Muss mich alles interessieren was mein Kind macht

Grundsätzlich stören sie mich auch, diese Eltern die auf den Rängen des Fussballfeldes auf ihr Smartphone glotzen, die Daddys die anscheinend noch immer mitten in einer Konferenzschaltung mit dem Chef sind oder die Mütter die einfach so dasitzen und die Stöpsel im Ohr haben. Ja, ich bedauere dann manchmal innerlich sogar die Kinder und rege mich auf  das „DIESE ELTERN“ ja gar nicht gesehen haben wie ihr Kind das Tor geschossen/den Purzelbaum gemacht oder grade die Formel zur Rettung der Welt entdeckt hat. (Und das ist rein hypothetisch das ich euch da auf den Rängen sehe, denn meine Kinder spielen keine Mannschaftssportarten. Noch nicht.)

Ich glaube das es genug Eltern gibt die ihre Kinder zu Sportarten/Freizeitaktivitäten karren auf die sich die Kinder irre freuen, die die Eltern aber gar nicht interessieren. Null nada. Niente! Die also vermutlich auf der Bank sitzen und denken: „Ist. Das. Langweilig.“

Juhu! Juhu! Mein Kind kann…

FußballmitKleinkind3Muss man als gute Eltern also sich mit dem Merchandise des Kinderfussballvereins (Die „Mini-Kicker“. ) ausstatten und Woche für Woche, Spiel für Spiel, Trainingseinheit für Trainingseinheit bei jedem tollen Tor, bei jedem gelaufenen Meter, bei jedem Mal wenn das eigene Kind nicht über die Rasenkante stolpert mit dem Fähnchen wedeln und mit der „Das hast du aber toll gemacht!“ Tröte tröten? Konfetti! Jubel! Klatschklatschklatsch.  Selbst wenn man es eigentlich gähnend langweilig findet was da vorne passiert. Darf es einem überhaupt langweilig sein, wenn der eigene Nachwuchs irgendwas macht? Ich habe ja selbst oft das Gefühl das einem suggeriert wird, dass man ALLES was der Nachwuchs macht superspitzenklasse finden muss. Außer Drogen nehmen oder Afd Wählen, natürlich.

Schaut man ins Internet, dann werden Mütter dafür gelyncht das sie nicht schauen wenn das Kleinkind zum 10. Mal diese Woche im Sandkasten sitzt. Sie rennen nicht schnell genug wenn klein Tommy ruft „Mama schau mal“ und ein „Ja, das hast du super gemacht!“ ist gleich weniger wert, wenn Mutti dabei den aktuellen Podcast hört (der vielleicht voll spannend ist und aufzeigt wie man die nächste Marie Curie wird oder sowas).

Ja, ich ertappe mich stellenweise selbst bei diesem Abwerten, denn Marc hört gerne Podcasts und auch gerne wenn die Kinder oder ich irgendwas machen und ich unterstelle ihm ständig das er uns allen dann gar nicht richtig zuhört. Meistens hört er uns aber ganz prima. Hiermit verzeihe ich dir. (Vermutlich nur bis morgen, bis es mich wieder aufregt, aber nunja XD. )

Dürfen mich Dinge langweilen die mein Kind toll findet

Christine zum Beispiel findet es super langweilig ihren Kindern vorzulesen. Lang-weil-ig. Das liegt aber nicht daran das sie ihre Kinder weniger lieb hat sondern schlicht und ergreifend daran, dass die Bücher bis zu einem gewissen Alter schnarchend langweilig sind.

„Aber einem Kitakind vorlesen, hier zuhause? Es ist mir zutiefst zuwider. Viel zu langsam ist die Geschichte, Bilderbücher mit wenig Text sind halbwegs erträglich, weil schnell vorbei, aber das kapitelweise Vorlesen von längeren Büchern quält mich.“ – Mama arbeitet

Klar kann man sagen: „Als Eltern muss man da dann auch mal durch, sie sind ja nicht lange so klein…“ klar kann man. Ich wette auch Christine hat schon einmal ein Kinderbuch vorgelesen.

FußballmitKleinkind

Aber muss sie es deswegen jedes mal toll finden?

