Seit 3 Wochen haben wir ein Pflegepony und seit 3 Wochen mache ich wieder Sport. Jeden Mittwoch, wenn Oma die Kinder eingesammelt hat schwinge ich mich in meine Reitstiefel. Dann geht es zum Sport. Naja nicht ganz. Korrekt heißt es „Hilfe bei der Stallarbeit“. Denn die Abmachung für unser Pflegepony ist: Kostenloses Kinderreiten wann immer wir wollen. Gegen Hilfe im Stall.

Das ist echt Sport. Wer auch immer sagt „Reiten ist nur was für Mädchen“, der hat keine Ahnung. Der hat keine Ahnung davon was es an körperlicher Kraft braucht um das Tier auch nur angemessen zu versorgen. Pferdekacke ist nicht leicht. Pferdekacke ist schwer, eine ganze Schubkarre voll Pferdeäpfeln ist verdammt schwer.

Jedes Anheben der Schubkarre wird da zum Sport für meine Oberarme. Krafttraining brauche ich da nicht mehr. Die Kilometer die ich auf der Weide schon zurückgelegt habe würde ich gerne mal aufzeichnen. Gibt es da eine App für? Die die Strecke misst die ich gelaufen bin?

Ich starte meine Sporteinheit immer gleich, das hat sich bis jetzt ganz gut bewährt: Erst den Paddock abäppeln, dann den Offenstall ausfegen. Das Abäppeln des Paddocks ist noch easy, aber der Offenstall und der Besen kriegen mich immer wieder. Nach drei Besenstrichen möchte ich mich am liebsten schnaufend auf den Boden legen.

MIR IST HEISS!

Aber es hilft alles nichts, weiter im Text, der Stall fegt sich nicht alleine. Also fege ich Besenstrich für Besenstrich den Stall aus. Dabei denke ich darüber nach, dass in meiner liebsten „Pferdchenserie“ das Abäppeln und Stall ausmisten immer ausgelassen wird. Maximal schickt ein Charakter den anderen in den Stall, oder erwähnt das noch Stallarbeit gemacht werden muss. Scheiße schaufeln tut dort kaum jemand. Vielleicht nicht erotisch genug für den Plot.

Nach dem fegen, kommt das zusammenrechen. Denn vor der Betonplatte die einen Teil des Bodens im Offenstall darstellt, sammelt sich immer Stroh. Die Besitzerin unseres Ponys sagte das das Stroh dort nicht liegen bleiben darf, daher kehre ich es auf. Als Werkzeug bekomme ich eine Art Rechen nur das dieser VIEL gebogener ist und eher Aussieht wie ein „J“. Damit reche ich das Stroh zusammen und verfrachte es in die Schubkarre. Diese muss ausgeleert werden, aber nicht auf dem Paddock sondern auf dem Misthaufen. Das heißt schieben und laufen. Schieben und laufen. Ich hoffe das die Schubkarre nicht umfällt, denn dann würde ich auch umfallen und in matschige Pferdescheiße fallen. Die Karre leere ich aus und meine Arme brennen. Ich bin völlig durchgeschwitzt und freue mich jetzt schon auf die heiße Dusche zu Hause.

Leider sind wir noch nicht am Ende der Sportstunde sondern wir wechseln nur den Trainingsplatz. Runter vom Sand (oder Matsch, je nach Wetter) und rauf auf die Koppel.

„Huhu Tommy!“, rufe ich um „unser Pony“ zu begrüßen. Was ist das? Tommy frisst genüsslich weiter, während ein großes hellbraunes Pferd den Kopf hebt und zum Spurt ansetzt. Ich reiße die Augen auf. Die Herde folgt dem hellbraunen Pferd und plötzlich rasen 5 Pferde mit vollen Pferdestärken auf mich zu. Der Boden bebt.

Ähhh? Ich wollte nur Tommy begrüßen? Die Herde galoppiert weiter auf mich zu und ich drücke mich an den Rand der Weide. Die werden nicht so doof sein und mich umrennen? Nein, zum Glück nichts passiert. Die Herde donnert mit etwas Abstand an mir vorbei und bremst mit quietschenden Hufeisen vor dem Weidezaun ab.

Mir schlottern schon etwas die Knie. Der Puls könnte besser nicht sein. Das ist nix für „Mädchen“ sondern waschechter Sport hier. Pferdesport.

Das hellbraune Pferd schaut mich verdutzt an, so als wolle es sagen: „Und nun?“ und trottet gemütlich zurück über die Wiese.

Badumper. Badumper.

Ich greife wieder zur Schubkarre mit dem Sammelbesteck und suche nach Pferdeäpfeln. Meter um Meter untersuche ich den Boden, verwechsele manchmal Erde mit Haufen. Bilde mir welche ein wo ich am Ende nur aufgewirbelte Grasnarbe finde.

Meine Arme werden langsam schwer und ich freue mich, wenn ich die letzte Fuhre zum Misthaufen gebracht habe. Was für ein Glück das ich jetzt fertig bin.

Aber wisst ihr was das schönste an dem Sport ist? Ganze 2 Stunden in der Woche will niemand was von mir. Keine Kinder weit und breit, zumindest nicht meine eigenen.

Es hat was von Meditation. Nur mit Gummistiefeln und Kacke. Ich bin glücklich.

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