Liebling die Windeln sind alle Teil 2

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„Kommt jetzt alle her!“, rufe ich, während ich versuche Marc mit dem Einkaufswagen nicht aus den Augen zu verlieren. „Nein, nicht rennen!“ „MÄDELS. KOMMT. JETZT. HIER. HER.“ Ich raufe mir die Haare und sprinte hinter Nini her, die gerade beschlossen hat Bergsteigerin zu werden. Mitten im Supermarkt.

Denn was können sich die Menschen schon anderes als „bitte hier hochklettern“ gedacht haben, wenn sie bergeweise Toilettenpapier in den Gang stellen? Das Preisschild kann allenfalls als Bestmarke in Minuten gelten. So lange hat es offenbar gedauert bis ein anderes Kleinkind es bis zum Gipfel des Klopapierberges geschafft hat. Ist doch ganz klar. Zumindest für meine Dreieinhalbjährige. Nini greift zur nächsten Lage verschweißter Klorollen. Ich setze zum Sprint an.

einkaufen mit Kindern im Supermarkt, mein handtascheninhalt

Währenddessen versucht Marc, Motti und Wawi davon abzuhalten in den engen Gängen „Fangen“ zu spielen. Sie rennen und gackern und prinzipiell ist das super, wenn sie das nur nicht zwischen den Glaskonserven machen würden.

 

Hinderlich ist außerdem, dass da noch andere Kunden im Supermarkt sind, welche entnervt mit den Augen rollen. Innerlich fragen sie sich bestimmt, ob es denn unbedingt sein musste, dass wir überhaupt mit den Kindern einkaufen gehen. Ich gebe zu, die Frage stelle ich mir beim Wochenendeinkauf auch regelmäßig, aber aus irgendeinem Grund findet mein Mann es total super, die ganze Familie aus der Höhle zu zerren.

 

Wir trotten dann meistens durch den Supermarkt hinter ihm her und schauen ihm beim Erlegen des Mammuts zu. Manchmal werfen die Kinder und ich noch steinzeitfrauensammlermäßig Dinge in den Wagen, von denen wir bis eben noch gar nicht wussten dass wir sie haben wollten. Ein kleines Brot hier, ein paar Früchte da, oh da liegen noch Putztücher am Wegesrand. Sammel-sammel-sa… „NEIN WIR BRAUCHEN KEINE GÄNSEKEULEN!!!!!“ Wo ist denn eigentlich Marc hin? Ich drehe mich suchend im Kreis. Ganz bestimmt war er eben noch neben mir. Ich laufe die Gänge ab und suche meinen Ehemann. Drei Gänge weiter kommt er mir mit Nini im Einkaufswagen fröhlich lachend entgegen. „Ich wurde wieder anerkennend angeschaut“, sagt er. Ich grummele. Denn wenn ER alleine mit den Kindern im Supermarkt ist, oder wenn es eben nur den Anschein hat, dann bekommt ER anerkennende Kommentare und Blicke wie: „Oooh wie toll! Der Vater geht mit den Kindern einkaufen. Er kann einen Fuß vor den anderen setzen UND auf die Kinder aufpassen. Super Papa!“

Wenn ICH alleine mit allen Kids einkaufen gehe, dann werde ich bestenfalls ignoriert. Meistens allerdings bekomme ich den DIE HAT DIE KINDER NICHT IM GRIFF Blick, und früher wurde sogar in der Kassenschlange philosophiert ob wir das mit der Verhütung nicht hinbekommen hätten. Das wurde Marc übrigens noch nie von jemandem gefragt. ????

Inzwischen möchte Nini wieder aus dem Einkaufswagen raus, Wawi will am Korb hängen und Motti möchte am liebsten schon zu einem Kinderspielfahrzeug hinter den Kassen gehen. Oder Luftballons haben. Oder etwas trinken. Ich möchte eigentlich nur wieder nach Hause.

„Wie hast du das früher nur alles geschafft?“, werde ich ständig gefragt. Früher war alles einfacher. Wir hatten 2 Einkaufswagen, in die genau 2 Babyschalen gepasst haben, und Motti passte in den Sitz. Keiner wollte irgendwohin.

Früher war fast alles besser. Zumindest für meine Nerven.

By | 2017-06-25T17:02:43+00:00 17. November 2016|Categories: Ich schreibe|6 Comments

About the Author:

Katarina (32) ist die Mama von Motti (*2012) und Wawi (*2013) sowie Nini (*2013), dem Dino (*2017) und wohnt in der Nähe von Hamburg mit vielen Kühen als Nachbarn. Virtuell zu finden auf Instagram, Facebook und auf Pinterest.

6 Comments

  1. Elawen am 17. November 2016 um 19:39 Uhr - Antworten

    Dem ganzen geh ich aus dem Weg, indem ich früh um halb acht, nachdem alle drei in Schule und Kiga sind, allein einkaufen gehe. ???? Muss erst viertel vor neun an Arbeit sein und alleine ist ein Wochenendeinkauf in ner halben Stunde erledigt. Mit drei zankenden Kids am Hacken dauert das dreimal so lange und kostet fünffach potenziert Nerven ???? (auch wenn der Altersabstand bei uns größer ist… Ändert nix dran…)

  2. Mary am 18. November 2016 um 10:36 Uhr - Antworten

    Genialer Blogbeitrag.Jetzthab ich wahrscheibnlich immer Kopfkino wenn ich beim einkaufen am Toilettenpapier vorbei gehe????

    Liebe Grüsse aus Köln

  3. Inga - Mama in Hamburg am 18. November 2016 um 13:28 Uhr - Antworten

    Ich finde es super, dass ihr die Kinder mitnehmt und kann gut verstehen, dass das anstrengend ist. Ich krieg ja schon hektische Flecken mit EINEM Kind, das meint, Milchtütenweitwurf spielen zu müssen.

  4. Mamamulle am 24. November 2016 um 22:46 Uhr - Antworten

    Oh das kenne ich (mit zwei Kinder)

  5. Dilek am 1. Dezember 2016 um 10:43 Uhr - Antworten

    Meine Spanischlehrerin fragte mich mal: Warum haben Hunde hier einen höheren Stellenwert als Kinder? Ich konnte ihr nicht antworten. Eigentlich weiß ich auch gar nicht ob das so stimmt…
    Allerdings habe ich Teile meines Lebens in Australien, USA, Italien und der Türkei verbracht. Aber die „bösen Blicke“ und 2 Kinder sind ok, aber „3 Kinder-muss das sein?“ Das ist schon ein Phänomen hierzulande. @Katarina: ein Blog zu den Ursachen wäre interessant 🙂

  6. […] habe ist das Einkaufen mit den Kindern wieder entspannt und schön. Davor war es…unangenehm. Schreiende, rennende Kinder die absolut nicht geschaut haben ob sie anderen vor den Wagen gerannt si…. Aber mit der neuen Regelung sind wir entspannter und die Kinder auch. Das war eine gute Idee, […]

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