uns der liebe Gott (oder wer auch immer!) dies gehört und lies von da an sein Licht auf uns scheinen, so lange gesucht, wir waren sogar an die Presse gegangen und mit einem riesigen Artikel im Hamburger Abendblatt und dann plötzlich kam unsere Farm. Wie ein Wunder.

Was das nun heißt? Nun man kann es so oder so auslegen, entweder ich bin nun also hauptberuflich Hausfrau und „nur Mutter“ die nebenbei bloggt, oder aber ich bin Bloggerin die im Homeoffice arbeitet. Ich persönlich finde zweiteres klingt netter. Nein anders, ich mag beides. ABER „Bloggerin“ als Jobbeschreibung ist da draußen noch besser angesehen als „Hausfrau“. Das ist doch eigentlich traurig. Ich meine als Blogger macht man „irgendwas mit diesem Internet und Unterhaltungsbranche“ als  Mutter tut man in den Augen der anderen: Haushalt, Kinder, putzen,  tratschen. Keine echte Arbeit also. DAS IST DOCH VÖLLIG VERRÜCKT! Und manchmal möchte ich den Menschen da draußen dann gerne mal für zwei Wochen 24/h ihre eigenen Kinder aufs Auge drücken und danach nochmal fragen ob das „keine Arbeit“ ist. Echtjetztmal: „Hilfe meine Kita hat 3 Tage zu ich weiß gar nicht wie ich das schaffen soll?“ JA, du hast noch einen anderen Job mit einem Chef der nicht unbedingt mit offenen Armen sagt: Bleiben Sie mal zu Hause. ABER (wie die meisten jetzt merken) das ist kein Ponyhof, mit den Kindern daheim. Wieso also wird dann Eltern die „Nur Mutter“ oder „Nur Vater“ sind immer wieder gesagt das sie quasi auf der faulen Haut liegen? Besonders dann wenn ihre Kinder nicht in die Kita gehen? So wie unsere? Seht ihr? Das ist das vertrackte: Wenn wir draußen unterwegs sind dann höre ich ständig:“ Mit Ihnen würde ich aber nicht tauschen wollen! Sie haben sicherlich alle Hände voll zu tun!!!“ da machen immer alle große Augen und prusten mit den Backen. Wenn man dann aber bei dem Thema „Job“ ankommt und sagt: „Nee, ich bin zu Hause und die Kinder gehen nicht in die Kita.“ Dann gibts wieder diese Hundebabys-umgebracht Blicke und das abwertende: „Ahja.“.

Dazu kommt folgendes, es mag für manche da draußen ganz schwer zu verstehen sein,  ihr müsst jetzt also stark sein und größtmöglich eure Fantasie einsetzen, aber: Nicht jede „Hausfrau“ ist zu Hause weil sie nicht arbeiten möchte, und ich meine damit nicht arbeitslos sondern einfach: Durchs System gerutscht. Vereinbarkeit nicht machbar. Oder nur zu Bedingungen machbar bei denen man sagt: Nein danke, SO WILL ich nicht leben. (Und soweit ich weiß leben wir alle nur einmal, also ist absehbar das es irgendwann zu Ende ist.)

Es gibt auch Menschen (so wie ich zum Beispiel) denen es zu Hause mit den Kindern echt Spaß macht. Ich vermisse es nicht “ zu arbeiten“ (obwohl Bloggerin und so) also anders formuliert: Ich vermisse es nicht nach konventionellen, gesellschaftlich anerkannten Maßstäben zu arbeiten. Ich hab da keinen drive. Es ist nicht so das  ich jeden Morgen mit einer Scheißlaune aufgestanden wäre, als ich noch regulär arbeiten ging. Nein. Ich liebte meinen Job im Kino. Ich liebe den Job noch immer. Mein Chef würde mich (wenn es mit dieser Vereinbarkeit besser wäre) mit Kusshand zurück nehmen, aber es passt halt alles grade nicht. Und ich vermisse es nicht. Es war toll, es würde wieder toll sein aber das was ich jetzt habe füllt mich zu 200% aus. Karriere wollte ich nie. Ein Job mit „Aufstiegschancen ins Management“ oder so war mir nie wichtig. In meinem Lieblingsjob war ich so weit oben auf der Karriereleiter das die nächste Station der Sessel vom Patenonkel meiner Kinder gewesen wäre. Der Chefsessel. Und trotzdem vermisse ich es nicht. (Irgendwie fürs Alter vorsorgen ist trotzdem wichtig!!)

Genauso gibt es Mütter die zu Hause wahnsinnig werden, die danach lechzen wieder zu arbeiten und schon im Wochenbett wieder die ersten Mails schreiben (ein sehr gutes, motivierendes Buch ist übrigens „Mama muss die Welt retten“ von meiner Hauptstadtmutti-Kollegin Isa und der hinreißenden StadtLandmama Caroline). Das verstehe ich völlig. Ich finde es darf auch nicht in Vergessenheit geraten das es auch solche Eltern gibt. Eltern die ihren Job lieben, die GERNE zur Arbeit gehen und die wirklich (ohjemine!) SPASS an ihrem Job haben. Die sich ein Bein dafür ausreißen das dieses Vereinbarkeitsding irgendwie für sie funktioniert. Und das ist super so!

Dann gibt es solche die gar keine Wahl haben, weil sie ohne 2 Eltern in Vollzeit arbeiten gar nicht leben können. Zumindest nicht so wie sie es wollen. Und das ist okay so. Ich persönlich finde es schade das sie dann manchmal darunter leiden und keinen Ausweg sehen (den es manchmal auch tatsächlich nicht gibt in unserer Gesellschaft. Machen wir uns nix vor. Bei Menschen die zu zweit mit drei Jobs grade mal ihre Miete und die Sachen für die Kinder bezahlen können, gibt es nichts mehr wo man Abstriche machen könnte.).

Bei Nina schrieb eine Gastautorin darüber das sie „uns“ (also diejenigen die nicht wieder in ihren Beruf zurückkehren) vermisst. Das wir unser Potential aus der Gesellschaft abziehen und unser Leben mit Nähen und Cupcakes backen verplempern. (Okay nicht ganz wortwörtlich so, aber ich habe es so verstanden. Sollte es nicht so gemeint sein tut es mir leid. Sender – Empfänger und so.)

Ich finde es muss bei der ganzen Debatte bedacht werden, dass es nicht um das ODER geht sondern um das UND.

Es ist nicht Job ODER Hausfrau. Kinder ODER Karriere.

Es geht doch viel mehr um Familie haben UND leben können.

blogprinzessin