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Einen Kopf proppenvoll mit Ideen müsste man haben

Gestern fragte ich die Blogprinzessin Leserinnen und Leser ob sie etwas wissen wollen würden. Über mich, oder über die Familie Blogprinzessin. Tatsächlich kamen einige Fragen. Und diese hier von Stefanie war so schön, dass ich ihr einen ganzen Blogeintrag widmen möchte:

“ Was du so jeden Tag mit deinen Kindern machst als Beschäftigung? (In der Wohnung damals war das sicherlich schwieriger als jetzt mit Garten?)“

Ganz ehrlich? Wir/ich machen nichts mit unseren Kindern als Beschäftigung. Klar basteln wir mal mit ihnen, wenn sie wollen dass wir mitmachen, oder lesen als tägliches Ritual Geschichten vor. Die allermeiste Zeit allerdings machen wir mit ihnen nichts. „Machen als Beschäftigung“ klingt für mich auch so…  nach Kindergarten… oder anders gesagt, nach „Müssen“.

„Es ist jetzt 14:00 Uhr, da gehen wir immer raus.“ „Es ist heute Mittwoch, also ist Wir-machen-einen-Ausflug-Tag.“ Es klingt nach „Kinder beschäftigen, damit sie nicht durchdrehen, mit einer Idee von aussen“. Wenn es nicht so gemeint ist, dann verstehe ich die Frage definitiv falsch, aber so erscheint sie mir gemeint.

Und davon machen wir tatsächlich allermeistens nichts. Wir stehen auf zum frühstücken, die Kinder spielen zusammen bis zum Mittagessen, sie essen, spielen weiter bis zum Abendbrot und danach geht es ins Bett. „Machen“ tue ich als Eltern da eigentlich nichts. Wenn sie draußen spielen wollen, frage ich vielleicht mal ob sie die Kreide mitnehmen wollen. Oder reiche Fahrradhelme raus. Das war es aber auch schon. Mehr verlangen sie allerdings auch nicht von uns. (Natürlich gibt es Tage mit mehr „Geschichten vorlesen“ als andere.)

„Wir fühlten uns geborgen bei diesen Eltern, die einander so zugetan waren und stets Zeit für uns hatten, wenn wir sie brauchten, uns im übrigen aber frei und unbeschwert auf dem wunderbaren Spielplatz, den wir in dem Näs unserer Kindheit besaßen, herumtollen ließen. Gewiß wurden wir in Zucht und Gottesfurcht erzogen, so wie es dazumal Sitte war, aber in unseren Spielen waren wir herrlich frei und nie überwacht. Und wir spielten und spielten und spielten, so daß es das reine Wunder ist, daß wir uns  nicht totgespielt haben. Wir kletterten wie die Affen auf Bäume und Dächer, wir sprangen von Bretterstapeln und Heuhaufen, daß unsere Eingeweide nur so wimmerten, wir krochen quer durch riesige Sägemehlhaufen, lebensgefährliche, unterirdische Gänge entlang, und wir schwammen im Fluß, lange bevor wir überhaupt schwimmen konnten.“ (S. 44 – 45, Astrid Lindgren „Das entschwundene Land“)

So wie Astrid Lindgren ihre Kindheit auf Näs beschreibt, so ähnlich war es in meiner Kindheit (so wie ich es erinnere) auch. Gut, nicht gottesfürchtig und züchtig, aber diesen Teil lassen wir bei unseren Kindern auch aus. Ansonsten aber hat uns (zumindest im Sommer) auch niemand gesagt „heute ist Mittwoch da gehen wir raus“. Wir Kinder aus der Siedlung haben aber auch nicht ständig gesagt „mir ist langweilig“.

Da wurden Hausaufgaben in Windeseile gemacht und dann haben wir Hütten gebaut, in der Kanalisation gespielt oder waren irgendwo in der Siedlung unterwegs. Abends liefen wir mit erlebten Abenteuern und dreckigen Füßen wieder nach Hause.

Mädchen spielen in der Küche

Allerdings können meine Mädels auch erst so aufwachsen, seit wir einen Garten haben. Hier auf der Farm sagen sie höchstens Bescheid dass sie rausgehen wollen und fragen welche Kleidung und welches Schuhwerk dem Wetter angemessen wäre. In der Wohnung dagegen war „rausgehen“ immer ein riesiger Planungsakt der definitiv die Anwesenheit eines Elternteils erfordert hat. Wer auf der Bank am Sandkasten sitzt wird natürlich ins Spiel eingespannt.

