Die Route wird berechnet

Lesezeit: 4 Minuten

„Nini, Wawi, Motti! Schuhe anziehen! Wir wollen lohooos!“, rufe ich. Dann laufe ich wie immer hektisch durchs Haus und suche Dinge. Erst meinen Hausschlüssel, dann den Autoschlüssel, dann muss ich auf Toilette. Kaum komme ich wieder aus dem Bad, werfen sich mir die Kinder in den Weg. „Du mir helfen? Jacke anziehen!“, verlangt Wawi. „Ich finde meine Schuhe nicht“ klagt Nini. „Mama, kann ich schon die Haustür aufmachen?“, fragt Motti. Ich helfe in Jacken, suche Schuhe. „Nein bitte noch nicht die Tür aufmachen, es ist sehr kalt draußen.“ Ich hüpfe auf einem Bein, denn natürlich habe ich vorhin grade geputzt und will ja nicht mit den Schuhen…ach Scheiß drauf. Ich laufe also zu meinem anderen Schuh. Was wollte ich noch? Ach ja den Autoschlüssel. Ich suche und suche bis ich feststelle, dass den der Mann wohl noch in seiner Hosentasche hat. Die Hose liegt oben im Schlafzimmer. In dem schläft der Mann aber grade, weil er Nachtdienste hat. Ich hechte also die Stufen hoch, möglichst leise, und suche mir den Autoschlüssel. Dann wieder runter. Jacke an, Wickeltasche geschnappt, Tür endlich auf und ab zum Auto. Die Kinder spielen im eingezäunten Garten, bis ich das Auto aus dem Carport gefahren habe.

Motor aus. Handbremse anziehen. Aussteigen. Autotüren öffnen. „Mädels einsteigen!“ rufe ich in den Garten und öffne das Gartentor. Die Kinder schießen aus allen Himmelsrichtungen auf das Auto zu. Wawi steigt als Erste ein, dann hebe ich Nini in den Reboarder und als letztes klettert Motti ins Auto. Alle angeschnallt, alles Spielzeug an Ort und Stelle? Gut dann können wir ja los.

Das wird sportlich

Ich schaue auf die Uhr. 13:20 ich wollte eigentlich 14:00 in Hamburg sein. Das wird sportlich.

Dann fällt mein Blick auf die Tankanzeige. Fast leer. HIMMEL der Mann war doch vorhin noch mit dem Auto unterwegs das muss ihm doch aufgefallen…ich rege mich wieder ab. Bringt ja eh nichts. Ich tippe noch schnell unser Ziel in die Maps App von Apple und lasse mir die Route anzeigen. Kauft eigentlich noch jemand Navis im Smartphonezeitalter, Handys sind doch so praktisch!?

„Die Route ist berechnet“ informiert mich mein Handy. Ich drücke auf „Route starten“ und wir fahren los.

Erster Halt ist die Tankstelle. Auf dem Weg dorthin fällt mir auf dass das Navi irgendwie nicht wirklich funktioniert. Ungut aber egal. Zur Tankstelle schaffe ich es noch grade ohne Navigation. „Das fängt sich bestimmt wieder“ denke ich und betanke das Auto.

Dann fahren wir Richtung Autobahn. Auf halber Strecke zur A7 hat sich das  Navi noch immer nicht gefangen. Ich fluche das erste Mal. Dann biege ich in eine Seitenstraße ein. Halte an, parke und starte die App neu. „Route ist gestartet“. Na dann kann es ja losgehen. Ich fahre wieder an und nach einigen Minuten erreichen wir die Autobahn. Nach wenigen Metern auf der Autobahn (in einer Baustelle) ist klar: Berechnet ist die Route zwar, GPS auch an, aber die Information wann ich wo raus/hin muss sagt mir mein Handy trotzdem nicht. Aber was will man machen, anhalten ist im fließenden Verkehr der Baustelle auf der Autobahn nicht möglich.

Ich rolle mit den Kindern also in eine ungewisse Zukunft. Denn natürlich habe ich mir NICHT die genaue Strecke gemerkt wie ich nach Winterhude komme. Winterhude liegt quasi direkt an der Alster, schön mitten in der Innenstadt Hamburgs. Zum Wohnen super, zum Autofahren die Hölle. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass wir es NIEMALS pünktlich schaffen werden. Bei 120km/h auf der Autobahn bekomme ich meinen ersten Wutanfall.

Unser neues Auto

Ich fahre also auf eine Raststätte und starte das Handy komplett neu. „Route ist berechnet! Route ist gestartet!“ verkündet mir das Telefon. Die Route ist blau eingezeichnet, der meinen Standort markierende Pfeil ist blau hinterlegt und bewegt sich. Ich schwenke wieder auf die Autobahn. Auf der Autobahn angekommen springt der Pfeil höhnisch im Kreis, behauptet ich sei auf der parallel verlaufenden Bundesstraße und nicht auf der Autobahn, springt vor und zurück. Dann erlischt das blau im Pfeil und ein nutzloser grauer Pfeil bewegt sich einfach nicht mehr. Wutanfall Nummer 2 bahnt sich bei mir an.