Ich denke da an mich, wenn die Kinder zu ihrem heißbeliebten Kinderturnen gehen. Ich finde das schnarchend öde. Natürlich nicht wenn meine Kinder irgendwas tolles neues machen, aber eben das Ding ansich. Dazu ist die Trainerin auch noch vom Typ „Cluburlaubanimateur“ und ich möchte schreiend im Kreis rennen. Obwohl nein, ich würde mich die Stunde eigentlich am liebsten auf eine Matte setzen und mal wieder ein gutes Buch lesen. Oder eben auf mein Handy schauen, etwas machen was MIR Spaß macht während die Kinder etwas machen was IHNEN Spaß macht. Sie rennen mit den in der Kita himmelhoch gelobten gleichaltrigen Spielgenossen durch die Halle und hüpfen, springen und klettern das es eine Freude ist. Doch beim (unserem) Kinderturnen (auch wenn sie keine Babys mehr sind) ist es ausdrücklich erwünscht das die ELTERN mitmachen, sich mit aufwärmen und die Geräte aufbauen. Während die Kinder dann rumrennen obliegt es den Eltern die Stationen zu überwachen und aufzupassen das die Kinder nicht runterfallen. Ab und an loben und klatschen ist auch erwünscht. De Facto sieht es also überwiegend so aus das die ELTERN mit ihren Kindern an der Hand durch die Halle gehen/rennen und „turnen“. Oder sie stehen in Grüppchen rum und unterhalten sich bzw. würden es gerne wenn sie nicht wieder aufgescheucht würden das man sich doch jetzt bitte warm machen solle oder das nächste Lied angestimmt wird…

Vielleicht bin ich da komisch, aber abgesehen von „Bitte keine Unfälle/Knochenbrüche etc.“ warum genau müssen Eltern beim (unserm)  KINDERturnen singen und klatschen, ständig mitmachen solange bis auch das letzte bisschen Spaß aus mir gewichen ist?

Handyverbot in der Kita

Auf Facebook habe ich grade von einer Kita gelesen die den Eltern sagt „Bitte die Handys nicht in der Hand haben, wenn ihr eure Kinder abholt. Die wollen euch nämlich auch gerne von ihrem Tag berichten“.

Zuerst dachte ich „Jawollja! Böse Handy in der Hand haltenden Eltern! Stöpsel raus und am besten gleich mit der Kinderbastelschere abschneiden! Die Reste könnte man prima aufbewahren und damit noch was schönes basteln…“

Dann las ich  das eine Kommentatorin meinte: „Ja! Bei uns ist das auch so. Es wirkt als ob die Eltern gar nicht mit einem von uns (Erziehern) reden wollen. Da will man was sagen und dann…“

Ich gestehe: JA! Manchmal WILL ich wirklich nicht mit der Kinderturntrainerin reden, oder mit anderen Eltern. Gingen meine in die Kita, wette ich das es Tage gibt an denen ich auch keine Lust auf die Erzieher hätte. Genauso wie ich nicht immer mit dem Postboten plaudern oder mit dem Friseur mein Seelenleben erörtern will. Da helfen die Stöpsel oder der Blick aufs Smartphone.

Muss man denn „alles“ was sein Kind macht auch mögen? Muss man es spannend finden? Muss man immer „Super gemacht!“ rufen? Darf ich generell in der Baby- und Kleinkindzeit noch  andere Interessen als mein Kind haben? Darf ich die auch tagsüber haben?

Haben sich auch schon in der Zeit vor dem Internet die Eltern gegenseitig vorgeworfen das Vati den Jürgen nie zum Training bringt und die Jutta nebenbei lieber strickt, statt ständig den Blick auf Klein-Hannelore zu richten? Ich weiß es nicht. Mein Bauchgefühl sagt aber, dass es eher daran liegt dass,  das Internet (und damit auch das Smartphone) generell schnell „böse“ ist und das wir zwar im 21. Jahrhundert leben, vieles aber noch nicht so weit ist. Wir sollen alle immer überall flexibler sein. Die meisten Jobs verlangen das man mindestens rudimentäre Kenntnisse vom Internet hat und sei es nur das man eine Mail öffnen können muss. Die Familien verlangen aber auch nach „Papa/Mama und nicht die Nachbarin (Das arme Kind!)  soll das Kind aus der Kita abholen“. Wie soll das klappen? In den seltensten Fällen kann jemand um 15:00Uhr (das ist mitten am Tag!!!) den Stift fallen lassen und hat dann nichts mehr mit seinem Job zu tun.

Und: Macht es eigentlich einen Unterschied ob die Eltern in der Kita das Handy am Ohr haben, oder danach im Auto? Oder beim Abendessen Mails beantworten wollen/müssen.

Zusammenfassend: Immer abgelenkt sein und nichts mitbekommen finde ich richtig doof, aber ständig 200% Aufmerksamkeit geben müssen (egal ob Kinder, Erzieher oder an der Wursttheke) finde ich genauso blöd.

