Das Ende meiner Zwillingsschwangerschaft

Seit 2 Wochen liege ich mit meiner Zwillingsschwangerschaft im Krankenhaus, ich kenne die Schwestern mit Vornamen. Nachdem es wieder niemanden interessiert hat das ich eine Pflasterallergie (lustigerweise nur gegen die Pflaster mit denen Zugänge festgeklebt werden) habe und meine halber Arm juckt wie verrückt, habe ich eine Schwester angefleht den Zugang zu ziehen.

„Das dürfen sie aber nicht der Ärztin sagen, dann bekomme ich Ärger!“ WTF? Eine gestandene Frau bekommt ärger auf ausdrücklichen Wunsch einen profilaktischen Zugang zu ziehen, der die letzten Wochen der Schwangerschaft mit den Zwillingen nicht gebraucht wurde. Nee ist klar.

Meine Zimmernachbarin, wird in der SSW 37+5 eingeliefert, hat Wehen und beschimpft ihren Mann am Telefon. Mir sagt sie „Ich werde heute Abend wieder entlassen“. „Ha! Denkste!“, denke ich mir. Die werden dich bei 37+5 und regelmäßigen Wehen nicht wieder nach Hause lassen. Die Frau schimpft weiter wie ein Rohrspatz ins Telefon mit ihrem Mann. Dann legt sie auf und erklärt mir was er für ein furchtbarer Nichtsnutz ist und das dieses Kind hier dann ihr siebtes ist. Das sie ihn gerne verlassen würde, aber dann würde er wieder so nett schauen und schwups wäre sie wieder schwanger mit dem nächsten Kind.
Das wäre alles nicht so tragisch, sagt sie, wenn er nicht jetzt grade auf der Couch sitzen würde und Playstation spielen, statt sich um die restlichen 6 Kinder zu kümmern.

Magen-Darm Grippe in der Zwillingsschwangerschaft

Über Nacht bekomme ich eine Magen Darm Grippe, ich hänge kotzend und *** über der Toilette, in der SSW32 ist das ein großer Spaß, ich habe Sodbrennen (definitiv eine der unangenehmsten Schwangerschaftsbeschwerden finde ich) ohne Ende und weil unser Zimmer schon im KreissaalTrakt und nicht auf der Wöchnerinnenstation (wofür ich dankbar bin) ist interessiert das die Schwestern auch recht spät. Ich bleibe mit „meiner Schwangeren“ in einem Zimmer.

Nach 2 Tagen erzähle ich dem Oberarzt (wegen der Zwillinge habe ich Oberarztbehandlung) davon, und dieser kann es gar nicht fassen dass noch eine weitere Schwangere mit mir ein einem Zimmer liegt. „Die muss da sofort raus!“, brüllt er und am Ende der Untersuchung habe ich keine Zimmernachbarin mehr. Immerhin etwas. Ich mein nicht das ich gerne alleine liege (doch eigentlich schon!) aber Magen-Darm und Schwangere, das will ich auch nicht verantworten.

Irgendwann ist auch die schäussliche Magen-Darm Grippe vorbei, unser geplanter Hochzeitstermin steht an und man bittet uns den Termin zu verschieben. Ich heule. Weil: Man will seine Hochzeit nicht verschieben. Im Endeffekt verschieben wir die Hochzeit dann, denn die Option „Mit dem Krankenwagen zum Standesamt, rein in den Rollstuhl und dann schnell „Ja“ Sagen und dann wieder ab ins Krankenhaus“ klingt nicht verlockend. So stelle selbst ich mir (und ich bin recht unromantisch) meine Hochzeit nicht vor.

Der 26.5.2013 vergeht und ganz erstaunlicher Weise, geht die Welt gar nicht unter, nur weil wir nicht verheiratet sind. Die Tage plätschern dahin und am 28. Mai. 2016, ist irgendwas komisch. Ich finde das sich Baby B gar nicht so viel bewegt wie Baby A. Das sehen auch die Ärzte auf dem CTG und wollen das bis zum Mittag mal beobachten.

Nach dem CTG kommt eine Hebamme und fragt: „Wann wurden sie denn das letzte mal untersucht?“ ich antworte: Am Freitag. (Das ist 3 Tage her). Sie untersucht mich, und sagt: „3cm geöffnet.“.

Mittags untersucht sie mich noch einmal und sagt: „5cm geöffnet! Und Sie merken keine Wehen?“. „Nee, ich merke gar nichts. Keine Wehen, da zieht nichts und spannt auch nichts. Müsste ich denn?“, frage ich sie.

Betteln nach einer PDA

Sie wirft mir einen Blick zu der sagt: „Schätzelein bei 5cm sind die Frauen am betteln nach einer PDA.“. Die Hebamme verlässt den Raum und will „DAS“ dem Oberarzt melden. Dieser stürmt mit schnellem Schritt in „meinen Kreissaal.“.

“Dann rufe ich jetzt besser meinen Mann an, damit er unsere große zur Oma bringt und dann für die Geburt herkommt.” sage ich zum freundlichen Oberarzt, der einen Schnauzer trägt.

