Geburtsbericht: Alanas Geburt

In den letzten beiden Wochen vor der Geburt hatte ich es immer wieder nachts mit Vorwehen (wie fiese Regelschmerzen) und verstärktem Ausfluss zu tun gehabt. Dies war dann auch der Grund, weswegen ich beim Vorgespräch in der Klinik für einen geplanten Kaiserschnitt auf Grund der Beckenendlage unserer Tochter, für den früheren Termin, den 10.10.2014 um 14 Uhr bei 38+3 Ssw war.

Der Grillabend

Am Abend des 28.09.2014, nach einem Grillabend, war solche Unruhe im Bauch, dass ich schon zu meinem Mann meinte: „ Entweder, die Kleine macht sich eher auf den Weg, oder sie versucht sich noch zu drehen.“ Bisher hatte ich nämlich eher eine kleine Schlafmütze im Bauch, die sich ab und an mal hin und hergeschoben oder einen Schluckauf gehabt hat. Die Nacht verlief aber dann recht ruhig. Ich wollte trotzdem am nächsten Morgen nach Konstanz zur Vertretung meines Frauenarztes, um den Ausfluss abklären zu lassen.
Als mein Mann sich morgens auf den Weg zur Arbeit bei mir mit den Worten verabschiedete, er habe kaum noch Akku auf seinem Handy, riet ich ihm halb im Scherz sein Ladegerät mitzunehmen, falls die Fruchtblase platzt. Ich ahnte noch nicht, wie Recht ich damit behalten sollte…

Ab ins Krankenhaus

Eine Stunde später verlor ich wahrscheinlich meinen Schleimpfropf auf der Toilette. Da mir das unheimlich war, und ich so ein unbestimmtes Gefühl hatte, rief ich im Kreissaal Singen an, in dem ich elf Tage später den Termin zum Kaiserschnitt hatte. Da hieß es, ich solle vorbei kommen und da ich keine Wehen hatte, konnte ich auch selbst hinfahren. Vorher warnte ich telefonisch meinen Mann vor, dass ich zur Abklärung in die Klinik fahre.
In der Klinik schickte man mich zum Anmelden erstmal hin und her, sodass ich mich verlief und zwei Treppen hinunter nehmen musste. Im Kreißsaal angekommen, wurde mit einem Ph Teststreifen überprüft, ob ich bereits Fruchtwasser verliere. Dieser fiel negativ aus. Also sollte ich erstmal ans CTG.
Dort fiel mir sofort auf, dass die kindlichen Herztöne nicht wie sonst bei 130-150 lagen, sondern bei 150-170. Das schien jedoch niemanden zu beunruhigen. Nach fünf Minuten am CTG bekam ich Wehen. Gleich bei der ersten machte es zwischen meinen Beinen „plopp“ und es lief, als würde man sich in die Hose machen. Ich sagte der Schwester dann auch, als sie kurz darauf ins Zimmer kam, dass jetzt wohl die Fruchtblase ganz sicher geplatzt sei. Da meine Hose und die Liege schon nass waren, bekam ich eine Einmalunterhose und mehrere Einlagen. Der Test auf Fruchtwasser fiel dieses Mal positiv aus.

