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„Was nun?“, frage ich Marc als wir das Krankenhaus verlassen. „Wir machen weiter“, antwortet er und küsst mich.

Verrückt, wie sehr man sich danach fragt was man machen soll. Oder wie man irgendwas machen soll. Vorher, vor der Schwangerschaft die in einer Fehlgeburt endet, fragt man sich ja auch nicht zwangsläufig was man machen soll. Man macht.

Fehlgeburt oder Missed abortion wie geht es weiter

Danach aber ist alles anders. Diese Erfahrung macht etwas mit einem. Mit mir. Das Krankenhaus spuckt Frauen wie mich wieder auf die Straße, und da steht man halt und fragt sich „Was nun?“. Natürlich machen wir weiter. Die Mädels lassen mir (zum Glück) auch keine Wahl ob ich weitermache oder nicht. Jeden Morgen schlagen sie die Augen auf und der Tag beginnt. Nicht als wäre nichts gewesen, aber mit einer tröstlichen Gewissheit dass es weitergeht. Vor ein paar Wochen noch hätte ich mit den Augen gerollt und nicht verstanden, was all die Frauen meinen die sagen: „Es wird besser. Stück für Stück wird es besser.“

Ich möchte allen anderen Frauen da draußen sagen: „Ja, es wird besser. Es wird wieder Tage geben an denen du es schaffst nicht jede Sekunde zu weinen. Es wird Tage geben an denen du sogar wieder wirst lachen können. Es wird Tage geben an denen schaffst du es sogar dieses Schicksal nicht zu hassen.“ Es geht weiter, weil das Leben weiter geht. Und ich halte mich daran fest, an dem Gedanken wie sehr wir uns dieses vierte Kind wünschen. Wir wünschen es uns so sehr, dass die Angst in den Hintergrund gedrängt wird. Ja, die Angst ist da. Dass wieder etwas unerklärliches schiefgeht. Oder dass es (schlimmer noch) noch später in der Schwangerschaft schiefgeht, an einem Punkt an dem man sich in Sicherheit gewogen hat. Ja, die Angst ist noch da. Die Trauer um unser verlorenes Baby auch. Aber der Wunsch ist größer als alles. Und ich bin mir sicher dass das Glück und die Freude für unsere Familie alles überwiegt.

Bei den Anschlägen in Paris, auf das Konzert, da hat ein Mann seine Frau verloren (und damit sein Sohn seine Mama) und dieser hat kurz nach den Anschlägen geschrieben „Meinen Hass bekommt ihr nicht.“ Und auch wenn es vielleicht ein unpassender Vergleich ist, denke ich trotzdem an das Schicksal oder wer auch immer die Fäden führt. Selbst wenn ich mich selbst beschuldigen würde. Selbst an mich selbst gerichtet denke ich: „Meinen Hass, meine Verzweiflung und vor allem unser viertes, gesundes Kind was kommen wird. DAS bekommt ihr nicht!“ Ihr: Der Zweifel, die Angst und die Panik; die undurchsichtigen Statistiken und die „Ihr habt doch schon drei Kinder, wieso wollt ihr denn ein viertes?“. Ihr könnt alles haben, suhlt euch in den dunklen Stunden in meiner Trauer, lasst mich weinen und schreien und ganz fest daran denken wann wie in welcher Woche ich jetzt wäre. Malt den Himmel schwarz und lasst grauen Regen fallen dass er ganze Ozeane füllen kann.

Es ist okay.

Es ist okay

Denn ich male den Himmel wieder bunt mit Kreide, ich bastel mir ein Boot aus meiner Badewanne. Ich tanze im Regen mit meinem Mann und baue Luftschlösser mit meinen Kindern. Allen die sind, allen die waren und allen die noch kommen. Denn es ist mein Leben und meine Kinder, meine Hoffnung und meine Träume bekommt ihr nicht.

Zurück auf Start.

