Ich habe schon immer in Norddeutschland gewohnt. Abgesehen von meiner Zeit als AuPair in den USA natürlich. Daher möchte ich natürlich nicht sagen das es sich hier besser lebt als beispielsweise in Süddeutschland. Aber aus Hamburger Sicht lebt es sich natürlich doch ein Quäntchen besser hier oben. Die Luft ist salziger, der Wind windiger, die Deiche höher und die Schafe lockiger.

Meine Liebeserklärung an Norddeutschland

Norddeutschland mit Kindern

Die Sicht ist weniger von Prunkbauten verstellt, überhaupt gibt es viel mehr Weite, denn ich pralle mit meinen Augen nicht  sofort auf ein Bergmassiv.

Natürlich war ich schon ab und zu im Süden unseres Landes, beispielsweise in Bayern. Als Abifahrt haben wir Norddeutschen es sogar gewagt und buchten einen Skiurlaub. Mit dem Bus zum Schullandheim, dann den Berg hochstapfen mit dem Gepäck, Zimmer beziehen und Koffer auspacken. Danach den Berg wieder runterstapfen, in den Bus steigen, der einen wieder auf einen anderen Berg brachte. Nur damit man dort noch weiter nach oben mit einem Skilift auf den Berg gekarrt wurde. Von diesem Berg sollten wir uns dann auf Brettern an den Füßen runterstürzen und „Juhuuuu“ rufen. Nach etwa 35 Versuchen in denen ich Todesangst hatte, beschloss ich den Rest der Zeit in der Skihütte zu sitzen und mein Buch zu lesen. Immer wenn ich aufblickte und versuchte den Blick schweifen zu lassen, war da nach ein paar Metern wieder einer dieser Urzeitlichen Gesteinsbrocken im Weg. Dabei befand ich mich schon auf einer Höhe die ganz eindeutig viel zu weit über dem Meeresspiegel lag.

Süddeutschland beginnt für einen Norddeutschen nicht unbedingt südlich von Hannover, wie Mama arbeitet sagt, sondern für einige sogar schon südlich der Elbe. Südlich der Elbe meint nicht südlich des südlichsten Flusslaufes, sondern eher so: Andere Elbflussseite von Hamburg aus. Finkenwerder und Wilhelmsburg gehören noch zu Hamburg, das ist okay da sehen wir drüber weg, aber alles andere ist eindeutig Süddeutschland. Fragt eine die hier aufgewachsen ist. Mich.

Entgegen der Vorstellung einiger „Süddeutscher“, laufen wir nicht den ganzen Tag durch die Gegend und sagen „Moin Moin“. Bestenfalls sagen wir „Moin“. Eigentlich sagen wir allermeistens gar nichts. Was nicht bedeutet das wir schlechte Laune hätten. Einen Friesennerz hat auch nicht jeder im Schrank, nützlich ist er aber allemal. Wenn jemand etwas auf dem   Boden verschüttet, dann holen wir den Feudel (Mopp / Wischer)  und „feudeln“. Mit Freunden und Nachbarn wird „geschnackt“ und Franzbrötchen sind wirklich so lecker wie man das „da unten“ immer hört. Sie sind überwiegend süß, nicht herzhaft. Krabben kauft man am besten vom direkt vom Kutter eingelegt in absolut überhaupt nichts. Auch keinen Salat drum rum. Erst recht keine Mandarinenstückchen.

„In Hamburg regnet es ständig“, hört man die Süddeutschen immer wieder klagen. Das kann ich erstens gar nicht bestätigen und zweitens muss ich euch unbedingt noch eine kleine Begebenheit dazu erzählen. In meiner AuPair Zeit waren wir eine Gruppe aus 5 Mädels, Anne aus dem Erzgebirge, Karina aus Bayern, Molina aus Kappeln (Norddeutschland!), Tinette (Schweden) und ich.

Nachdem wir alle wieder in Deutschland bzw Tinette in Schweden angekommen waren, trafen wir (Erzgebirge, Hamburg und Kappeln) uns in Kappeln für ein Wochenende. Wenn man Molina und mich fragt, dann war es an dem Wochenende ein bisschen windig und der Nieselregen war ein bisschen störend, aber nicht weiter wild. Wenn man allerdings Anne aus dem Erzgebirge fragt, dann war da draußen ein wild tobender Sturm, mit superfiesem Starkregen. Alles eine Frage der Wahrnehmung. 😉

Ich liebe die Weite, das ich auch bei schlechtem Wetter kilometerweit in die Landschaft schauen kann. Ich liebe es das „schlechtes Wetter“ hier ganz anders definiert werden kann als in Süddeutschland. Ich liebe die salzige Luft, und das es nicht weit ist bis ans Meer. Das ich aussuchen kann ob ich lieber Nord- oder Ostsee besuchen möchte und sogar beides an einem Tag ansehen könnte. Ich liebe es das der Himmel bei uns das Meer berührt, das die Menschen nicht ständig umarmen und busseln wollen. Das ich mit Gummistiefeln in den Supermarkt gehen kann, wenn ich will. Volksfeste werden hier oben nicht von Trachten begleitet, sondern von Windjammerparaden. Es gibt Segelschulschiffe und Schulen mit Segeluntericht. Buchhandlungen welche sich auf die Schifffahrt spezialisiert haben und meterlang Lakritze in den Regalen.

Schöner sagen kann das übrigens sie:

Und zum anschauen: