lesen lernen vor der schule, vorschulheft mit Buchstaben

Lernen vor der Schule? Ist das ein Problem?

Lesezeit: 12 Minuten

Ungefähr immer, wenn ich in den sozialen Netzwerken ein Foto hochlade, auf dem Motti Buchstaben übt/Zahlen malt oder sich nach der Funktionsweise einer Uhr erkundigt, bekomme ich besorgte Rückfragen von Eltern.

lesen lernen vor der schule, vorschulheft mit Buchstaben

Lernen vor der Schule

„Hast du keine Angst das sie sich später in der Schule langweilt?“

„Denkst du das DAS gut ist so?“

„DAS würde ich aber lieber nicht machen, sie langweilt sich sonst vielleicht.“

„Da sie nicht in den Kindergarten geht, hast du nicht Angst das sie sich dann in der Schule langweilt, wenn sie jetzt schon Buchstaben lernt?“

Da ich ja keine anonyme bloggende Maschine bin, sondern auch nur eine Mutter, verunsichern mich solche Kommentare manchmal. Gebe ich ganz offen zu. Denn ja: Sie ist ja nicht im Kindergarten. Was weiß ich was die da in der Vorschule machen? Ich habe noch kein Kind eingeschult, keine Ahnung ob sie sich langweilen würde!

Mein Bauchgefühl sagt mir ganz deutlich, dass ich sie nicht davon abhalten möchte wenn sie aus eigenem Antrieb etwas lernen will. Dazu bin ich inzwischen vielleicht zu sehr in dem „freies Lernen“ „unschooling“ oder „Schulfrei“ Gedankengut drin. Aber ich denke mir meistens, dass man einem Baby ja auch nicht sagt: „Nein du darfst jetzt nicht krabbeln lernen! Dann langweilst du dich nachher in der Krabbelgruppe.“

Aber manchmal, Nachts kommen die Zweifel eben doch. Weil ich ein Mensch bin, eine Mutter bin und ich ja eigentlich nur das Beste will. Wie wir alle.

Um diese Zweifel ein für alle Mal zu beseitigen, habe ich rumgefragt ob jemand Grundschullehrer kennt, die mir ein paar Fragen beantworten würden. Und es fanden sich im Facebook Freundeskreis einige. Ich möchte noch betonen, dass ich alle unabhängig von einander befragt habe und keiner die Antworten des anderen kannte. Auch habe ich einfach die Antworten genommen, die sie mir gegeben haben, ich habe nicht aussortiert welche mir am besten in mein Weltbild passt. (Nur so der Vollständigkeit halber).

 

Darf mein Kind schon vor der Schule lernen?  Ist lesen lernen vor der Schule ein Problem?

Die Interviewpartner

Julia ist Sonderpädagogin an einer Grundschule im Gemeinsamen Lernen (Kinder mit Förderbedarfen und ohne) in Köln. An ihrer Schule wird Vielfalt als Chance gelebt. Als Sonderpädagogin ist sie zwar keine Grundschullehrerin im eigentlichen Sinne, hat aber gleichermaßen mit Förderkindern und nicht-Förderkindern zu tun. Julia hat also auf die Förderung und Forderung von Kindern mit ihren Stärken und Entwicklungsbedarfen einen besonderen Blick. An ihrer Schule machen Julia und ihre Kollegen sicherlich nicht alles perfekt, sie befinden sich aber auf einem ganz guten Weg.

Karolin ist Rektorin an einer Grundschule und hat selber jahrelang 1. und 2. Klassen unterrichtet.

Steffi ist Grundschullehrerin.

 

Langweilen sich wissensdurstige Kinder wirklich später in der Schule?

Julia: In einer Schule, in der jeder Schüler individuell gefördert wird, langweilen sich Kinder wie eure Motti ganz sicher später nicht. In meinen Augen sind für Kinder mit enormen Wissensdurst Schulen sinnvoll, die freie Lernzeiten nicht nur im Konzept verankert haben, sondern es auch wirklich leben. In einer Schule, in der entwicklungsverzögerte Förderkinder genauso gut gefördert werden wie die, die schon viel wissen und können, werden Unterrichtsinhalte an die einzelnen Schüler (oder zumindestens an kleine Gruppen mit ähnlichem Entwicklungsstand) angepasst. In unserer Schule arbeiten wir schon sehr nah an den skandinavischen Vorbildern und unterrichten z.b. in jeder Klasse jahrgansstufenübergreifend. Es sind also gemischte Klassen (18-20 Kinder) von der 1. bis zur 4.Klasse und noch bis zu 5 Kindern mit unterschiedlichen Förderbedarfen (Lernen, Geistige Entwicklung,…).

Jeder lernt so ziemlich in seinem Tempo. Das bedeutet: eine Motti, die schon ganz viel kann und weiß, Buchstaben schreibt und vllt sogar schon etwas liest, bekommt den Stoff, der sie weiterbringt. Ein anderes Kind kann das alles noch nicht und fängt von vorne an. Dafür ist Motti in Mathe vielleicht noch nicht so weit, ein anders Kind rechnet aber schon im Zahlenraum 20. Jeder also so, wie er kann.