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By | 2017-06-25T17:02:53+00:00 16. Juni 2016|Categories: Ich schreibe|Tags: |21 Comments

About the Author:

Katarina (32) ist die Mama von Motti (*2012) und Wawi (*2013) sowie Nini (*2013) und wohnt in der Nähe von Hamburg mit vielen Kühen als Nachbarn. Virtuell zu finden auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und Instagram.

21 Comments

  1. Inga 16. Juni 2016 at 21:55 - Reply

    Liebe Katarina,

    es freut mich so sehr, das zu lesen.
    Ich wünsche dir, euch, weiterhin ganz viel Kraft um an diesen positiven Gedanken festhalten zu können und nach vorn zu sehen. Was passiert ist, ist schlimm. Man darf, man muss sogar, darüber weinen, schreien und trauern. Es ist nicht rückgängig zu machen. Aber es macht euch nicht kaputt. Ihr seid stärker. Das Ereignis wird euch stärker machen. Was nun unvorstellbar klingt wird irgendwann so sein: Du wirst irgendwann sagen, dass es auch etwas Positives daran gab. Vielleicht wirst du es in zehn Jahren erkennen, vielleicht in zwanzig Jahren. Ich kann dir auch nicht sagen, was es sein wird, aber es verändert dein Leben und obwohl ich dir von Herzen gewünscht hätte, dass du diese Erfahrung nicht hättest machen müssen, so wirst du irgendwann zurückblicken und sagen „Es war, ist und bleibt scheiße, aber ohne die Fehlgeburt wäre das und das nicht geschehen (etwas Positives).“

    Nach Regen kommt Sonne. Klingt abgedroschen, ist aber wahr.

    Alles Gute weiterhin,
    Inga

    • Katarina 17. Juni 2016 at 10:13 - Reply

      Liebe Inga,

      Danke!
      Und ja, ich hoffe sehr das ich irgendwann sagen kann: Durch die Fehlgeburt ist mir dies oder das positives passiert. Vielleicht sogar schon früher als in zehn Jahren, aber wenn es erst in 10 Jahren soweit ist dann ist das auch okay.

      Viele Grüße,
      Katarina

  2. Steffi 16. Juni 2016 at 22:22 - Reply

    Ich wünsche Euch, daß sich Euer Wunsch erfüllt! Ich wünsche es Euch von Herzen. <3
    Ich denke an Euch.
    Herzliche Grüße,
    Steffi

    • Katarina 17. Juni 2016 at 10:14 - Reply

      Liebe Steffi,

      Wir wünschen es uns auch so sehr. Danke das du uns ganz fest die Daumen drückst!

      Liebe Grüße,
      Katarina

  3. Silva 17. Juni 2016 at 11:36 - Reply

    Liebe Katharina, ich freue mich, dass der Himmel wieder ein Stück bunter wird ???? und wünsche euch weiterhin viel Kraft und Liebe für euer Leben und eure Träume.
    Alles Gute ???? Silva

  4. Riikka 17. Juni 2016 at 12:12 - Reply

    Ich denke ganz oft an Dich, an Euch alle die da sind, die da waren und die da kommen werden. Ich wünsche Euch das Beste, und drücke Euch virtuell ganz fest.

    „Life is not about waiting for the storm to pas, but about learning to dance in the rain“ is total platt und klischeehaft aber ich freue mich, dass Du im Regen tanzen kannst.

    Mit Liebe wird auch Trauer zu etwas wertvollem. Auch heute begleite ich Dich in Gedanken und Gebeten.

