Talias Geburt

Was mich tatsächlich erwartete war eine Odyssee… Talias Geburt

Ich war ja eine von denen Schwangeren die dachten, nein – wussten! – dass ihr Baby früher zur Welt kommen würde als der errechnete Entbindungstermin dies angab. Belächelnde Kommentare wie „das dachte ich damals auch…“ habe ich gekonnt ignoriert… Was mich tatsächlich erwartete war eine Odysee…

Die Geschichte von Mausis Geburt beginnt im Grunde zwei Wochen vor der Entbindung. Es begann mit einem seltsamen Pickel am Oberschenkel der immer größer und größer wurde. Und weh tat. Und immer dunkler wurde. Nach ein paar Tagen des Beobachtens ging ich schließlich doch zu meinem Frauenarzt. Dieser schrieb mir -zu meinem Entsetzen- eine Überweisung für das Krankenhaus aus, Abszess, Not-Operation unter Vollnarkose. Heute noch.

RUMMS. Diese Nachricht saß. Statt einer Salbe kam das Skalpel.

Im Krankenhaus sprachen sie von einer ambulanten Operation die später am Abend stattfinden sollte. Ein kleiner Eingriff, totale Routine, ich solle mir keine Gedanken machen. Ich machte mir aber Gedanken. Ich hatte Angst.

Ich dachte es sei ein Tippfehler

Als ich in den OP-Saal gefahren wurde wurde ich erstmal von einem völlig überraschten Anästhestisten begrüßt „Ich dachte es sei ein Tippfehler, dass die Patientin in der 39. Woche schwanger ist! Aber Sie sind ja wirklich schwanger!“ Er entschied sich kurzerhand für eine lokale Betäubung anstatt einer Vollnarkose. Der Eingriff verlief sehr unkompliziert und zwei Stunden später holte mein Mann mich ab und fuhr mich nach Hause.

Am nächsten Tag bekam ich Fieber. Und Schüttelfrost. Die vom Krankenhaus mitgegebenen Medikamente schlugen nicht an. Es half nichts, ich musste zurück ins Krankenhaus! Die Wunde nach der Abszessentfernung hatte sich entzündet. Ich bekam Antibiotika per Tropf und wurde für drei Tage drin behalten. Ich hatte so sehr gehofft, während des Aufenthaltes das Baby zu bekommen. Ich wollte nicht mit Babybauch nach Hause gehen. Doch genau das tat ich. Völlig frustriert, aber immerhin gesund, ging ich hochschwanger wieder nach Hause.

Am 22. Dezember bekam ich dann tagsüber Wehen. Erst alle 10 Minuten bis hin auf alle 3 Minuten gegen 23 Uhr. Wir fuhren ins Krankenhaus, man schloss mich ans CTG an und ich musste erfahren, dass die Wehen zwar da und stark waren, aber leider nicht geburtsreif. Ich wurde über Nacht behalten, man gab mir etwas Sanftes zum Einschlafen und hoffte auf den nächsten Tag. Tags drauf, dem errechneten Entbindungstermin hatte ich nicht mehr eine Wehe. Es war gelaufen, vorbei, aus. Ich sollte nach Hause gehen. So ging ich erneut, am ET ohne Kind aus dem Krankenhaus. Jetzt wollte ich Weihnachten auch noch gar schaffen. Allerdings sollte ich am 25. und am 27. Dezember, also alle zwei Tage zum CTG kommen, sofern die Geburt nicht von alleine losginge. Weihnachten kam und ging und ich besuchte brav den Kreißsaal zur Kontrolle.

Diesmal würde ich das Krankenhaus mit Kind verlassen

Am 27. Dezember wurde die diensthabende Hebamme beim CTG dann etwas nervös. Ohne meinem Mann und mir zu sagen, was los ist, hat sie den Kontrollabschnitt genommen und ist zum Arzt gerannt. Mein Mann und ich standen etwas ratlos da… Ein paar nervöse Minuten später kam der Frauenarzt und bat mich ins Behandlungszimmer. Das war der erste Moment in dem mir wirklich schlecht wurde. Ich hatte keine Ahnung, was er mir jetzt sagen würde. Er machte einen Ultraschall, der seine Vermutung vom CTG-Ausdruck bestätigte. Ich hatte einen Blasenriss, das Kind läge praktisch auf dem Trockenen. Er gab mir 24 Stunden um eigene Wehen zu bekommen, danach würde er einleiten. Heim gehen war keine Option mehr. Diesmal würde ich das Krankenhaus mit Kind verlassen.