Außerdem waren sie kleiner. Aber viel vorgeschlagen oder bestimmt was wann gemacht wird, haben wir noch nie.

„Zweierlei hatten wir, das unsere Kindheit zu dem gemacht hat, was sie gewesen ist – Geborgenheit und Freiheit.“ (S. 44 der dtv-Ausgabe von „Das entschwundene Land“ von Astrid Lindgren)

Nicht meine Aufgabe

Ich finde auch gar nicht dass es meine Aufgabe als Mutter ist, meinen Kindern zu sagen was sie denn spielen sollen oder können. Kinder sind nämlich Experten auf ihrem eigenen Fachgebiet: Spielen. Da muss ich gar nichts großartig vorschlagen, die finden meistens immer etwas womit sie spielen oder was sie spielen können.

Um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen: Ich mache meist das was alle Eltern so machen. Essen kochen, Wäsche waschen, Arbeiten, Putzen, Streit schlichten, Geschichten lesen, Tränen trocknen, durchkitzeln, Küsse geben.

Das mache ich. Den Rest machen meine Kinder.

xo,
Katarina

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By | 2017-06-25T17:02:53+00:00 22. Juli 2016|Categories: Familienleben, Ich schreibe, Sachen machen mit Kindern|Tags: |20 Comments

About the Author:

Katarina (32) ist die Mama von Motti (*2012) und Wawi (*2013) sowie Nini (*2013) und wohnt in der Nähe von Hamburg mit vielen Kühen als Nachbarn. Virtuell zu finden auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und Instagram.

20 Kommentare

  1. Inga am 22. Juli 2016 um 14:52 Uhr- Antworten

    Ein sehr schöner Text und eine tolle Einstellungen.
    Erinnert mich an meine Kindheit und die war wunderschön. Voller Abenteuer ohne „Bespielung von außen und Förderung“. Einfach Kind sein und die eigene Fantasie entwickeln.
    Tolles Thema. Vielen Dank und liebe Grüße Inga

  2. Frau Pe am 22. Juli 2016 um 15:14 Uhr- Antworten

    Sehr schöner Beitrag! Genauso mache ich es auch… zumindest Zuhause… leider haben wir keinen Garten und der Prinz ist mit knapp zwei auch noch zu klein, um ihn allein durch die Umgebung stromern zu lassen, naja so lerne ich wenigstens ein paar neue Ecken kennen 😉

    • Katarina am 23. Juli 2016 um 13:12 Uhr- Antworten

      Hallo Frau Pe,
      ja das mit dem Garten ist ein riesiger Glücksfall. Vorher mussten wir ja auch immer mit und beim stromern mitmachen, ansonsten wäre das alleine mit den Straßen und Autos unmöglich gewesen.

  3. Evi am 22. Juli 2016 um 15:29 Uhr- Antworten

    Super, ein toller Text! Meine Kleine ist 2,5 Jahre alt und ich handhabe es momentan genauso, wenn sie nicht gerade in der Kita ist. Allerdings ist es mit einem Einzelkind da schon manchmal schwieriger, weil kein Spielkamerad zur Verfügung steht und Mama und Papa als Ersatz herhalten müssen 😉

    Lg Evi

    • Katarina am 23. Juli 2016 um 13:13 Uhr- Antworten

      Hallo Evi,
      da sind Geschwister definitiv ein Vorteil. Sonst müssten wir bestimmt auch viel häufiger mitspielen.
      Liebe Grüße,
      Katarina

  4. Lena am 22. Juli 2016 um 17:22 Uhr- Antworten

    Jaa, hier ist es genauso. Ich erinnere mich aber auch, dass es noch anders war, als Kind 1 in der KiTa war. Da war sie wirklich mehr Beschäftigung oder Bespaßung gewohnt. Jetzt gleicht unser Tag sehr dem Euren, egal wo auf der Welt.
    LG
    Lena

    • Katarina am 22. Juli 2016 um 17:31 Uhr- Antworten

      Hallo Lena,
      ja ich glaube auch das man sich an die Beschäftigungsideen von außen gewöhnen kann. Wenn immer jemand was aus dem Hut zaubert und jede Minute sagt was man tun könnte, dann ist es bestimmt erstmal komisch wenn das wegfällt.

