Unser Kinderarzt ist ein sehr guter Kinderarzt. Er ist freundlich, witzig und seinem Beruf entsprechend auch noch kompetent. Soweit ich weiß wäre er, hätte er keine Familie gegründet, sogar in die Frühchenforschung gegangen. Darüber hinaus hat die Praxis einen echt guten Ruf und war von unserer letzten Wohnung sogar innerhalb von 15min zu Fuß zu erreichen. Ein echter Volltreffer. Dann zogen wir allerdings um, und inzwischen fahren wir zum Kinderarzt etwa 30min mit dem Auto, wenn alle Ampeln grün sind.

Das ist nicht weiter schlimm, die Strecke fahre ich gerne, weil der Kinderarzt wirklich sehr gut ist.

Abgesehen davon, gibt es bei uns im Ort meines Wissens nach gar keinen Kinderarzt. Die nächste Kinderärztin ist im Nachbardorf, die nimmt soweit ich weiß aber schon seit 6 Monaten keine neuen Kinder an. Sie ist einfach voll. Schaut man sich die anderen umliegenden Dörfer und Städte an, ist es genau das gleiche. Alle Kinderärzte im Landkreis verweisen dich an einen Kollegen, weil sie selbst voll sind und weil ja immer ein anderer Kollege besser dran wäre und bestiiiiimmt noch einen Platz hat. Das letzte was ich hörte war, dass es einen neuen Kinderarzt in B. geben soll. Die Gemeinde B. ist von uns aus etwa 40-50min mit dem Auto weg. Eine Tour. Offenbar ist es aber zumutbar, das mit 3 Kindern oder besser noch zu verschiedensten Untersuchungen an X Tagen im Monat zu fahren. Von kranken Kindern spreche ich hier noch nicht mal. o.O

Wir sind also bei unserem Kinderarzt geblieben, denn immerhin kennt er die Mädels schon seit der Geburt, ist kompetent, und wir sind in der Partientenkartei.

Um so erfreuter war ich, als ich las dass „unser“ Kinderarzt im Nachbarort eine zweite Praxis (Praxis B) aufmachen wollte. Das funktionierte auch etwa 3,5 Tage und dann gab es wohl Probleme. Was genau da gewesen ist, weiß ich nicht. Jedenfalls bekam ich den 1. Termin für den „hüpfen, springen malen“ Teil der U8 in Praxis B.  Für Teil 2 (das körperliche, was der Arzt machen muss) sollten wir bitte 3 Wochen später zu Praxis A (unsere Stammpraxis) fahren. Einen Termin für alle drei Mädels an einem Tag zu bekommen wäre unmöglich, „das dauert dann ja länger als eine Stunde!!!!“.

Nini und Wawi bekamen für ihren U7a Termin einen gemeinsamen Termin in Praxis A.

Vor 3 Wochen gondelte ich also mit Motti in Praxis B, vorletzte Woche mit den Zwillingen zu Praxis A und heute dann alleine mit Motti zu Termin 2 in Praxis A.

Im Wartezimmer beim Kinderarzt steht eine Rutsche

Obwohl wir zeitlich recht flexibel sind befreit uns das leider trotzdem nicht davon, selbst mit festem Termin etwa 1,5h wegen einer schnöden U-Untersuchung warten zu müssen.  Zwischen den anderen Kindern, welche hoffentlich alle nicht krank sind. Welch frommer Wunsch, im Warteraum einer Kinderarztpraxis. Ich dachte bei den ersten U-Untersuchungen vor ein paar Jahren schon einmal daran in der Praxis anzurufen und einfach nachzufragen wie sehr sie denn schon im Verzug sind, und ob ich auch eine halbe Stunde später losfahren könnte.  Da erhielt ich die Aussage „Nein, kommen Sie bitte pünktlich“, und wir warteten trotzdem ewig. Vielleicht kam ein Notfall dazwischen da warte ich gerne länger, ich will ja auch das uns im Notfall schnell geholfen wird.

Durch verschiedene Artikel in der Lokalpresse, weiß ich inzwischen dass die Wartezeiten gar nicht so sehr das Problem unseres Arztes ist, oder die des Praxismanagements. Viel mehr sind ALLE Kinderärzte im Landkreis komplett überrannt. Ich habe desweiteren gelernt, dass es bei Ärzten wohl eine vorgegebene Quote gibts und laut dieser haben wir im Landkreis eine Überversorgung an Kinderärzten.

Kinderärzte die hier eine Praxis eröffnen wollen, bekommen keine Zulassung, weil die Quote ja sagt, dass wir viel zu viele Ärzte haben. Faktisch ist der Landkreis aber so groß und umfasst zum einen die größte Gemeinde unter Stadt-Status in ganz Deutschland UND noch einige Städte, so dass es mich nicht wundern würde, wenn Kinderarztplätze demnächst hier nur noch unter der Hand vergeben werden. Notfalltermine dann vermutlich zu Schwarzmarktpreisen.

Mutter 1:“ Mein Jerome ist krank, Mittelohrentzündung. Hat jemand einen Kinderarzttermin abzugeben?“

Mutter 2:“ Aber nur wenn du meine Marie diese Woche  5 Mal vom Kindergarten abholst. Mariechen hat nur ne Impfung diese Woche, den Termin könntest du haben“.

Oder so ähnlich.

Der von mir sehr geschätzte Kinderdok hat auch schon einmal über das Versorgungsstärkungsgesetz (so heißt die Quote offiziell) geschrieben, für mehr Informationen schaut gerne mal bei ihm vorbei.

Gibt es so eine Quote bei euch auch? Wie sieht die reale Situation in anderen Teilen Deutschlands/Europas aus?