“Nee, sie sagen Ihrem Mann das er die Große mitbringen soll und sich hier irgendwo im Krankenhaus mit Oma treffen soll, denn in 30min ist der OP frei und wir haben genügend Kinderärzte vor Ort.” In meinem Fall ruft man einen Tag bevor die “Große” ihren ersten Geburtstag hat, seinen Mann an und sagt das er in wenigen Minuten zum zweiten und dritten Mal Papa wird.

Interessanterweise habe ich in keiner Sekunde Angst um meine Babys, ich weiß es geht ihnen gut, nur ist irgendwas seltsam. Das bestätigt mir dann später auch der Oberarzt und deswegen dann der Kaiserschnitt bei 33+1. Die OP Vorbereitungen machen mir nichts aus, das war schon bei der Großen vor fast einem Jahr so. Wo andere furchtbare Angst (und Schmerzen) hatten, empfand ich die OP eher als einen Spaziergang.

Dann legen wir mal los, Ihr Mann findet uns schon

Die Uhr tickte und tickte und irgendwann sagte man mir, man könne nicht länger auf meinen Mann warten, denn irgendwas wäre mit den Babys komisch. Ich antworte: “Gut dann legen wir mal los.

Es ruckelt und ruckelt und JA es ist nicht super, aber aushaltbar. Schmerzhafter als beim ersten Kaiserschnitt, aber kein Wunder, es sind zwei Kinder die da entbunden werden wollen. Ich höre die Babys schreien und man versichert mir das es ihnen gut geht. Sehen durfte ich sie leider noch nicht, das hatte man mir vorher aber schon erklärt. Sie wären Frühgeborene die so schnell wie möglich untersucht und versorgt werden müssten, die Temperatur dürfe nicht abfallen.

Grade in dem Moment als ich mir Gedanken machen wollte, saß dann mein Mann an meinem Kopfende und erzählte mir das er die beiden schon gesehen hätte, das es ihnen gut geht und sie aussehen wie echte kleine Babys und nicht wie diese Babyvögelchen die man in Dokus über Frühgeborene sieht. Er sagt mir auch das unsere Große ganz in der Nähe mit meiner Mom wartet und sobald ich meine Beine wieder bewegen konnte, wurde ich noch im Krankenhausbett zu meinen Babys auf die Neugeborenenintensiv gefahren.

Es stellte sich herraus das die Zwillinge in den letzten Tagen ein “Zwillingstransfusionssyndrom” entwickelt hatten (ein Zwilling wurde mit mehr Blut versorgt als der andere) und sich deshalb einer mehr bewegt hat als der andere. Klar wenn ich dauermüde bin will ich mich auch nicht bewegen. Dagegen half eine Bluttransfusion, bei Baby B und das wars. Nach 4 Wochen konnten wir die Babys nach Hause holen und heute sind sie 2,5 Jahre alt und kerngesund.

Echte Glücksprinzessinnen.

Mehr zum Thema Zwillinge findest du hier und hier.

Zwillinge nach der Geburt. Das Ende meiner Zwillingsschwangerschaft.

Zwillinge nach der Geburt.

By | 2017-03-14T14:25:37+00:00 19. April 2016|Categories: Schwanger mit Zwillingen, Zwillinge|4 Comments
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About the Author:

Katarina (30) ist die Mama von Motti (*2012) und Wawi (*2013) sowie Nini (*2013) und wohnt in der Nähe von Hamburg mit vielen Kühen als Nachbarn. Virtuell zu finden auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und Instagram.

4 Comments

  1. Seija 25. Mai 2016 at 21:34 - Reply

    Was für eine Geschichte! Ich freue mich für dich, dass alles so wunderbar ausgegangen ist. 🙂
    Ich wünsche Euch weiterhin alles alles Gute und viel Freude!

    Liebe Grüße,
    Seija

    • Katarina 25. Mai 2016 at 22:07 - Reply

      Liebe Seija, vielen Dank. Ich freue mich auch jeden Tag das alles gut ausgegangen ist.

  2. Naddel 3. Februar 2017 at 00:42 - Reply

    Da kannst du echt von Glück reden! Von meiner Freundin die twin haben das scheiß Syndrom ganz früh entwickelt,wurden irgendwann in den zwanzigsten wochen im mutterleib operiert und kamen dann doch in der 30. Woche weil es wieder kam,das scheiß Syndrom! Ganz viel Angst und viel Glück später sind die beiden heute auch gesunde 7 jährige…. Habt ihr denn mittlerweile geheiratet?

  3. […] Danke liebe Verena für eure wunderbare Geburtsgeschichte! Danke das du deinen Geburtsbericht mit uns teilst. Meine Erinnerungen an meine Kaiserschnitte sind ähnlich, nur das ich bei beiden Schwangerschaften noch keine Wehen hatte. Ansonsten lief es bei uns fast genauso wie bei dir ab. (Mottis Geburt – Zwillinge Geburt) […]

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