Selbstverständlich kamen keine Wehen mehr. Am Sonntag, den 28. Dezember fing dann die Einleitung mit Gel an. Es schmerzte zwar schon hier und da, auch mal heftiger, aber mir war klar, dass das nix werden würde. Die Untersuchung bestätigte meinen Verdacht: der Muttermund war und blieb verschlossen. Am nächsten Tag bekam ich frühs und mittags das Gel. Was danach kam, waren die Schmerzen meines Lebens.

Die Wehen fingen sanft an und wurden zum Abend hin immer stärker. Mein Mann und ich liefen Kilometer um Kilometer durch die Krankenhausgänge, wir waren in fast jedem Winkel der Klinik. Wir stiegen alle Treppenhäuser rauf und runter, veratmeten zusammen Stufe um Stufe die Wehen.

Gegen 21 Uhr war ich soweit, dass ich meinen Namen nicht mehr aussprechen konnte und alle zwei Schritte eine Pause machen musste, um die nächste Welle zu veratmen. Zu der Zeit sollten wir uns auch wieder im Kreißsaal melden. Voller Hoffnung dass das jetzt endlich geburtsreif sei,  schleppte ich mich dahin, um die völlig niederschmetternde Nachricht zu bekommen: keine Reaktion am Muttermund. Wir fielen von unserer Wolke.

Die Hoffnung, das Kind in dieser Nacht zu bekommen, war wie eine Seifenblase geplatzt. Die Wehen wurden wieder schwächer und die Hebammen sagten mir, dass sie wohl noch bis 1 Uhr anhalten würden aber dann nach und nach abklingen würden.

Ich sank in einen erwartungsfreudigen, aber sehr nervösen und unruhigen Schlaf

Wir waren erschöpft. Der ganze Kampf mit den Wehen, die vielen Treppen, das vielen Gänge, die Hoffnung, der feste Glaube, dass wir auf dem Weg waren unser Kind zu bekommen – alles war umsonst. Wir berieten uns. Ich wusste instinktiv, dass ein dritter Tag einleiten erneut ohne Erfolg bleiben würde. Also entschieden wir gemeinsam, dass wir einen Kaiserschnitt wollten. Ich vielleicht ein kleines bisschen mehr als mein Mann. Er stand dennoch voll hinter mir. Auch die Hebammen und die Ärzte gaben ihr okay. Sie hätten es zwar noch einmal versucht, verstanden aber unsere Entscheidung.
Und so durfte ich am 22 Uhr nichts mehr essen und trinken, der Kaiserschnitt-Termin wurde für den nächsten Tag auf 8 Uhr gelegt.

Mein Mann fuhr heim um ein paar Stunden Schlaf zu bekommen. Ich sank in einen erwartungsfreudigen, aber sehr nervösen und unruhigen Schlaf.

Der 30. Dezember 2014 war der erste Tag des Jahres an dem es in unserer Heimatstadt so richtig böse geschneit hat. Und weil man ja Ende Dezember mit Schnee so gar nicht rechnen kann, waren die Einwohner unserer Stadt völlig überrumpelt davon und legten sich reihenweise auf die Nase. Die OP-Säle waren dauerhaft belegt von gebrochenen Beinen und sonstigen Unfällen. Stunde um Stunde verging, zwei mal segelte mir mein Kreislauf davon und ich musste mit Kochsalzlösung und Zuckerwasser intravenös aufgepeppelt werden. Die Hebamme sagte mir immer wieder, dass es bald losgehen würde. Um 15 Uhr sank meine Hoffnung. Die Hebamme versprach mir, dass ich heute noch mein Kind bekommen würde. Ich nahm sie beim Wort.

