Wieso ich nichts gegen das Betreuungsgeld habe

Okay, die Nachricht tickerte heute durch die Medien, wer es verpasst haben sollte: Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden das das Betreuungsgeld (also das Gesetz dazu) verfassungswidrig ist. Wieso das?

Es gibt Dinge in die sich der Bund nicht einmischen darf, und Dinge in die sich die Bundesländer nicht einmischen dürfen. Die Richter haben nun das Gesetz geprüft und sind zu dem Schluss gekommen das der Bund in diesem speziellen Fall seine Kompetenzen überschritten hat und das Ländersache gewesen wäre. Daher kann der Herr Seehofer nun auch sagen: „Wir zahlen das weiter.“ (Aus Ländergeldern.).

Beifall brandet durch die sozialen Medien, endlich hat sich mal jemand besonnen und die Regierung in ihre Schranken gewiesen. Hurra! Endlich werden Frauen nicht mehr diskriminiert und nicht wieder hinter den Herd gezwungen! Denn Heureka die 150€ Herdprämie fallen weg!

Gebeutelte Frauen fallen ihren Freundinnen in die Arme, Kinder springen jauchzend über die Bürgersteige, die Sonne lacht. Endlich gleichberechtigt! Endlich hat der Ehemann keinen Grund mehr einen für 150€ hinter den Herd zu stellen und so weiter und so fort.

betreuungsgeld, blogprinzessin

 

Meine persönliche Meinung ist folgende:

NATÜRLICH kann sich niemand leisten von 150€ „extra“ im Monat zu Hause zu bleiben.

Die Herdprämie soll die Frau nicht dazu verleiten sich dem Arbeitsmarkt zu entziehen. Ja…ähh.. nee. Die 150€ halten mich gewiss nicht davon ab wieder in meinem (gelernten) Beruf zu arbeiten, sondern das (veraltete) Betreuungssystem.

Alle gehen gerne einkaufen im Einzelhandel. Klar ich auch. Gerne auch Samstags und bis 22 Uhr. Superpraktisch, solange man nicht selber hinter der Ladentheke steht. Natürlich wollen die Kunden dann auch kompetente Mitarbeiter im Markt finden und nicht den gelangweilten Studenten.

Ja, Kino mit den Mädels. Ladies Night. Magic Mike 2. Superklasse. Ach..Moment…das ist ja Abends/Nachts. Ha! Hätte man sich bei „Ladies NIGHT“ ja denken können. Macht super Spaß, vor allem wenn man derjenige ist der arbeitend im Kino steht. Ja, die Concession kann man super mit Studenten abdecken (oder allen anderen über 18 Jahren. Jugendschutzgesetz!) aber ein richtiger, echter Vorführer vor Ort der weiß was zu tun ist wenn der Server abraucht (oder je nach Lichtspielhaus mal eben einen Film wieder zusammenschneiden kann). Ja der wäre schon klasse.

Hebamme/Arzt/Krankenschwester/Flugpersonal/Notarzt/Notapotheke alles Berufe in denen wir es wirklich zu schätzen wissen wenn wir dort mit echten Menschen reden können, statt mit einer Telefonhotline.

Ist mit unseren Kitas allerdings alles nur schwer machbar. Öffnungszeiten bis maximal 17:00 Uhr. Wer dann nicht auf den Partner, eine Betriebskita oder ortsnahe, nicht arbeitende Verwandte zugreifen kann ist am A**. Das richten auch keine 150€ im Monat. (Bis zum dritten Geburtstag des Kindes, versteht sich.)

Wieso schreien immer alle „Dann müssen die Arbeitgeber bessere Arbeitszeiten vorgeben“ und vergessen dabei wie sehr sie es mögen spät Abends noch ins Fitnesstudio zu gehen , nach der Arbeit im Restaurant bekocht werden wollen oder wirklich dringend noch den Liter Milch kaufen müssen?

Man überlegt sich doch vorher ob man Kinder bekommen will.“ Okay, also sprechen wir allen eben genannten Berufsgruppen einfach mal schnell ihr Recht auf Kinder ab, weil ANDERE gerne bekocht werden wollen.

