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Eriks Geburt – So kann es auch laufen

Im August 2014 fing ich nach meiner Elternzeit und einigem Hin und Her bei meinem alten Arbeitgeber wieder an zu arbeiten. Ich bekam alle Schlüssel, PC-Zugänge, Klamotten und so weiter und verbrachte damit und drüber hinaus etwa sechs Wochen in einem Job, der mir immer einer der liebsten war – ich habe das Krankenhaus wirklich gern gehabt, trotz der unschönen ersten Geburt, die ich dort hatte. Und dann war der Test positiv, ich hatte nur auf blauen Dunst einen gemacht, da meine Tage nicht wie sonst exakt pünktlich kamen. Wir wollten ein zweites Kind, hatten es eine Weile probiert und dann, als ich ganz entspannt an die Sache heran ging, klappte es natürlich schnell. Ich bekam berufsbedingt ein sofortiges Beschäftigungsverbot – was sich als sehr gut herausstellte, denn Anfang 2015 kauften wir ein Haus und zogen um – etwa 150km weit weg (in die Nähe meiner Familie).
Die zweite Schwangerschaft war schön und entspannt, es gab keine Komplikationen oder größere Sorgen. Der Gedanke an meine erste Geburt überfiel mich allerdings immer wieder. Bis mir eine Freundin ein Buch empfahl – „Hypnobirthing“. Jetzt weiß, wer mich kennt, dass ich kein esoterischer Mensch bin. Ich probiere viel, sehe die Schulmedizin nicht als unerreichbar an, aber wohl wirklich nur bis zu einem gewissen Punkt. Also zog ich aus dem Buch die Dinge, die mir gut taten, adaptierte die Übungen, die Atmung so an mich und meinen Körper und entwickelte für mich ein Ritual und eine kleine Kapsel, in die ich mich zurück ziehen konnte.

Der letzte reguläre Termin beim Gyn vor der Geburt

Der errechnete Termin war der 07.06.2015, es sollte ein Sohn werden und wir freuten uns so sehr darüber.
Um den 20.05. herum verkündete die Gynäkologin mir, dass der Muttermund schon 3cm offen sei, es könne jeden Moment los gehen. Tat es natürlich nicht, das Wochenende war trotzdem recht unentspannt vor lauter Vorfreude.
Am 03.06. hatte ich den letzten regulären Termin beim Gyn vorm ET und hatte dort im CTG die erste Wehe. Auf dem Untersuchungsstuhl während der Untersuchung riss die Fruchtblase an, der Gynäkologe wurde kurz panisch. Als ich aufstand, rutschte mein Sohn weiter ins Becken, verschloss den Riss mit seinem Kopf, so dass sich eine sogenannte Vorblase bildete. Immerhin verlor ich kein weiteres Wasser. Ich musste dann in der Praxis bleiben, bis mein Mann mich abgeholt hatte, hing am CTG, lief drei Mal zur Toilette und veratmete die Wehen alle sieben bis acht Minuten ganz entspannt lächelnd in meiner kleinen Kapsel.
Im Krankenhaus angekommen, etwa zwei Stunden nach der ersten Wehe, wurden wir ganz lieb aufgenommen, untersucht (Muttermund vier oder fünf Zentimeter) und plauderten lange mit der Hebamme. Ich mochte sie sofort und diesmal sollte mich meine Einschätzung auch nicht täuschen. Sie war einfach großartig! Ich hatte Hunger und wurde mit einem halben Kaffee und einem Joghurt versorgt.
Ich musste mich bewegen, konnte nicht still stehen, sitzen oder liegen schon gar nicht. Die Wehen kamen mittlerweile alle zwei, drei Minuten. Ich ließ mich auf eine Untersuchung ein, die Ärztin war mittlerweile dazu gekommen. Beide Frauen schauten sich die Situation an, die Hebamme sagte „Da tun wir jetzt mal was, ja?“ und brachte die Vorblase zum platzen. Das war eine massive Erleichterung, der Druck wandelte sich sofort in den „richtigen“ Druck; in den, den man braucht, um zu wissen, dass der Kind jetzt kommt. Ich stand wieder auf und lief, schaukelte mein Becken, atmete, tönte und lief noch mehr. Wir haben uns mit der Hebamme über ihre Tochter unterhalten, über unsere Tochter und wie ähnlich die Sorgen sind, auch wenn die Kinder ein großer Altersunterschied trennt.
Irgendwann ging ich zur Toilette, es war ein winziger Raum, mehr als eine Person passte nicht hinein. Ich verrichtete mein Geschäft, wollte aufstehen, hatte eine Wehe und plumpste zurück auf die Schüssel. Es tat weh und ich stöhnte laut vor mich hin. Plötzlich wurde die Tür aufgerissen, mein Mann, die Hebamme und die Ärztin standen dort und brüllten alle drei synchron: „NICHT PRESSEN!!!“ Ich musste so sehr lachen, dass ich deswegen nicht aufstehen konnte. Sie haben mir übrigens nicht geglaubt, dass ich tatsächlich nicht gepresst hatte.
Mein Mann überredete mich bald dazu, mich aufs Kreißbett zu hocken, als die Hebamme witzelte, dass das Kind ja an der Nabelschnur hängen würde, wenn ich es stehend gebären würde. Wir lachten viel und es war alles sehr entspannt und wundervoll – so wie ich es erhofft hatte.

