Es ist etwa 8:00 Uhr, als drei vollautomatische bio-Wecker rappeln und um neue Batterien Frühstück bitten. Ich finde zwar es ist eigentlich noch ein bisschen früh, aber verstehe dass dies Luxusdenken ist und viele Menschen da draußen in der „echten Welt“ schon am arbeiten sind. Ich wälze also meinen müden Körper aus dem Bett und der schlaftrunkene Mann tut es mir gleich. Er sieht gleich etwas besser aus als die letzten Tage, vielleicht ist er ja wieder gesund?

Wir füttern erstmal das Wolfsrudel ab und machen uns dann an die Tagesplanung: Was muss gemacht werden (Kaninchen zum Tierarzt, schnipp-schnapp), Wäsche zusammenlegen, Kaninchenstall sauber machen…? Was kann gemacht werden: Wer kocht den Kindern Mittagessen (er) und wer bringt das Kaninchen zum Arzt (ich).

Als ich mit Schlappohr aufbrechen möchte, kommt Motti aus einer Ecke geschossen und beschließt dass sie ganz unbedingt mit möchte. Sie zieht sich Schuhe und Jacke an, wir schnappen uns die Transportbox und verschwinden zum Tierarzt. Nachdem ich Motti erklärt habe dass Mr. Kaninchen nun dort noch ein bisschen warten muss bis er dran ist, und wir in der Zeit Brötchen holen werden, findet Motti das super und beschließt dass sie sich beim Bäcker was aussuchen will. Ich sage „Wieso nicht?!?!“ und sie sucht sich das teuerste in der ganzen (süßen) Auslage aus: Croissant. Ja wir haben hier wohl ein frankophiles Gourmotti. Weil es natürlich nicht sein kann dass Motti sich etwas aussucht und ihre Geschwister nichts bekommen (ihre Aussage) haben wir dann 3 Croissants dabei als wir wieder durch die Haustür kommen.

Kaum am Esstisch, zerpflücken 2 von 3 Kindern die Hörnchen und eins schmatzt und schleckt und es fehlt nur noch die Frage ob sie das Hörnchen vielleicht in ihren Kinderkaffee (den sie nicht bekommt, aber das Bild vor meinem inneren Auge ist so super) tunken dürfte. Machen „echte“ Franzosen das eigentlich wirklich? Oder ist das eins dieser Frankreichklischees?

Nach dem zweiten Frühstück fragen die Kinder den besten Papa der Welt ob er mit ihnen ein naturkundliches Buch aus der Steinzeit über Tiere mit ihnen anschaut. Ich argumentiere dass er die Chance nutzen soll, sie werden nicht häufig fragen ob ihr Papa ihnen etwas beibringt.  In der Zeit in der die Mädels mit Papa das Buch Bild für Bild durchgehen schleiche ich mich mit einem Kaffee an den Rechner und schmökere in ein paar Blogs. Währenddessen beobachte ich aus dem Fenster wie Nachbarn mit ihren Hunden Gassi gehen, dass der Postbote an unserem Haus vorbeifährt, und stelle grinsend fest dass sich schon wieder jemand verfahren hat und sein Auto wendet.

Gegen 11:30 Uhr beginnt der weltbeste Papa damit den Kindern essen zu kochen und ich schmeiße für Motti „Die Kinder aus der Krachmacherstrasse“ in den Kassettenrekorder. Ja, wir haben uns einen Kassettenrekorder mit USB und CD gekauft, den einzigen den sie bei Mediamarkt noch verkauften. Scheint außer uns keiner mehr zu haben. Aber Kassette ist nunmal Kassette.

Jetzt ist es 12:30Uhr, und ich mache mich daran den Hasenstall zu säubern. Woran liegt es eigentlich dass kleine Kinder immer mitten im größen Chaos einem vor den Beinen rumhampeln und im Weg rumstehen? Nein, die Option dass sie helfen finde ich nicht gut. Hier nicht. Punkt. Das ist bestimmt völlig unpädagogisch, aber ich habe auch nur ein begrenztes Nervenkostüm, und zweijährige die mit Hasenkötteln spielen und ihre kleinen Hände in Hasenpipi stecken sorgen dafür, dass dieses ganz schnell aufgebraucht ist. Immerhin klingelte grade das Telefon und die Tierarztpraxis ruft an dass es unserem Schlappohr gut geht und er die OP gut überstanden hat. Juhu! (Man macht sich ja doch schon Gedanken.)

13:30Uhr Die Kinder dürfen draußen im Garten spielen und drehen wie die Irren auf ihren Rädern runden ums Haus. Man merkt das wir hier seit Tagen schlechtes Wetter haben. Immerhin regnet es grade nicht, auch wenn schon wieder eine dicke Regenwolke das Haus umkreist. Ich friere. Im Juli.

14:00Uhr Ich beantworte eine Kooperationsanfrage und mache mich auf den Weg zum Tierarzt, das Hasentier abholen.

Beim Tierarzt wartet eine Frau mit einem Nervenbündel von Hund. Er zittert wie Espenlaub und man hört die Zähne klappern. Sie sagt dass ihr Hund schon 15 Jahre alt ist. (Das ist alt für einen Hund, oder?). Ich warte ein bisschen und hole dann unseren jungen Kastraten ab. Das Häschen bringe ich nach Hause, die Kinder lärmen und machen augenscheinlich nur Blödsinn. Leider muss ich noch einmal losfahren zum einkaufen und den Mann mit den Kindern alleine lassen.

Im Supermarkt (etwa 16:00Uhr) werde ich schlecht gelaunt, meine Lieblings-Salamiflammkuchen sind nicht da, weil der Supermarkt sagt dass Dr. Oetker vorübergehend nicht liefert, wegen irgendwelcher „Verhandlungsschwierigkeiten“ und weil ich nicht klar als Kunde erkennen kann wer denn nun der „Böse“ ist. Der Pizzakonzern weil sie zu hohe Preise fordern oder der Supermakt weil er die Preise drückt. Vermutlich am Ende der Kunde, weil man ja auch keine 20€ für eine TK Pizza ausgeben will. Coke Zero ist in 2 Geschäften nicht zu bekommen (WTF?) und dann fängt es an zu regnen. Meine Lymphknoten schmerzen, und auf dem Heimweg überlege ich was ich an einem solchen Tag (angenommen ich hätte frei) gemacht hätte: Auf der Couch gelegen und ein gutes Buch gelesen. Natürlich geht das mit drei Kleinkindern nicht. Erst recht nicht mit solchen die sich grade im Akkord Blödsinn ausdenken.

Zu Hause erwartet mich ein müde dreinschauender Mann, welcher sagt:“Jetzt reicht aber. Ihr macht nur Blödsinn wir gehen runter.“ Sie kommen die Treppe runter, 10min später freuen sich drei Kleinkinder  über „So viel Stroh“ im Flur. „Wieso liegt hier eigentlich Stroh?“ erübrigt sich als Frage, denn der Blick auf den ehemals prallen Müllsack lässt erahnen woher sie das ganze Stroh haben. Durchatmen hilft langsam nicht mehr, der Mann und ich blicken uns müde und mit Erkältungskopfschmerz geplagten Augen an.

Es ist alles nur eine Phase. Es ist alles nur eine Phase. Es ist alles nur….

 

entwicklung baby

(Psst!Sie schlafen! Endlich!)