Die demente Mutter, der schizophrene Vater oder der Sohn mit der Angststörung in der Klinik  alle sollen 24/7  einen Ansprechpartner haben, jemanden der dafür sorgt das es den Angehörigen bestmöglich geht. Den „Luxus“ ja – aber bitte nicht auf die eigenen Kosten, sollen DIE ANDEREN sich doch einen Job suchen der besser zu ihrer abenteuerlichen Familienplanung passt.

Ist es dann die „Herdprämie“ also einfach Frauenfeindlich? Schließlich beantragen doch die meisten Frauen das Betreuungsgeld? Wollen DIE MÄNNER die 50er Jahre zurück?

Wohl kaum. Kein Vater den ich heute kenne möchte mit seinen Kindern und seiner Familie ein Rollenmodell aus dem letzten Jahrtausend leben. Zumindest nicht in jeder Hinsicht.

Könnte es dann daran liegen das Frauen (Westdeutschland) laut einer Studie von 2014 des Statistischen Bundesamtes noch immer etwa 22% weniger verdienen als Männer? Hell yes! Ich denke das ist ein Ansatzpunkt. Vermutlich ist in den wenigsten Familien das Rollenbild so festgefahren, das klassischerweise -egal bei welchem Gehalt- die Frau zu Hause bleiben würde. Sondern einfach das gerechnet wird wer mehr verdient und wer weniger. Ich verdiene weniger als du, wir haben keine Chancen auf einen Kitaplatz weil die Uhrzeiten kacke sind, also bleibe ich daheim. Hätte ich mehr als mein Mann verdient, wäre er logischerweise daheim geblieben.

Die 150€ haben dabei absolut keine Rolle gespielt mich „hinter den Herd zu verbannen“, das war Geld welches wir gerne mitgenommen haben, weil man es beantragen konnte. Weil es die Möglichkeit gab. Derjenige der zu Hause geblieben wäre hätte es beantragt. Mehr nicht.

Und selbst WENN es völlig nachweislich (!!!)  dafür gewesen wäre, das Frauen zu Hause bleiben sollen statt zu arbeiten, auch dann hätten wir es beantragt. Wir hätten den Grund nicht befürwortet, aber JA wir hätten es beantragt weil es ein netter Bonus ist. Keiner von uns ist so ehrenhaft das wir das Geld abgelehnt hätten.

Was hätten wir denn dafür bekommen?

  • Kitaplatz? – Ach..nee…Uhrzeiten und so.
  • Einen gut bezahlten, Spaß machenden Job? – Nee, Kinder sind ständig krank und Eltern unflexibel.
  • Ruhm und Ehre? – Nein. Hätte niemanden gejuckt.
  • Ein Bundesverdienstkreuz für die Familie, welche freiwillig das Geld ablehnt und damit ein Zeichen gegen diese Prämie setzt? -Auch nicht.

Familien wie wir nehmen einfach gerne mit was uns zusteht, weil es dafür passende Gesetze und Regelungen gibt. Kinder sind nachweislich sehr super – aber teuer und die Momente in denen man vom Staat etwas zurück bekommt, dafür das man so nett ist die Gesellschaft zu erhalten sind rar gesäht.

Das eigentliche Problem ist doch nicht ob jemand für hundertfünfzig Euro daheim bleibt! Das ist doch in den seltensten Fällen das Zünglein an der Waage.

Es fehlt ein Umdenken in der Wirtschaft und ein handeln in der Politik, denn irgendwie ist bei der ganzen Arbeitsmarktentwicklung der letzten Jahre das Betreuungssystem auf der Strecke geblieben.

Wieso ich also nichts gegen das Betreuungsgeld habe? Weil ich persönlich davon ein bisschen profitiert habe.

Wer mehr erfahren möchte, wieso ganz umemotional das Betreuungsgesetz vom Beckenrand gesprungen ist, dem empfehle ich den passenden Artikel von meiner Kollegin Juramama.

 

 

By | 2017-06-25T17:03:12+00:00 21. Juli 2015|Categories: Ich schreibe|18 Comments

About the Author:

Katarina (32) ist die Mama von Motti (*2012) und Wawi (*2013) sowie Nini (*2013) und wohnt in der Nähe von Hamburg mit vielen Kühen als Nachbarn. Virtuell zu finden auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und Instagram.

18 Comments

  1. Susanne 21. Juli 2015 at 22:26 - Reply

    Sehr passend geschrieben. Du sprichst mir aus der Seele.

