Geburtsbericht von Nora und Greta

Geburtsbericht von Nora und Greta

„Wenn sie einen Kopfumfang von mehr als 35cm hat tun sie sich das doch bitte nicht an“.

Ich glaube ich war in der 30. SSW als meine Frauenärztin das erste Mal für einen Kaiserschnitt plädierte. Schon Wochen vorher war klar: Greta ist ein großes Kind. Ich musste (ja warum „musste“ ich eigentlich) zum großen Zuckertest und bekam eine Überweisung ins Krankenhaus: Geburtsplanung!

Meine Schwangerschaft war komplikationslos, ich arbeitete bis zum Mutterschutz ohne Einschränkungen und genoss jede Minute. Warum hatten nur alle Angst vor meinem großen Kind? Meine Mutter hatte uns drei Fliegengewichte auch spontan entbunden. 3.800, 4.200 und 4.900gr wogen wir, geboren in Abständen von ca. 3 Jahren. Ich wusste, dass eine Geburt kein Spaziergang sein würde – war aber bis zuletzt positiv gestimmt und (wenn man das so sagen kann) angstfrei.

14 Tage vor ET war ich erneut im Krankenhaus zum Ultraschall, mein Mann arbeite, das Wetter war traumhaft und meine schöne Kugel prangte in einer leichten Sommerbluse – ich war glücklich. Wie immer wurde gemessen, die Ärztin schätzte Greta auf 4.000gr. und riet zur Einleitung am ET. Dann stockte sie. Ich hätte viel zu wenig Fruchtwasser und    das die Kindsbewegungen abnehmen würden (hatte ich das wirklich?). Sie machte das Licht an sagte sie gebe mir 48 Stunden um mich drauf einzustellen – Mittwoch Morgen werde die Geburt eingeleitet.

Ich fand mich auf dem Parkplatz wieder. Verwirrt aber ich freute mich. Übermorgen! Der 9.7.2014 – toll Greta kommt.

Am Dienstag Abend zog Deutschland ins Halbfinale ein. Mittwoch Morgen meldeten wir uns im Kreißsaal. Die Chef Hebamme machte keinen Heel daraus, dass sie nicht verstand warum eingeleitet wurde. Ich war verunsichert. Die erste Tablette bekam ich um 10.00 Uhr nochmal 2 und 14.00 Uhr. Wir gingen spazieren, der Zugang nervte. Ich wollte dass es endlich los ging. Mein Mann war noch ungeduldiger als ich es eh schon war.

Wehensturm oder so

Der Tag verstrich, das CTG am Abend zeigte einen Wehensturm den ich nicht spürte. Einen unglaublich unsympathische Hebamme klatschte vor meinem Bauch herum weil Greta wohl schlief sie aber ein waches Baby fürs CTG benötigte. Mein Mann wurde sehr nervös.
„Nein das wird heute nichts mehr, schicken Sie ihren Mann nach Hause, wir unterbrechen die Einleitung und machen morgen früh weiter“. Was???
Ich hatte eine schreckliche Nacht mit sehr wenig Schlaf. Mein Bauch war dauerhaft hart und die Kleine regte sich sehr wenig.

Die Fruchtblase platzt

Um 8.00 Uhr ging es weiter, 2 Tabletten und CTG, mein Mann kam, wir gingen spazieren und auf die Station zurück. Ich hatte erste leichte Wehen und Blutungen. Ich freute mich über die Blutungen und war mir sicher es geht jetzt los. Um 16.00 Uhr sollte wir zurück in den Kreißsaal kommen. Um 15.30 platze meine Fruchtblase und ich wurde vollkommen überrollt von der Kraft der Wehen. Im Geburtsbericht steht „starke Wehen alle 2 min“, ich wusste nicht was mit mir geschah, sank in die Knie, übergab mich = 2 cm! Die Hebamme riet mir zur PDA. Jetzt schon?

Erleichterung, ich hatte keine Angst vor der PDA, sie half. Ich sammelte Kraft, turnte am Seil und saß auf dem Ball. 21.00 Uhr = 8cm. Es ging mir gut. Die Hebamme war wenig da, es war wohl sehr viel los. Einen Bekannte aus dem Geburtsvorbereitungkurs kam mit dem Notarzt – Sturzgeburt innerhalb von 2 min im Kreißsaal nebenan.

Kurz vor Schichtwechsel bereitete die Hebamme Handtücher vor, unser Baby käme ja gleich sagte sie und lächelte liebevoll. Wann denn fragte ich? Ach bestimmt heute Nacht oder spätestens morgen Früh.

