Nach Paris, nach Freitag

Ich war noch nie in Paris. Also doch, ich war 2010 kurzzeitig im Pariser Flughafengebäude als ich dort den Flieger wechseln musste. Aber ansonsten war ich noch nie in Paris. Paris war für mich auch nie das Ziel meiner Träume oder Sehnsuchtsort. Vielleicht hängt alles damit zusammen dass ich zu Realschulzeiten in „Französisch B“ gehen musste. Das war stumpf gesagt der Looserkurs. Ich erinnere mich dass wir als Klasse gemeinsam ein halbes Jahr Französisch hatten und danach ein Test geschrieben wurde. Wer genügend Punkte erreichte kam in „Französisch A“. Wer nicht landete in unserer Loosertruppe. Ehrlich gesagt war es nicht so dass wir echt schlecht gewesen wären. Wir waren nur an dem einen Tag an dem der Test geschrieben wurde nicht so gut wie die anderen. Es war kein Weltuntergang, aber es war schon doof. B. Looserfranzösisch B. Wer „Französisch B“ belegen musste wusste sofort: Das werde ich nicht als Prüfungsfach nehmen können.

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Französisch B hatte laut Lehrplan 2 Jahre Französisch und konnte dann in der Oberstufe entscheiden ob man 11/12/13 Französisch oder Spanisch belegen würde. Spanisch wurde zur Prüfung zugelassen, Französisch nicht soweit ich mich erinnere. Ich hatte ab dem Tag an dem ich in „Französisch B“ landete das Gefühl das wäre dann für die Schule auch abgehakt. Die können das nicht, da muss man sich auch nicht mehr bemühen. Die engagierte Französischlehrerin unterrichtete „Französisch A“ und eine sympathische aber schrullige andere Lehrerin den „Kurs B“. In der Theorie. In der Praxis sprachen wir über ihre Ponys. (Nicht auf Französisch.)

So kam es dann auch dass ich nach 2 Jahren Looserfranzösisch noch immer nicht gut in der Sprache war (wenn auch um längen besser als jetzt, wo ich inzwischen nicht mehr als „Salut!“ und „Bonjour!“ auf dem Kasten habe), und deshalb dann für die Oberstufe Spanisch wählte. Ich dachte mir, nach 2 Jahren „ich kann kein Französisch“ wäre es nett mal was neues auszuprobieren. Das klappte super. Jetzt saß ich im Spanischunterricht und spätestens im 2. Jahr war ich super. Allerdings eher in Französisch als in Spanisch. Ständig verwechselte ich die Vokabeln zum Beispiel „Fenster“:
Französisch: la fenêtre — Spanisch: la ventana.

Jetzt wenn ich es schreibe ist es nicht die auffälligste Ähnlichkeit, aber es war so. „ouvrir la fenêtre“ (Öffne das Fenster) und „abrir la ventana“.

Vermutlich hätte ich im Französischkurs bleiben sollen. In Französisch war ich schlecht, in Spanisch noch schlechter. (Ein Hoch auf Meike die mich immer schön abschreiben ließ und mich so durch die Oberstufe schleppte. Danke.)

Urlaubstechnisch wollte ich auch noch nie „unbedingt nach Paris“. Nee…aus meiner Erfahrung in der Schule mit der Sprache hatte ich gelernt. Ich fahre lieber in Urlaubsländer wo ich mich verständigen kann. Ja, auch Franzosen können Englisch, aber ob sie das auch mit mir sprechen wollen?
Daher: Ich war noch nie in Paris. Ich kenne (außer ein paar Blogger) niemanden in Paris. Ich kenne auch niemanden in Beirut oder so.

Aber ich fühle mich trotzallem verbunden mit den Menschen und den Ländern die unter so einem schrecklichen Terror leiden und weiterleben müssen. Ich habe auch ein bisschen Angst und ich finde ich darf das zugeben und aufschreiben. Denn überall wird gesagt „Fürchtet euch nicht! Dann haben DIE gewonnen. Genau DIE wollen das so.“ Das mag sein. Ich lasse SIE nicht über mein Leben bestimmen. Ich fahre weiter nach Hamburg und lebe weiter wie bisher. Aber Angst habe ich trotzdem ein bisschen.

Wir alle die trotzdem Angst haben, dürfen sie nur nicht gewinnen lassen. Die Angst.

By | 2017-06-25T17:03:07+00:00 18. November 2015|Categories: Ich schreibe|2 Comments
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About the Author:

Katarina (30) ist die Mama von Motti (*2012) und Wawi (*2013) sowie Nini (*2013) und wohnt in der Nähe von Hamburg mit vielen Kühen als Nachbarn. Virtuell zu finden auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und Instagram.

2 Comments

  1. JesSi Ca 18. November 2015 at 21:54 - Reply

    Schöne Worte! Ich war zweimal in Frankreich. Einmal davon fuhr ich in der Nacht in einem stickigem Reisebus voller Teenager auf vollen Straßen und verrenkte mir den Hals nach dem Eiffelturm und einmal machten der Mann und ich ein paar Tage „Urlaub“ dort. Als Teenager machten wir Urlaub mit der Wohngruppe dort und der Campingplatz war äußerst unbequem, aber das Meer in der Nähe – ich sah es damals zum ersten Mal, daher bleib das was besonders. Aber auch die Paarreise war etwas besonders. Die Stadt der Liebe und so – ja ich bin die kitschige von uns beiden liebe Katarina und das ist auch vollkommen ok so. Aber es war schön und spannend diese Städtereise. Wir haben viel gesehen. Der Mann und ich damals.

    In der Schule wählte ich eher einen künstlerischen Kurs statt Französisch und ich kann Dir sagen, die Franzosen reden ungerne Englisch – das musste ich feststellen als ich beide Male dort war.
    Aber ja, ich hab verdammte Angst – ich muss atmen um nicht in ihr zu verfallen und weitermachen weil ich es muss – weil ich es will und weil mir Menschen dabei helfen – allein für die.

    Ich dosiere die Nachrichten und wenn ich den Absprung mal nicht schaffe und NTV sich zum zwanzigsten Mal in Dauerschleife wiederholt, dann kommt der Mann und klickt das kleine Kreuz – das ist eben auch wahre Liebe. Morgen kannst Du lesen wie ich dieses Thema mit der Motte besprochen habe – auch so eine Challenge ihr diese Angst nicht weiter zu geben und sogar aus der kindlichen Natürlichkeit Kraft zu schöpfen….

    Ich drück Dich! Ich drück die Mädels!!

  2. […] Nach Paris, nach Freitag  […]

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