  2. Sayuri 21. Juli 2015 at 23:41 - Reply

    toller artikel! ich finds auch so blödsinn es „herdprämie“ zu nennen oder ein zwang zuhause zu bleiben. ich hab eher das gefühl das man mit der abschaffung eher denjenigen der liebend gern beim Kind bleiben würde, in den beruf zurück zwingt. nur arbeitende Eltern füllen auch die staatskassen durch lohnsteuer und gerade in ehen der geringverdiener mit der tollsten steuerklasse…

    Geld was wegfällt wenn sie zuhause bleiben und die 150 nehmen. Als ob das sooo ein toller ausgleich ist. es sit ein Bonus, aber ich bin zb auch OHNE diese Prämie 4 jahre daheim gewesen. eben wegen zu wenig kita plätze aber auchweil ICH es so will. unter 3 würde ich NIE ein kind abgeben. Aber überall wird einen gesagt: du fördest dein kind nicht, das kind vereinsamt zuhause, kinder brauchen freunde, die bildung ist gefährdet. ect pp… komisch das wir kinder der 70/80/90 Jahre nicht alle verdummt sind, sondern erst viele generationen nach uns. Meine Mutter ging erst wieder arbeiten da war ich 16! Da konnte frau auch wählen, ein Verdiener hat auch locker gereicht zum leben, selbst mit 3 Kindern! Heute wird eien Frau, die zuhause bleibt gleich als „faul oder Arbeitslose“ betittelt, die sich nur auf das geld vom manne ausruht. Das es frauen gibt die das gerne machen ist egal. genauso gibt es auch Männer die gerne Hausmann sind, der frau die Kariere ermöglichen, sich um Kind und Haushalt kümmern. Aber nein, laut medien schmarotzer und schlechte eltern die ihre Kinder verkümmernlassen. Ab 1 bitte in die Kita, das kind brauch förderung.
    Tja aber dann kommt das Problem was du ansprichst. Schichtdienst? wie soll man das schaffen mit Kind? gibt nur wenige kitas die 24h offen sind. 16 uhr die regel, wenige länger.
    SChulkinder und ihre Ferienzeiten. statt den eltern mehr urlaub zu gönnen diskutiert man eher drüber ferien zu kürzen. Ähm hallo?!?

    naja… jetzt isses beendet…

  3. Kerstin 22. Juli 2015 at 06:54 - Reply

    Die BetreuungsSituation beschissen und das eigentliche Übel. Definitiv.

    Davon wird der Unfug Betreuungsgeld aber kein bisschen besser. Das Geld (und einiges mehr) sollte man in den flächendeckenden Ausbau guter Kinderbetreuung stecken, die auch Schichtzeiten abdecken muss. Dann erst hättest du zB auch die freie Wahl, ob du arbeiten gehen möchtest oder nicht. Und bitte eine wirklich freie Wahl, die niemanden nötig, es zu tun, weil er sonst gesellschaftliche Ächtung als Heimchen am Herd fürchten müsste.

    Abgesehen davon, dass wir alle gerne mitnehmen, was wir kriegen können, bliebe eine finanzielle Belohnung der Nichtbetreuung bei gleichzeitiger Bestrafung der arbeitenden Eltern aber kontraproduktiv.

    Zumal es echt keine Anerkennung für Erziehungsleistung ist, 150 € zu zahlen. Wollte man diese Leistungen wirklich anerkennen, könnte man sich Gedanken über wirksame Vorbeugung gegen Altersarmut derjenigen machen, die die Rentenzahler von morgen erziehen.

    Davon hätten unterm Strich alle mehr. Aber vor allem diejenigen, die gerne zu Hause bleiben würden, sich damit aber ggfs doppelt finanziell ins Unglück stürzen: jetzt und ungleich massiver in ihrem Alter.

    • Katarina 22. Juli 2015 at 07:59 - Reply

      Als Bestrafung für die arbeitenden Eltern habe ich das tatsächlich noch nicht gesehen. Aber da ist was dran. Danke für den Input. 🙂

    • Judith P. 22. Juli 2015 at 11:21 - Reply

      Hallo Katarina, super toller Artikel. Cool geschrieben.
      Ich seh das auch so, wegen 150 Euro kann es sich wohl keiner leisten zu Hause zu bleiben, auch wenn einige Parteien, dass ja als starkes Argument gegen das Betreuungsgeld anführen.

