Du bist doch schon groß

Die Zwillinge sind im Moment anstrengender als sonst. Kann man ja auch mal zugeben. Sie sind inzwischen 2,5 Jahre alt und Hauptberuflich sehr niedlich aber im Nebengewerbe kleine motzende Zwerge. Autonomiephase trifft es wohl, obwohl sie gar nicht so sehr „Selbermachen“ einfordern sondern generell grade eher sehr schnell sehr weinerlich und/oder schnell auf die Palme zu bringen sind. Eine Nudel fällt beim Essen runter? Die Unterlippe zittert. Wenn diese dann nicht von Mama oder Papa aufgehoben wird, fangen sie an zu weinen. Gerne auch beide. Einer hat wirklich ein Problem und der andere weint aus Empathie mit.
Don't grow up it's a trapGerne lese ich dann in einem Zwillingsbuch etwas über die aktuelle Phase in der sie grade Stecken. (Es heißt „Das große Zwillingsbuch“ und war das einzige welches nicht nur Schwangerschaft und Geburt/Babyzeit behandelt sondern auch die Kleinkindzeit bis hin zum Schulalter. Denn auch wenn es natürlich zwei kleine Menschlein sind wie alle anderen auch, sind Zwillinge doch irgendwie anders und reagieren manchmal anders als Einlinge.)

Das ist ganz normal

Das Buch sagt dann meist irgendwas schlaues wie „Das ist ganz normal, Sie stehen das durch!“ und dann stelle ich es wieder für die nächsten 12 Monate ins Regal und schaue es nicht an. Ich lese es eigentlich auch gar nicht um die Tipps die da drinstehen anzuwenden, sondern um zu lesen das ich das irgendwie durchstehen werde. Sozusagen ein Buchgewordenes „Tätschel, Tätschel. Du schaffst das und wirst nicht wahnsinnig werden.“ und ganz ehrlich meistens will man ja auch gar keine wirklichen Ratschläge hören, sondern nur ein ehrliches „Du schaffst das. Wirklich.“ .

Der Motivator für alles

Heute war so ein Tag wo ich diese buchstabengewordene Unterstützung mal wieder aus dem Regal nahm um nachzulesen wieso meine Kinder so sind wie sie sind, stattdessen stand in dem Kapitel was über Schnullerentwöhnung und Entwöhnung allgemein (ist ja nicht so meins, bisher hat sich hier jedes „Problem“ immer von alleine geregelt, aber nun denn jeder wie er mag), jedenfalls stand dort man solle seinem Kind doch sagen „Du bist ja schon groß!“. Das wäre DER Motivator überhaupt und jedes unkooperative Kleinkind würde sich dann freiwillig die Zähne putzen, sich anziehen, im Kinderbett schlafen, keine Windel mehr brauchen und den Schnuller zum Fenster raussschmeißen. Oder so ähnlich.

Jedenfalls war das der Punkt an dem ich mich fast lachend an meinem Kaffee verschluckt habe und kurz darüber nachdachte, wie häufig ich in den letzten 3,5 Jahren ich „Du bist doch schon groß!“ gesagt habe. (Ganz genau waren es 3249,2 Mal.)

„Liebe kleine Krummelus / niemals will ich werden gruß.“ *

Was der Ratgeber nicht eingeplant hat, waren meine pfiffigen Kinder die eindeutig Astrid Lindgren mit der Muttermilch aufgesogen haben. Meine Mädels die die besten Pippilottas sind die man sich wüschen kann. Denn meine Mädels antworten dann immer „Nein, ich bin noch nicht groß ich bin noch klein.

*Zitat aus „Pippi Langstrumpf“ von Astrid Lindgren erschienen im Oetinger Verlag.

By | 2017-06-25T17:03:03+00:00 17. März 2016|Categories: Familienleben|6 Comments

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Katarina (32) ist die Mama von Motti (*2012) und Wawi (*2013) sowie Nini (*2013) und wohnt in der Nähe von Hamburg mit vielen Kühen als Nachbarn. Virtuell zu finden auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und Instagram.

6 Comments

  1. Caro 17. März 2016 at 20:43 - Reply

    Dein Bericht trifft heute genau meine Stimmungslage/Situation. Die Botschaft „Du bist doch schon groß und kannst doch xyz machen“ (Jacke alleine anziehen bspw.) wird hier (auch) verneint. Gross zu sein bedeutet eben nicht in allen Belangen Selbstständig zu sein.

  2. Sina 17. März 2016 at 20:44 - Reply

    Hallo Katarina, ich musste sehr schmunzeln bei deinem Text 🙂 Unsere Kids leben eben nicht nach Ratgebern. Sondern sie machen sich die Welt, wie sie ihnen gefällt 😀

    Alles Liebe Sina

  3. Nicole 18. März 2016 at 12:29 - Reply

    Haha, das kenne ich irgendwoher. Wir hatten ja so eine richtig schlimme „Selbermacheeeeeeen!“-Schreiphase als das Sommerkind so ca. 25/26 Monate alt war. Das war ein paar Wochen ganz heftig (samt kreischendem Kind bei JEDEM Einkauf) und dann plötzlich wieder gut. Die letzten Wochen hat sich jetzt ein allgemeines Unwohlsein eingestellt. Selbermachen möchte sie nicht mehr, sondern gemacht bekommen. Und wehe jemand wagt es, zuerst die eigene Jacke auszuziehen oder erstmal Einkäufe die Treppe hochzubringen. Überhaupt muss alles (und wirklich alles) nach ihrem Kopf gehen. Auch wohin wir mit dem Rad fahren („Das geht jetzt echt nicht, wir müssen da lang“) oder wer mit zu den Omas fahren darf („Ohne Papa können wir aber nicht fahren“).

    Tatsächlich hat das „Du bist doch schon groß“ aber bei unserer Schnullerentwöhnung geklappt. Das Sommerkind hat daraufhin den Schnuller weggeschmissen und fertig war’s. Sie hat ihn aber eh nur nachts gebraucht.
    Mittlerweile kommt auch eher „Nein, ich bin Mamas Baby“ ^^. Schlaues Kind!

    Liebe Grüße
    Nicole

  4. Miriam 25. Oktober 2016 at 20:25 - Reply

    Oh ich fühle mit dir. Hab hier ja auch ne 2,5 Jährige, die gerade nah am Wasser gebaut ist sobald es nicht läuft, wie sie sich das vorstellt. Und ne Selber-Phase haben wir obendrein.
    Wobei du das natürlich gleich im Doppelpack hast. „Du bist doch schon gross“ funktioniert hier bisher auch nicht und ob wir jemals den Schnuller loswerden ist derzeit fraglich 😉 .

    Aber wir stehen das durch, ganz bestimmt!
    In diesem Sinne liebe Grüsse von einer Leidensgenossin
    Miriam

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