Mottes Geburt.

An einem Mittwoch, nach dem Besuch beim Gynäkologen, fing alles an.

Die Ärztin krempelte meine Gebärmutter um.. gut okay, es fühlte sich nur so an. Aber zumindest wurde meine Lütte so geärgert, dass sie langsam aber sicher den Tag X einläutete. An dem Abend bekam ich plötzlich Wehen. Nur für eine Stunde, aber dafür alle 10 Minuten. Kaum waren sie da, waren sie auch wieder weg. In der Nacht wachte ich ab und zu mal auf, da ich eine Art „Regelschemrz“ hatte. Manchmal etwas intensiver, aber nie so doll das ich gleich an Wehen dachte.

Am nächsten Tag wachte ich auf und merkte gleich, das diese merkwürdigen Regelschmerzen weiterhin da waren. Sie wurden am Vormittag immer intensiver, manchmal auch schon so sehr, dass ich mir dann  mal die Uhrzeiten notierte, an denen ich den Schmerz intensiver und mindestens 60sek. Lang spürte.

Obwohl ich 2 Jahre zuvor bereits einen Sohn bekam, hatte ich trotzdem völlig vergessen, wie sich Wehen anfühlten. Allerdings platze mir damals auch die Fruchtblase und dann setzten kurz darauf starke Wehen ein… Also wird diesmal alles Anders..irgendwie ;o)
Ich wußte zwar das, wenn es soweit ist, ich definitiv merken werde das es so weit ist, aber damit war mir in dem Moment auch nicht geholfen.
 Ich rief meine Hebamme an, die mir verkündete das unregelmäßige Wehen (Falls es denn welche sind)  keine Geburtseinleitenden Wehen sind. Ich solle nochmal ein paar Treppen steigen, ein Glas Rotwein nach einer entspannten heißen Dusche trinken und im Anschluss den horizontalen Matratzen-Tango mit meinem Mann tanzen, um der Lütten den letzten Schubs zu geben.

Hahahaha. HA HA. Sehr komisch.

Treppen steige ich gefühlte 100mal am Tag, ich hab bis jetzt kein Alkohol in der Schwangerschaft getrunken, daher werde ich auf den letzten Metern damit nicht anfangen und im Bett ist für mich schon das normale von links nach rechts drehen eine gefühlte olympische Disziplin, in der ich kläglich versage, da ist an SOWAS definitiv nicht mehr zu denken. ;o)

Was blieb mir noch, außer der heißen Dusche?
Gesagt getan und was war? Nichts. Die Schmerzen blieben genauso stark und kamen auch nicht öfters. Als sie zum Mittag hin dann plötzlich ganz aufhörten, rechnete ich nicht mehr mit der gebrut an diesem Tag. Ich entspannte mich und nutze den Mittagsschlaf des Großen, um selbst die Äuglein zu schließen. Als ich 2 Stunden später wieder aufwachte, merkte ich sofort das diese Schemrzen wieder zurück waren. Ich rief meinen Mann an und bat ihn heute pünktlich Feierabend zu machen, da ich schon müde und kaputt war durch dieses ewige Hin und Her der „Möchtegern-Wehen“. So konnte ich defintiv nicht noch den ganzen Nachmittag den Großen bespaßen.

Als ob ich es geahnt hätte, wurden die Schmerzen immer intensiver je später es wurde. Ich kritzelte nebenher die Zeiten auf und baute „fröhlich“ mit meinem Großen irgendwelche Duplo-Türme, bis endlich mein Mann von der Arbeit kam. Langsam merkte ich, das ich mich während dieser ‚Wehen‘ nicht mehr richtig Bewegen konnte. Die Minuten verstrichen und die Wehen wurden immer intensiver. Mir war endgültig klar:

DAS sind WEHEN. ES geht LOS!

Als ich anfangen musste, die Wehen zu veratmen, rief ich im Krankenhaus an um dort nochmal Rücksprache mit einer Hebamme zu halten.

Ähm, ab wann muss man nochmal ins Krankenhaus? 