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Bei uns langweilt sich keiner, sondern wir holen unsere Schüler ab, wo sie stehen. Wir haben auch eine Schuleingangsphase, die je nach Schüler bis zu 3 Jahre dauern kann. In einer „alten“ Schule, mit „alten“ Prinzipien langweilen sich wissensdurstige Kinder vielleicht eher. Wenn eben noch sehr konventionell gearbeitet wird, es jahrgangsklassen gibt, sehr frontal und lehrerbezogen Deutsch und Mathe unterrichtet wird, sieht das meistens (noch) anders aus.

Karolin: Hier kann ich ganz klar sagen: Nein, sie langweilen sich nicht. Dies kann ich sowohl in meiner Funktion als Rektorin und langjährige Klassenlehrerin in den Klassenstufen 1 und 2 als auch als Mutter bestätigen. Meine Tochter konnte bereits mit 4 Jahren lesen, weil sie schon immer ein ausgeprägtes, eigenmotiviertes Interesse an Buchstaben hatte. Sie fragte ständig nach, hatte ein riesiges Bedürfnis, dieses Wissen aufzusaugen. Meine Tochter wurde differenziert unterrichtet. Genau das ist die Aufgabe der Lehrer. Wir Lehrer müssen jedes Kind dort abholen, wo es steht.

Steffi: Nicht mehr oder weniger als sonst. Langeweile tritt in allen Phasen des Lebens auf, mal ist Schule langweilig weil man einen guten Lauf hat und mal
„Anstrengend“ weil es viel Neues auf einmal ist. Langeweile fördert Wissensdurst und Kreativität. Davon profitieren Lehrer und Mitschüler. Viele Kollegen und ich bieten freiwillige Arbeiten an. Ein Thema erarbeiten und einen Vortrag halten, ein Experiment erklären, einen Bericht oder eine Geschichte schreiben, Mathematikrätsel… es gibt so unendlich viel ergänzend zum Schulstoff.

 

In vielen Kindergärten gibt es meines Wissens nach auch ein „Vorschuljahr“ müssten sich diese Kinder dann nicht auch langweilen?

Julia: So weit ich weiß (aber da musst du mal Erzieher fragen) besteht die Vorschule eher aus „Buchstaben oder Zahlen ausmalen“ und nicht dem selbstständigen Schreiben, Lesen oder Rechnen. Sie malen Bilder üben den Schulweg zu gehen und dann hört es fast schon auf. So ist zumindestens meine Erfahrung mit Kindern, die im Kindergarten in der „Vorschule“ waren. Die können meistens auch nicht mehr (oder weniger) als andere Kinder ohne Kindergarten oder ohne Vorschule im Kindergarten.

Karolin: Wenn man jedes Kind individuell betrachtet und dementsprechend fördert und mit Materialien, Inhalten und Aufgaben fördert, langweilen sich auch diese Kinder nicht.

Steffi: Das Vorschuljahr ist überall anders. In einem
Kindergarten wird intensiv auf die Schule vorbereitet, in anderen eher nicht. Meine Tochter dachte, Vorschule sei wie Schule und wurde schwer enttäuscht – das Programm war für sie nicht wie sie sich das erwünscht hat. Das Vorschuljahr ist eine sensible Zeit.

Das Kind spürt, dass sich bald vieles ändert, spürt diesen „besonderen Status“ im Kindergarten und zuhause. Jetzt bin ich groß! denkt es und gerade jetzt braucht es viel Annahme von Erzieherinnen und Eltern. Langeweile im letzten tritt Kindergartenjahr meinen Beobachtungen und Erfahrungen nach sehr häufig auf. Es wird Zeit für den Wechsel und für neues. Das Input im Kindergarten reicht nicht mehr, das Wissen muss sich weiter entwickeln.

 

 Wäre es nicht schädlicher sie in ihrem Wissensdurst zu bremsen und ständig zu sagen „Das darf dich noch nicht interessieren du bist dafür zu klein“?

Julia: Ich glaube ziemlich sicher, dass es für die Psyche schädlich sein könnte, wenn Kinder in ihrer ganz individuellen Entwicklung gehemmt, gestoppt oder gebremst werden. Wissensdurst muss gelöscht werden.

Karolin: Da stimme ich dir zu. Ich kann nur dazu aufrufen, das eigene, intrinsisch motivierte Interesse der Kinder niemals auszubremsen. Sie werden ihre gesunde Neugier sonst verlieren und aufgeben. Und das wäre so unendlich schade.

Steffi: Da scheiden sich die Geister. Nehmen wir mal ein Beispiel aus dem Kleinkindalter. Das Kind will rutschen, will die Erfahrung, kann aber die Rutsche nicht allein hoch. Ich gehe dann daher und setze es drauf und es rutscht – prima. Der Wissensdurst ist gestillt.
Die fast fünfjährige WILL schreiben – und es würde sie tief treffen, würde ich ihr sagen: Nein. Das ist nichts für Dich. Du bist zu klein.
Ich finde das greift in ihre Persönlichkeit hinein, in ihre Gefühlswelt, die ihr etwas ganz anderes sagt als sie fühlt. Wissen kennt kein Alter. Einer 67 jährigen Analphabetin würde man auch kaum sagen sie sei zu alt um was zu lernen. Lernen tun wir jeden Tag. Wissbegierige Kinder sollen ihr Wissen bekommen, so wie sie es brauchen und einfordern. Wissensdurst stoppen führt zu Frustration und zu dem Gefühl nicht ernst genommen zu werden. Das wäre fatal später in der Schule.