      Klar nimmt man es gerne mit und da wird dich auch keiner verächtlich anschauen.
      Man bleibt eben zu Hause, weil 1. Betreuung nicht möglich oder 2. man es will.

      Und hier stimme ich nicht ganz mit dir überein. Rollenmodell hin oder her, viele Frauen WOLLEN einfach zu Hause sein. Ich habe dazu erst vor wenigen Jahren eine Studie gesehen, die das ganz klar gezeigt hat. Leider habe ich die jetzt auf die schnelle nicht mehr gefunden.

      Aber ich sehe das so wie Sayuri. Ich will einfach gern zu Hause bleiben und das obwohl ich Arbeitszeiten hätte, die eine Kita ermöglichen würden.
      Aber dafür wird man heutzutage verächtlich angeschaut. „Wie du willst an einem uralten Rollenmodell festhalten, was bist denn du für eine?“.
      Ja vielleicht will ich das sogar, denn ehrlich gesagt, finde ich das gut. Denn ich beneide meine Mutter. Sie war jahrelang mit uns Kindern zu Hause, das Gehalt von meinem Vater hat gereicht für alle, sie wurde nicht komisch dafür angemacht und konnte die Zeit mit uns Kindern geniessen. Sehen wie wir laufen und sprechen lernen. Sorry, aber ich will nicht dass die Kitaerzieherin das erste Wort hört oder den ersten Schritt sieht.

      Also bei der ganzen Diskussion sollte man diese Mütter nicht einfach ausblenden. Und zum Thema: ohne Kita förderst du dein Kind nicht. Ich denke dass hängt von den Eltern ab. Klar für Einzelkinder oder Kinder mit Migrationshintergrund ist eine Kita sicherlich förderlich.

      Aber ich z.b. habe auch ohne Kita schon vor der Schule schreiben können, ein 1a Abitur abgelegt, hätte fast jede Klasse überspringen können und meine sozial Kompetenz wurde mir auch immer mit ausserordentlich gut bescheinigt.

      Und ja das Betreuungsgeld ist politisch nicht korrekt umgesetzt worden, trotzdem finde ich die Idee dahinter auch gut. Eigentlich lassen einem die 150 Euro absolut keine Wahlfreiheit, aber ich sehe die 150 Euro als kleine Entschädigung für die Verächtung, die man aktuell ertragen muss, wenn man sein Kind zu Hause betreut.
      Ein Honorar für die wirkliche Leistung, die man da macht, sähe anders aus und wäre deutlich teurer, als Kitaplatz oder Betreuungsgeld. Mit dem Betreuungsgeld hat der Staat also sehr viel gespart. Deshalb kann ich auch gar nicht verstehen, warum es immer so schlecht gemacht wird.

      Und ich muss auch sagen, ich bin z.B. dagegen, dass das Geld nun einfach 1zu1 in den Ausbau von Kitaplätzen gegeben wird. Das ist zwar gut für die Frauen, die ihr Kind gerne abgeben wollen, aber es aktuell (wegen z.B. Öffnungszeiten) nicht können. Die Frauen, die aber einfach zu hause bleiben wollen, bleiben dabei wieder mal auf der Strecke.

      So bin ich jetzt gespannt auf die kommenden Entwicklungen.

      LG
      Judith

  4. Caroline 22. Juli 2015 at 09:19 - Reply

    Hi! Ich kann Deinen Rant gut verstehen. Das Betreuungsgeld war politisch sehr fragwürdig, aber – ja – auch wir haben davon kurze Zeit profitiert. Mit Deiner Sicht auf die gesellschaftliche Haltung zu Dienstleistungen und Arbeitsverhältnissen hast Du absolut recht.

  5. Judith P. 22. Juli 2015 at 11:21 - Reply

    Hallo Katarina, super toller Artikel. Cool geschrieben.
    Ich seh das auch so, wegen 150 Euro kann es sich wohl keiner leisten zu Hause zu bleiben, auch wenn einige Parteien, dass ja als starkes Argument gegen das Betreuungsgeld anführen.

    Klar nimmt man es gerne mit und da wird dich auch keiner verächtlich anschauen.
    Man bleibt eben zu Hause, weil 1. Betreuung nicht möglich oder 2. man es will.

