Das „Trotzkopfalter“, die „Trotzphase„, schöner ausgedrückt „Autonomiephase“, oder wie es meine Schwiegereltern nennen: „Das Neinchen ist da.“

Eines Morgens bin ich aufgewacht und wohnte plötzlich mit zwei Kindern zusammen, die bei sehr vielen Gelegenheiten „Nein!“ sagten, und einem weiteren Kind, das ganz verblüffende Ähnlichkeiten mit Monk aufwies. Minus die Männlichkeit und die Halbglatze. Gut, dass die beiden kleinen auch endlich mal „nein“ sagen bevor sie dann doch zu irgendwas von Motti angestiftet werden, dachte ich, das war sogar ganz erfrischend. Spannender wurde es dann im Supermarkt als sie plötzlich nicht mehr in den ihnen zugewiesenen Kindersitzen sitzen bleiben wollten, auch nicht vorn im Wagen, sondern lieber durch den Laden rennen und an allem zerren und reißen was nicht niet- und nagelfest ist. Gerne auch mal am 6er Pack Cola ohne zu wissen dass weit über ihnen der Turm schon beträchtlich schwankte. Aber das war ja noch alles Pillepalle. Richtig lustig wurde es mit dem Mini-Feldmarschall welcher seitdem offenbar kurzeitig den Körper unserer zuckersüßen, diplomatischen Motti übernimmt und dann irgendwann aus ihr herausbricht wie ein kleines Alien. Vielleicht sollte ich sie nicht mehr Motti sondern Kane nennen.

„Neiiiin! Das ist MEINS! DAS IST MEIN BECHER!!!“ heult und schreit dann unser kleines Mädchen und schmeißt sich auf den Fußboden. Oder: „DAS IST NINIS! WAWI DARF DAS NICHT NEHMEN!“

„Wawi, wollen wir die Ente Motti wiedergeben?“ -„NEIN!“.

Ja…ähhh… ? Und nun? Mit meiner Diplomatie gerate ich nach und nach an meine Grenzen. Ich werde genervter. Nicht nur dass  ALLES Motti gehört,  es wird auch peinlichst genau darauf geachtet wem was gehört (oder auch nicht) und dann bis aufs Blut verteidigt.

Gestern fragte ich  die Blogprinzessin Facebook Community ob ihre dreijährigen auch so wären. Sie sagten alle „Ja!“ und bestärkten mich darin dass Motti wohl mitten in ihrer Autonomiephase ist. Halleluja.

Gut, die Frage „Was zur Hölle ist los?“ hätten wir dann ja geklärt, nur trieb mich die Frage: „Wieso macht sie das?“.

Nicht dass sie damit aufhören soll (was zwar auch nett wäre, aber…), sondern ich fragte mich nur „wieso ist das biologisch/evolutionsbedingt offenbar sinnvoll?“. Es muss ja einen sinnigen Grund geben warum sich die Kinder von einem Moment zu anderen von Null auf Hundert in die maulende Myrte verwandeln.

Gefunden habe ich die Antwort auf diese Frage in dem Buch „Das große Zwillingsbuch“ von Coks Feenstra. Das  Buch kaufte ich mir in der Zeit in der die Zwillinge noch auf der Frühchenstation waren, eine andere frischgebackene Mutter mit der ich auf dem Zimmer lag hatte es mir empfohlen.

Dort steht, dass jedes Kind sein „Ich-Gefühl“ erst lernen muss bevor es teilen kann. (Also einfach gesagt: Ich bin ein eigener Mensch, und ich bin nicht meine Schwester oder meine Mama.)

In der Phase in der es sein „Ich“ kennenlernt ist es sehr besitzhaberisch. Die Gegenstände, die das Kind sich selbst zuordnet, werden als Teil der eigenen Identität wahrgenommen. Für Motti z.B sind die Müslischalen oder Becher oder Stifte Teil ihres entstehenden „Ichs“. Auch alle anderen Dinge die jemand regelmäßig benutzt z.B die Zahnbürste, Schuhe, Besen etc gehören in dieser Phase unweigerlich zu der bestimmten Person. Wie ein Arm oder ein Bein oder das Herz. Da all dies wie die Organe unweigerlich zur eigenen Person oder eben zu Mama, Papa und Co gehören ist es natürlich schwierig es zu teilen, oder auszuhalten dass jemand anderes grade die Kaffeetasse (das Bein) von Mama benutzt.

(Das oben ist kein Zitat aber sicherheitshalber hier eine Quellenangabe: S. 243 ff. „Das große Zwillingsbuch“ Coks Feenstra, BELZ Verlag ISBN: 978-3-407-85907-5 )

Ganz ehrlich: Auch wenn Little Miss Alien hier trotzdem durch die Gegend stapft und ich rein gar nichts dagegen machen kann/will, hat mich die Aussage oben gelassener gemacht. Immerhin verstehe ich jetzt besser wieso sie ausflippt, und wieso jeder Erklärungsversuch oder die Bitte doch mit ihren Geschwistern zu teilen im Moment nichts bringt sondern nur den nächsten Wutanfall auslöst. Es ist nur eine (nützliche) Phase.

Wer von meinen Lesern also gerade ebenfalls mit einem ähnlichen Verhalten seines Kindes konfrontiert ist, immer dran denken: Es ist nur eine (nützliche) Phase. Das hilft vielleicht. Und viel Geduld!

 

Trotzphase, blogprinzessin