Wir haben jetzt Kaninchen.

Eigentlich fing ja alles mit den Spatzen an, und dann eskalierte es irgendwie. Schon ein bisschen verrückt wenn man überlegt, dass diese Eiscafe-Überlebenskünstler-Wonneproppen-Vögelchen an allem Schuld sind. Ja die Vögel sind an allem Schuld.
Vor etwa einer Woche nämlich spazierte ich so durch den Garten und entdeckte ein totes Vogelbaby. Unbefiedert. Mausetot.

Ich nahm es mit meiner Schippe auf und bestattete es im Beisein der Kinder in unserer Hecke. Abends erzählte ich dann meinem Mann davon, und dieser sagte: “Ach du auch eins? Ich auch!”
WIE er AUCH? Der Liebste klärte mich darüber auf, dass er vor einigen Tagen auch schon ein totes Vogelbaby aus dem Garten befördert hatte.
Am nächsten Morgen das gleiche. Nur das nicht nur ICH wieder ein totes Vogelbaby fand, sondern der Liebste auch. Also gleich drei innerhalb von 24 Stunden. Ich hatte ja schon einmal gesagt dass ich seit den Kindern echt nah am Wasser gebaut habe. Mir war also zum weinen. 4 tote Vogelbabys in unserem Garten. Das geht doch nicht!

Am nächsten Tag das gleiche Spiel: Tote Vogelbabys im Gras, ich wurde zur Bestatterin. Abends lag ich dann im Bett und dachte:“ Ist das noch Natur, oder ist das merkwürdig“. Ich hatte in meinem Leben noch nie so viele tote Vögel gesehen, von den auf der Straße plattgefahrenen mal abgesehen. Also googelte ich.

Nach einiger Recherche fand ich dann eine plausible Erklärung: Das Wetter war bisher zu schlecht, die Spatzen (und bei uns wohnen VIELE Spatzen, so etwa 100-200 schätze ich) finden nicht genügend Futter (hier sind auch grade keine Mücken oder Fliegen oder sonstigen Insekten) und schmeißen deshalb ihre Jungen  aus dem Nest bzw. bei uns zum sterben in den Garten.

IST DAS TRAURIG!!!

Also googelte ich was man gegen den Nahrungsmangel machen könnte, und erfuhr: Aha! Füttern im Sommer ist, entgegen aller Klischees, erlaubt und das *Nicht Füttern* völlig überholt. Natürlich muss man nicht, aber man macht auch nichts falsch wenn man’s macht. In unserem Fall also sogar eher etwas richtig.

Am nächsten Morgen stolperte der Mann wieder über ein Vogelbaby und ich erzählte ihm von meinen Recherchen. Er fand sie plausibel und wir beschlossen in den Baumarkt zu fahren um uns ein Futterhaus für die Spatzen zu kaufen, damit die ihre Kinder nicht mehr zum sterben in unseren Garten werfen. Das fand nämlich auch er traurig. Wir packten also alle Kinder ein und fuhren in den Baumarkt.

Dort fanden wir auch was wir suchten, ein Häuschen und all-year-round Futter.  Das stand alles genau gegenüber vom ganzen Kleintierkram. Die Kinder starrten also auf Umverpackungen und Folientüten mit aufgedruckten Meerschweinchen, Hamstern und Kaninchen.

Nini:“ Niiinchen!

Wawi: „Ninchööön!

Motti:“ Kaniiiinchen!

Es war uns kein unbekanntes Thema. Schon seit dem Tod unserer Katze vor etwa einem 3/4 Jahr hatten wir immer wieder überlegt uns ein neues Haustier zuzulegen. In der alten Wohnung wollten wir das nicht, da war einfach kein Platz für ein Tier. Aber jetzt?