 

Wie finde ich das richtige Übungsmaterial für (m)ein wissenshungriges Kind?

Julia: Das kommt natürlich immer auf das Kind an. Als Lehrerin empfehle ich nie diese normalen Vorschulhefte, die man überall kaufen kann. Eltern sollten sich eher an den Vorkursen der „echten“ Lehrwerke aus den Schulen orientieren. Für ganz viele Lehrwerke gibt es inzwischen schon Vorkurs-Hefte, die eigentlich für Schüler sind, die noch nicht das normale Wissen eines frisch-eingeschulten 1. Klässlers haben und noch etwas „aufarbeiten“müssen.

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Sowieso würde ich auch tatsächlich noch nicht so viel lesen, schreiben und rechnen in Heften üben, sondern lieber handelndes Material (nach Montessori) anbieten. Vieles muss man nicht teuer kaufen, sondern kann zahlreiche Dinge selbst herstellen.

Karolin: Hier hilft dir die Kooperationslehrerin weiter, die für deine Grundschule bzw. deinen Kindergarten zuständig ist. Oft haben auch die Erzieherinnen gute Tipps.

Steffi: Das kommt tatsächlich darauf an „wie weit“ ein Kind ist und wo die Interessensschwerpunkte liegen. Man kann sich auch nicht immer auf Altersangaben verlassen. Es gibt Kinder, die sind vier und lösen Puzzle für achtjährige und umgekehrt. Auf keinen Fall sollten Übungen Kinder überfordern.

Was aber wichtig ist: es sollte zum späteren Unterrichtsmaterial passen, denn oftmals verwirren Kinder wenn sie sich zwar früh einen Lernstil aneignen (was nicht schlimm ist) und die Lehrerin in der Schule völlig anders verfährt. Schule spielen und sich langsam an das neue System herantasten finden viele Kinder gut. Man kann auch direkt in der Schule nach dem
Lernkonzept fragen und danach Material aussuchen. Wichtig ist: immer mit dem Kind zusammen nach Übungsmaterial schauen. So kann das Kind auch gut selbst herausfinden, auf welche Art es gerne lernen möchte.

 

Wie geht man später damit um, wenn sich das Kind wirklich im Unterricht langweilen sollte? (Kann ja passieren)

Julia: Am besten findest du natürlicheine tolle, moderne Schule, die sehr individuell arbeitet. Keine Jahrgangsklassen, viel individuelle Förderung, freie Lernzeiten. Schön wäre eben, wenn jeder daran arbeitet, was gerade für ihn Thema ist. Ja, wenn du die nicht findest, müssten sehr leistungsstarke Kinder eine ggf. Eine Klasse überspringen.

In den meisten Fällen ist das aber erfahrungsgemäß für das Sozialverhalten oder das Lern- und Arbeitsverhalten, die intrinsiche Motivation und auch die sozialen Kontakte bedenklich. Irgendwas bleibt da dann auf der Strecke. Im Unterrichtsstoff sind die Kinder oft weit, in vielen anderen Bereichen dann aber nicht. Aber auch das gehört ja eben zur Reife – nicht nur der Wissenstand.

Karolin: Sollte sich ein Kind wirklich langweilen, muss natürlich unbedingt gehandelt werden. Man kann mit der Lehrkraft besprechen, dass das Kind ggf. in einzelnen Fächern nach dem Lehrplan der nächsthöheren Klassenstufe beschult wird bzw. mit entsprechendem Material versorgt wird, das sich von dem der anderen Schüler unterscheidet. Besteht die Langeweile in allen Fächern, kann eine Klasse übersprungen werden, auch zur Probe, um zu sehen, ob das der richtige Weg ist.

Steffi: Dann ist das eine Weile so. Wie oben beschrieben gehen immer mehr Lehrer zu freiwilligen Aufgaben über, lassen in Gruppen Themen erarbeiten und selbst recherchieren. Eine sehr gute Sache gegen Langeweile.

 

Wie ist es mit den Hausaufgaben? Ist sowas in der Grundschule überhaupt noch üblich? Wie lange sollten diese etwa dauern (pro Fach) und wie sehr sollen Eltern „helfen“?

Julia: Hausaufgaben gibt es bei uns keine. Wir haben aber auch einen offenen Ganztag mit einer Lernzeit nach dem Mittagessen. An anderen Schule gibt es sicherlich Hausaufgaben. Das ist aber überall anders. Ich bin kein Freund von Hausaufgaben. Es entsteht in vielen Fällen nur Frust. Frust bei allen Beteiligten und forciert auch Streit und Auseinandersetzungen in der Familie mit den Eltern.

Helfen sollten Eltern so wenig wie möglich inhaltlich. Wenn mal ein Lernplakat gestaltet werden soll, dann können Eltern schon helfend beraten. Fotos ausdrucken, mit dem Kind eine Checkliste anlegen was alles drauf könnte, Ideen für die Gestaltung und auch das Üben/Anhören des Vortrags. Aber sie sollten natürlich nicht für die Kinder die Arbeit machen und dann die guten Noten einheimsen.