  5. Kerstin 17. Juni 2016 at 12:25 - Reply

    Liebe Katharina. Es tut mir sehr leid, was euch widerfahren ist.
    Auch ich habe zwischen meinen beiden Töchtern eine Fehlgeburt gehabt. Jemand gab mir damals den Tipp, von dem Kind Abschied zu nehmen. Also setzte ich mich hin, verfaßte einen Brief an meine wie ich fest überzeugt war, ungeborene Tochter, kaufte ein Kuscheltier und „bestattete“ Kuscheltier und Brief im Grab meiner Großeltern. Es hat noch einige Zeit der Trauer gegeben. Aber heute kann ich an sie denken, ohne dass der Schmerz überhand nimmt. Sie wird immer zu meinem Leben gehören. Das ist auch gut so und ich habe es so für mich angenommen. Liebe Grüße

  6. Kerstin 17. Juni 2016 at 12:47 - Reply

    Liebe Katharina!
    Auch wenn der Schmerz natürlich noch bleibt, freue ich mich, dass ihr so mutig seid, es direkt wieder zu versuchen. Für den Körper ist das oft ein sehr guter Zeitpunkt. Man nennt die Babys, die nach einer Fehl- oder stillen Geburt geboren werden oft Regenbogenkinder, weil sie die Farben zurück bringen und eine Brücke zwischen Leben und Tod schlagen. Diese Vorstellung finde ich irgendwie tröstlich.
    LG Kerstin

  7. Sonnenshyn 17. Juni 2016 at 13:40 - Reply

    Ich wünsche euch für euren weiteren Weg alles Glück und alle Kraft der Welt. 🙂

    Sonnige Grüße.

  8. Tanja 17. Juni 2016 at 13:53 - Reply

    Ich kann mich sehr gut in deine Situation hinein fühlen, ich musst zwei Mal ein Baby ziehen lassen, weil es seinen Bauplan abgebrochen hat. Ich weiss, wie sehr das schmerzt. Es ist ein WendePunkt, denn nachher ist frau anders schwanger, auch wenn alles gut geht. Ich wünsch dir ganz ganz viel Vertrauen und einen wunderschönen NeuStart!

    Alles Liebe
    Tanja

  9. FrauWenske 17. Juni 2016 at 15:11 - Reply

    Liebe Katarina,
    ich bin so froh zu lesen, dass du neuen Mut und neue Kraft gefunden hast. Auch ich musste diesen Moment erleben. Deine Formulierung …“vom Krankenhaus ausgespuckt“ ist so zutreffend!
    Und du hast recht, ich kann es Dir versichern, es wird besser, jeden Tag ein bisschen besser und du wirst an diesem Schicksalsschlag wachsen und wie Phönix aus der Asche emporsteigen, deine Flügel ausbreiten und wieder frei ohne Trauer leben können.
    Ich wünsche Euch nur das Beste, ihr schafft das! <3

    Liebe Grüße,
    Kathi

  10. Michèle 25. Juni 2016 at 00:08 - Reply

    Liebe Katarina,

    dein Blogpost macht mir Mut. Wir haben am Dienstag in der 21. ssw erfahren, dass das Herz unseres Kindes aufgehört hat zu schlagen. Der Boden wurde uns unter den Füssen weg gezogen… nach einer ersten problemlosen Schwangerschaft,hätte ich nie gedacht, dass sowas auch uns passieren kann. Wir sind ja beide erst 27. Wir haben bereits einen 19 Monat alten Sohn. Er lenkt uns ab und gibt uns Kraft. Am Sontag muss och in die Klinik und die Geburt wird eingeleitet. Ich hab Angst, aber ich freue mich zugleich meinem Baby diesen Übergang in eine neue Welt zu schenken und dass wir uns verabschieden können. Diese grausame Traurigkeit und auch Wut überfällt mich immer wieder tagsüber und auch nachts… Doch ich lese immer wieder deine Blogposts und sage mir… es wird wieder besser und wir sehen wieder irgendwann Licht am Ende des Tunnels… Danke Katarina, für deine Offenheit über deine Fehlgeburt. Die macht mir Mut.
    Michèle

  11. Tanja 5. August 2016 at 20:22 - Reply

    Liebe Katharina!

