Werbefallen für Kinder im Supermarkt

„Mama schau mal! Da ist Biene Maja drauf!“, ruft Motti im Supermarkt. Wo wir uns befinden? Vermutlich irgendwo zwischen Joghurts und Zeitschriften für die Kleinsten. Wo genau im Supermarkt ist schnurz egal denn in so gut wie jeder Abteilung lauert der vermeintliche Feind. Märchenwurst kämpft mit Minikäse, Mickey Mouse mit Biene Maja, und dazwischen die Annas und Elsas dieser Welt. Alle wollen nur eins: Die Aufmerksamkeit meiner Kinder und das Geld aus der Börse der Eltern. Aber bei uns ist das bisher kein Problem.

Auf „Mama, schau mal da ist XY drauf!“ antworte ich meistens :“Ja das stimmt, das ist Werbung. Das haben Menschen da drauf gedruckt damit Kinder es sehen und ihren Eltern sagen dass sie es kaufen sollen.“ Das ist für Dreijährige und Vierjährige vielleicht eine lange Erklärung und irgendwelche schlauen Pädagogen sagen bestimmt dass sie gar nicht kindgerecht ist, aber bei uns funktioniert es sehr gut so.

Mein Mädchen im Mantel im Supermarkt

„Schau mal da ist X drauf“, ist ja auch erstmal nur eine Aufforderung zum schauen. Was offenbar viele Eltern vergessen oder schon so gestresst und genervt sind, dass sie sich geschlagen geben und kraftlos den Pudding in den Wagen werfen. Nach „Kauf das Mama!“ hat in dem Augenblick ja noch niemand gefragt. 😉

Was sind das für Stangen

Motti fragte mich auch, was das für lustige Stangen sind, die da auf dem Monitor an der Kasse hüpfen. Ich sagte ihr dass es Zigaretten sind. „Was machen Zigaretten, Mama und wieso hüpfen die?“ „Zigaretten sind sowas wie..hmm wie Schnuller oder Lollis für Erwachsene. Meistens wollen die Menschen sie immer und immer wieder haben. Dabei machen sie bei vielen die Lunge kaputt. Dann werden diese Menschen krank und manche sterben sogar. In der Werbung da hüpfen sie, weil wir das vergessen sollen. Wir sollen Zigaretten kaufen. Den Leuten welche die Werbung machen, ist es egal das man davon krank werden kann. Die wollen nur unser Geld“, antworte ich ihr dann.

Dafür bist du noch zu klein

Ja, sowas sage ich wirklich zu meiner vierjährigen Tochter. Ich halte gar nichts davon Kinder mit zuckerwattegetränkten Antworten die Realität von Werbeversprechen schönzureden. Immer wieder höre ich im Supermarkt Eltern die auf die Fragen ihrer Kinder antworten:“Dafür bist du noch zu klein“. Wie demütigend und kleinmachend ist so eine Antwort denn? Wer fragt verdient Antworten und interessiert sich offenbar für die Materie!

„Dafür bist du zu klein“ signalisiert in dem Kontext doch eher etwas wie „Was weisst du schon du Wicht du bist noch nicht so weltgewandt und erfahren wie ich und daher verdienst du keine Antwort“. Meiner Erfahrung nach ziehen sich Kinder aus den Antworten eh nur die Teile die sie schon verstehen können und ignorieren den Rest. Aus „Menschen können daran sterben“ machen Kinder nicht unbedingt gleich ein „Meine Lieblingstante wird sterben weil sie raucht“ und wenn sie in dem Fall das mit dem Sterben verstanden haben, dann ist das Konzept ein radikaler Gamechanger und ändert eh alles in ihrer Welt.

Motti weiß dass Zigaretten ungesund sind und dass die Werbung eigentlich nur unser Geld will. Mit dieser Erkenntnis geht es sich sehr entspannt mit ihr einkaufen, denn bei buntem Glitzerkram auf Lebensmitteln befiehlt sie nicht dass wir es kaufen müssen weil da ja ANNAELSABATMAN drauf ist, sondern erkennt dass es nur eine Verpackung ist für ein Lebensmittel. Vermutlich, und ich mutmaße hier nur, sind meine Kids auch weniger anfällig für diese ganzen Figuren, weil sie nicht in den Kindergarten gehen. Sie treffen natürlich regelmäßig andere Kinder und sehen was die so haben, aber diese Hypes um irgendwelche Marken kennen sie (noch) nicht. Vielleicht wären wir trotz meiner Erklärungsversuche Opfer der Werbeindustrie, wenn die Mädels in ihrem Alltag anders sozialisiert würden…

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By | 2017-06-25T17:02:53+00:00 8. Juli 2016|Categories: Familienleben|Tags: , |5 Comments

About the Author:

Katarina (32) ist die Mama von Motti (*2012) und Wawi (*2013) sowie Nini (*2013) und wohnt in der Nähe von Hamburg mit vielen Kühen als Nachbarn. Virtuell zu finden auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und Instagram.

5 Comments

  1. Inga 8. Juli 2016 at 16:54 - Reply

    Ich finde, du machst das mit den ehrlichen Antworten genau richtig. Wie du schon sagst, sie ziehen sich raus, was sie verstehen und das ist okay so. „Dafür bist du noch zu klein“ ist nie die richtige Antwort.

  2. Bettie vom Frühen Vogerl 12. Juli 2016 at 09:16 - Reply

    Biene Maja ist mir bisher noch nie aufgefallen, dafür häufig Cars und Elsa. Elsa ist überhaupt viel beschäftigt, dass die nebenbei noch einen Film drehen kann, das wundert mich. 🙂

    Schöne Erklärung und noch besser, dass sie funktioniert. 😉

    Lieben Gruß
    Bettie

    • Katarina 12. Juli 2016 at 12:11 - Reply

      Hallo Bettie,

      die Biene Maja ist auf Joghurt drauf. Elsa ist omnipräsent finde ich. Ich glaube fast es gibt nichts auf das sie nicht schon einmal aufgedruckt worden ist.

      Danke.
      Grüße zurück,
      Katarina

  3. Ella 28. Juli 2016 at 23:21 - Reply

    Hey Katharina, jetzt bin ich aber echt froh, dass ich nicht die einzige bin, die ihre Kindern im Alltag auch mit der Möglichkeit des Todes konfrontiert. Ich habe nämlich auch schon gesagt: „Wenn du einfach über die Straße gehst ohne zu Gucken und dich ein Auto erwischt, das nicht mehr bremsen kann, bist du tot!“ Wie sollen Kinder sonst die Gefahr verstehen?

    Bei Verpackungen müssen es ja noch nicht mal irgendwelche Helden aus Film und Fernsehen sein. Ein kleiner Elefant oder Teddy reicht ja schon aus, um die Aufmerksamkeit des Kindes auf sich zu ziehen. Aber wie du schon sagt, die Bemerkung: „Guck mal Mama da ist ein Teddy drauf!“ Kann man auch einfach mit „Ah, gut erkannt: Süßer Teddy!“ beantworten und weiter gehen. Gab bei mir deshalb auch seltenst Probleme. Und bei Elsa auf einem Kleid, argumentiere ich dann einfach so, dass diese Aufdrucke eh mit der Zeit in der Waschmaschine kaputt gehen. Dann geht auch plötzlich das unifarbene Kleid mit ein bisschen Spitze.

    Liebe Grüße
    Ella

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