Karolin: An meine Schule sind tägliche Hausaufgaben in den Hauptfächern üblich. Von der Dauer ist das abhängig von der Klassenstufe. In Klasse 1 empfehlen wir eine Dauer von insgesamt 30 Minuten pro Tag. Hier ist kein Anmalen mit inbegriffen, sondern rechnen und schreiben

Steffi: Ich bin ein Befürworter von Hausaufgaben. Zum einen bleiben so die Eltern nah am Schulgeschehen, zum anderen wird so nochmal vertieft was morgens gelernt wurde und kann sich so besser einprägen. Hausaufgaben leiten gut dazu an, zuhause nochmal was zu tun, verhelfen dem Kind herauszufinden wo es noch Schwächen hat – ich finde es sehr wichtig, dass ein Kind dies selbst erkennen kann.

Hausaufgaben dauern im ersten Schuljahr in der Regel 30 Minuten. Das steigert sich im Laufe der Schulzeit. Für mich persönlich ist es zwar wichtig, dass nach 30 Minuten die Aufgaben beendet werden, egal ob sie fertig sind oder nicht, ABER mit der Zeit sollten die Kinder lernen, ihre Aufgaben zu beenden. Hierzu nutze ich gern die Motivation der ersten Tage. Positive Verstärkung ist die beste Motivation seine Aufgaben zu erledigen. Mit welchem Ergebnis ist für mich eher zweitrangig.

 

Wie stehst du zum „Schreiben lernen nach Gehör“? Das gibt es hier oben an einigen Schulen und ich selbst bin sehr unschlüssig wie ich das finden soll zumal dann wohl in der 4. Klasse eh wieder auf „normale“ Rechtschreibung umgestellt wird.

Julia: Jeder Schüler lernt anders, aber natürlich legt sich eine Schule auf eine Methode fest. „Schreiben nach Gehör“ mit Anlauttabelle machen wir auch in der ersten Zeit. Es ist entwicklungsbiologisch z.B normal, dass Kinder die Vokale nicht hören und dann beim freien Schreiben auch nicht aufschreiben. Spätestens der 2. Klasse üben wir dann aber schon gezielt die ersten Rechtschreibstrategien. Nicht mit Drill, ist aber ständig auch Thema. Wir machen mit dieser Methode nicht per se schlechte Erfahrungen, haben aber auch Schüler, die einen anderen Zugang benötigen. Auch das muss man als Lehrer irgendwie bemerken und dann verändern.

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Karolin: Ich bin gegen diese Schreiblernmethode. Sie birgt zu viel Fehlerpotential. Die Kinder sollen und können von Anfang an das richtige Schreiben (also nach Regeln) lernen. Ich plädiere für die Silbenmethode. Sie ist nachweislich eine der führenden Methoden, um lesen und somit auch schreiben zu lernen. Auch Kinder mit einer angeborenen Lese-Rechtschreib-Schwäche können mit dieser Methode leichter lesen und schreiben lernen.

Unsere Kultusministerin betonte erst jetzt im Dezember erneut, dass wir in unserer täglichen Arbeit von Anfang an auf korrekte Rechtschreibung bei den Kindern achten sollen und sehr großen Wert darauf legen müssen. Also schon ab Klasse 1 und nicht erst in Klasse 4. Wir machen das an meiner Schule ohnehin, aber das zeigt doch, dass es eine große Bedeutung hat. Kinder können ohne Probleme „verkraften“, dass man sie von Anfang an auf Schreibfehler hinweist und diese korrigiert. Sie prägen sich ansonsten falsche Wortbilder ein und es ist dann viel schwieriger, diese später zu korrigieren.

Steffi: Ich habe ein Kind, welches Dinge, die es einmal gelernt hat nicht mehr so schnell ändert. Das Schreiben nach Gehör hat bei meinem  Kind leider dafür gesorgt, dass es im zweiten Schuljahr massive Probleme mit Lesen und Rechtschreibung hat. Aufgrund unseres Schulsystems in meinem Bundesland muss ich aber so Unterrichten.

Wir Lehrer stehen aber nicht zu 100% dahinter. Denn: hat es sich einmal eingebrannt Fenzda statt Fenster zu schreiben, dann ist das erstmal so drin. Kommt in einem Lesetext das Wort „Fenster“ vor ist es sehr schwer es korrekt zu erkennen. Bei meinemeigenen Kind korrigiere ich daher direkt – und zeige im Lesebuch das „richtige“ Wort.

In meinem Unterricht arbeite ich viel mit Silbenbögen und spreche jedes Wort deutlich aus. So kann ich manches Kind ganz von selbst darauf bringen dass es Fen – stER heißt. Manchmal klingt mein Unterricht daher etwas seltsam – aber sie lernen was dabei. Wir lernen spielerisch am Anfang und steigern uns zum Ende dann „in den Ernst des Lebens“…. und wir haben vier ganze Jahre Zeit um ihnen schreiben beizubringen – es muss nach der ersten Klasse nicht alles „sitzen“.

 

 Sonst noch einen Tipp den du Eltern von Vorschulkindern gerne mitgeben möchtest?