      Liebe Grüße
      Katarina

  5. Karin am 22. Juli 2016 um 20:35 Uhr- Antworten

    Wow. Toll wenn das so gut klappt bei Euch!!! Bei mir schauts am Vormittag grad eher so aus, dass die Kleine (fast 3) immer wieder fordert „Mami spiel mit mir“ und am Nachmittag wenn der Große (5) vom KiGa zu Hause is, muss ich dauernd Streit schlichten bzw die Kleine trösten u den Großen ermahnen.
    Bin schon gespannt wie das in den Ferien werden wird …
    Aber wir werden uns bestimmt oft mit gleichaltrigen Freunden treffen, weil es dann viel harmonischer ist.
    Die Kinder spielen dann zusammen o nebeneinander u die Mamas ratschen o spielen auch mal mit.
    LG Karin

    • Katarina am 23. Juli 2016 um 13:17 Uhr- Antworten

      Hallo Karin,
      ja wenn bei uns die Mädels vormittags immer einzeln alleine wären, dann müsste ich bestimmt auch mehr mitspielen. Wobei bei uns an den Oma-Tagen auch gerne mal ein Kind zu Hause bleibt (freiwillig) und dann den ganzen Tag vor sich hintüddelt.
      LG
      Katarina

  6. 2KindChaos am 23. Juli 2016 um 11:02 Uhr- Antworten

    Ein ganz wunderbarer Text und sehr inspirierend, danke! Wir müssen aufhören uns ständig Angst zu machen (machen zu lassen) dass wir was an Förderung verpassen könnten 🙂 Da ich ja jetzt auch Neu-Selbstbetreuerin bin interessiert mich das natürlich besonders wie es andere machen 🙂 und ich merke auch – wenn das Kind auf irgendwas Bock hat sagt es das von selbst! Liebe Grüße, Frida

    • Katarina am 23. Juli 2016 um 13:22 Uhr- Antworten

      Hallo Frida,
      ja das mit dem Förderungsdings habe ich auch schon x-mal gehört. Tatsache ist, dass meine Kinder noch nie bei einer U-Untersuchung irgendwas das gefordert wurde nicht konnten. Entweder sie sind also begabte Wunderkinder oder das Förderungszeugs ist doch nicht SO wichtig wie immer gesagt wird.

      Ich habe die Erfahrung gemacht das es prima läuft wenn man seine Kids selbst entscheiden lässt was sie grade machen/lernen wollen. Den einen Tag interessieren sie Buchstaben, den andern die Zahlen und wieder an einem anderen Tag neuerdings die Uhr. Wenn mir sowas auffällt dann suche ich Dinge raus mit denen sie das üben/lernen/besser kennenlernen können bin aber auch nicht enttäuscht oder sauer wenn sie am nächsten Tag das Zeug nicht mehr anschauen. Erfahrungsgemäß interessiert es sie dann ein paar Wochen später wieder. So nach dem Motto: Jetzt habe ich erstmal alles zu dem Thema gelernt was ich jetzt wissen will und dann ist gut. Nächste Woche will ich vielleicht was ganz anderes wissen, und danach interessiert mit 1 wieder.

      Liebe Grüße,
      Katarina

  7. SilkeAusL am 23. Juli 2016 um 12:10 Uhr- Antworten

    So wie wir es als Kinder erlebt haben möchte ich, dass es auch für meine Kinder funktioniert.
    Aber ich weiß nicht, ob das funktioniert?
    Dadurch, dass meine beiden Mädels(dreieinhalb und fünf)bis halb fünf im Kindergarten und danach erstmal platt sind, findet hier draußen auch nicht mehr so viel statt. Im Kindergarten werden sie denke ich schon viel zum Spielen angeleitet. Zu Hause muss ich dann auch schon immer viel „anleiten“, weil beide noch unterschiedliche Spielweisen haben, es dadurch öfter Streit gibt und ich dann vermitteln muss.
    Nach Draußen bekomme ich im Moment Beide alleine gar nicht.
    Im Garten ist es ihnen zu langweilig, auf den Spielplatz traue ich sie nicht alleine zu schicken.
    Dieser ist zwar direkt gegenüber aber a)vom Haus nicht einsehbar und b)fließt dahinter ein Bach. Der Spielplatz war zwar eingezäunt, aber der Zaun ist leider kaputt und ich will kein Spielverderber für die älteren Kinder sein, die gerne in und am Bach spielen. Leider gehört meine „Große“auch zu diesen Kindern, wobei sie meiner Meinung nach aber noch nicht groß genug ist, um alleine dort zu spielen. Und leider habe ich auch kein Vertrauen dazu, dass sie nicht dort runter geht, wenn ich es ihr verbiete. Ihre dreieinhalb Jährige Schwester wird auch nicht in der Lage sein, ihr zu helfen, wenn etwas passiert(der Alptraum:rutscht im Wasser aus, schlägt sich den Kopf an einem Stein an und liegt ohnmächtig mit dem Gesicht im Wasser… :O !!!)