(Über genau solche Fargen lächelt man noch im Geburtsvorbereitungskurs und ein paar Monate später steht man da.. und fragt sich das ECHT. )
Da die Wehen aber weiterhin völlig unregelmäßig kamen (mal 6min, mal 9min, mal 12 und 17min) gab mir auch diese Hebamme die gleiche Antwort wie es meine bereits tat: Unregelmäßige Wehen würden keine Geburt einleiten. Ich könne aber kommen, wenn ich mich zu Hause nicht mehr wohlfühle. AHA. Recht herzlichen Dank. Zähne zusammen beißen und abwarten. Meine Männer mampften schon fröhlich Abendbrot, während ich mittendrin aufstehen musste, um so unauffällig wie möglich die Wehe zu veratmen.

Sie wurden stärker. Eindeutig.

Und dann… 20 Minuten lang NICHTS. Ich dachte schon „das war’s! Wieder falscher Alarm!“ und ging runter.

Kaum saß ich am Eßtisch, kam die aller erste richtig fiese-böse-blöde-mist-kack-Wehe. Ich weiß nicht wie, aber ich schaffte es diese scheinbar so lustig zu veratmen, das mein Großer sich kringelig lachte. Nur mein Mann wurde etwas blass um die Nase.. denn er begriff, dass es ernst werden könnte und rief bei seinen Eltern an. Die wohnen zum Glück fast neben an und sollten auf den großen aufpassen, während ich dann im Krankenhaus bin.

Die sieben Sachen packte ich schnell (zwischendurch veratmete ich die ein oder andere Wehe) zusammen und mein Mann brachte dann auch schon den Großen zu den Großeltern.

Hab ich schon erwähnt das meine Schwiegereltern quasi NEBENAN wohnen? Das hinbringen des Großen hätte keine 10min Zeit in Anspruch genommen.. Hätte..

Über eine Stunde später, und somit PÜNKTLICHST zum Anpfiff (Jaaaaahaaaa richtig, es spielte Deutschland an diesem TAG! EM Deutschland gegen Italien .. Fußball *würg*) war mein Mann wieder zurück, der mir freudig berichtete mit wem er alles auf dem kurzen Weg gesprochen hätte. Schön das der Herr die Ruhe hat und noch einen Klönschnack mit sämtlichen Nachbarn hält, während seine Frau zu Hause wieder eine handvoll Wehen allein veratmen durfte… Das Spiel fing an und wir setzten uns auf die Couch.

Ein Bild für die Götter.

Ich motzte nach jeder Wehen und mein Mann motzte über die verpatzten Chancen der Deutschen und als es endlich Halbzeit war, empfand ich die Wehen als echt fiese und meinte nur zu ihm, das ich jetzt hoch gehen werde um mich umzuziehen und dann könnten wir los fahren.

Auf seine Frage „Wohin?“ rollte ich die Augen… zu mehr kam es nicht, denn da übermannte mich schon die nächste Wehe.

Trotzdem meinte mein Mann dann völlig locker, das ich mich oben noch ein wenig hinlegen und ausruhen könne. Die Wehen seien unregelmäßig und würden nicht zwingend bedeuten das es jetzt schon losgehe (Ach, erzähl mir was neues.. da passt er einmal auf.. der feine Herr) Grandiose Idee! Die alte Knalltüte meint ich soll mich zwischen den 6-12minütigen Wehen ausruhen?! Aber klar, dann schlaf ich mal schnell 3min, damit es mir danach besser geht?! Oh man, ehrlich…

Kaum war ich oben, wurden die Wehen noch heftiger und ich versuchte alles erdenkliche um sie zu veratmen. Ohne Witz, ich habe tatsächlich noch die 2. Halbzeit ausgehalten, bis dann endlich mein Mann mal zu mir hochkam.

Er sah mich schnauben und ich setzte meinen bösesten Blick auf.

Als er dann noch die dann kommende Wehe live miterleben durfte, war ihm endgültig klar das es definitiv heute, hier und jetzt, losgeht. Also putzte der Herr sich noch schnell die Zähne und kramte sein Rasierzeug raus. (Woher hat er diese Ruhe?????) In der Zeit, wo sich mein Mann „Ausgeh fein“ machte, hatte ich nochmal locker 3 Wehen im Abstand von 3-5min. Das veranlasste ihn dann, sein Rasierzeug wegzulegen und runter zu rasen um seine Schuhe anzuziehen.

Von Oben bis runter zum Anziehen hatte ich weitere 2 Wehen.

Als wir dann im Auto saßen, blieben plötzlich die Wehen aus.