    Und hier stimme ich nicht ganz mit dir überein. Rollenmodell hin oder her, viele Frauen WOLLEN einfach zu Hause sein. Ich habe dazu erst vor wenigen Jahren eine Studie gesehen, die das ganz klar gezeigt hat. Leider habe ich die jetzt auf die schnelle nicht mehr gefunden.

    Aber ich sehe das so wie Sayuri. Ich will einfach gern zu Hause bleiben und das obwohl ich Arbeitszeiten hätte, die eine Kita ermöglichen würden.
    Aber dafür wird man heutzutage verächtlich angeschaut. „Wie du willst an einem uralten Rollenmodell festhalten, was bist denn du für eine?“.
    Ja vielleicht will ich das sogar, denn ehrlich gesagt, finde ich das gut. Denn ich beneide meine Mutter. Sie war jahrelang mit uns Kindern zu Hause, das Gehalt von meinem Vater hat gereicht für alle, sie wurde nicht komisch dafür angemacht und konnte die Zeit mit uns Kindern geniessen. Sehen wie wir laufen und sprechen lernen. Sorry, aber ich will nicht dass die Kitaerzieherin das erste Wort hört oder den ersten Schritt sieht.

    Also bei der ganzen Diskussion sollte man diese Mütter nicht einfach ausblenden. Und zum Thema: ohne Kita förderst du dein Kind nicht. Ich denke dass hängt von den Eltern ab. Klar für Einzelkinder oder Kinder mit Migrationshintergrund ist eine Kita sicherlich förderlich.

    Aber ich z.b. habe auch ohne Kita schon vor der Schule schreiben können, ein 1a Abitur abgelegt, hätte fast jede Klasse überspringen können und meine sozial Kompetenz wurde mir auch immer mit ausserordentlich gut bescheinigt.

    Und ja das Betreuungsgeld ist politisch nicht korrekt umgesetzt worden, trotzdem finde ich die Idee dahinter auch gut. Eigentlich lassen einem die 150 Euro absolut keine Wahlfreiheit, aber ich sehe die 150 Euro als kleine Entschädigung für die Verächtung, die man aktuell ertragen muss, wenn man sein Kind zu Hause betreut.
    Ein Honorar für die wirkliche Leistung, die man da macht, sähe anders aus und wäre deutlich teurer, als Kitaplatz oder Betreuungsgeld. Mit dem Betreuungsgeld hat der Staat also sehr viel gespart. Deshalb kann ich auch gar nicht verstehen, warum es immer so schlecht gemacht wird.

    Und ich muss auch sagen, ich bin z.B. dagegen, dass das Geld nun einfach 1zu1 in den Ausbau von Kitaplätzen gegeben wird. Das ist zwar gut für die Frauen, die ihr Kind gerne abgeben wollen, aber es aktuell (wegen z.B. Öffnungszeiten) nicht können. Die Frauen, die aber einfach zu hause bleiben wollen, bleiben dabei wieder mal auf der Strecke.

    So bin ich jetzt gespannt auf die kommenden Entwicklungen.

    LG
    Judith

  6. Ines 22. Juli 2015 at 12:07 - Reply

    Das was du geschrieben hast könnte direkt aus meinem eigenen Hirn stammen! Genau so sehe ich das auch. Ich habe mein Kind auch sicher nicht von Oma und Opa betreuen lassen, damit ich 150 € im Monat mehr habe. Schliesslich ist das zwar ein netter Bonus, aber mehr auch nicht. Das das Betreuungsgeld jetzt abgeschafft wird finde ich natürlich schon schade, da ich es ja in Anspruch nehme derzeit und für mein zweites Kind sicher auch gern noch bekommen hätte. Doch was soll man machen, weg ist eben weg. Und ob es jetzt weg ist oder nicht ändert für mich auch nichts dran, dass der Kleine auch wieder bei Oma und Opa betreut wird während ich in Teilzeit arbeiten gehe, die Kitaplätze sind nämlich in manchen Bundesländern einfach nur unfassbar teuer, und nur für die KInderbetreuung arbeiten zu gehen sehe ich absolut nicht ein. Das ist etwas, da sollte die Politik dringend was machen. Die Unterschied von Bundesland zu Bundesland sind wahnsinnig.

  7. Andrea - meworkingmom 22. Juli 2015 at 13:15 - Reply

    Ich mag das nicht, was jetzt medial und auch in der deutschen Bloglandschaft passiert.