Kurze Zeit später kam eine Assistenzärztin, um einen Ultraschall zu machen. Meine Kleine lag nach wie vor in Beckenendlage und es war schon weniger Fruchtwasser erkennbar. Die Ärztin fragte mich, ob und wie oft ich schon Wehen hätte. Ich meinte, dass das doch das CTG aufzeichne, woraufhin die Ärztin antwortete, dass sie da eher auf die Aussage der Frau hören. Somit gab ich alle 5-10 Minuten Wehen an. Also wurde noch mein Muttermund untersucht. Dieser war innerhalb einer Stunde bei 3 cm geöffnet. Ich solle meinen Mann anrufen, hieß es. Und er solle meine Kliniktasche mitbringen. Gesagt, getan. Mein armer Mann stürmte aus seiner Besprechung, fuhr mit dem Rad zu uns, holte die Kliniktasche und die Unterlagen für den Kaiserschnitt, die ich beim letzten Termin mitbekommen und teilweise schon ausgefüllt hatte, und fuhr mit dem Taxi ins Krankenhaus. Schließlich hatte ich ja das Auto genommen, um in die Klinik zu fahren.
Währenddessen rief ich noch schnell meine Mutter an, ehe ich die paar Meter in den Kreissaal ging. Dort ging ich ins Bad (ich hatte ständig das Gefühl mal zu müssen) und zog das OP Hemd an, und eine Schwesternschülerin half mir im Bett in die weißen OP Strümpfe. In der Zeit kam dann auch mein Mann. Da die Wehen immer heftiger wurden, wurde mir ein Zugang gelegt und Wehen Hemmer intravenös verabreicht. In der Zeit füllten mein Mann und ich noch die OP Unterlagen fertig aus.

Die Oberärztin kam und untersuchte erneut den Muttermund, welcher mittlerweile 3,5-4 cm geöffnet war. Als ich meinte, ich müsse nochmal zur Toilette vor der OP, meinte sie, den Druck, den ich spüre, löse mein Kind aus, das immer tiefer ins Becken rutscht. Ich solle somit liegen bleiben. Fünf Minuten später kam der Anästhesist und klärte uns über die (meiner Meinung nach sehr heftigen) Nebenwirkungen der Spinalanästhesie auf. Mir blieb ja eh keine Wahl, aber ganz wohl war mir danach nicht mehr. Zum Glück holten sie mich keine zehn Minuten später zur OP ab. Ich küsste meinen Mann zum Abschied (er wollte lieber im Kreißsaal warten) und wurde die Türen weiter über den Flur geschoben, um in einem Vorraum auf den OP Tisch mit Beinschienen zu krabbeln.
Im OP musste ich mich dann auf die Kante des Tisches setzen und die Füße auf einem Hocker abstellen. Dann sollte ich einen Katzenbuckel machen und ganz still halten, auch wenn eine Wehe käme. Der Anästhesist schmierte meinen Rücken mehrmals mit Jod ein, bevor er mir eine kleine Betäubungsspritze in den unteren Rücken gab. Bei dieser fühlte ich kurz einen kleinen „Schlag“ ins rechte Bein und ich zuckte kurz. Sofort schärfte mir die OP-Schwester ein, mich bei der nächsten Spritze, der Spinalanästhesie, keinen Millimeter zu bewegen. Dies tat ich dann auch brav. Beim Setzen der spinalen spürte ich wenn überhaupt nur einen minimalen Druck, und schon wurden meine Füße warm. Schnell breitete sich die Wärme immer weiter nach Oben aus und als ich mich zurück auf die OP- Liege legte, brauchte ich Hilfe meine Beine zurück in die Schienen zu legen. Sie wurden bereits taub, ähnlich wie beim Zahnarzt die Lippe.

Das Burgfräulein

Ich bemerkte noch, dass man vom OP aus durch das Fenster einen Blick auf den Hohentwiel und die Burgruine hatte. (Seitdem nennen meine Eltern meine Kleine Burgfräulein). Daraufhin wurde ich verkabelt (Blutdruck, EKG etc.), der Katheter gelegt (etwas unangenehmes Gefühl) und ein blaues Laken wurde vor mein Gesicht auf Brusthöhe gespannt. Der Anästhesist meinte noch zu mir, ich solle Bescheid geben, wenn mir schwindelig werden würde und testete immer wieder mit Eis Spray, wie weit die Spinal hochgewandert war. Das Spray als solches durfte ich merken, die Kälte nicht. Als die Spinale oben angekommen war, verspürte ich im Nacken einen unangenehmen Druck, wie bei einem steifen Hals. Das sei wohl normal, laut Anästhesisten. Ich fragte, ob auch wirklich erst sichergestellt wird, dass die Spinale wirkt, ehe losgelegt wird und ob ich in den Bauch gekniffen werde.