Julia: Ich würde allen Eltern erstmal immer raten, gelassen zu bleiben. Klingt blöd, meine ich aber genauso. Eigentlich sollen Kinder spielen, spielen, spielen – so lange sie können, denn der „Ernst“ des Lebens startet noch früh genug. Schule ist so eine deutliche Umstellung und als Lehrerin merke ich immer wieder, dass einige Kinder noch nicht schulreif sind und lieber noch ein weiteres Jahr hätten spielen, forschen, kennenlernen, experimentieren, malen und rennen müssen. Es scheitert weniger am Wissen oder an der Lernmotivation als am Stillsitzen und leise sein. Das gehört zur Schule unweigerlich dazu – da kann man noch so eine moderne Didaktik lieben und leben. Knapp 30 Schüler, die alle in ihrer Lautstärke reden, ist für niemanden angenehm. Oft ist ein gewisses Alter auch gar nicht ausschlaggebend. Das deutsche Schulsystem hat leider Stichtage, die eigentlich keine wirkliche Richtschnur darstellen. Wenn sich ein Kind allerdings ganz von selbst für Buchstaben und Zahlen interessiert und wahnsinnig wissensdurstig ist, sollte dieser natürlich gestillt und das Kind „gefüttert“ werden. Wie oben gesagt, sollte es eher spielend und handelnd sein, finde ich. Außerdem sind die freiverkäuflichen Vorschulhefte oder irgendwelche ausgedruckten Arbeitsblätter in meinen Augen weniger sinnvoll. Wenn es etwas zu Schreinen sein soll, schaut euch lieber etwas in den Schulbuchverlagen um.

Karolin: Hier gibt es ganz viel Tipps: https://dachbuben.com/2015/08/18/rueckstellung-oder-einschulung-oder-ist-mein-kind-schulfaehig/

Steffi: Ja. Schaut euch die Schulen an und hospitiert im Unterricht. Habt keine Angst vor Fragen- für euch ist Schule so neu für euer Kind. Lasst die Kinder in Ruhe anfangen, sich neu sortieren und in der Klasse seinen Platz finden. Habt keine Angst vor Lerntiefs – erzählt ihnen von eurer Schulzeit und lacht über Fenzda und Orkesta – denn man lernt besser, wenn man Spaß hat!

Mädchen lacht und freut sich

Vielen Dank für eure Antworten. Ich gebe zu: Ich bin sehr froh das mein Bauchgefühl mit „Ich lass sie mal machen“ mich nicht getäuscht hat. Ich hoffe das dieses Interview dazu beiträgt, dass weniger Eltern Angst haben ihren Kindern Fragen zu beantworten, wenn diese die Fragen oder Interessen von vor dem Schuleintritt haben.

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Blogprinzessin ist der Blog mit nordischem Schnack. Ich berichte hier, ohne mich selbst zu Ernst zu nehmen, über meinen Alltag als Mama von 4 Kindern zwischen 6 und 1 Jahr(en).Virtuell bin ich zu finden auf Twitter, Instagram, Facebook und auf Pinterest. Erfahre mehr über mich

26 Comments

  1. Naddel

    Toller Artikel!! Ich geb da mal unser Praxis Beispiel dazu. Unser Kindergarten war super bis zu dem Moment wo fast alle „alten“ Erzieherinnen gegen neue Ausgetauscht wurden! Sie waren lieb,das ist wichtig aber viel mehr kam nicht rüber! Die kinder mochten sie ,auch total wichtig aber nicht ausreichend! Der Knaller kam dann als die eine zu mir sagte sie hätten spielerisch mit Buchstaben und Zahlen hantiert,das wurde jetzt immer einmal die Woche passieren (5 Monate vor Einschulung) aber so Kinder wie meine Tochter und ihre Freundin A. Müsste man ausbremsen,die langweilen sich dann in der Schule….. Ich war sprachlos !!!
    Dann kam die Einschulung! Meine Tochter war als einzige nicht in der Klasse aus ihrem Kindergarten,weil sie aus einem anderen Dorf kommt und die Klassen nach Wohnort sortiert werden! Erst war ich sauer ,später war es unser Glück! Die Kinder mit denen sie jetzt zusammen war hattenvein richtiges Vorschuljahr und kamen mit den Aufgaben im buch viel besser zurecht und somit steckten sie auch die Umstellung von kiga auf Schule viel besser weg! Meine war zwar jetzt die die am wenigsten konnte wurde aber ihrem Wissendurst entsprechen endlich gefördert und holte schnell auf! Trotzdem merkte ich deutlich wie das Ausbremsen im kiga schaden angerichtet hatte
    Die klasse ihres Kindergartens hing zum Ende des Schuljahres immer noch dem Stoff hinterher und die Kinder sind nicht doof oder extra förderungsbedürftig,sie wurden nur lediglich in ihrer Neugier und lernlust gedrosselt und das schlägt sich nieder!
    Zudem kam auch das das bisschen was gemacht wurde,auch über schreiben nach hören war und sich ganz fest eingebrannt hatte ein a anstatt er am Ende
    Das hat lange gedauert es zu löschen…..
    Das ist natürlich nur die Kurzfassung der Geschichte
    Also mein Resümee des ganzen ist,Kinder können nicht zu viel wissen,sollten sie tatsächlich eine Art Überflieger sein,dann können sie ja eine Klasse überspringen aber im Allgemeinen haben sie immer noch genug zu lernen in der ersten Klasse und die Umstellung ist auch nicht zu verachten! Außerdem denke ich Erfolgserlebnisse in der ersten Klasse machen mehr Lust auf die zweite…. Schwieriger wird es von ganz alleine und Rückschlage gibts noch genug!

