Friedas Geburt

Ich habe immer wieder hin und her überlegt, ob ich mich hinsetzen und einen, nein, meinen Geburtsbericht aufschreiben soll. Klar, sagt ihr jetzt vielleicht. Warum nicht? Es gibt zwar 1000 Geburtsberichte auf Blogs und im Internet zu lesen, aber jede Geburt ist ja nunmal anders und ist es in jedem Fall wert aufgeschrieben zu werden. So wie auch jede Mama, jedes Kind, alle Umstände und Gefühle immer wieder anders sind. Warum ich aber dennoch etwas mit mir gehadert habe?

Frieda, Geburtsbericht

Bildrechte: Frieda Friedlich

Es gibt einfach zu viele Mütter, die sich die Geburt ihres Kindes wunderschön natürlich und vor allem unkompliziert vorgestellt haben. Bei vielen Frauen zerplatzt diese Seifenblase mit ihren Wünschen und Träumen von einer wundervollen Spontangeburt, eines entspannten Kennenlernens und des ersten Stillens. Und dann komme ich mit meinem Bericht… Wer nun also zu den Frauen gehört, die aus persönlichen Gründen einen Bericht von einer einigermaßen unproblematischen, schönen, natürlichen und vor allem flotten Geburt nicht lesen möchten, der höre nun an dieser Stelle auf. Ich möchte mit meinem ganz persönlichen Geburtsbericht nämlich keinem Leser meines Blogs zu Nahe treten. Trotzdem finde ich, dass es viel zu wenige dieser „schönen Geburtsberichte“ zu lesen gibt.
Ich hab‘ mir vorher übrigens keine konkreten Vorstellungen von der Geburt gemacht. Wirklich gar nicht. Recht unverblümt und locker bin ich an die Sache herangegangen. Ich wollte alles so nehmen, wie es kommt, kommen soll oder vielleicht muss. Klar, eine natürliche Spontangeburt ist super, aber wenn nunmal Komplikationen auftreten…
Sehr früh am Morgen (ich schaute um 3:13 Uhr auf die Uhr) des 10.12.2014 konnte ich dann nicht mehr schlafen. Es zog und drückte ganz schön im Unterleib. Dass dies bereits die ersten leichten Wehen sein könnten, dachte ich mir ganz und gar nicht. Als um zwanzig nach 5 dann Guidos Wecker klingelte, ließ ich mir erstmal ein warmes Wannenbad ein.

Sind das jetzt ECHTE Wehen?

Im Hinterkopf hörte ich meine Hebamme sagen: „Wenn die Wehen davon nicht weniger werden, dann geht’s langsam los!“. Da wir uns beide vollkommen unsicher waren, fuhr Guido noch zur Arbeit, war aber natürlich auf den sofortigen Start vorbereitet. Der kleine Hundegassigang war für mich dann schon eine Qual. Aber… ich wollte das ja alles machen. Miss Unverbesserlich eben. Gegen 8 Uhr, die Wehen wurden nicht weniger, sondern natürlich stärker, rief ich Guido an, dass er sich bereit halten solle. Ich schlich unter leichten bis mäßigen Schmerzen mit vielen Pausen erst noch zur Frauenärztin (keine 500m zu laufen), um mich zu vergewissern, dass das nun richtige Wehen sein könnten. Die Vorstellung mit einem „falschen Alarm“ 12 Stunden die Krankenhaustreppen und -gänge auf und ab zu laufen, schwebte wie ein Damoklesschwert über mir selbst. Das wäre MEIN persönlicher Horror gewesen. Also, wollte ich ganz sicher sein.

