Wieso geht das Auto nicht mehr an?

Rtztztztztzrrtz. Rtztztztz. Rrrrtztztztz. *röchel*
„Mamaaa? Wieso geht das Auto nicht mehr an?“ – „Äh ja, das würde ich auch gerne wissen, Motti.“ Wir stehen mitten in Altona auf einem Seitenstreifenparkplatz, der Kofferraum voll mit Babytragen und Neugeboreneneinsätzen und eigentlich wäre der nächste Stopp am Hauptbahnhof gewesen um dort einige der Einsätze abzugeben. Jetzt allerdings tut sich gar nichts mehr.

Rtztztztztzrrtz. Rtztztztz. Rrrrtztztztz. *röchel*
Anneke, bei der ich die Einsätze abgeholt habe, steht mit ihren Töchtern am Straßenrand und schaut besorgt. Ich versuche nicht zu fluchen. Und ich versuche ruhig zu bleiben. Mitten in Altona mit drei Kindern, knapp 40km von zu Hause entfernt. Genau genommen weiß auch gar keiner dass ich mit den Kindern grade in Hamburg bin, denn Marc ist bei der Arbeit und die ganze Aktion war schon wieder so spontan… Kinder eingepackt und los.
„Hey es könnte schlimmer sein, es könnte regnen!“, sagt Anneke. Ich lache (zumindest innerlich). Die Zwillinge wachen auf und wollen eigentlich gerne aussteigen. Annekes Mann kommt vorbei, er kennt sich ein bisschen mit Autos aus, möchte das Auto mal kurz versuchen zu „starten“ und steigt ins Auto. Wawi heult. DA SITZT EIN FREMDER MANN IM AUTO!!!!

Wawi weint bitterlich. Also pule ich drei Kleinkinder aus dem vollen Auto. Motti ist die ganze Zeit sehr still und nimmt sogar Annekes Angebot an nach ihrer Hand zu greifen. Wawi und Nini prügeln sich derweil um einen Platz auf meinem Arm und weinen beide.

Rtztztztztzrrtz. Rtztztztz. Rrrrtztztztz. *röchel*
„Jo, keine Ahnung!“, sagt Annekes Mann und auch der vorbeikommende Nachbar zuckt mit den Schultern. Ich erinnere mich daran dass wir Mitglied im AUAAUA sind, dem grünen Automobilclub. Glücklicherweise liegt unter der Windschutzscheibe auch der Sticker mit der Telefonnummer. Ich wähle also die Hotline und mir wird versprochen „In schon 90 min ist ein grüner-AUA-Priester bei Ihnen.“ Ja…eigentlich brauche ich keinen grünen AUA-Priester sondern mir reicht ein Automechaniker, aber gut 😉

Anneke schlägt vor dass wir doch in ihrer Wohnung warten können, schließlich melden sich die AUA-Priester wenn sie absehen können dass sie in der Nähe sind. Ich bin dankbar für diesen Vorschlag, denn mit drei (okay in dem Moment mit Annekes Kindern sogar fünf) Kleinkindern auf dem Bürgersteig ist das irgendwie nicht lustig. Und Pipi müsste ich auch mal.

Ich trinke Kaffee, Motti und die Zwillinge verstehen sich auf Anhieb super mit Annekes Kindern und spielen vergnügt. Wenn es nach ihnen ginge, dann würden sie nie nie nie wieder weg müssen. Außer vielleicht wenn es ins Bett geht. Ich schlürfe derweil meinen Kaffee und denke: Bitte, bitte nur nicht abgeschleppt werden müssen! Lass es uns irgendwie noch in die Stammwerkstatt schaffen. Ob ich wohl mal Marc eine Nachricht darüber schreiben soll, was passiert ist? Aber andererseits ich weiß doch noch gar nicht was mit dem Auto ist, und dann macht er sich unnötig Sorgen. Also lasse ich es bleiben.
Das Handy klingelt. Der grüne AUAAUA Priester ist da.

Der grüne AUAAUA Priester hat erst einmal gute Neuigkeiten, nachdem er sich das ‚Rtztztztztzrrtz. Rtztztztz. Rrrrtztztztz. *röchel*‘ angehört hat. „Das wird der Anlasser sein. Aber die gute Nachricht ist: Wir bekommen den Motor auch manuell zum laufen. Die schlechte: Danach dürfen Sie den Motor nicht wieder ausstellen und auch nicht abwürgen!!“
Ich bin über diese Worte seltsam dankbar, natürlich denke ich ab dem Moment nur noch „nicht abwürgen, nicht abwürgen…“ wie man eben NICHT an Dinge denkt. Der Priester befestigt das Abschleppseil an unserem Auto und ich muss mich von ihm ziehen lassen, Fuß auf der Kupplung und im 2. Gang. Dann gibt er ein Signal, ich nehme den Fuß von der Kupplung der Motor ruckelt und läuft.