Was meint ihr dazu?

 

By | 2017-06-25T17:03:02+00:00 31. März 2016|Categories: Ich schreibe|10 Comments

About the Author:

Katarina (32) ist die Mama von Motti (*2012) und Wawi (*2013) sowie Nini (*2013) und wohnt in der Nähe von Hamburg mit vielen Kühen als Nachbarn. Virtuell zu finden auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und Instagram.

10 Comments

  1. Lilla 31. März 2016 at 21:43 - Reply

    Ein extrem sympathischer Artikel! Danke Katarina!
    Bin da ganz bei dir – immer 100% Aufmerksamkeit am Kind tut dem Kleinen auch nicht gut! Und ich bin ja nicht nur Mama, sondern auch noch Lisa!

    • Katarina 2. April 2016 at 16:57 - Reply

      Liebe Lisa, das glaube ich auch. Ab einem gewissen Alter finden die Kids das auch gar nicht mehr toll wenn man immer vor Ort ist.

  2. Farina 1. April 2016 at 09:11 - Reply

    Guter Artikel ! Beschäftige mich momentan auch mit dem Thema .. „Wieviel handy in der Hand tut meinen Kindern noch gut “ ich glaube aber das der Aufruf der Kita das handy aus der Hand zu lassen gut und berechtigt ist ! Weil ist es nicht so das wir unsere Kinder da schon einige Zeit nicht gesehen haben und wollen wir unseren Kindern nicht das Gefühl geben ich freu mich auf dich, ich habe dich vermisst oder ähnliches !???? Aber wenn man am handy hängt wenn man die kleinen abholt macht das auf die Kinder nicht grade den Eindruck !! Wir müssen nicht jeden Pups kommentieren oder bejubeln … Aber das Gefühl gesehen zu werden das können wir unseren Kindern doch geben .. Denn es stimmt ja diese Phrase irgendwann wollen sie von uns nicht mehr so gesehen werden !! Ich bin wirklich leidenschaftlich gerne im Internet unterwegs aber versuche das immer zu den Zeiten zu machen wenn meine Kinder nicht dabei sind oder eben gerade wirklich keine Aufmerksamkeit verlangen!!! Und Das hat nichts mit überMutter oder super Mutti zu tun Das ist einfach mein Anspruch den ich am leben mit Kindern habe ! Und ich glaube das bin ich meinem Kind schuldig …

    • Katarina 2. April 2016 at 17:02 - Reply

      Liebe Farina, ich glaube das du Recht hast wenn das wirklich IMMER oder überwiegend der Fall ist, aber nicht wenn man von 5 Tagen an 2 Tagen mal kurz am Telefon ist. Dann würde ich sagen sehen die Kinder immer noch das man sich freut, aber lernen auch das Mama und Papa eigenständige Personen sind die eigene Bedürfnisse haben.

  3. Steffi 1. April 2016 at 09:22 - Reply

    Das ist ein schöner Artikel. Finde ich alles auch so. Ich bin froh, dass Finn jetzt alleine in die Musikstunde geht und ich draußen mit meiner Freundin schwätzen darf. So ist jeder zufrieden. Und ich zum Beispiel habe Probleme damit, mit meinem Sohn Autos zu spielen, weil ich das total langweilig finde. Wir basteln dann lieber oder malen oder bauen Lego. Autos kann er auch gut alleine spielen.
    LG Steffi

    • Katarina 2. April 2016 at 16:58 - Reply

      Liebe Steffi, plauschen klingt super! Und ich hab auch so Sachen die ich nicht mache. Leo Lausemaus vorlesen zb

  4. Uhuohnehu 1. April 2016 at 11:19 - Reply

    Meine Kinder sind ja schon erwachsen…..ich habe aber Dinge, die ich nicht mag, einfach nicht gemacht. Basteln z.B. Ich hasse Basteln, ich bin einfach keine „Basteltante“. Mussten die Kinder halt alleine basteln. Oder eben gar nicht. Gibt ja auch noch Tausend andere Dinge, die man machen kann…

    Das Kinderturnen, das Du beschreibst, würde ich sofort canceln. Hört sich ja schrecklich an….bei mir damals „durfte“ ich mein Kind abliefern und hatte dann eine Stunde Zeit für mich. Ich bin auch immer gegangen und habe nicht von oben mein Kind in der Halle beobachtet wie viele andere…da hatte ich keine Lust zu.