    Hier Stimmen für – hier gegen Betreuungsgeld. Selbstverständlich alles wieder nur Frauen. Schön gegeneinander und das unterschiedliche Lebenskonzept. Das ist doch doof und blockiert und nur!

    Wir sollten unsere gemeinsame Energie bündeln und lieber dafür aufwenden das:
    – Die Betreuungssituation sich der Lebensrealität anpasst
    – Schulsysteme, Betreuungssituationen und Kosten deutschlandweit endlich einheitlich werden

    Denn wenn man sich ansieht, warum das Betreuungsgeld gekippt wurde – weil eben Bildung Landessache ist – dann liegt eben genau da der Hund begraben! Und nicht bei uns Müttern oder dem Lebensmodell das wir gewählt haben!

  8. CaroSis 22. Juli 2015 at 15:32 - Reply

    Ich kenne auch niemanden, der das Geld ablehnen würde. Persönlich finde ich jedoch, dass dieses Geld eher in die KiTa`s gesteckt werden sollte. Dann könnten gegebenenfalls mehr Erzieher eingestellt oder längere / andere Betreuungszeiten eingerichtet werden. Großer Vorteil dann: der Part, der vorher aufgrund der Betreuungszeiten in den KiTa`s nicht arbeiten gehen konnte, kann nun auch wieder ins Berufsleben einsteigen bzw. überhaupt wieder daran teilhaben. Nicht weil arbeiten so super viel Spaß macht, sondern um etwas für die eigene (hoffentlich dann noch existente) Rente zu machen und im Beruf „fit“ zu bleiben. Und unter andere Erwachsene kommt man dann auch noch (die nicht zum Familien- oder Freundeskreis zählen müssen 🙂 )
    Aber ich muss auch dazu sagen, dass ich kinderlos bin und daher nicht so vertieft in diese Thematik bin. Also vorab: Entschuldigung, falls jemand das irgendwie unstimmig bzw. unpassend fand. Lg Caro 🙂

  9. Alltagsheldin 22. Juli 2015 at 21:26 - Reply

    Super Artikel, toll geschrieben! Danke dafür!
    Und Du hast natürlich Recht, wegen 150,-€ bleibt sicherlich niemand Zuhause. Aber es ist praktisch, wenn man das Kind „eh“ nicht in Betreuung gibt (ob nun aus privaten Gründen oder weil kein Platz angeboten wird).
    Bei uns wäre das so gewesen: Der Mann studiert, ich beginne voraussichtlich zum Wintersemester. Die Kleine (dann ~5 Monate alt) wollen wir noch nicht fremdbetreuen lassen. Wir wollten unsere Vorlesungen miteinander abstimmen und die 150,-€ ggf in die Flexi-Betreuung, die von der Uni Stundenweise angeboten wird, einsetzen. Jetzt müssen wir das so stemmen. Super. -.-
    Ich weiß, das ist jetzt nur ein „Einzelschicksal“, aber so geht es vielen – aus den unterschiedlichsten Gründen eben.

    LG
    die Alltagsheldin

  10. Hanna 22. Juli 2015 at 22:26 - Reply

    Prinzipiell kann ich dich in deiner Position verstehen. Und alle anderen auch, die in einer ähnlichen Position sind.

    Aber sind wir mal ehrlich:
    Bestimmt 90% der Leute, die ein solches „extra“ Geld beantragen sind doch die jenigen, die auch gar keine Lust zu arbeiten haben. Die diese 150€ mehr im Monat lieber für Zigaretten oder anderes ausgeben, als dass es den Kindern zu gute kommt. Und bei diesen Familien tut es ganz gut, wenn sie ihre Kinder in den Kindergarten geben. Zumal es für diese Familien immer umsonst ist!

    Also von dem Grundsatz her, ob man sein Kind umsonst in den Kindergarten stecken kann, oder lieber 150€ extra einstreicht um mehr Geld für eigene Konsumgüter zu haben? Da sage ich lieber: Ich bin froh, dass das Betreeungsgeld ausgesetzt ist. So leid es mir für Familien wie eure Leid tut. Wenn ich die sozial schwache Familie bei uns um die Ecke denke, bin ich froh, wenn die Kinder endlich wieder bald in den Kindergarten gehen, damit sie auch einen anderen Umgang, als den zuhause erleben (dürfen).