So die Theorie. In der Praxis in den engen Nebenstraßen Altonas würge ich das Auto vor Aufregung mehrmals ab und habe eine irrsinnige Angst am Abschleppseil hängend andere Autos anzudätschen. Denn natürlich funktioniert die Servolenkung auch nicht mehr. Oder die elektronische Bremsunterstützung. Nach mehreren Versuchen schaffen wir es. Motor läuft.

Wir könnten es nun also bis zur heimischen Werkstatt schaffen, nur ist von dort aus die Farm noch immer 15km entfernt. Wie kommen wir also von der Werkstatt nach Hause? Glück im Unglück, Anneke und ihr Mann haben einen 9 Sitzer Bulli und für den Rest des Tages nichts weiter vor. Anneke und ihre Große fahren uns also auf dem Weg zur Werkstatt hinterher, an der Werkstatt bauen wir die Kindersitze aus und bei ihr wieder ein und haben dann den Luxus nach Hause gebracht zu werden. Unser persönlicher Engel.

blogprinzessin

Was als „Ich hole nur mal schnell was bei dir ab“ Ausflug begann, bei einer lange-lange-lange nicht mehr gesehen Bekannten, entwickelt sich im Laufe des Tages zu einem eigentlich tollen Nachmittag mit einer neuen Freundin für mich und mindestens einer anderen neuen Freundin  für die Mädels. So kann’s gehen.

[wc_divider style=“dotted“ line=“single“ margin_top=““ margin_bottom=““]

Wir haben inzwischen eine Diagnose aus der Werkstatt: Es ist der Anlasser. (Teuer ist es auch. Aber immerhin ist uns nichts passiert. Ich mag gar nicht überlegen was passiert wäre hätte ich auf dem Hinweg auf der Autobahn in einer der 10 Baustellen den Motor abgewürgt und wäre da nicht mehr weg gekommen.)

By | 2017-03-14T15:05:14+00:00 21. September 2015|Categories: Ich schreibe|7 Comments

About the Author:

Katarina (30) ist die Mama von Motti (*2012) und Wawi (*2013) sowie Nini (*2013) und wohnt in der Nähe von Hamburg mit vielen Kühen als Nachbarn. Virtuell zu finden auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und Instagram.

7 Comments

  1. Anneke 21. September 2015 at 22:01 - Reply

    Wie schön geschrieben – du darfst jederzeit wieder bei uns liegenbleiben 😉

    Also ich weiß ja nicht, wie es in deinem Inneren aussah, aber ich war und bin erstaunt, wie ruhig du geblieben bist. Ich wäre – zumindest innerlich – wahrscheinlich durchgedreht…

    Also, wir freuen uns schon aufs nächste Mal, dann aber gerne ohne kaputtes Auto 😉

    • Katarina 22. September 2015 at 12:30 - Reply

      Ich weiß auch gar nicht wieso ich nicht ausgeflippt bin. Früher war ich so…aber seit einiger Zeit hat sich das geändert. Warum weiß ich gar nicht genau. Vielleicht weil „Panik“ in dem Moment auch nichts gebracht hätte.

      Ich freue mich auch auf den nächsten Kaffee ohne liegengebliebenes Auto! Das wird super!

  2. Nicole 22. September 2015 at 06:56 - Reply

    Oh nein, das war ja mal ein Erlebnis!
    Sieht zum kugeln aus. Ein Auto voller Kinder ; )

    Liebe Grüße
    Nicole

  3. GradGedacht 25. September 2015 at 00:09 - Reply

    Ja ich wäre vermutlich durchgedreht 😀 aber in so einem Moment handelt man sicher ganz automatisch – auch um die Kinder zu schützen. Bringt ja nichts, wenn die Mama auch noch weint 😀

    • Katarina Fiebelkorn 25. September 2015 at 14:11 - Reply

      Ja in meinem Leben vor den Kindern wäre ich ganz sicher in Panik und in Tränen ausgebrochen. Jetzt denke ich mir nur noch: Bringt ja jetzt auch nichts. Erstmal alle gesund heim bringen. Hoffentlich wird’s nicht so teuer.

  4. Mobile Lieblinks im September 29. September 2015 at 20:10 - Reply

    […] die Kinder ins Auto einpacken und dann … hat man eine Panne. So war es jedenfalls bei 3-Fach-Mama Blogprinzessin. „Rtztztztztzrrtz. Rtztztztz. Rrrrtztztztz. *röchel* “Mamaaa? Wieso geht das Auto nicht […]

Leave A Comment