Eriks Geburt, Wie ist die Geburt

Bildrechte: Sarah B.

Ich kam schnell in die letzte Phase, mein Sohn und ich arbeiteten und arbeiteten und ich merkte in jeder Wehe, dass er wieder zurückrutschte. Ich sagte: „Er kommt nicht voran, da klemmt irgendwas.“
Die Hebamme nickte, redete mir gut zu, bat mich auf die Seite.
Während der nächsten Wehe fiel mir eine Situation von kurz vor Ostern ein: meine Tochter musste ausgepustete Eier mit in die Krabbelgruppe bringen. Beim auspusten sagte ich zu meinem Mann, er solle mich bei der Geburt daran erinnern, so zu atmen, wie beim Eier auspusten – das ging genau in die richtige Richtung. Ich kicherte, was kurz für Verwirrung sorgte und atmete nach der Wehe bis zur nächsten das Kind weiter nach unten, hielt ihn dort, wo er war. Ich spürte eine immense Erleichterung, das war der richtige Weg, ich merkte es genau. Zwei Wehen später hatte ich meinen Sohn auf dem Arm und blickte in hellblaue, strahlende, große Augen.

Das haben wir gut gemacht

Er hob den Kopf, schaute mich an und wir atmeten kurz durch, als würden wir beide sagen „Das haben wir gut gemacht!“. Ich war so stolz und glücklich, dieses Mal eine so tolle Geburt erleben zu dürfen. Ich hatte es nicht für möglich gehalten, doch meine Liebe teilte sich nicht. Sie wuchs. Sie explodierte regelrecht, mein Sohn war nicht nur unglaublich perfekt, er machte mich nicht nur glücklich, er zeigte mir nur wenige Momente nach seiner Geburt, dass Liebe alles bedeutet.
Erik war endlich da! Es zeigte sich, dass seine Nabelschnur sehr kurz war, deswegen kam er lange nicht voran. Ich hatte einen Dammriss, etwa 1,5cm. Wir kuschelten, lachten, schmusten, es war wirklich wundervoll! Und ich hatte riesigen Hunger.
Als die Ärztin sagte, sie wolle mich nun nähen, fing ich an zu weinen und erschrak damit alle Anwesenden (mich eingeschlossen). Ich hatte solch schlechte Erinnerungen an das Nähen nach der ersten Geburt, dass ich auch in 2015 noch völlig panisch wurde. Ich schilderte ihr die Erinnerung, äußerte meine Ängste und verkrampfte total. Mein Mann hielt meine Hand, redete mir gut zu, streichelte meinen Kopf, ich kuschelte mit Erik und die Ärztin erklärte mir jeden Schritt. Sie tat genau das, was ich beim letzten Mal so vermisst hatte, völlig ungefragt. Und sie war so gut, dass ich kaum Schmerzen hatte und mich langsam entspannen konnte. Das Nähen ging fix, die Wunde war nicht sehr tief.
Kurz danach holte mein Mann uns Abendbrot (dort in Buffet-Form), ich aß fünf Scheiben Brot, einen kleinen Salat und einen Joghurt (hihi).

So eine schöne Geburt

Nach etwa drei Stunden lagen wir im Familienzimmer und genossen die ersten Stunden. Diese wundervolle, schöne Geburt hat mich komplett rehabilitiert, was die erste Geburt angeht. Ich blicke so glücklich und entspannt darauf zurück, dass ich nur allein deswegen noch ein Kind bekommen würde.

Danke liebe Sarah für eure Geburtsgeschichte! Wie schön das diese Geburt so viel besser verlief als die davor. Danke das du die Erfahrungen mit uns teilst.

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By | 2017-06-25T17:02:46+00:00 17. Oktober 2016|Categories: Geburtsbericht|Tags: |0 Comments

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Katarina (32) ist die Mama von Motti (*2012) und Wawi (*2013) sowie Nini (*2013), dem Dino (*2017) und wohnt in der Nähe von Hamburg mit vielen Kühen als Nachbarn.
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