Unser Vermieter findet es super dass wir keine Katze und keinen Hund haben. Was genau er gegen eine Katze hat weiß ich nicht, vielleicht sind die Bauernhoftechnisch zum Mäuse fangen und keine Haustiere. Oder er bangt um seine Hühner die frei über den Hof zuckeln. Keine Ahnung. Bei einem Hund leuchtet mir das sofort ein. Der rennt den Wall zum Kuhstall hoch und wenn man eine angemessene Hundegröße wählt dann hopst der mirnichts dirnichts in den Kuhstall und beschädigt die Kühe. Und dass Milchkühe teuer sind, weiß selbst die zugezogene Hamburgerin. Da ist nichts mit 100€ wieder gut gemacht.

Aber Kaninchen, ja bei Kaninchen sagte er damals:“Ich hab noch nen alten Kaninchenstall für draußen. Wenn sich die Mädchen also irgendwann zu Wort melden, weil sie, wie die meisten Bauernhofkinder, plötzlich Kaninchen haben wollen….sagen Sie nur Bescheid.

Jetzt standen wir da also, zwischen Hamsterfutter und Kaninchen-Leckerlis. Wir drehten uns um. Der Liebste las:“ Kaninchenstall riesige Größe – völlig erschwinglich.“ Ich sagte:“Ach das geht ja alles.“. Dann führen wir nach Hause. Ich googelte nach Kaninchen, erzählte meiner Schwester von unserem Plan. Sie bombardierte mich mit Kaninchenicons (wie man das als gute Schwester halt tut) und ich fing an intensiver nach Kaninchen zu googeln. Dann fand ich eine ganz bezaubernde Rasse: Zwergkaninchen. Werden zwar größer, bleiben aber generell eher klein. Perfekt, denn wenn ich Feldhasen will dann gehe ich auf den Acker.

Dann stolperte ich über einen Züchter in Niedersachsen. Eine ganz tolle Website, viele Fotos und sehr liebevoll alles gemacht. Keine zugekauften Karnickel, alle handaufgezogen, vorgekuschelt und an Kinder gewöhnt. Perfekt also.

Ich schickte dem liebsten via WA ganz unverbindlich den Link. Schau mal. Er schickte mir Herzchenaugen zurück. Das war so gegen 12 Uhr Mittags.

Um 12:01 Uhr sagte er: Lass uns da hinfahren und mal schauen ob das wirklich so gute Haltungsbedingungen sind wie die da schreiben.

Ich sagte:“ Bist du irre? Es ist 12:00 Uhr! Das Navi sagt wir würden mindestens 2 Stunden für eine Tour brauchen.“

Er:“AHA! Du hast es schon gegoogelt! Komm lass uns das machen. Das ist völlig spontan, aber lass uns das machen.“

Ich:“ Okay. Wir machen das jetzt. Die besten Dinge machen wir immer ganz spontan.“

Um 13:00 Uhr saßen wir alle im Auto, und hatten eine Kaninchengrundausstattung gekauft.

Um 14:00 Uhr waren wir auf der Autobahn Richtung Wendland.

Um 16:30 Uhr kamen wir auf dem Zwergkaninchenhof der Familie Grimm an. Um 16:45 Uhr waren wir alle in zwei Kaninchen verliebt. Hals über Kopf. Zwei kleine Kaninchen, die auf die Kinder zuhoppelten und neugierig schauten, wärend die Kinder lachten und „Niiinchen“ riefen. Liebevolle Haltungsbedingungen, absolut artgerecht, geimpft mit Impfpass und pipapo. Genauso wie auf der Website versprochen.

Darf ich vorstellen:

kaninchen, blogprinzessin

Schlappohr (Ja, das Bild ist unscharf. Schon mal Kaninchen fotografiert?)

kaninchen, blogprinzessin

Und Floh. Die Namen hat Motti ausgesucht.

Die beiden wohnen jetzt hier und sind sehr putzig.

Die Spatzen haben jetzt ein Vogel-Futter-Haus und wir haben keine weiteren, toten Spatzenbabys mehr gefunden.