    Irgendwie merkte ich dann auch mit den Jahren, dass gar kein tolles extra „Kinderprogramm“ nötig ist. Der ganz normale Alltag ist ausreichend. Man muss nicht zum Kinderturnen, Kinderschwimmern, Kinderbasteln, zur musikalischen Früherziehung, zum Reiten oder zum Klavierunterricht gehen. Man kann das auch alles sein lassen und ganz entspannt bleiben….und wenn es die Kinder dann wirklich irgendwo hin zieht, dann finden sie auch Wege, das durchzusetzen.

    Allerdings gab es zu meinen Kleinkinderzeiten noch kein Smartphone, noch nicht mal ein Handy…ich weiß gar nicht, wie ich das heute machen würde….

  5. Hanna 2. April 2016 at 21:56 - Reply

    Wir hatten das Thema letztens auch erst im Kindergarten. Denn die Erzieher schreiben in Büchern, wenn die Kinder etwas tolles oder auch schlimmes erlebt haben (unser ist zum Beispiel letztens auf das Gesicht gefallen und hat sich dabei die Lippe aufgeschlagen und hatte dabei noch Nasenbluten).
    Wir sind so ziemlich die einzigen, die nicht wirklich nachfragen, was sie denn heute gemacht haben oder ob sie gut gegessen/ geschlafen haben. Und ehrlich gesagt gucken wir auch selten in dieses Buch rein. Bestimmt nur alle 3 Monate mal – dann nehmen wir es meistens sogar mit und lesen im nachhinein mal alles durch.

    Das ist wohl auch z.B. „negativ“ aufgefallen. Aber gleichzeitig auch wieder positiv, weil sie dadurch merken, dass wir vertrauen in den Kindergarten und unser Kind haben. Und mal ehrlich: Interessiert es mich wirklich, ob sie Gebastelt, gemalt, geknetet oder gelesen haben? Wir fragen dann eher nach „Sagt mal, Noah singt jetzt immer ‚tütata‘, wenn er im Spiel allein vertieft ist – ist das irgendein neues Lied?“. Ich weiß nicht, ob so etwas vielen auffällt…

  6. Lamasus von Fünf Kleine Lamas 11. April 2016 at 10:35 - Reply

    Hallo,
    interessantes Thema, da denke ich gern mit 🙂

    Immer 200 Prozent Aufmerksamkeit ist das eine. Das geht nicht, zumindest bei mir konkret nicht, wenn wir zu Hause sind. Ich habe „nebenher“ ja noch den kompletten Haushalt und die (Windel)Wäsche, das Kochen, Essen für die Kita vorbereiten, Fläschchen spülen usw. Man kennt es ja.Und obwohl ich echt viel in kurzer Zeit leisten kann, ist trotzdem nach der Kita oft noch was zu machen. Insofern muss Minilama sich selbst beschäftigen, mit einem Buch, einer Musikkassette oder eben auf dem Hocker in der Küche stehen und mittun, wenn es Lust dazu hat.
    Da ich privat kein Smartphone habe und will, entfällt das schon direkt. Laptop ist aus, wenn die Kinder da sind, Musik in den Ohren auch, wenn ich mit dem Großen unterwegs bin, das will dann plaudern.
    Vielleicht ist MInilama noch zu jung, dass ich es alleine lassen könnte – aber Kinderturnen ist bei auch so wie bei euch, da gehen wir Eltern mit den Kindern mit, reden zwar miteinander, aber sind im Kern bei den Kindern, damit sie sich nicht wehtun und v.a., damit sie auch „richtig“ mitmachen – auch wenn ich da sehr unambitioniert bin.
    Mit drei Jahren sehe ich im Moment bei uns außerhäusig noch wenig Spielraum, um was anderes zu machen als nach dem Kind (und in meinem Fall ja noch nach dem Doppelwagen) zu gucken.
    Und in der Kita will ich immer (!) wissen, was los war, da Minilama noch nicht so viel erzählt. Daher käme mir Musik im Ohr oder Smartphone checken in der Abholsituation schräg vor.
    Ich muss aber dazu sagen, dass ich Smartphone Gucken und sowas auch generell unhöflich finde, wenn man in einer Gruppe ist – da bin ich stark von meiner Jugendarbeitszeit her geprägt. Da waren Gameboy und co. immer verboten, wenn man zusammen kam.

    Liebe Grüße,
    Lamasus

  7. Vera 24. April 2016 at 12:44 - Reply

    Super!
    Wahrscheinlich der beste Artikel, den ich von dir gelesen habe – und ich klicke mich gerne mal hier durch 😉

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