Um 16 Uhr wurde ich tatsächlich abgeholt. Endlich! Mein Mädchen würde nach langem Warten und langem Kampf tatsächlich bei 41+0 zur Welt kommen. Mein Mann begleitete mich natürlich in den OP. Nun musste ich mich der nächsten großen Angst stellen – der Spinalanästhesie. Die Vorstellung eine Nadel ins Rückenmark geschoben zu bekommen… furchtbar! Im OP begegente ich erstmal einem alten Bekannten. Dem Anästhestisten von vor zwei Wochen der schon beim Abszess dabei war. Das bekannte Gesicht zu sehen, hat mir enorm geholfen zur Ruhe zu kommen. Immerhin hat er seinen Job schon einmal gut gemacht… Ich sagte ihm offen, dass ich große Angst vor der Betäubung hätte. Er versprach mir, dass das der harmloseste Teil der ganzen Sache sei.

Im OP selbst kam dann mein Mann dazu. Ich saß also da, völlig nackt und irgendwie… ausgeliefert. Hinter mir witzelten die Anästhestisten: „Sag mal Deine Hände zittern ja total! Du sollst doch nicht vor der Arbeit trinken!“ Das mag derb klingen, aber in dem Moment hatten sie das Eis gebrochen. Das war die einzig richtige Reaktion auf meine Angst. Und die Spritze im Rücken war wirklich nicht der Rede wert.

Dann wurde es ernst. Ich spürte wie mein Bauch geöffnet wurde und die Ärzte in meinen Bauch hineingriffen. Als sie unser Mädchen auf die Welt holten und ich ihren ersten Schrei hörte – die Welt blieb stehen! Sie zeigten sie mir kurz und nahmen sie gleich wieder mit in den Kreißsaal. Mein Mann blieb noch bei mir, instinktiv wusste er, dass ich ihn jetzt ganz dringend brauchte. Denn meine Psyche spielte komplett verrückt. Das Wissen, dass ich jetzt Mama sei und dass meine Tochter hier irgendwo ist, das überrumpelte mich erstmal total. Ich meinte keine Luft mehr zu bekommen und Herzrasen zu haben. Doch meine Werte waren alle vollkommen in Ordnung. Einer der Ärzte gab mir etwas zur Beruhigung. Als ich wieder zur Ruhe gekommen war, entließ ich meinen Mann und bat ihn zu unserer Tochter zu gehen. Währendessen wurde ich genäht.

Die Hebamme brachte mir ein kleines meckerndes Menschlein

Der Geburtsbericht der kleinen Talia. Eine spannende Kaiserschnittgeburt.

Bildrechte: Alicja Wiktoria // wiktoriaslife

Eigentlich war vereinbart, dass ich in den Kreißsaal gebracht werden würde und dort meine Tochter sehen sollte. Leider war der Kreißsaal überfüllt, weshalb ich nach langem Warten meine Tochter im Aufwachraum der Operationssäle zum ersten mal so richtig sah. Die Hebamme brachte mir ein kleines meckerndes Häufchen Mensch – das war der bis heute glücklichste Moment meines Lebens. Hinter der Hebamme und meinem Baby stand mein Mann – oder nein, schwebte. Er strahlte übers ganze Gesicht und wirkte als würde er 2 cm über dem Boden gleiten. Sie schoben mich zusammen mit meiner wunderschönen kleinen Tochter auf Station, wo wir uns erstmal ausgiebig kennenlernten.

Hier erfuhr ich auch noch die Eckdaten der Süßen:

Talia kam um 16:55 Uhr zur Welt, sie wog 3120 g und war 49 cm groß.

Die Odysee war zu Ende. Wir waren endlich eine Familie.  Am 3. Januar durften wir beiden nach Hause. Nun begann das wahre Abenteuer!

Danke liebe Alicja Wiktoria für eure Geburtsgeschichte. Alicja Wiktoria ist eine liebe Bloggerkollegin und bloggt auf wiktoriaslife.

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By | 2017-06-25T17:02:55+00:00 10. Mai 2016|Categories: Geburtsbericht|0 Comments
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