Schichtwechsel

Schichtwechsel – Stimmungswechsel. Ich bräuchte Ruhe und sollte schlafen! „Ihr Kind kommt heute nicht“. Was? Warum? Wir waren doch schon vor Stunden bei 8 cm? Naja das glaube sie eh nicht, das wären max 7cm! Mein Mann sollte sich im Kreißsaal nebenan hinlegen damit er mich nicht stört (????)! Warum wir uns das gefallen ließen? Ich weiß es nicht. Ich glaube wir waren inzwischen zu verunsichert und erschöpft. Ich konnte nicht schlafen. Natürlich nicht. Ich schaute immer wieder auf die Uhr und war viel alleine. Nach ca. 3 Stunden lies die PDA nach, das kannte ich inzwischen. Der Schmerz rollte langsam heran, kein Wehenschmerz wie ich ihn vom Nachmittag kannte… Eher wie ein schrecklicher Dauerschmerz im Unterleib und Rücken. Nach 4 Stunden wurde aufgespritzt. Wenn Ich schon nicht schlafen würde, dann solle ich mich doch zumindest alle 15 min drehen.

Irgendwas war hier doch komisch.

Die Herztöne von Greta gingen stark runter, die Ärztin setzen den Wehentropf, den man mir irgendwann angehangen hatte, runter und spritze einen Wehenhemmer. Einige Zeit später wurde der Tropf wieder angestellt.

„Das wird hier eh ein Kaiserschnitt“ sagte die Hebamme noch kurz vor Schichtwechsel und verlies ohne weiteren Kommentar den Raum. Gegen 6.00 Uhr kam mein Mann zurück und mit ihm auch eine neue Hebamme. Ich war erschöpft, kaputt von den Medikamenten, der PDA, der Angst um unsere Tochter und zwei Nächten ohne Schlaf.

Wie liegt denn das Baby? Keine Ahnung

Es kam ein wenig Bewegung in den Kreißsaal, ich sollte mir meinem Mann „Äpfelschütteln“, die Schmerzmittel tauschte die Hebamme gegen etwas hömeopathisches. Damit habe sie in der Austreibungsphase gute Erfahrungen gemacht. So sagte sei es zumindest der Ärztin die zwischenzeitlich kam. Mir erklärte sie wenig, ich hatte aber auch kaum mehr Kraft zu sprechen. Dann sollte ich mitpressen. Ich hatte keine Kraft und vielleicht sogar Angst zu sagen, dass ich keine Wehen spürte also schaute ich aufs CTG um zum richtigen Zeitpunkt zu pressen. Der Schmerz war zu einem Einheitsbrei geworden, es tat weh, sehr weh! Immer und ohne Pause. Ich wurde immer wieder untersucht, irgendwas war komisch aber ich verstand nicht was los war. Ob ich mir sicher wäre dass sie in SL 1 liegen würde? Keine Ahnung!!!! Meinten Sie diese Frage nun ernst?

Jetzt ein Kaiserschnitt? Oder doch nicht?

Um 8.00 Uhr fragte ich wie weit wir vom Kaiserschnitt entfernt wären. 2 Stunden „gäbe man mir noch“. Um 10.00 Uhr und nach unzähligen schmerzhaften Versuchen der Ärztin von außen mit dem Ellbogen mitzupressen gaben sie auf. Ja sie gaben auf, nicht ich, ich wurde auch nicht gefragt. Um 10.00 Uhr verließen sie den Kreißsaal mit dem Kommentar der OP wisse bereits Bescheid und der Anästhesist käme gleich zum Aufklärungsgespräch. Bis 11.00 Uhr
atmete ich ruhig und fast tonlos in meinen Schmerz, die Bitte meines Mannes mir doch endlich was gegen diese höllischen Schmerzen zu geben blieb unerfüllt. Ich hätte einen Wehenhemmer bekommen und könne keine Schmerzen haben. Ich habe in meinem Leben noch nicht einen solchen Schmerz empfunden und entschied für mich ganz ruhig dass es jetzt ok wäre zu sterben.

Irgendwann ging es los. Schnell wurden mir Thrombose Strümpfe angezogen, „helfen Sie doch mal mit!“ und es ging über die Gänge im Bett in den OP! In der Schleuse liebevolle Gesichter und kurz danach die Erlösung durch die Spinalanästhesie!

Um 11.31 Uhr kam Greta Lotte mit 3.800gr und 51cm als Sternengucker auf die Welt! Vor wenigen Wochen ist sie 2 Jahre alt geworden.

Nora F berichtet über ihre Geburt, Erfahrungen und ihren Geburtsbericht

Bildrechte Nora F.

Danke liebe Nora für eure Geburtsgeschichte! Danke das du deinen Geburtsbericht mit uns teilst.

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By | 2017-06-25T17:02:46+00:00 28. Oktober 2016|Categories: Geburtsbericht|0 Comments

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Katarina (32) ist die Mama von Motti (*2012) und Wawi (*2013) sowie Nini (*2013) und wohnt in der Nähe von Hamburg mit vielen Kühen als Nachbarn. Virtuell zu finden auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und Instagram.

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