Evans Geburt

Ich kann mittlerweile nicht mehr zählen wie oft ich diesen Artikel angefangen habe zu schreiben, um ihn dann immer wieder zu löschen und neu zu beginnen. Wenn ich ehrlich bin, habe ich sogar überlegt ihn gar nicht zu schreiben. Ihn zu den Akten zu legen und das Thema schlichtweg zu ignorieren. Ich berichte nicht gerne über die Zeit meiner Schwangerschaft, zumindest nicht nach dem 6. Schwangerschaftsmonat.

Ich konnte mich nicht auf die Geburt freuen

Wenn Mütter ganz euphorisch erzählen wie die Schwangerschaft und die Geburt verlaufen ist, ziehe ich mich schnell zurück und meine Gedanken schweifen ab. Zu einem anderen Thema. Normalerweise ist die Schwangerschaft und die Geburt eines Kindes mit sehr viel Vorfreude und Glück verbunden. Sich auszumalen wie es sich anfühlt, sein Kind das erste Mal in den Armen zu halten. Es anzuschauen. Gar nicht mehr wegschauen zu können. Sich die gemeinsame Zeit auszumalen. Die reine Liebe, die man schon während der Schwangerschaft für sein ungeborenes Kind empfindet und das Fiebern auf die Geburt, wenn man sein Kind endlich in die Arme schließen kann.
Bei mir war es anders. Die Mutterliebe für mein ungeborenes Kind war vorhanden. Ich glaube ich habe in dieser Zeit so viel Liebe in mir getragen wie noch nie zuvor. Aber alles andere war -leider- nicht normal. Ich konnte mich nicht auf die Geburt freuen. Ehrlich gesagt, hatte ich sogar panische Angst, weil ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, ob ich mein Kind jemals lebendig in den Armen halten werde. Was kommt nach der Geburt? Im 6. Schwangerschaftsmonat wurde bei meinem ungeborenen Sohn ein schwerer Herzfehler diagnostiziert und mir wurde mehrfach geraten ihn abzutreiben. Es tut mir sehr leid aber ihr Sohn hat nur eine 5 prozentige Überlebenschance. 5% das ist nicht viel. Hätte mir früher jemand gesagt, sie haben eine 5 prozentige Chance, um das Ziel zu erreichen, hätte ich ihm/ihr direkt ins Gesicht gelacht – vielleicht sogar noch den Mittelfinger gezeigt- und wäre gegangen. Für 5% mache ich mich doch erst gar nicht auf dem Weg. Damals zumindest. An diesem besagten Tag habe ich mich an die 5% geklammert. Ich wollte sie nicht mehr loslassen.

Eine gemeinsame Zukunft. Wird es die überhaupt geben?

Aufgrund der Diagnosen musste ich in eine Spezialklinik damit Evan nach der Geburt richtig versorgt werden konnte. Umso näher der Termin der Geburt rückte, umso mehr steigerte sich meine Angst. Ich hatte panische Angst. Ich wollte nicht, dass Evan auf die Welt kommt, da ich nicht wusste, ob er überleben würde. Bei mir im Bauch ist er sicher. Da soll er gefälligst auch bleiben! Das waren meine Gedanken. Leider haben sich die Ärzte nicht darauf eingelassen und Evan wurde per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht. Mir gingen in diesem Moment ganz viele Gedanken durch den Kopf. Wie in einem Spielfilm, wenn das eigene Leben noch ein letztes Mal an einem vorbeizieht. Bei mir war es genau andersherum, nicht mein altes Leben zog an mir vorbei sondern meine Zukunft. Unsere Zukunft. Ich habe mir ausgemalt wie es wäre mein Kind mit nach Hause zu nehmen. Habe mir unsere stundenlangen Spaziergänge und Spielplatzbesuche im kleinsten Detail ausgemalt. Wie unser gemeinsames Leben zusammen aussieht. Eine gemeinsame Zukunft. Wird es die überhaupt geben?

Kurz nach Mitternacht war es dann soweit. Evan – alias Bam Bam – war da. Von jetzt auf gleich. Und er hat seinem Namen alle Ehre gemacht: Kleiner starker Kämpfer. Mit 4,7 kg – für ein Herzkind ein richtiges kleines Wunder – hatte er ein Kampfgewicht und er hat gekämpft. Von Anfang an. Nach der Geburt konnte ich ihn nur kurz anschauen, um ihn nach ein paar Sekunden dem wartenden Ärzteteam zu übergeben. Mir ging es nach der Geburt körperlich sehr schlecht und ich konnte Evan die ersten 2 Tage nicht besuchen. Er lag auf der Intensivstation ein paar Straßen entfernt. Für mich eine schierlos weite Entfernung. Am dritten Tag konnte mich nichts mehr in der Klinik halten und ich war bereit mich kriechend zu meinen Kind zu bewegen. Die Ärzte müssen meine Entschlossenheit gespürt haben und haben mir einen “Liegenden-Transport“ zur Kinderklinik organisiert. Nach 3 Tagen, eine gefühlte Ewigkeit, konnte ich Evan dort, dass erste Mal in die Arme schließen und war unendlich glücklich.

Auf das Leben!

Wenn mich heute jemand fragen würde, ob ich Evan zu genau den gleichen Bedingungen und auch mit dem Wissen welchen Weg wir gehen müssen und welche Reise Evan antreten müsste, bekommen würde, ich würde sofort JA rufen! Jeden Tag, wenn ich Evan anschaue und die Freude und seinen Lebensmut in seinen Augen sehe weiß ich, dass es sich gelohnt hat zu kämpfen.
Durch Evans Diagnosen – Herzfehler & Autismus – ist unser Leben immer noch nicht normal. Aber wir lieben unser Leben, denn das Leben ist schön! Von 5% Überlebenschance zu 100 % reine Lebensfreude und 100% pures Glück. Auf das Leben!

Danke liebe Marcella für eure Geburtsgeschichte.  Marcella ist eine liebe Bloggerkollegin und bloggt auf andersunddochnormal.

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Wenn auch ihr die Geburt eures Kindes hier veröffentlichen wollt, dann schreibt mir gerne eine eMail an kat (at) blogprinzessin.de Genauere Infos findet ihr auch auf meiner Facebookseite dazu.

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By | 2017-06-25T17:03:03+00:00 2. März 2016|Categories: Gastbeiträge, Geburtsbericht|1 Comment

About the Author:

Katarina (30) ist die Mama von Motti (*2012) und Wawi (*2013) sowie Nini (*2013) und wohnt in der Nähe von Hamburg mit vielen Kühen als Nachbarn. Virtuell zu finden auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und Instagram.

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  1. […] Woche kommen Evan und ich ganz schön rum. Gestern noch zu Gast bei FrauMutter und heute schon bei Blogprinzessin. Wie schön und bunt und […]

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