Farmleben. Rasen mähen. Oder: Verfluchter Mist!

ROAR! ROAR! Töff Töff Töff!

rasen mähenSo klingt es wenn unser Nachbar von gegenüber, nennen wir ihn spaßeshalber mal Heinrich, wenn  dieser Nachbar seinen Rasenmäher anschmeißt. Heinrich ist gründlich, Heinrich ist präzise, und Heinrich hat damals vor der Rente für die Stadtverwaltung gearbeitet. Heinrich hat ein eigenes Laubbläserrucksackdings (mit dem er im „Einsatz“ aussieht wie einer von den Ghostbusters) und Heinrich hätte das Potential eine furchtbare Nachbarnervernsäge zu sein.  Das ist er aber nicht. Er ist nett. Aber Heinrich und ich haben eine klitzekleine Meinungsverschiedenheit darüber wie häufig man den Rasen mähen müsste. Heinrich mäht seinen Rasen alle 2 Tage… na okay alle 14 Tage, seinen vorbildlich gestutzten, nicht einmal ansatzweise mähbedürftigen englischen Rasen im Vorgarten vor dem Haus. Röööör! Töff Töff Töff!

Wenn Heinrich mäht, wissen alle in der Straße:  au shit! Wir müssen wieder  Rasen mähen. Gruppenzwang. Man holt pflichtbewusst seinen Rasenmäher aus dem Schuppen und mäht. Oder Mann mäht. Denn ich habe hier tatsächlich noch nie irgendwo eine Frau mähen sehen. Naja, außer bei uns. Denn bei uns gibt es Dienstpläne des Mannes, die sich leider nicht mit Heinrichs Mähdiktatur absprechen. Unser Bauer sprach mit mir kurz nach dem Einzug darüber dass Rasenmähen „Männerarbeit“ ist, ich stimmte zu und fühlte mich  wie Rocky kurz vor einem Kampf.

Wenn es wieder an der Zeit war Rasen zu mähen, fing ich an zu laufen. Die Musik spielte in meinem Kopf. Ich summte mit. Dann nahm ich zur Vorbereitung auf meinen Kampf Anlauf und joggte  die Stufen in unserem Haus hoch und runter und schrie:

„It’s the eye of the tiger
It’s the thrill of the fight
Rising up to the challenge of our rival

-Surviver „Eye of the Tiger“

Unser Garten misst etwa 600qm. Davon sind vermutlich 500qm mit Rasen bedeckt. Wie viel es genau ist weiß keiner. Einen Grundriss vom Haus gibt es nicht mehr seit  irgendwann in den Sechzigern das Verwaltungsgebäude im Nachbarort abgebrannt ist. Alle Unterlagen die dort bis zum Brand eingelagert wurden sind nur noch Asche. Inzwischen nicht mal mehr Asche sondern eine Legende von der man sich erzählt es hätte dort mal irgendwelche Unterlagen gegeben. Was das mit unserem Garten zu tun hat? Ganz einfach. So ein „Acker“ muss gemäht werden. Kein Mann im Haus, und drei Kinder zu klein um ihnen Rasen mähen als „dein Beitrag zu Kost und Logis“ aufzubürden.

Eine Frau musste tun was getan werden muss, ich schleppte den Mäher des Todes in unseren Garten, schloss ihn an. Knurrte einmal gefährlich in Richtung Grasnarbe, startete den Motor und wollte loslaufen.

ACH DU SCHEISSE IST DAS DING SCHWER!!!!

Ich ächzte, der Rasenmäher würde mich doch nicht schon fertig machen bevor überhaupt ein Grashalm gekrümmt worden ist. Das konnte doch nicht normal sein, das es SO schwer war das blöde Mistding überhaupt zu schieben? Das sieht bei Heinrich und den anderen Männern immer so leicht aus. Die  zuckeln ratz fatz dahin. Ich schob weiter den Rasenmäher durch den Garten, nach 4 Bahnen bereute ich es zutiefst ihn überhaupt angeschaltet zu haben. Nach 8 Bahnen dachte ich ich müsste sterben, nach 50 Bahnen (und 4 mal den Fangkorb ausleeren) rauchte es aus dem Motor.

RAUCH!

„Mama, da is Feuer! Das sieht slimm aus. Ich glaube der ist kaputt“, kommentierte Motti.

Rauch. Spratzel. Brrrööö ………..

..

Stille.

Der verfluchte Mäher hatte einfach die Hufe hochgeschlagen. Zack bumms kaputt. EINFACH KAPUTT GIBTS HIER ABER NICHT! Niemand stirbt hier einfach auf meinem Rasen! Das haben wir nicht mal den Vögeln erlaubt. „Schwester Motti! Den Schraubenzieher bitte!“ Motti starrte mich völlig verwirrt an. Ich ging den Schraubenzieher holen.

Vier kleine Schrauben später und das Plastikverdeck war ab. „Hmm ahaha jaja natürlich. Soso. Jaja, da müssen wir abklemmen und dann löten. Bei offener Motorhaube.“, murmelte ich. Ich hatte keine Ahnung was ich da sehen sollte, aber dass musste der Rasenmäher nicht wissen. Ausserdem war das mit dem diagnostizierten Feuer von Schwester Motti maßlos übertrieben, ich konnte mich nur an ein klitzekleines Rauchwölkchen erinnern. Ich drückte noch einmal planlos den AN/AUS Schalter. Brömm. Brööööm.

Na siehste. Nix mit Hufe hochschlagen! „Die letzten 150 Bahnen schaffen wir dann auch noch!“ raunte ich, halb zu mir und halb zum noch einmal zu  Leben erwachten Rasenmäher. „Danach darfst du auch wieder in den Schuppen.“

Die letzten Bahnen schaffte er tatsächlich noch, bei einer der letzten Kurven brach ein Plastikteil ab, ich habe keine Ahnung wo das herkam, aber wird nicht wichtig sein das gute Ding.