Mein Mann starrte permanent auf seine Uhr, was mich völlig kirre machte. Ich wusste selbst, dass ich schon mindestens eine weitere Wehe hätte haben müssen.

Hatte ich aber nicht!

Wir parkten beinahe tiefenentspannt unser Auto und gingen zum Eingang. Kurz vor der Tür, wo eine Handvoll Leute standen , kam eine echt böse-fiese-mist-kack-Wehe, die  dafür sorgte dass ich den Laternenpfahl zu umarmte. Statt einen Poledance zu machen, veratmete ich diese Wehe und versuchte die Laterne nicht zu verbiegen.
Der Kreißsaal ist im 1. Stock und in 3min locker zu erreichen.

Auf dem Weg dorthin, hatte ich weitere 2 Wehen. Kaum waren wir im Kreißsaal empfing uns auch schon eine Hebamme, die mich erstmal am CTG anschloss. Die Wehen die darauf gezeigt wurden waren lachhaft im Vergleich zu denen, die ich damals bei meinem Großen hatte. Völlig verrückt und dennoch faszinierend, wie ich die Erinnerungen an die Schmerzen der letzten Geburt ausblenden kann.

Nach 20min und einem Haufen fieser Wehen, kam die Hebamme wieder, um endlich mal den Muttermund zu untersuchen. Ich hoffte das sie uns nicht wieder nach Hause schickt. Doch stattdessen kam ein „Wow, schon ganze 5-6cm!“ von der Dame. Ich war sprachlos, aber nur kurz ;o) Ich jubelte und dann wurde mir klar: Ich bekomme in den nächsten Stunden endlich unser Kind!
Durch die Geburtsvorbereitende-Akupunktur sei meine Gebärmutter locker flockig weich und öffnet sich dadurch schneller.

YES. Die besten 30€ die ich jemals investiert habe!

So kam ich dann auch schon vom Wehenzimmer direkt in den Kreißsaal.
Mir wurde noch Tee serviert, mein Mann trank seinen 1. von insgesamt 2512458215sten Kaffee und wir plauderten zwischen den Wehen fröhlich über dies und das.

Da meine Wehen dieses mal zwar eher kurz waren (im Vergleich zu den Wehen von damals, beim Großen), aber heftig, überlegte ich ernsthaft, ob ich nicht wieder eine PDA haben möchte.

Obwohl ich es diesmal OHNE probieren wollte (immer dieser feminine Ehrgeiz ;o) ) Dann kam jedoch eine Wehe, die mich veranlasst hat meine Hebamme laut und deutlich zu bitten, den Anästhesisten zu holen. Sie redete mir noch gut zu und untersuchte nochmal meinem Muttermund. Siehe da, 6-7cm…Wenn ich eine PDA haben möchte, dann sollte ich mich schnell entscheiden. Zwischen den Wehe ging es mir diesmal so gut, das ich mich einfach nicht entscheiden konnte. Sie bot mir erstmal ein Schmerzmittel, welches in den Tropf kommt,an. Den Tropf hatte ich schon (Streptokokken B Infektion, deswegen Antibiotikum).

Ich willigte ein. Holla die Waldfee, der hat mich innerhalb weniger Sekunden völligst benebelt. Merkt euch eins, statt sich zu betrinken kann man das ganze auch kostengünstig in einem Beutel NaCl mit einem Schuß von dem Zeug reinziehen. (Kleiner Witz)

Es wurde immer lustiger im Kreißsaal, nicht nur, das wir zu Ricky Martins „Livin‘ la Vida Loca“ Tanzten, nein wir alberten auch mitten drin rum und fantasierten uns – bei der nächste Runde Kaffee & Tee – einen zurecht. Nur leider waren da ja noch die Wehen, die diese positive Stimmung in regelmäßigen Abständen immer unterbrochen haben. Das Schmerzmittelzeug war zwar ‚lustig‘ aber wirkte irgendwie nicht. Ich hab locker 10 weitere Wehen gehabt wo ich IMMER im Anschluß meinte: Diese Wehe warte ich noch ab und dann, DANN entscheide ich mich ob PDA ja oder nein!