    • Katarina 23. Juli 2015 at 08:54 - Reply

      Hallo Hanna,

      da gebe ich die völlig recht.
      Allerdings hast du *vielleicht* einen Gedankenirrtum:

      „Also von dem Grundsatz her, ob man sein Kind umsonst in den Kindergarten stecken kann“

      Kindergarten ist in den wenigsten Bundesländern umsonst. Hier oben zahlt man für 1 Kind mindestens 350€ im Monat.

      • Hanna 23. Juli 2015 at 12:29 - Reply

        Hallo Katharina,

        also bei uns in NRW ist das Kindergartengeld an das Gehalt der Eltern gekoppelt. Platt gesagt bedeutet es: Wenn du nichts verdienst, dann zahlst du auch nichts.

        Von meiner Schwester weiß ich, dass es in meiner Heimat in Schleswig-Holstein auch den Pauschalbetrag von 350€ gibt – wenn man jedoch keinen Verdienst hat, dann kann man einen Antrag stellen.

        Nur mal so zum Beispiel: Wir verdienen so viel, dass wir für 45 Stunden wesentlich mehr als 350€ bezahlen. Und jetzt, wo ich ausgelernt bin, wird das nächstes Jahr noch wesentlich mehr…

    • Flo 23. Juli 2015 at 08:55 - Reply

      Richtig, das eine sind die Fälle (wie Katharina) wo Betreuungsbedarf und – angebot einfach nicht zusammenpassen. Die andere Seite sind die von Dir beschriebenen Fälle wo das Betreuungsgeld von den Eltern als willkommene/notwendige zusätzliche Einnahmequelle betrachtet wurde.
      Zumal man ja noch einen weiteren schizophrenen Aspekt am Betreuungsgeld nicht verachten sollte. Es wurde gezahlt für alle Kinder die keine geförderte Betreuung hatten, sprich Kind (halbtags) zu Großeltern/Tanten/Nachbarn die eh Zeit haben geben, in der Zeit arbeiten und trotzdem Betreuungsgeld beziehen ging.

  11. sayuri 23. Juli 2015 at 09:57 - Reply

    puh zu sagen das 90% das ja nur für den eigenen Luxus nutzen ist hart. Es ist schließlich kein Kindergeld… sondern für die betreuende Mutter.
    Sonst hätte es nicht den Namen herdprämie weg. Und glaub mal die genannten Mütter wurden dennoch das Kind daheim halten. Hier in NRW sind die Kosten der kita am Lohn gebunden, dass das ist aber aber nicht überall so. Am der Küste zb ist es egal ob du nur 400 oder 2000 Euro verdienst du bekommst nur einen kleinen Zuschuss und das nicht immer. hab ne Freundin die sich eben kita nicht leisten ist , da sie 500euro im Monat kostet. egal in Sie h4 bekommt oder nicht.

    genauso kenne ich genug Frauen die das Geld trotzdem beantragt haben auch wenn aß Geld vom Mann locker reicht. Es aber fürs Kind auf nen Konto gelegt haben oder r gemeinsamen Urlaub.

    find nix dran verwerflich das Geld anders zu nutzen. Ich nutze ja auch nicht das volle Kindergeld ausschließlich fürs Kind. Mal so mal so.
    Es trifft aber jetzt an meisten Bafög Studenten und Familien die gering verdiener haben. Ich hab 3 Freundinnen die nun 460euro arbeiten müssen. weils nicht anders geht, die 150 fehlen da und selten bekommt man nen neuen Job mit 200 Euro. Zusätzlich kommt das Geld ja für die tagesmutter drauf… Die bei Uhr eben nicht bezahlt wird wie hier in NRW.

    Klar gibt es svhwarze Schafe, aber die and nicht die Regel und die gibt es auch bei vollzieht arbeitende Familien genauso. kenne leider genug die in Luxus Leben aber das Kind links liegen bleibt.