    Ich kann dich super verstehen… Mir und meinem Freund ist dasselbe Schicksal wieder fahren… Ich finde es super das du die Kraft nimmst und sagst es geht weiter… Ja man darf traurig sein man darf auch sauer sein man darf enttäuscht sein und man darf auch ein bisschen zweifeln aber die Hauptsache ist das Ihr und besonders du den mit nicht verlierst und „weiter macht“…
    Egal ob man ein zwei oder drei Kinder hat wenn man sich ein Kind wünscht dann ist es was wunderbares… Lass dir da nicht reinquatschen… Ich drück euch die Daumen und das wird alles gut und wenn es noch nicht gut ist dann ist das nicht das Ende ???? Ich denk an euch
    Liebe Grüße von der anderen elbseite

  12. Kathrin 5. August 2016 at 20:39 - Reply

    Liebe Katharina,

    Ich bewundere deinen Optimismus und deine Stärke weiter zu machen bzw auch wieder auf Start zu gehen und den Kinderwunsch nicht aufzugeben.
    Ich hoffe,ich bin irgendwann auch soweit…

    Du machst das genau richtig!weiter so!
    Liebe Grüße
    Kathrin

  13. Mamamulle 8. August 2016 at 20:49 - Reply

    Möge sich euer Herzenswunsch bald erfüllen! <3

  14. […] mit meiner Geburt?“. Irgendwann wurde diese Stimme immer leiser und weniger aufdringlich. Die Sonne brach sich immer häufiger einen Weg in mein Gemüt, und inzwischen fühlen sich die vergangenen 17 […]

  15. Fili Wihl 22. November 2016 at 10:52 - Reply

    Schön geschrieben <3 und so war. Es geht weiter. Es muss weiter gehen, es gab jetzt auch Tage an denen ich lachte und einfach nicht an den Schmerz dachte und ich einfach lebte. Ich wünsche mir nach wie vor ein 4.Kind und werde versuchen mich nicht darauf zu versteifen und meine Ängste im Hintergrund zu drängen

  16. Yvonne 9. Dezember 2016 at 14:34 - Reply

    Liebe Katharina,

    ein sehr schönr Post, der zeigt, wie sehr man von den Krankenhäusern allein gelassen wird. Auch wir haben das drei Mal mitmachen müssen. Inzwischen haben wir aber unsere vier Wunschkinder. Nein, es hat damals überhaupt nicht geholfen, gefragt zu werden warum denn dieses vierte Kind nötig sei?! Den Wunsch nach mehr als zwei Kindern verstehen ohnehin nur wenige. Bei uns waren aber eben diese Vier der Lebensplan und ich hätte unter allen Umständen „weiter gemacht“.
    Es wird aber tatsächlich mit der Zeit leichter. Trotzdem sind viele Leute auch heute noch schockiert wenn ich (mittlerweile fast ohne Trauer) erzähle, dass wir eben drei Kinder verloren haben. Und der Kloß in meinem Hals war ganz schön mächtig, als der Arzt im Mutterpass bei „Schwangerschaften mit dieser“ die Zahl 7 eingetragen hat.
    Ich sage mir, dass es schon einen Grund geben wird, warum das Leben für uns so lief – auch wenn ich ihn bislang nicht erkannt habe.
    Seid fröhlich und mutig und zuversichtlich. Ich drücke feste die Daumen, dass es mit euerm Wunschkind klappt und, dass du dann eine unkomlizierte Schwangerschaft erleben darfst.
    Liebe Grüße
    Yvonne

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  18. […] 15.12.16 Ich habe mir noch einen Test in der Drogerie gekauft. 25 miu/ml der müsste, wenn ich jetzt schon einen Tag überfällig bin ja anschlagen. Tut er auch. Ich kann es noch immer nicht fassen. Offenbar bin ich tatsächlich schwanger. Unglaublich! Da ich mir nicht sicher bin, ob meine Periode vielleicht doch noch kommt, setze ich mir eine Frist. Wenn ich eine Woche überfällig bin, dann erzähle ich es meinem Mann. Sonst schüre ich vielleicht Hoffnungen auf etwas, das nichts wird. […]

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