Leias Geburt

Total vernebelt stand ich im Bad und wusch mir die Hände. Es war mitten in der Nacht, 1h oder 2h. So genau weiß ich das gar nicht mehr. Ich trocknete meine Hände und watschelte meine 100cm Bauchumfang wieder zurück ins Schlafzimmer, doch irgendetwas fühlte sich seltsam aus. Hatte ich etwa schon so eine schwache Blase durch die Schwangerschaft, dass ich plötzlich anfing auszulaufen?

Ich glaube ich laufe aus

Ich erhob mich wieder vom Bett und watschelte zurück in Richtung Badezimmer. Mein Mann schlief selig. Selbes Spiel, nur wirklich auf Toilette musste ich eigentlich nicht. Also zurück ins Bett und auf einmal spürte ich, wie meinen Oberschenkel etwas herunter lief. „Schatz?“, versuchte ich meinen Mann aufzuwecken, noch einmal lauter: „Schatz?“. Er drehte sich verschlafen zu mir und schaute perplex „Hmm?“ „Ich glaube ich laufe aus.“

Der Satz war noch nicht ausgesprochen, da saß er schon kerzengerade im Bett: „Fruchtblase? Wehen“? Ich zuckte mit den Schultern. Wehen hatte ich keine. Die Fruchtblase jedoch, ja, die könnte es schon sein. Da meine kleine Bauchbewohnerin noch nicht im Becken festsaß ordnete mir mein Mann also Liegen an. Das Bett wurde erst einmal mit Handtüchern ausgelegt, dann legte ich mich hin und meine bessere Hälfte rief tatsächlich den Krankenwagen. Ja, ich hätte womöglich darauf verzichtet. Gut, dass die Männer an unserer Seite meist rationaler denken, als wir.

Mitten in der Nacht holten mich kurze Zeit später dann zwei nette Rettungsanitäter ab und fuhren mich in das sehr nahe gelegene Krankenhause meiner Wahl. Wir checkten ein, der Muttermund war noch nicht wirklich offen, Wehen gab es auch nur gaaaanz sachte (für mich fühlten sie sich zwar langsam stärker ein, aber widerspreche niemals einer Hebamme) und wir bezogen also unser Familienzimmer. Familienzimmer deshalb, damit mein Mann da bleiben konnte und nicht nach Hause fahren musste. Die Hebamme riet uns noch gut zu schlafen und am nächsten Morgen sollte ich wieder zum CTG. Schlafen. Die hatte gut reden. Meine Aufregung, das Adrenalin. Während mein Mann nun also selig schlummerte, lag ich im Bett und horchte die ganze Zeit in mich hinein: Wehe oder keine Wehe, das war hier nämlich die Frage.

Ein langer Weg zum Glück zu Dritt

Der Tag brach an, auf zum nächsten CTG, zurück ins Zimmer, lecker Krankenhausfrühstück, auf zum nächsten CTG, einen Tampon mit wehenförderndem Öl bekommen, zurück ins Zimmer, eine Runde spazieren, auf zum nächsten CTG, Muttermund endlich weiter offen, aber noch nicht genug, zurück ins Zimmer, lecker Krankenhausmittagessen genießen, zurück zum CTG, eine Runde in die Badewanne, Schmerzen wurden immer schlimmer, zurück ins Zimmer, letztes CTG für den Tag, eine Spritze mit Buscopan und irgendeinem anderen Zeug bekommen, sollte sowohl die Wehen fördern, als auch für Entspannung und Schlaf bei mir sorgen, letzteres war eher mäßig vorhanden und hielt nicht lange.

Geburtsbericht, Leias Geburt

„Leias Geburt“ Bildrechte: Klaudiabloggt

Irgendwann waren die Schmerzen so stark, dass ich zurück zum Kreißsaal marschierte und siehe da: Muttermund offen, ich durfte im Kreißsaal bleiben. Während ich fluchte, mich vor Schmerzen krümmte und schrie, war mein Mann die Ruhe in Person, mein Fels in der Brandung. Seine Hand muss zwar sehr gelitten haben, denn ich drückte sie bei jeder Wehe platt, aber er ließ sich nichts anmerken.
Die Presswehen ließen allerdings noch ziemlich lange auf sich warten und bis die Prinzessin Leia dann endlich das Licht der Welt erblickte waren am Ende ganze 30 Stunden im Krankenhaus vergangen. Ich bekam kurz vor den Presswehen noch eine, wie die Hebamme sie so schön nannte „Scheiß-Egal-Spritze“ und leider hat mich diese wirklich benebelt, auch der Traubenzucker half dabei nicht. Meine Erinnerungen an die letzten Stunden und Minuten, bevor meine kleine endlich auf meinem Bauch lag sind sehr vernebelt – bevor ich euch also irgendeinen Humbug berichte, schließe ich damit: Als Leia auf meinem Bauch lag und ich meinen Mann weinen sah und ihre Augen mich anblickten blieb die Welt stehen und eine neue Zeitrechnung begann.

Danke liebe Klaudia für eure Geburtsgeschichte.  Klaudia ist eine liebe Bloggerkollegin und bloggt auf Klaudiabloggt.

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Wenn auch ihr die Geburt eures Kindes hier veröffentlichen wollt, dann schreibt mir gerne eine eMail an kat (at) blogprinzessin.de Genauere Infos findet ihr auch auf meiner Facebookseite dazu.

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By | 2017-03-14T14:35:45+00:00 16. Februar 2016|Categories: Gastbeiträge, Geburtsbericht|Tags: |0 Comments

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