Müselis Geburt

(M)eine Traumgeburt

Meine zweite und letzte Geburt war (hier Seufzer einfügen) traumhaft.
Ich weiss. Wenn man das so sagt, erweckt man Bilder. Bilder wie ich, an einem Cosmo nippend, gut gelaunt das kleine Ding aus meinem Uterus presse, während jemand meine Füsse massiert und mich verwundert fragt, ob ich denn gar keine Schmerzen habe.
„Nein, aber rechts juckt noch der kleine Zeh.“

Nein. Ernsthaft. Ich habe geschrien, Hände zerquetscht, in Hilfsutensilien gebissen.
Trotzdem war sie traumhaft. Denn:

Erstens wurden die Wehen durch den vergnüglichsten Hebammen-Trick überhaupt ausgelöst: Sex. Falls ihr jetzt die Augenbrauen hochzieht. Auch Wale haben Bedürfnisse. Und wo ein Wille ist, ist auch ein Weg (an sperrigen Kugelbäuchen vorbei).

Zweitens. Ich war die leibliche Repräsentation der Coolness. Was erwähnenswert ist, da ich eine sehr starke Tendenz zur Dramatisierung hege. Die Wehen setzten um Mitternacht ein. Und ich war total zuversichtlich, dass ich mit einer Tablette spätestens in einer halben Stunde friedlich ins Traumland schweben würde. Eine halbe Stunde und fünf Minuten später, war ich mir sicher, dass das Geburts- und kein Fehlalarm ist.

Drittens. Ich hatte keine Hebamme, sondern eine engelsgleiche Märchengestalt. Als ich sie anfangs sah, diese zierliche, feine Erscheinung, dachte ich erst: „Erbarme dich meiner. Ich werde sie bei der nächsten Wehe zerquetschen.“ Sie blieb verschont. Und was ihr an Toughness fehlte, machte sie durch ihre Frieden verströmende Aura wieder wett. Was mir zu Gute kam. Denn ich glaube ruhiger und entspannter, hätte ich bei der Geburt kaum sein können.

Viertens war auch mein Mann in Coolness eingehüllt. Was nicht zuletzt daran lag, dass ich ihm – wie das so üblich ist – weder Ohrfeigen verpasste, noch in die Hände biss. Er stand brav an meiner Seite und wartete auf seine Anweisungen.

Fünftens. Habe ich ein Bad genommen, auf dem Gummiball gehüpft, bin im Kreis um das Bett gelaufen und manchmal auch in anderen geometrischen Formen. Und da mir auf diese Weise nie langweilig wurde, merkte ich gar nicht wie schnell die Zeit verging. Und als meine zierliche Hebammen-Fee mir mitteilte, es sei bald 7 Uhr morgens und dann hätte sie Feierabend. Oder Feiermorgen. Presste ich im Vierfüsserstand die tollste Tochter meiner Welt um 07:07 Uhr heraus.

Und es ging ihr prächtig. Was mich nicht weiter verwunderte. Denn so ging es mir die ganzen 7 Stunden während der Geburt. Und erst recht danach, mit dem Ergebnis im Arm.

Geburt, blogprinzessin

Müseli mit Puppe. Bildrechte:  Mamas Unplugged.

Mirjam ist die Mama von Müseli ( In der Schweiz is das das Kosewort für Maus), schleppt Wissen aus der Soziologie, den Medienwissenschaften und der Psychologie mit sich herum. und mehr könnt ihr auf ihrem Blog  Mamas Unplugged  über sie lesen.

By | 2017-06-25T17:03:08+00:00 31. Oktober 2015|Categories: Gastbeiträge, Geburtsbericht|0 Comments

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