Genau vier Monate und einen Tag ist es heute her, dass ich unser viertes Baby in einem sterilen Krankenhaus OP gehen lassen musste. Genaugenommen war es ja schon länger gegangen, aber für meinen Kopf ist es wichtig ein konkretes Datum benennen zu können. 26. Mai 2016 14 Uhr irgendwas.

In den ersten Wochen danach hatte ich immer wieder eine Stimme im Kopf: „Geboren wurdest du am 26. Mai 2016 um 14 Uhr und ein paar Minuten. Du warst so groß wie eine Himbeere und wogst etwa 10g.“ So wie man das später wohl seinen Kindern erzählt, wenn sie fragen „Mama, wie war das mit meiner Geburt?“. Irgendwann wurde diese Stimme immer leiser und weniger aufdringlich. Die Sonne brach sich immer häufiger einen Weg in mein Gemüt, und inzwischen fühlen sich die vergangenen 17 Wochen an wie aus einem anderen Leben.

Ja, es gibt ein davor und danach.

Eine zeitlang fand ich eine Passage aus dem Lied „I Found A Way“ von Aubrey Peeples unglaublich witzig. Galgenhumor quasi und er passte perfekt auf meine Stimmung.

„I found a way not to think about it
Open up a bottle pour it in a glass
I can make it disappear if I drink real fast“

Natürlich habe ich mich nicht betrunken um zu vergessen. Das ist eine ganz blöde Strategie, die keine Probleme löst sondern welche macht. Aber rein lyrisch war es genau das was mich zum lachen bringt, meine Art von Humor.

„Ja, ich hab eine Lösung für den fetten Mittelfinger meines Lebens gefunden, und wenn ich schnell genug trinke dann ists WEG“. Ach was wäre das schön. Aber, wie sagte Sophie letztens so schön: „Zum Leben gehören leider alle Finger einer Hand.“

fehlgeburt, missed abort

Dann gab es eine lange Phase in der ich jede Schwangere schubsen wollte. Genauer betrachtet, wollte ich wohl eher das Schicksal schubsen. Und es gab immer den Hintergedanken „Wieso darf SIE schwanger sein und ich nicht?“.  Inzwischen sind schon wieder sehr viele Frauen in meiner Internetfilterblase schwanger.

Eine sehr gute Freundin von mir ist zum Beispiel auch grade schwanger, und ich gönne es ihr von Herzen. Trotzdem habe ich ihr gesagt „Du, ich freue mich sehr für dich aber neidisch bin ich auch“, weil ich vertrauen hatte dass unsere Freundschaft es aushält. Weil ich vertrauen hatte, dass sie es mir nicht krumm nimmt dass ich zugebe dass meine Freude nicht 100% meines Herzens füllt, sondern nur 80%. In den 20% sitzt bei mir nicht der Neid auf sie sondern das Sehnen nach unserem vierten, gesunden Kind welches irgendwo da draußen auf uns wartet. „Babyweh“ nenne ich das. Es ist ein Gefühl wie Heimweh, nur dass die Seele nicht in die Heimat will, sondern sich nach diesem weiteren Familienmitglied verzehrt.

Deshalb können wir es, bei aller Freude an unseren drei tollen Mädels, auch nicht „sein lassen“. Die Seele weigert sich am Busbahnhof stehen zu bleiben und Bus um Bus vorbeiziehen zu lassen. Die Seele will nach Hause.

„What do you need that you don’t have?
What have you lost and can’t get back?
What if I promised it’ll be alright?
It’ll be alright“

– „We Got A Love“  Lennon & Maisy Stellar

Und wisst ihr was? Meine Freundin hat genau so reagiert wie ich dachte. Sie hat es verstanden und es nicht als „kleinermachen“ meiner Freude an ihrer Freude verstanden.

„It’s just a road, it’s just the way you’ve been ridin‘

I know its rough, gotta get back up

Light it back up

You were the girl, with the blazin heart on fire“

– Lennon & Maisy Stellar „Heart On Fire“

So hoffe ich dass es auch die anderen Frauen in meinem Internet verstehen. Ich freue mich für euch, mit allem was ich grade kann und irgendwann freut ihr euch mit mir.

Bis dahin gebe ich euch alles was ich geben kann, und warte auf den Bus.

xo,

Katarina