Früher glaubte ich (Katarina) das es niemanden außer uns gibt der seine Kinder nicht in den Kindergarten gibt. In unserem Umfeld gibt es bis heute nur „Kita Kinder“ und ich schrieb einmal darüber wie sehr mir der Austausch mit anderen Eltern diesbezüglich fehlte. Durch eine glückliche Fügung (danke Internet!) habe ich jetzt eine andere Mama kennengelernt, Hanna.  Das hier ist Hannas Geschichte. Ihr Weg zur Selbstbetreuer Familie. Los gehts!

Teddybär

Bildrechte: Hanna

Schwanger!- Dieses Gefühlschaos. Achterbahn der Gefühle. Ungeplant und doch ein Glücksgefühl. Alle Mütter kennen diese Emotionen und die damit verbundenen Gedanken.
Ich war also schwanger und ging bis zum Beginn des Mutterschutzes fleißig weiterarbeiten. 8 Wochen vor der Geburt hörte ich auf zu arbeiten und begann die Wartezeit zu genießen und ein Nest zu bauen für unser kleines Mädchen.
Nach der Geburt beantragte ich 3 Jahre Elternzeit. 3 Jahre kamen mir als 26 jährige junge Mutter wie eine Ewigkeit vor. An danach verschwendete ich keinen Gedanken. Vor mir lag eine scheinbar endlos lange Zeit mit unserer kleinen Prinzessin.
Wir verbrachten eine tolle Zeit zusammen. Gingen zur Rückbildung, zur Babymassage, später zum Babyschwimmen und zum Kleinkindturnen. Jeden Entwicklungsschritt haben wir als Eltern zusammen erlebt. Mein Mann hat sich 10 Monate Elternzeit genommen. Ja: es war eine ungewöhnliche Entscheidung. Auch in einem großen DAX Unternehmen sorgte das nicht nur für Wohlwollen. Aber wann bekommt man nochmal die Chance so einzigartige und zauberhafte Momente in der Entwicklung seines Kindes mitzuerleben?
Mein Mann war der einzige Papa beim Babyschwimmen, unsere Tochter machte ihre ersten Krabbelversuche auf unserer aufgeklappten Couch. Von Mama zu Papa. Und umgekehrt. Hin und Her. Ein paar Monate später ihre ersten Schritte. Wieder von Mama zu Papa. Und umgekehrt. Hin und Her.
Die Zeit schien stehen zu bleiben…
Blieb sie natürlich nicht.
Mein Mann ging nach einem Jahr wieder arbeiten. Und ich blieb mit unserer Tochter zu Hause. So ein munteres Kleinkind kann einem ganz schön auf Trab halten. Nachts wie Tags. Trotzdem genoss ich viele schöne Stunden mit ihr.
Es war klar: Wir wollten kein Einzelkind. Und so kam mit einem Abstand von fast 3 Jahren unser kleiner Prinz in unsere Familie. Wieder beantragte ich wie selbstverständlich 3 Jahre Elternzeit.
Das Thema Betreuung dämmerte mir erst, als alle Freunde meiner Tochter mit spätestens 3 Jahren in die Kita gingen. Da standen wir auf einmal alleine da. Ich konnte und wollte sie zu diesem Zeitpunkt nicht weggeben, da gerade ihr Bruder geboren wurde. Ein denkbar schlechter Zeitpunkt…
Trotzdem schaute ich mir die private kleine Kita nebenan an und meldete meine Tochter für ein Jahr später an. Mein Mann merkte an: als Papa hätte er das beste Gefühl für seine Kinder wenn sie Zuhause bei ihrer Mutter aufwachsen dürften.
Alle Kinderkurse sind für 3jährige wie selbstverständlich nachmittags. Also verbrachten wir die Vormittage gemütlich bei ausgiebigen Frühstücken, auf verwaisten Spielplätzen, gingen auf den Wochenmarkt, in die Bibliothek, zum Kleinkindturnen, Enten füttern, in Indoorspielplätze, in den Zoo, ins Schwimmbad und natürlich auch Zuhause im Garten. Zusätzlich sind wir zusammen ehrenamtlich tätig.
Es war nicht immer leicht alleine mit 2 Kleinkindern zu Hause. Papa kommt erst abends.
Da werden die Tage lang und die Nerven dünner. Vor allem da unser Prinz 18 Monate nicht durchschlief. Nachts kein Schlaf. Tagsüber keine Ruhe.
Ich zog die Reißleine und beantragte eine Mutter Kind Kur.
Kurzum: beiden Kindern tat die Betreuung nicht gut. Sie klammerten an mir. Heulten.
Meine Tochter brauchte 9 Monate um wieder alleine in ihren Tanzkurs und in die Musikschule zu gehen. Kurse die sie vorher gerne besuchte.
Ich kam ins Grübeln.
„Muss meine Tochter in den Kindergarten obwohl ich eh Zuhause bin?“
„Was bietet der Kindergarten was sie zu Hause nicht hat?“
„Möchten wir das wirklich oder drängt uns nur der allgemeine Gesellschaftsdruck dazu?“

Ich begann mich zu informieren. Las viele wissenschaftliche Studien zum Thema Fremdbetreuung. Teilweise haarsträubend, teilweise erschütternd. Klar unsere Tochter war über der magischen U3 Grenze. Und trotzdem wurde mir klar: Hauskinder haben keine Nachteile, solange sie zu Hause entsprechend gefördert werden. Der beste Beweis waren mein Mann und ich. In puncto Sozialkompetenz und Intelligenz hinken wir dem Durchschnitt keineswegs hinterher. Im Gegenteil… und keiner von uns war im Kindergarten.

Fazit: wir meldeten unsere Tochter von der Kita ab.

Für uns der beste Schritt. Kein halbes Jahr später musste unsere kleine private Kita nebenan geschlossen werden. Gerüchte erspare ich euch. Ich hoffe sie stimmen nicht.

Unsere Familie steht hinter uns und unterstützt uns in unserem Lebensweg. Freunde können unsere Entscheidung teilweise nicht verstehen. Eine Freundin jedoch geht mittlerweile den gleichen Weg und unsere Kinder sind enge Freunde geworden.

Im weiteren privaten Umfeld fand ich noch einige Gleichgesinnte und damit Spielkameraden, die für meine mittlerweile 5 jährige ja sehr wichtig sind.
Bei FB fand ich zudem Fremdbetreuungsfreie Gruppen mit tollen Ideen für den Alltag und zum Basteln.

Den Gedanken meinen Sohn als Einzelkind aufwachsen zu lassen, da seine Schwester den Großteil des Tages außer Haus wäre, bestärkte uns zusätzlich. Sie spielen so schön zusammen. Es berührt mein Mutterherz sie dabei zu beobachten.

Ja, wir leben im Moment nur von einem Gehalt. Dafür gibt es bei uns nicht immer die neuesten Markenklamotten, wir haben nur ein Familenauto und keinen Luxusurlaub.
Trotzdem würde ich nicht tauschen wollen. Inzwischen ist mir klar, es ist Luxus meine Kinder täglich so hautnah erleben zu dürfen und wir würden uns immer wieder so entscheiden. Unser inniges Verhältnis zu den Kindern ist unbezahlbar. Zu beobachten wie ausgeglichen sie sind, bestärkt uns für uns den richtigen Weg gefunden zu haben.