    1. Katarina

      Hallo Naddel,
      danke für deine Erfahrungen. Ich glaube auch nicht, das sich meine Mädels dann in der Schule langweilen würden, denn sie müssen ja noch so viele andere Dinge lernen. Wo ist die Toilette, wie komme ich da hin, was macht man auf dem Pausenhof, wie heißt meine Lehrer/in etc. Dazu kommen ja dann noch die ganzen anderen Fächer, die sie zu Hause eben noch nicht haben.

      Und wie du sagst: Rückschläge gibt es noch genug!

  2. mie

    Ich hab mit unserer Kinderärztin darüber gesprochen und sie meinte, dass man alles fördern darf was vom Kind selbst kommt. Das heißt wenn mein Kind sich mit 3 bereits für Buchstaben interessiert und fragt was das für Buchstaben sind dann, kann, soll und darf ich mich mit ihm hinsetzen und es ihm erklären. Wenn er dann welche schreiben möchte und es einfordert helfe ich ihm dabei, wenn nicht- dann nicht.
    Er bestimmt das Tempo.
    Ich möchte ihm seine Neugier auch gar nicht kaputt machen

    1. Katarina

      Hallo Mie,

      ich finde deine Kinderärztin hat da total recht. Gezielt „üben“ im Sinne von: So jetzt eine Stunde Zahlen und morgen dann eine Stunde Buchstaben, finde ich auch nicht gut. Aber wenn ich gefragt werde „Was ist denn das für ein Buchstabe“ oder „Wie spät ist es jetzt“ dann antworte ich schon darauf und kratzel die Mädels nicht ab mit einem „Das darfst du erst in der Schule wissen“.

      Ich stelle es mir sogar hinderlich vor, wenn man die Neugierde kaputt macht und das Kind dann schon vor der Schule keine Lust mehr aufs lernen hat.

  3. Judith

    Ein sehr schöner Artikel. Vielen DANK für die Beantwortung der Fragen, die auch mir um Kopf herumschwirrten. Es zeigt sich immer wieder dasselbe, egal worum es geht oder wie alt die Kinder sind: Geht eine Mutter nach Ihrem Bauchgefühl, macht Sie nichts verkehrt! Meine Tochter hat sich auch eine Weile für Zahlen und Buchstaben inkl. Rechnen und Schreiben interessiert, im Moment sind wieder andere Dinge interessant. Also lass ich es darauf beruhen, bis sie wieder Schule spielen einfordert.

    1. Katarina

      Hallo Judith,

      ich habe auch festgestellt, das lernen hier in Phasen abläuft. Mal ist wochenlang ein Thema interessant, und dann wieder wochenlang nicht. Und relativ verlässlich kommt dann irgendwann wieder eine Phase in der schreiben, rechnen oder Buchstaben interessant sind.

  4. Karin

    Ein wirklich toller Artikel. Danke dafür!
    Was mich jetzt interessieren würde: was gibst du Motti zum „Lernen“?
    In deinem Artikel wurden die Vorschulhefte ja etwas abgewertet. Mein Sohn liebt die u macht die rasend schnell u mit Begeisterung durch. Find das auch nach wie vor iO so, vor Allem auch weils ihm so Spaß macht!
    Aber Alternativen währen interessant.
    Vielleicht magst du ja darüber was Schreiben.
    GlG
    Karin

    1. Katarina

      Liebe Karin,

      bisher machen „wir“ tatsächlich auch nur diese Vorschulhefte. Eine meiner Interviewpartnerinnen empfahl mir jetzt aber, mal in der Grundschule anzurufen und zu fragen ob diese bestimmte Hefte oder Bücher empfehlen würden. Denn wenn man manches erst in diesen Heften SO lernt und dann in der Schule anders, kann das die Kinder frustrieren weil sie glauben das sie es jahrelang (vor der Schule) falsch gemacht haben.

      Liebe Grüße,
      Katarina

  5. Steffen

    ich freu mich darüber, dass die intrinsische motivation der kinder inzwischen offenbar mehr und umfassender gewürdigt und gefördert wird. das lässt hoffen, selbstbewusste und robuste generationen können folgen.
    dass ich zielsetzung und rahmenbedingungen von schule nach wie vor reformbedürftig finde, schlägt in die gleiche kerbe. wie heißt es so schön: „der ernst des lebens“ beginne noch früh genug, die kinder mögen so lange es eben geht spielen… nach wessen einschätzung muss es beginnen? und mit was? was genau daran soll keinen spaß machen und ernst sein? mir erschließt sich die notwendigkeit (noch?) nicht, nach der kinder fakten auswendig lernen müssen. wenn sie ein defizit spüren, wird sie ihre neugierde von ganz allein in den neugierdemodus treiben. und dann lernen sie, woran sie bisher einen mangel verspürten. oder nicht?
    ich hab noch keine kinder im schulalter. ich hab keine ahnung, was da so um die ecke kommt. und mein bauch sagt, das steht und fällt eh mit den menschen, die dort umherwuseln. schaunmermal. 🙂
    bis dahin lernen die kids munter, wonach ihnen ist: k1 kann fast alle buchstaben und erschließt sich selbst eigene worte, k2 interessiert sowas nicht die bohne, kann nicht mal die farben, weil es schlichtweg kein interesse daran hat. dafür fuddelt es sämtliche verschlüsse auf und zu, an denen sein älteres geschwisterkind noch immer verzweifelt.