Das CTG beim Frauenarzt zeigte keine Wehen an. Mittlerweile hatte ich immer wieder so starke Schmerzen, dass ich die Sprechstundenhilfe fragte, wie schlimm denn dann richtige Wehen seien. Zum Glück ließ man mich trotzdem noch zur Ärztin hinein, die nur kurz den Muttermutter abtastete, wissen wollte wie lange ich schon Schmerzen hätte und ich jetzt bitte nicht mehr trödeln solle. Der Muttermund sei schon 8 cm geöffnet. Kurz nach 10 Uhr teilte ich Guido dann mit, dass es wohl tatsächlich losgehen könnte. Der Weg von seiner Schule in Duisburg nach Hause in Köln dauerte diesmal nur 35 Minuten – er überfuhr wohl auch eine rote Ampel. Hier zu Hause angekommen, lag ich schon im Vierfüßlerstand auf dem Sofa und konnte nichts mehr. Und ich wollte auch nichts mehr. Nicht vor, nicht zurück, nicht bewegen und schon gar nicht irgendwohin. Ich hatte das Gefühl das alles nicht mehr zu schaffen. Trotzdem die Zeit drängte, sollte Guido bitte noch schnell unsere Hundedame ausführen. Wer wusste schon, wie lange das im Krankenhaus dann noch dauern würde. Gegen 11:30 Uhr saßen wir im Auto. Ich musste schon pressen, es ging nicht anders. Mit vielen, vielen Pausen schaffte ich den Weg vom Storchenparkplatz in den Aufzug. Ich hörte Guido immer nur sagen: „komm‘ schnell.“ Er war ja unsicher und hatte auch Angst. Ich konnte aber nicht schnell. Alle 5 Schritte musste ich eine Pause einlegen, weil die nächste Wehe kam. Als sich die Aufzugtür oben auf der Station öffnete, platze zeitgleich die Fruchtblase. Alles nass. Ich machte mir nur Sorgen, dass bitte jemand wischen müsse. Ein (mit entbindenden Frauen unerfahrener und überforderter) Pfleger einer anderen Station, der uns über den Weg lief, holte eine Schwester von der Kinderstation. Die wiederum kam mit einem Rollstuhl angewetzt, in den ich mich allerdings wegen der Presswehen nicht mehr setzen konnte.

Alle im Vorbereitungskurs vorher geübten  Geburtspositionen waren hinfällig.

Also lief ich langsam, aber zielstrebig mit vielen Pausen in den Kreißsaal. Es war vielleicht 11:45 Uhr als man mich auszog – das konnte ich nicht mehr alleine – und ich mich hinlegte. Alle im Vorbereitungskurs vorher geübten Positionen waren hinfällig. Ich wollte, trotz der widernatürlichen Geburtsstellung, nur noch stinknormal auf dem Rücken liegen. Natürlich dachte auch ich zwischendurch, dass ich das nicht überleben werde. Dass ich diese Schmerzen niemals nur noch ein weiteres Mal aushalten kann. Ich schrie und brüllte wie ein Tier. Dann ging irgendwie alles furchtbar schnell. Um 12:15 Uhr wurde unser Mini-Menschen-Mädchen geboren. Ganz gemütlich durften wir uns erstmal kennenlernen, beschnuppern und ganz viel nackt kuscheln. Leider löste sich die Plazenta in der Gebärmutter nicht sofort und die Chefärztin rief nach 15 Minuten Wartezeit bereits im OP an und meldete mich an. Die Beleghebamme machte mir aber so wahnsinnig schön Mut und gab‘ mir unglaubliche Kraft. Obwohl ich nicht mehr pressen konnte und wollte, weil Frieda ja schon auf der Welt und ich vollkommen erschöpft war, drückte ich noch ein paar Mal, denn operiert werden wollte ich jetzt nun auch nicht mehr. Die Plazenta kam – Gott sei Dank. Weil ich während der Geburt einen Scheidenriss erlitt, von dem ich natürlich unter den Wehen nichts gemerkt habe, musste ich noch genäht werden. Das war aber alles irgendwie Nebensache. Wir waren irgendwie so glücklich, überwältigt, voller Endorphin und Adrenalin. Als alles erledigt war, ließ man uns erstmal ganz lange allein. Das erste Stillen klappte wunderbar und wir waren alle sofort unendlich ineinander verliebt. NEVER ENDING LOVESTORY!

Danke liebe Julia für eure Geburtsgeschichte.  Julia  ist eine liebe Bloggerkollegin und bloggt auf Frieda Friedlich.

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Wenn auch ihr die Geburt eures Kindes hier veröffentlichen wollt, dann schreibt mir gerne eine eMail an kat (at) blogprinzessin.de Genauere Infos findet ihr auch auf meiner Facebookseite dazu.

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By | 2017-06-25T17:03:03+00:00 16. März 2016|Categories: Geburtsbericht|0 Comments

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Katarina (32) ist die Mama von Motti (*2012) und Wawi (*2013) sowie Nini (*2013) und wohnt in der Nähe von Hamburg mit vielen Kühen als Nachbarn. Virtuell zu finden auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und Instagram.

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