    Und wo ich „Helm“lese: Katarina, lässt Du sie schon alleine durch die Gegend fahren, oder fahren sie nur auf dem Hof?
    Hier ist zwar 30er-Zone, aber jeder weiß, wie viele sich dran halten…und ein kleines Kind ist auch mit Fahne schnell zu übersehen. Die Kleine schafft es zudem mit Stützrädern ständig umzufallen, die kann ich gar nicht alleine losfahren lassen.

    Ich muss hier also wohl noch etwas abwarten, bevor ich sie alleine losziehen lassen kann.
    DANN werde ich es vermissen, nicht ständig zu wissen, wo sie gerade in diesem Moment sind.

    • Katarina am 23. Juli 2016 um 13:29 Uhr- Antworten

      Hallo Silke,
      um erstmal die Frage zu beantworten: Nein auf der Straße dürfen sie natürlich nicht alleine radeln, sondern nur bei uns auf dem Hof und im Garten (alles eingezäunt). Helme tragen sie freiwillig und ich habe nichts dagegen, denn wo genau sie stürzen ist dem Kopf ja egal. 😉

      Alleine auf einen Spielplatz würde ich meine auch noch nicht gehen lassen, all das was ich oben beschrieben habe, bezieht sich auf stromern im Garten oder auf meine eigene Kindheit.

      Was den Kindergarten angeht, ich glaube danach wären meine auch erstmal kaputt. Was ja auch verständlich ist, meistens ists da ja laut, viele Menschen und halt auch ein „straffes“ Programm.

      Liebe Grüße,
      Silke

      PS. Genau, wenn sie älter sind machen wir uns dann darüber Sorgen. Aber ich glaube da wächst man rein.

  8. Stefanie am 23. Juli 2016 um 21:08 Uhr- Antworten

    Hallo!
    Den Artikel hast du aufgrund meiner Frage geschrieben 😉
    Ich wollte damit auch nicht andeuten,dass man Kinder beschäftigen muss.
    Meine drei Kinder sind 4 und knapp 2 Jahre und der Kleinste ist 3 Monate. Die beiden Spielen trotz 2,5 Jahre Altersunterschied super zusammen und ICH komme mir da halt manchmal vor als spiele ich nie mit Ihnen. Sie erfinden ihre eigene Welt und das ist toll.
    Wenn ich alle drei zu Hause habe , geht es vormittags und nachmittags raus spazieren weil wir keinen garten haben und ich immer somit dabei sein muss.
    Ansonsten mache ich nur ab und an Basteln oder Malen mit Ihnen. Bücher lesen ect ist oft so im Alltag mit dabei.
    Liebe Grüße

  9. Sandra am 23. Juli 2016 um 21:21 Uhr- Antworten

    Genau so habe ich mir das vor der Geburt meines ersten Sohnes (6) auch gedacht – und jetzt habe ich ein Kind, das vor Sensibilität und Unsicherheit oft nicht weiß, was es spielen soll, so dass ich häufig „etwas machen“ muss.
    Bei meinem zweiten Sohn (3) ist das nicht nötig, er ist total frei und selbstbestimmt in seinem Spiel, braucht oft stundenlang keine Begleitung.
    Die eigene Haltung ist das Eine, aber was die Kinder daraus machen, weiß man nie…

  10. Claudia am 23. Juli 2016 um 22:47 Uhr- Antworten

    jedes Kind ist anders und braucht unterschiedliche Freiräume oder auch mal einen Anstoß, was es machen kann. Ansonsten ist Dauerbespaßung (wie heute von vielen Übereltern fabriziert) tatsächlich unnötig und schadet dem Nachwuchs eher.

    Liebe Grüße, Claudia

  11. […] Marc hatte am Freitag Gesamtdienst (das heißt er war tagsüber nicht zu Hause) und die Kinder haben wie immer gespielt, gespielt und gespielt bis ihnen ganz schwindelig wurde. […]

  12. […] Blogprinzessin: Einen Kopf proppenvoll mit Ideen müsste man haben […]

  13. BIC Quality Time - Blogprinzessin am 15. März 2017 um 11:52 Uhr- Antworten

    […] je nachdem wie man das sehen möchte). Denn die meiste Zeit des Tages, wollen die Mädels eben NICHT mit mir spielen. Sie spielen, basteln, malen […]

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