Die Geburt

Das amüsierte den Anästhesisten und er meinte klar, die Oberärztin kneift gerne Leute, warnt mich aber nicht vor.
Nach einer Weile hatte ich ein Rauschen in den Ohren. Dies sagte ich dem Anästhesisten an meinem Kopf und er maß erneut Blutdruck. Daraufhin spritzte er mir etwas in den Zugang, wovon meine Wangen wieder warm von der Durchblutung wurden. Mein Blutdruck war kurz von 80 auf 60 runter gerutscht, meinte er dann. Gleich darauf fragte er mich, ob ich etwas spüre und schaute über das Laken. Ich meinte nur, dass ich spüre, dass etwas gemacht wird, mehr nicht. Da grinste der Anästhesist mich an und meinte, dass wenn ich wirklich etwas spüren würde, ich jetzt nicht so ruhig da liegen würde…
„Wir haben schon angefangen!“ ertönte im nächsten Moment die Stimme der Oberärztin hinter dem Laken. „Wenn wir das Kind gleich holen, und das ist bald soweit, müssen wir oben etwas auf Ihren Bauch drücken und schieben.“ Prompt wurde mir flau. Schließlich war ich nicht nüchtern. Ich hatte ja morgens ein Toast mit Nutella gefrühstückt, was ich auch brav vorher gebeichtet hatte. (Lügen, ich hätte was Gesundes gefrühstückt, wäre eh zwecklos, wenn ich durch die Narkose spucken hätte müssen). Der Anästhesist beruhigte mich, er habe eine Spucktüte parat, doch ich wurde von den Worten: „ Da haben wir das Baby!“ und einem Babyschrei abgelenkt. Ich lauschte fasziniert und hörte: „ Da ist die junge Dame!“ Es bleibt ein Mädchen!

Keine Geschlechtsüberraschung, schoss es mir durch den Kopf. Und dann tauchte meine kleine Tochter im Arm einer OP- Schwester links neben mir auf. Ganz mit weißer Käseschmiere überzogen, aber für 36+6 Ssw ziemlich „propper“ in meinen Augen. „Wow! Du warst in mir drin? Wo hast du denn hingepasst?“ entfuhr es mir. „Wir machen kurz einige Untersuchungen und dann bringen wir Ihnen die Kleine kurz zum Kuscheln, ehe sie zum Papa in den Kreissaal kommt.“ meinte die OP-Schwester und trug meine Kleine zu einem Untersuchungstisch hinter mir. Unterdessen gratulierten mir der Anästhesist und die junge Praktikantin an meinem Kopf. Ich verdrehte mir derweil den Kopf, um meine Kleine bei der U1 zu sehen. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, sodass ich nervös wurde und fragte, ob alles in Ordnung sei mit der Kleinen. Der Anästhesist erkundigte ich für mich und erhielt die Antwort: „ Alles gut!“

Hinter dem Laken waren mittlerweile laute Sauggeräusche zu hören und ich konnte mir nicht verkneifen hinüber zu rufen, sie könnten gerne etwas Bauchfett mit absaugen. Dem folgte bloß irritiertes Schweigen, bis ich „War ein Scherz!“ kleinlaut hinzufügte. (Wer weiß. Vielleicht tüftelte die Oberärztin im Kopf schon einen Kostenvoranschlag für eine Bauchstraffung aus?)

Danach brachten sie mir meine Kleine, eingewickelt in ein Handtuch. Den linken Arm, an dem der Zugang lag, banden sie mir los, sich sie sodass ich sie vorsichtig streicheln konnte, während die Praktikantin an meinem Kopf sie hielt. Ich war überwältigt. Aber geweint habe ich nicht. Es war so surreal. Sie war so wunderschön! Sie war da! Meine Tochter. Ich konnte es noch gar nicht fassen.
„Wie soll sie denn heißen?“ wurde ich gefragt. „Alana N.“, sprach ich den Namen meiner Tochter das erste Mal vor Fremden laut aus. (Bisher kannten ihn nur mein Mann und ich). „Mit Bindestrich?“ wurde nachgefragt. „Ohne“, antwortete ich und schaute weiter versonnen dieses wunderschöne Baby an.