  12. Judith P. 24. Juli 2015 at 13:48 - Reply

    Ich sehs auch mal wieder wie Sayuri :).
    Ich kenne keine Zahlen und glaube auch nicht unbedingt an die Statistiken die so medial gestreut werden. Aber ich schätze auch dass es eben keine 90% sind. Das es die genannten Fälle natürlich gibt, will ich nicht bestreiten.
    Und ja wie gesagt für manche Kinder mit Migrationshintergrund wären Kita und Kindergarten echt gut.
    Aber ich glaube eben nicht dass der Prozentsatz so hoch ist, sondern das hier wieder ganz klar mediale und politische Stimmungsmache betrieben wird. Wenn ich schon das Argument höre: „Das Betreuungsgeld hält Frauen aus dem Arbeitsmarkt fern.“ Ich glaube erstens dass das nicht stimmt. Wie man ja auch aus euren Kommentaren hört, die wenigstens behalten das Kinde NUR wegen dem Geld zu Hause. Und warum ist es so verwerflich nicht zu arbeiten, wenn Frau das möchte? Wenn Frau einfach gerne für ihr Kind da ist?

    Wer aus Überzeugung sein Kind zu Hause behält, wird es jetzt nicht weggeben. 150 Euro hin oder her. Wer jetzt sein Kind nicht weggeben kann (schlechtes Betreuungsangebot /zu hohe Kosten…) der wird es auch nicht tun.
    Und ich glaube sogar auch die „Schmarotzer“ werden es nicht tun. Denn die leben ja noch ganz gut vom Kindergeld. Denn auch ohne Betreuungsgeld, gibt es diese Menschen, die einfach keine Lust haben zu arbeiten, viele Kinder bekommen und dann von Hartz4 und Kindergeld leben.

    Deshalb finde ich diese Argument eher politisch ideologisch motiviert.
    Und die Leidtragenden an alle dem sind dann eben doch Leute z.B. Studenten, oder Schichtarbeiter oder so jemand wie ich, der sein Kind einfach zu Hause behalten will, keine Oma in der Nähe hat und das Geld vom Mann eben nicht reicht.
    Klar 150 Euro sind nciht die Welt, aber wie wir ja alle festgestellt haben, schön sind sie halt trotzdem.

    Naja als kleine Entschädigung für uns sehe ich das Elterngeld Plus. Zwar ist da auch wieder die klare Absicht der Politik, Frauen so schnell wie möglich zurück in die Arbeitswelt und Kinder fremd betreuen (was ich persönich nicht gut finde) aber immerhin kriegt man dafür dann auch mehr Geld, als z.B. mit dem alten Elterngeld.

  13. Lamasus von Drei Kleine Lamas 25. Juli 2015 at 09:21 - Reply

    Hallo,

    klar sind 150 Euro mehr oder weniger in der Börse schon ein Unterschied. Und wenn ich keinen Krippenplatz bekommen hätte (und während der laufenden Klage auf einen mir rechtlich zustehenden Platz daheim hätte warten müssen bis ich wieder arbeiten gehen kann), hätte ich das Taschengeld auch angenommen. Warum auf was verzichten, was angeboten wird? – muss ich doch sagen, dass ich der Meinung bin, dass von diesem Geld der Krippen- und Kitaausbau vorangetrieben werden sollte . damit der gesetzlich verbriefte Anspruch auf einen Betreuungsplatz auch gesichert wird, von dem mein Kind sehr profitiert und profitiert hat.
    Und auch in eine Beitragssenkung der Kitagebühren, sodass ich das auch jeder leisten kann und nicht für die Gebühren arbeiten gehen muss. Das ist ja in einigen Bundesländern ein wirkliches Problem, dem ich wütend gegenüberstehe.

    Um Eltern die wirkliche Wahlfreiheit zu geben, ob sie wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren oder ihre Kinder daheim betreuen möchten, muss es angesichts der Unterhaltsgesetze in Deutschland allerdings deutlich mehr sein als 150 Euro – nämlich etwa so viel wie man als berufstätiger Mensch auch verdienen würde. Ich wäre mir mit 150 Euro für einen 24/7 Job total veralbert vorgekommen. Da habe ich ja als Hiwi mehr verdient… Das hätte mich nie dazu animiert, daheim zu bleiben.
    Eine wirkliche Würdigung der Arbeit der Mütter war es jedenfalls nicht.

    Mir tut es zwar leid für jene, die ohnehin daheim waren und von den 150 Euro zwei Paar Kinderschuhe finanzieren konnten, aber grundsätzlich bin ich sehr froh, dass die Richter so gesprochen haben wie sie es haben.

    Grüße,
    Lamasus

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