    1. Katarina

      Hallo Steffen,

      „dass ich zielsetzung und rahmenbedingungen von schule nach wie vor reformbedürftig finde, schlägt in die gleiche Kerbe.


      wenn sie ein defizit spüren, wird sie ihre neugierde von ganz allein in den neugierdemodus treiben. und dann lernen sie, woran sie bisher einen mangel verspürten. oder nicht?“

      Da kann ich dir nur 100% zustimmen. Es gibt so einiges was ich am aktuellen Schulsystem unsinnig finde. Hachja.

      Liebe Grüße,
      Katarina

  6. Anne

    Danke für das tolle und umfangreiche Interview. Laura kommt in Sommer in die Schule. Seit einiger Zeit lernt sie selbständig Lesen und Schreiben (nach Gehör) und ist schon richtig gut. Wir unterstützen nur bei Aufforderung. Warum sollten wir sie bremsen? Dann langweilt sie sich jetzt…in der Schule muss man schauen,dass sie entsprechend Futter kriegen, hoffe die Schule fängt das auf…
    Von der Vorschulgruppe in der Kita ist sie enttäuscht und – was ich schlimm finde – da wird jetzt schon Druck aufgebaut. Es gibt wöchentlich mehrere Arbeitsblätter als Hausaufgabe und wer Montags die Mappe nicht mitbringt oder nicht alles geschafft hat wird „bestraft“ und bekommt keinen Aufkleber. Es wurde „im Scherz“ gedroht, wer die Mappe dreimal nicht dabei hat fliegt aus der Gruppe. Die Kids haben aber nicht gecheckt,dass es ein Scherz war und inzwischen ist Laura echt genervt von der Vorschularbeit….

    1. Katarina

      Hallo Anne,

      ojemine. Das klingt aber gar nicht nach einer guten Lernumgebung, sondern nach Stress und die Lust am lernen kaputtmachen. Haben die Erzieher mal gesagt wieso diese Arbeitsblätter zu Hause gemacht werden müssen? Wieso reicht es nicht diese in der Kita zu machen?

      Liebe Grüße,
      Katarina

  7. Mama Maus

    Hallo Katharina,

    Ich habe mittlerweile einen ganz anderen Blick auf die Frage, ob Kinder vor der Schule lernen sollten. Meine Antwort ist: Ja, das sollten sie auf jeden Fall. Allerdings weiß ich auch, dass die individuelle Forderung in der Schule nicht immer so reibungslos klappt, wie von deinen Interviewpartner idealistisch dargestellt.

    Meine ausführlichen Gedanken und unseren aktuellen Leidensweg habe ich auf dem Blog unter http://kinder-kueche-kaufrausch.blogspot.com/2017/03/nachtrag-zu-spa-am-lernen-ein-rant-auf.html genauer beschrieben.

    Ich hoffe, bei euch läuft das alles besser und wir sind ein bedauerlicher Einzelfall.

    Viele Grüße
    Mama Maus

    1. Katarina

      Hallo Mama Maus,

      nach deinem Bericht hoffe ich sehr, dass es leider nur ein Einzelfall bei euch ist. Wobei ich fürchte, dass es eben leider noch kein Einzelfall ist. Wenn du nichts dagegen hast, würde ich deinen Beitrag an die Interviewpartnerinnen schicken. Vielleicht haben die ja eine Idee wie die Situation bei euch verbessert werden kann?

      Liebe Grüße,
      Katarina

  8. Jana

    Ich frage mich immer wieder, warum man bei manchen Themen nicht einfach machen lässt. Wenn es das Kind will, wissbegierig ist… warum nicht, wenn es das Kind nicht will, weil es damit einfach noch gar nichts anfangen kann, dann eben nicht. Wir lernen auch jeden Tag mit unserem 2 1/2 Jährigen. Weil er es fordert. Mama zählen. Nochmal. Nochmal… und dann zählen wir auf Deutsch auf Englisch, lernen Farben.. einfach, weil es eine Art Spiel ist 🙂
    Jeder so, wie er will! 🙂

    1. Katarina

      Hallo Jana,

      ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wieso jeder meint das es zu irgendwas „Experten“ gibt. In diesem Fall sind offenbar Erzieher und Lehrer die einzigen Experten die gut genug beurteilen können was man mit seinem Kind darf und was gut für es ist und was nicht. Außerdem glaube ich das heutzutage viele Eltern Angst haben, etwas falsch zu machen. Fehler zu machen, die ihrem Kind im Nachhinein vielleicht die Zukunft verbauen. Vielleicht haben wir verlernt auf uns selbst zu vertrauen, und denken daher das andere besser wissen was für unser Kind richtig ist, als wir selbst?

  9. Lamasus

    Hallo,
    gutes Interview. Gerade, weil deine Kinder ja nicht in die Kita gehen, finde ich es so wichtig, sie richtig zuhause zu fördern und nicht nur mitlaufen zu lassen So haben sie in der Schule keinen Nachteil.
    Und warum nicht gleich in die 2. Klasse einschulen, wenn die Kinder schon lesen können und sich tatsächlich langweilen sollen? Ich sehe darin absolut kein Problem.
    Wenn die Kinder was wissen wollen, wer sind wir Eltern ihnen das zu verwehren?
    In der Kita würden sie es von den Vorschülern mitbekommen, was zählen und den eigenen Namen schreiben ist.
    Lamasus

    1. Katarina

      Hallo Lamasus,

      „In der Kita würden sie es von den Vorschülern mitbekommen, was zählen und den eigenen Namen schreiben ist.“

      Das denke ich eben auch. Vorallam aber, wieso sollte ich sie „aufhalten“ wenn sie doch etwas lernen wollen? Ich sage ja auch nicht: Nein, du darfst dich noch nicht alleine anziehen, dafür bist du noch zu klein.