Nach zehn Minuten hieß es, sie seien dabei die letzte Schicht zu zunähen und dass Alana jetzt in den Kreißsaal zum Papa käme. Ich würde gleich nachkommen. Kaum war die Schwester mit meiner Tochter draußen, fing ich an zu zittern. Meine Muskeln liessen sich kaum noch kontrollieren. Es hätte nur noch gefehlt, dass meine Zähne laut klappern. Ich entschuldigte mich und erhielt die Antwort, das sei immer so, wenn die Anspannung abfällt. Nach einer Weile waren sie mit dem Zunähen fertig und ich wurde wieder in den Vorraum geschoben. Da ich von der Brust abwärts gelähmt war, wuchteten sie mich mit vereinten Kräften zurück ins Bett. Ich machte noch Scherze, ich sei eine Schweinehälfte die rumgewuchtet wird und dann verabschiedete sich das OP Team und ich würde die fünf Meter in den Kreißsaal geschoben.
Dort saß mein Mann mit unserer Tochter im Arm und hatte Tränen in den Augen. Da ich noch so zitterte, musste er sie weiter halten, während er sich zu mir ans Bett setzte, damit ich sie sehen konnte. So saßen wir eine Weile und genossen unser Glück.

Später kam eine Schwester und badete Alana, damit sie die Käseschmiere loswurde. Danach wurde sie mir auf die Brust gelegt in nichts, als einem Handtuch und ich konnte sie das erste Mal anlegen. Dies war ein traumhafter Moment. Ich war überglücklich und musste meine Süße immer wieder ansehen.

Die zwei Stunden im Kreißsaal vergingen wie im Flug. Ich bekam ein neues Nachthemd angezogen und wurde im Bett (die Beine waren noch taub) mit Alana im Arm über den Flur zur Wöchnerinnenstation in unser Zimmer gefahren.
Meine Beine kamen Stück für Stück von Oben nach Unten wieder. Die Schmerzen waren unangenehm, ließen sich durch Ibuprofen und Paracetamol aber gut aushalten. Aufstehen klappte an dem Tag noch nicht, aber am nächsten Morgen, sodass mir dann am Nachmittag der Katheter gezogen werden konnte. Die Schmerzen wurden mit jedem Aufstehen besser, sodass ich Alana am dritten Tag bereits allein versorgte und am vierten entlassen wurde. Die Kleine war und ist die beste Motivation wieder fit zu werden.

Neugeborenes greift nach Finger nach der Geburt

Bildrechte: Verena P.

Danke liebe Verena für eure wunderbare Geburtsgeschichte! Danke das du deinen Geburtsbericht mit uns teilst. Meine Erinnerungen an meine Kaiserschnitte sind ähnlich, nur das ich bei beiden Schwangerschaften noch keine Wehen hatte. Ansonsten lief es bei uns fast genauso wie bei dir ab. (Mottis GeburtZwillinge Geburt)

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By |2017-06-25T17:02:28+00:001. Februar 2017|Categories: Geburtsbericht|1 Kommentar
Blogprinzessin ist der Blog mit nordischem Schnack. Ich berichte hier, ohne mich selbst zu Ernst zu nehmen, über meinen Alltag als Mama von 4 Kindern zwischen 6 und 1 Jahr(en).Virtuell bin ich zu finden auf Twitter, Instagram, Facebook und auf Pinterest. Erfahre mehr über mich

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  1. Idas Geburt - Blogprinzessin am 16. März 2017 um 13:17 Uhr - Antworten

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