Meine Hebamme lachte sich schon scheckig über mich.
Jedoch packte mich langsam die Panik, denn bei meinem Großen damals, wirkte die PDA erst verzögert, so das ich kaum Presswehen spürte. Sprich, ich konnte mir nicht vorstellen wie anders schmerzhaft Presswehen sich anfühlen und das machte mir plötzlich riesige Angst.

Ich entschied mich FÜR eine PDA.

Ich könnt mir in den Hintern beißen..
Der Anästhesist kam rein und ich wußte: der ist doof. Der Herr hatte nur pauschal 5 Wörter pro Patient zur Verfügung und ließ sich auf keinen kleinen ‚Scherz‘ von mir ein, um die Stimmung ein wenig aufzuhellen… Tja, 4mal hat der gute gestochen… ich saß eine gefühlte Ewigkeit da und versuchte ganz ruhig meine Wehe zu veratmen.

Irgendwann traf er dann auch und langsam wirkte die PDA.

Sie wirkte plötzlich so gut, das ich die Wehen gar nicht mehr spürte! Na tolle Wurst.
Die Wehen hörten plötzlich auf.. super.. also ab an den Wehentropf.. über 1 Stunde später tat sich noch immer noch nicht wirklich was und der Wehentropf wurde mächtig erhöht. Je höher die Dosis wurde, desto mehr merkte ich sie wieder. Öhm.. bis ich merkte, das ich zu viel merke!!!

Kaum realisierte ich, dass die PDA  gar nicht mehr wirkte, spürte ich die Presswehen. Langsam begann der Druck nach Unten. Die ersten Beiden Presswehen hab ich volle Möhre verschenkt, da ich statt zu pressen gemeckert habe, dass ich meine Wehen spüre. Typisch ;o)

Dann motzte mich kurz meine Hebamme an und ab dann, war ich wieder lieb und artig.

Diesemal brüllte ich mir einen zurecht. (Dabei wollte ich das NIE)

Ich entschuldigte mich nach jeder Wehe, 3 Presswehen später, floppte das Köpfchen schon raus (diesmal ohne jegliche Fremdeinwirkung) und  nur wenige Augenblicke später, brüllte jemand anderes im Saal. Unsere kleine, zarte Motte.

Schwuppdiewupp floppte es noch 2mal und sie lag auf mir.

Mein Erster Gedanke war: Sie sieht aus wie ihr Bruder bei der Geburt!!! Das war schon echt irre.. Ich hab Rotz und Wasser geheult. Mein Mann auch und süß wie er ist, lobte er mich wie toll ich das gemacht hab und was sag ich?? “Ja, stimmt.. ich fand mich auch richtig gut!“ Da haben wir gut gelacht und wir witzelten noch ne ganze Weile rum, denn wir warteten auf die Plazenta…meine Plazenta… schon wieder… wieder wollte sie sich nicht lösen. Meine liebe Hebamme versuchte alle möglichen Tricks um meine Plazenta rauszulocken, aber vergeblich.

Eine ganze Weile später, locker über eine Stunde, kam sie, allerdings nicht komplett. Schon wieder… Also musste ich in den OP… schon wieder und da die PDA ja nicht korrekt gestezt wurde, kam leider nur noch eine Vollnarkose in Frage. Der blöde Anästhesist hat es dann diesmal richtig gemacht und ich hab nichts vom Ausschaben und Nähen (Ja hab wieder einen Dammriss, aber alles halb so wild) mitbekommen.
Um 4.12 Uhr wurde meine Motte geboren, um 6 ging ich in den OP und um kurz nach 7 war ich wieder zurück im Kreißsaal. Gegen 9Uhr kam ich dann aufs Zimmer und konnte dann langsam etwas ‚entspannen‘ ;o)

(Wäre da nicht meine Bettnachbarin gewesen die  Nachts um 23 Uhr Besuch von Mann und Kindern bekam und permanent den TV laufen lässt, egal ob sie da ist oder nicht..aber das ist eine andere Geschichte. )

Geburt, Blogprinzessin

Sandy  ist die Mama von Motte und dem großen Bruder und mehr könnt ihr auf ihrem Blog  Quirlimum  über sie lesen.

Danke für eure Geschichte, Sandy!

Wenn ihr auch die Geburt eures Kindes hier veröffentlichen wollt, dann schreibt mir gerne eine eMail an kat (at) blogprinzessin.de Genauere Infos findet ihr auch auf meiner Facebookseite dazu.