Moin ihr lieben.

Ich habe heute nichts zu erzählen, und da ich euch nicht wieder mit einem „Alltag bei uns“ langweilen wollte in dem steht was wir alles nicht gemacht haben, hätte ich jetzt auch lieber nichts schreiben können. Vermutlich würden mir das jetzt auch alle raten, schliesslich liest man ständig in irgendwelchen Bloggerratgebern, dass man ja bitte nur was bloggen soll wenn man auch was zu sagen hat, natürlich nur etwas mit Mehrwert für den Leser. Das zumindest sagen die Content- und Inbound-Marketing-Fuzzis. MEHRWERT.  Andererseits wird bemängelt dass „damalsTM“ die Blogger irgendwie noch netter „frei von der Leber weg, so tagebuchmäßig“ gebloggt haben. Ja was denn nun? Schreiben woran man grade denkt („Hmm, sind das da vor dem Fenster zwei schwule Papas? Das wäre ja cool. Oh ne doch nicht, da kommt ja grade eine Horde Frauen und Kindern um die Ecke, wohl doch nicht. Schade eigentlich. Die sahen optisch gut zusammen aus.“), oder das hundertste Rezept (gibt’s auch schon bei Chefkoch), oder vielleicht eine witzige Bastelidee (die man vor Wochen auf Pinterest gesehen hat) für den Herbst, damit ich hier MEHRWERT für euch schaffe.

Äh ja. Ist mir grade nicht nach. Seht es mir also nach, wenn ich mir (zumindest heute) keine Gedanken über SEO oder Content Marketing oder sogar euch, die Leser, mache. Das mache ich nämlich an 365 Tagen im Jahr.

Heute schreibe ich also mal einfach nur über das was mir so durch den Kopf ging die letzten Tage. Zum einen twittert eine Frau, dass sie es besser fände wenn man nicht mehr „kinderlos“ sondern „kinderfrei“ sagen würde. Denn sie fände keine Kinder zu haben sei für sie kein Mangel. Mein erster Gedanke dazu war, dass das vermutlich nur Menschen sagen die keine Kinder haben. Dann dachte ich dass bei dieser Diskussion vermutlich zwei Lager aufeinander prallen werden. Dann dachte ich weiter über den Begriff ansich nach. Kinderfrei. Bedeutet das im Umkehrschluss dass man mit Kindern unfrei ist? Dass man gefangen ist?

Von aussen betrachtet mag das wohl stimmen, denke ich. Man ist tatsächlich (bis zu einem gewissen Alter der Kinder) unfreier als vorher. Mal eben spontan irgendwas machen, geht selten. Spontan geht sowieso fast eigentlich nichts mehr. Spontan ins Auto setzen bedeutet bei uns dass ich mindestens 30min Vorlauf brauche bis alle Kinder im Auto sitzen.  Spontan Einkaufen bedeutet, dass ich mit den Augen rolle und daran denke wie ätzend ich es finde drei Kinder anzuziehen, anzuschnallen, abzuschnallen, im Laden beisammen zu halten, wieder anzuschnallen, abzuschnallen und so weiter. SO BLÖD. Apropos blöd: wenn man der aktuellen Nido (https://www.nido.de/artikel/frust-statt-lust-sex-wo-bist-du/) glaubt, dann ist bei den meisten Eltern nach der Geburt der Kinder sogar Sex Mangelware. Wenn das (von aussen gesehen) nicht mal der ultimative Beweis ist dass Kinder einen unfreier machen. Die Abend-/Tages-/Wochenendplanung sieht irgendwie unsexier aus, wenn ein kleiner Stöpsel im Nebenzimmer (oder im Familienbett) oder wo auch immer (innerhalb der eigenen 4 Wände) pooft. Meistens will man ja eh auch schlafen. JA! Definitiv Mangel und weniger Freiheit.

ABER:

Bis auf wenige Momente empfindet man das nicht als Unfreiheit. Also ich zumindest nicht. So wenig wie sich jemand ohne Kinder vorstellen kann dass ein Leben mit Kinder KEINE Belastung sein kann, so wenig kann ich mir eben vorstellen DASS ein Leben ohne Kinder KEIN Mangel sein kann. Ich meine: wenn sie lachen, spielen und glucksen, wenn sie stolz und gut gelaunt durch die Wohnung tanzen, dann ist mein Leben so voll mit Glück und pupsenden Einhörner die auf Regenbogen sitzen, dass ich platzen möchte vor Glück.

Daher finde ich den Begriff  „kinderlos“ schon eigentlich ganz passend gewählt. Kinderlos ist jemand der keine Kinder hat. So wie jemand heimatlos ist der keine Heimat mehr hat. Der Obdachlose hat kein Obdach mehr und benötigt welches. Würde sich so jemand obdachfrei nennen? Vielleicht ist DAS ja eigentlich der Kern des Ganzen: kinderfrei ist vielleicht ein Begriff den man selbst wählen würde, wenn man mit der Situation zufrieden ist. Im Gegensatz zu kinderlos, was man eher wählt wenn man mit der Situation unzufrieden ist.

Frei kann man wählen. Los vielleicht nicht.

Was meint ihr dazu?

Blogprinzessin

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