Emilia und Aarons Geburt

Da lag ich nun, zitternd vor Angst und Schmerzen,in meinem Krankenhausbett und realisierte,dass am nächsten Morgen um 8 Uhr meine Zwillingsschwangerschaft in der 37+2 SSW enden und mein Leben als Mama beginnen sollte. Panik und Vorfreude vermischten sich von Minute zu Minute. Nur Schlaf mischte nirgendwo mit,der hatte wohl Angst vor meiner Erkältung . Haha Weichei.

(Nicht mal ein Buch hatte ich mit,also blieb mir nur warten.)

Zum Erstaunen aller hatte ich eine komplikationslose und schöne Schwangerschaft,doch die Geburt würde so ganz anders werden .

Symphysensprengung, die Kinder müssen raus.“ sprach der junge Arzt am Vorabend ernst, nachdem ich mit Blaulicht und anscheinend Formel 1 erfahrenem Krankenwagenpiloten in den Kreissaal gefahren wurde.

Früher am Tag war ich bei meiner Ärztin,wo ich im Fahrstuhl ein Knacken im Becken spürte und bald darauf starke Schmerzen hatte . Was meine Ärztin wenig kümmerte. Sie weigerte sich ,mich ins Krankenhaus einzuweisen und war der Meinung, ich könne nach Hause laufen. Erst als ich ihr unmissverständlich klarmacht dass ich ohne Einweisung nirgends hingehe, tat sie es.

Zuhause angekommen konnte ich nicht mal mehr sitzen, meine besorgte Mutter alarmierte die Feuerwehr. Die kam, guckte, hängten meine Schlafzimmertür mit den Worten „Die muss raus,sonst komm‘ wa mit der Trage nich rinn, weil Sie dürfen nich sitzen!“ aus und rollten besagte Trage rein . Zack, ich wurde raufgepackt und rausbefördert,zur Freude meiner Nachbarn die auf der Straße waren . Ich hatte sogar noch Zeit das höchst peinlich zu finden,bevor wir mit gefühlten 180 Sachen losrasten. Wie in Fast and the Furious.

Im Kreissaal angekommen kümmerten sich 2 Hebammen um mich, machten ein CTG und beruhigten mich . Ich lag nämlich da und heulte.

Alles tat weh, meine Beine waren taub, und dann diese schreckliche Ruhe im Bauch . Irgendwann kam dann ein wahrgewordener McDreamy und hörte sich mein Elend an, während er mich untersuchte.

Er erklärte mir dass sich mein Becken gelockert habe,weil die Kinder ungewöhnlich groß und schwer für Zwillinge waren . Er entschied, den Kaiserschnitt unter Vollnarkose zu machen,am nächsten Morgen wenn 2 Kinderärzte da sind. PDA würde nicht funktionieren, ich konnte ja nicht sitzen .

Es wurde die längste Nacht meines Lebens, die abrupt durch die Krankenschwester beendet wurde .

So Frau A., dann wollen wir mal !“ Wir ?! ICH wollte ganz bestimmt nicht !

Im OP konnte ich vor lauter zittern nicht mehr mithelfen,mich auf den Tisch zu heben . Sehr zum Missfallen der sowieso schweigenden Ärzte. Mehr als einmal mokierten sie sich darüber. Dann hieß es warten, die Kinderärzte waren noch nicht da. Dass ich unter Höllenschmerzen bereits auf dem Rücken liegend fixiert war und langsam Panik bekam, interessierte niemanden. Nach einer gefühlten Ewigkeiten waren sogar BEIDE Kinderärzte da und es ging los.

Natürlich schweigend, jedenfalls in meine Richtung. Nur der Anästhesist redete mit mir, während er mich betäubte. Ich weiss noch wie ich immer wieder dachte : „Ok. Dann sterbe ich jetzt.

Dieses Gefühl der Wehrlosigkeit möchte niemand haben, schon gar nicht wenn neues Leben geboren werden soll !

Als ich wieder zu mir kam, war ich allein. Leerer Bauch, keine Babys neben mir. Panik.

Niemand wusste etwas, nur dass sie im Wärmebett waren. Nach 2 Stunden im Aufwachraum durfte ich sie endlich sehen.

Sie waren perfekt.  Gesund, nur zur Beobachtung und weil ich ja eine Vollnarkose hatte,eine Nacht auf der Station.

Meine Mutter war da und meine Tante . Ich weiss noch wie meine Mutter die Mäuse anguckte und erleichtert sagte :“Gott sei Dank,sie haben Haare !„. Sie hatten nicht einfach nur Haare. Sie hatten Frisuren! Lange dichte dunkle Haare, wir waren später der Hit auf Station und beim Babyshooting !  Am nächsten Tag kamen sie zu mir aufs Zimmer und seitdem waren wir nie länger als 3 Stunden voneinander getrennt. Nach 8 Tagen ging es dann endlich nach Hause, ich fühlte mich wie gefangen in diesem Krankenhaus. Ich hätte mir eine natürliche Geburt gewünscht, was wegen BEL nicht ging. Aber zumindest einfühlsamere Ärzte wären toll gewesen .

Körperlich erholte ich mich schnell, seelisch belastete es mich leider länger. Mir hat niemand während oder bevor der Geburt Trost gespendet. Ich wurde betäubt und aufgeschnitten . Aber wenn ich mir meine Mäuse anschaue war es das alles wert .

blogprinzessin

22.Mai 2013  Emilia-Mimi: 51cm 3730g und Aaron-Sean: 50 cm 3330g. Bildrechte:  Mamani bloggt

Sarah ist die Mama von Emilia-Mimi und Aaron-Sean und mehr könnt ihr auf ihrem Blog  Mamani bloggt über sie lesen. 

Danke für eure Geschichte!

By | 2017-06-25T17:03:09+00:00 30. September 2015|Categories: Gastbeiträge, Geburtsbericht|2 Comments

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Artikel von Leserinnen und Lesern werden unter dem Namen "Gastautor" gebündelt. Wer genau was geschrieben hat, steht immer im entsprechenden Beitrag.

2 Comments

  1. Elawen 30. September 2015 at 08:10 - Reply

    Oje.. Da hast du was mitgemacht… Meine beiden wurden wegen abfallender Herztöne vom Sohnemann auch bei 37+1 per notkaiser geholt. Ich hatte mich im Vorfeld allerdings auch für KS entschieden – eine natürliche Geburt hatte ich bei der großen und das war nicht wirklich toll. War auch gut so, das Mädel hatte sich nämlich von SL in vollendete Fußlage gedreht und Sohnemann hatte einen Nabelschnurknoten. Vielleicht hilft es dir, wenn du dir vor Augen hältst, dass du ohne diese not-op gar nicht ausgekommen wärst *hug* Deine Kinder sind toll!
    Ich hoffe, bei dir ist alles wieder gut verheilt!

  2. Lisa 30. September 2015 at 21:28 - Reply

    wie kann sowas sein? Mir schaudert es bei dem Gedanken daran wie du dich gefühlt haben musst! hast du mit den Mitarbeitern noch mal gesprochen?
    Ich hatte während der Schwangerschaft eine symphysenlockerung und konnte am Ende nicht mehr laufen, aber die Ärzte meinten zu einer Sprengung kommt es nur sehr selten! nicht dass das nicht genug wäre wie kann man so mit dir umgehen man ist ja ohnehin verunsichert und ängstlich vor der Geburt!
    Mein tiefstes Mitempfinden und ganz viel Freude weiterhin mit den tollen beiden minimäusen!

    Lieben Gruß lisa

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