      Liebe Grüße,
      Katarina

  10. Mädelsmama

    Liebe Katharina,
    meine älteste Tochter besucht eine Montessori Grundschule und die mittlere wird diesen Sommer dort eingeschult. Deswegen muss ich mir überhaupt keine Gedanken machen, ob meine Kinder zu Schulbeginn zu viel oder zu wenig wussten. Durch die jeden Tag stattfindende Freiarbeit können jedem Kind gezielt Aufgaben gestellt und jedes Kind kann dort abgeholt werden, wo es steht. In jeder Klasse gibt es alle Jahrgänge von 1-4, sodass ein Kind im Klassenverband verbleiben kann, falls es notwendig ist, ein Schuljahr zu wiederholen oder überspringen. Alles in allem bin ich sehr begeistert von dem Konzept und könnte mir nichts anderes mehr vorstellen. Gibt es bei euch im Umkreis vielleicht auch eine Montessori Schule? Am Tag der offenen Tür wäre ja eine prma Gelegenheit, sie einmal anzuschauen. Liebe Grüße!

  11. Maria von OstSeeRäuberBande

    Hallo Katarina,
    auch wenn der Artikel nicht ganz aktuell ist, möchte ich dazu antworten. Wir waren vor einem Jahr in derselben Situation und ich habe sie auch, ganz vom Thema Freilernen angetan, machen lassen und mit gemeinsam ausgewählten ialien unterstützt. Sicherheitshalber hab ich sogar in ihrer Grundschule angefragt und von der (mittlerweile ehemaligen) Schulleitunge bestätigt bekommen, dass solcher kindlicher Lerneifer wunderbar ist und ich sie machen lassen soll. Und konnte sie mit Schulstart kurze Worte lesen und vieles Rechnen.
    Leider sind wir damit auf die Nase gefallen. Sie hat sich furchtbar gelangweilt und ihre Klassenlehrerin ist uns nicht mit individueller Förderung entgegen gekommen. „Sie wird sich schon daran gewöhnen.“ Es gipfelte darin, dass unsere Prinzessin sich morgens im Obergeschoss an eine Tür festgekrallt hat um nicht unten in Richtung Schule geschickt zu werden… Und das wir mehr den je vom Freilernen überzeugt sind, aber noch auf der Suche nach einem Weg. Letztendlich haben wir nach und nach einen Weg gefunden, mit der schwierigen Schulsituation umgehen zu können. Und jetzt geht sie meistens freiwillig. Doch ich wäre so gerne auf diese Probleme vorbereitet gewesen und deshalb hab ich dir davon berichtet. Nicht um dich zu verunsichern, sondern um zu betonen wie wichtig es ist, eine gute Schule auszusuchen. Und sich darauf vorzubereiten, dass da trotz bester Vorbereitung möglicher Weise Probleme auf euch zukommen werden, weil kleine, schlaue Freigeister nicht so gut in das System Schule passen. Diese Probleme kann man aber auch zusammen mit den Kind lösen, wenn man das Kind nur ausreichend ernst nimmt und daran beteiligt. Wenn du mehr dazu wissen willst, melde dich gerne per Mail. Ich möchte meiner Tochter zuliebe aktuell nicht mehr online veröffentlichen.
    Ich wünsche euch noch ein paar wunderschöne freie Monate und ein glückliches Händchen bei der Wahl der Schule.
    Viele Grüße aus Kiel,
    Maria von OstSeeRäuberBande

    1. Katarina

      DANKE Maria für deine Erfahrungen! Mir geht es nie darum meine Meinung bestätigt zu bekommen, sondern eben um den Austausch mit euch. Damit man eben alle Seiten eines Thema kennenlernt.

      Die Befürchtung das schlaue Freigeister nicht unbedingt ins Schulsystem so wie es aktuell ist passen, habe ich leider auch.

      Liebe Grüße,
      Katarina

  12. Steffi

    Bie uns sind es weniger die Buchstaben, auch wenn er da schon einige kennt und ab und zu mal fragt, bei uns ist es das Rechnen. Ich bin selbst Mathelehrerin und man könnte meinen, dass ich das extra fördern würde, aber nein. Das kommt alles von meinem Sohn selbst. Er fragt mich, was nach einer Million kommt, wie viele Zahlen es gibt, wie viel die Hälfte von 30 ist und was 5 mal 8. Natürlich beantworte ich ihm seine Fragen. Mittlerweile kann er schon multiplizieren, auf seine eigene Art und ich bin mir sicher, dass er sich im Matheunterricht langweilen wird, wenn die Lehrer nicht gut binnendifferenziert arbeiten können. Im Endeffekt hängt das also immer an der Lehrkraft. Außerdem lernt jedes Kind anders schnell, so dass man eh nie alle auf einem Stand haben kann. Bei mir im Gymnasium ist das noch ausgeprägter.
    LG Steffi

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