Ja, anno dazumal hatte man Straßenkarten aus Papier. Ganz ehrlich? Die wären mit drei Kleinkindern im Auto auch jetzt nutzlos, denn wer sollte mir denn sagen ob man jetzt rechts oder links über die vier Spuren abbiegen muss? Röchtöch! Keiner, denn niemand außer mir kann lesen. Oder verlässlich rechts und links unterscheiden.

Inzwischen sind wir so doll zu spät das ich vor Verzweiflung fast ins Lenkrad beißen möchte. Aber ich schwenke wieder auf die nächste Raststätte, informiere meinen Termin das mein Navi streikt und diesmal lade ich mir Google Maps runter. Ja Google Maps auf mein iPhone. Was will man machen, wenn einen der Apfel im Stich lässt. Ich gebe zum hundertfünfzigsten Mal an diesem Tag meine Adresse ein und höre „Die Route ist berechnet. Die Route ist gestartet“ und die Kinder auf der Rückbank stellen ernüchtert fest: „Wir stecken ganz schön fest, Mama.“. Ich seufze, atme durch und hoffe das es nicht an meinem GPS liegt. Ich starte den Motor und wir reihen uns wieder in den laufenden Verkehr auf der Autobahn ein. Ich linse zum Navi.

Der Pfeil bewegt sich! Er bewegt sich! ER BEWEGT SICH!!!! HABT IHR DAS GESEHEN? ER BWEGT SICH! Ich möchte vor Freude tanzen. Geht aber nicht, denn ich fahre ja Auto. „Juhuuuuuu“ jubel ich und beschleunige das Auto. Wir schaffen das locker zu unserem Termin. Haben ja nur 130 Minuten Verspätung, ein Schlachtschiff von einem Auto und Winterhude (immer besetzte) Parkplätze so klein wie Streichholzschachteln. Das wird schon. Immerhin ist die Route berechnet.

xo,

Katarina

By | 2017-06-25T17:02:38+00:00 29. November 2016|Categories: Familienleben|4 Comments

About the Author:

Katarina (32) ist die Mama von Motti (*2012) und Wawi (*2013) sowie Nini (*2013), dem Dino (*2017) und wohnt in der Nähe von Hamburg mit vielen Kühen als Nachbarn. Virtuell zu finden auf Instagram, Facebook und auf Pinterest.

4 Comments

  1. Inga - Mama in Hamburg am 29. November 2016 um 21:06 Uhr - Antworten

    Argh, fürchterlich, wenn die Technik so versagt. Ich hatte das mal auf dem Weg zu einer Freundin nach äh… irgendein ganz ganz kleines Kaff, so ein zwei Häuser „Dorf“. Kurz vor dem Ziel konnte kein GPS Signal mehr empfangen werden und dann stand ich da, im Dunkeln mitten auf dem Feldweg. Glücklicherweise konnte sie von Zuhause aus in weiter Ferne ein Auto sehen „Mach mal Licht aus und wieder an – ja, das bist du, dann weiß ich, wo du bist“ und dann wurde ich übers Handy von ihr navigiert. Immerhin hatte ich da wenigstens Handynetz.

  2. Mamamulle am 29. November 2016 um 23:08 Uhr - Antworten

    Vielleicht wäre ein „festes“ Navi gar nicht so schlecht für unter den Tannenbaum. 😀 Ich vertraue den Handys da nicht und nehme immer lieber das richtige Navi… da kann ich auch besser drauf gucken. ^^

  3. Evi am 30. November 2016 um 15:29 Uhr - Antworten

    OMG! Erinnert mich an eine Fahrt neulich mit meinem Freund (in diesem Fall war unsere Tochter zum Glück nicht dabei!!)……wir hatten einen sportlichen Zeitplan und konnten die geplante Strecke wegen eines riesen Unfalls nicht fahren. Also das IPhone mit Google Maps angeschmissen und los. Leider führte es uns in MEINEN Augen in die völlig falsche Richtung. Das erste Ende vom Lied: Im Kreis Gefahre, Gebrüll im Auto und ein durch´s Auto fliegendes Iphone, so wütend war ich.
    Das endgültige Ende vom Lied: Google Maps hatte Recht mit der Strecke, zwischen uns war 3 Stunden Funkstille, wir kamen trotzdem noch pünktlich und mussten dann beide über den verkorksten Start lachen.
    Muss ich auch nicht so schnell wieder haben 😉

    LG Evi

  4. Inga - Mama in Hamburg am 1. Dezember 2016 um 14:53 Uhr - Antworten

    Das von mir geschilderte Erlebnis war übrigens mit „richtigem Navi“ – um hier aufkeimende Hoffnungen zu zerstören 😉

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