Der Rasen war gestutzt, nicht so korrekt englisch-elegant wie bei Heinrich, aber immerhin. Nicht schlecht, für eine Frau. Ich starrte auf meine schmerzenden Hände. Na toll, Blasen an den Handflächen, wenn das jedesmal passiert, hab ich ein ernsthaftes Problem.

Ein paar Wochen später….

Heinrich mäht. „Schaahaatz“, rufe ich. „Ja?“ antwortet Marc. „Heinrich mäht!“ „Verdammt! Gut dann mähe ich heute auch noch.“. Waswiewoistdennschonweihnachten?  Naja egal jetzt bloß nicht zucken, sonst merkt er was er gesagt hat. Kurioserweise zuckelt ein paar Minuten später Marc mit dem Rasenmäher an meinem Bürofenster vorbei. Er lacht. „Noch lachst du!“, denke ich und murmele „Der wird schon sehen.“.

Marc zieht draußen Bahn um Bahn, lacht und gluckst. Ich schaue auf die erst halb verheilten Blasen an meinen Händen. Der Rasenmäher mäht weiterhin. Die Sonne scheint.

VERDAMMTE KACKE, BIN ICH ETWA ZU DOOF ZUM RASEN MÄHEN?

Bin ich jetzt eins dieser Frauchen die sagen:“ Das ist DEIN Rasenmäher, denn fasse ich nicht an. Viel zu gefährlich!“?  Weitere Minuten vergehen, ich höre das gewohnte „Vrööööm“. Und dann ein lautes aber passendes: „Verfluchter Mist!“. Ui. Ich glaube da ist was kaputt.

Marc rennt fluchend durch den Garten. Ich sage ihm:“ Bei mir hat es geholfen den aufzuschrauben und anzuschalten.“ Er sagt: „Der Motor raucht!“ Er schraubt den Motor auf, ich starte den Anlasser.

HOLYMOLY!

„Was ist das denn?“ frage ich. „Na der Rauch“, antwortet er.  Wir versuchen es nochmal den Mäher zu starten. Nix. Nada. Da schmoren Kabel oder gleich der ganze Motor. Herzversagen wegen Überlastung. Exitus.

Heinrich schaut über den Zaun: „Die Elektro-Mäher bringen’s nicht. Ich hab nen Benziner.“

Ja. Wir jetzt auch.

rasen mähen

By | 2017-03-14T15:04:05+00:00 7. Oktober 2015|Categories: Ich schreibe|8 Comments

About the Author:

Katarina (30) ist die Mama von Motti (*2012) und Wawi (*2013) sowie Nini (*2013) und wohnt in der Nähe von Hamburg mit vielen Kühen als Nachbarn. Virtuell zu finden auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und Instagram.

8 Comments

  1. Marsha 8. Oktober 2015 at 09:21 - Reply

    Haha, sehr geil geschrieben. Meine Schwägerin hat so ein Traktor-Rasenmäher-Dings, das ist immer eine Attraktion bei den kleinen Kids.

    Liebe Grüße, Marsha

  2. Mama Tatze 8. Oktober 2015 at 21:13 - Reply

    Hallo, ich bin gerade durch „ein paar Klicks hier und da (kennt man ja)“ bei euch gelandet.
    Wir haben auch ein sehr großes Grundstück mit einer Menge Rasen. Den geliebten Aufsitzrasenmäher meines Mannes darf ich nur fahren, wenn er ihn rausholt und ihn schon mal anmacht. Seine Begründung: „Du bist ja schwanger!“ 😀 So sind sie die Männer und unsere Rasenmäher :D… also ich finde eure Seite echt toll und werde öfter mal vorbei schauen 🙂

  3. Nicole 9. Oktober 2015 at 12:05 - Reply

    Ohje, auch noch mit Elektromäher? ^^

    Wir wohnen auch ländlich. Nebenan haben drei Parteien neu gebaut. Unser liebster Nachbar *hust* mäht tatsächlich in der Hochsaison zweimal die Woche. Der mäht nämlich ohne Korb.

    Lass die Männer mal machen.

    Liebe Grüße
    Nicole

  4. Mobile Lieblinks im Oktober 26. Oktober 2015 at 09:10 - Reply

    […] kann eben nicht jeder so präzise seinen Rasen wie Nachbar Heinrich mähen. Diese Erfahrung musste auch Blogprinzessin machen. „Unser Garten misst etwa 600qm. Davon sind vermutlich 500qm mit Rasen bedeckt. […] So […]

  5. neontrauma 29. Oktober 2015 at 22:38 - Reply

    Gnihi, Rasenmähen ist hier auch Frauensache. 😀
    Bin halt mit einem großen Garten aufgewachsen und finde Gartenarbeit tatsächlich entspannend… herrlich stupide, gut zum Auspowern und man sieht direkt Ergebnisse. 😉

  6. […] dem Outletcenter erlitt ich einen Schreck, denn vor dem Haus von Heinrich (wir erinnern uns an die Rasenmähergeschichten), hielt plötzlich ein Notarzt und ein Krankenwagen. Aber da Heinrich höchstpersönlich die Tür […]

  7. […] hatte Heinrich Spass dabei mir zuzuschauen, aber Heinrich hat auch nur einen Enkel und keine drei Kleinkinder. […]

  8. […] weiteren Stop am Supermarkt) endlich auf den heimischen Hof fahren. Zur Begrüßung winken wir Heinrich, der bestimmt schon zum dritten Mal in diesem Jahr mit seinem Rasenmäher durch den Vorgarten […]

Leave A Comment